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Dienstag den 20. Juni.
M 71.
berhessischer Anzeiger.
Enthält die amtlichen Erlasse für den Kreis Friedberg.
Friedberger Intelligenzblatt.
Erscheint jeden Dienstag, Donnerstag und Samstag,
7 Amtlicher Theil. Aus dem Großherzoglichen Regierungsblatte sind zu publieiren:
F 19. sub. 1. Bekanntmachung, die Steuervergütung bet der Ausfuhr von inländischem Branntwein betr.— sub. 2. Bekanntmachung, die Vereinigung der Großherzoglichen Ober⸗Steuerdireklion und der Großherzoglichen Ober-Zolldireknon zu einer Behörde betr.
Friedberg den 17. Juni 1871.
Großherzogliches Kreisamt Friedberg. Trapp.
Nachverzeichnete Gesetze ꝛc. sind im Bundesgesetzblatt des Deutschen Reiches publieirt worden: a Nr. 23. Nr. 645. Allerhöchfer Erlaß vom 20. Mai 1871 betr. die Stiftung einer Kriegsdenkmünze für die Feldzüge 1870 und 1811.— Nr. 646. Aller⸗ böchfter Erlaß vom 22. Mal 1871 betr. die Verleibung des Anspruchs auf die Kriegsdenkmünze für Nichtcombattanten an die nach dem Statut nicht berechtigten
Offiziere, Aerzte, Beamten und Mennschaften der deutschen Armeen und der Marine.— Nr. 647.
Allerhöchster Erlaß vom 22. Mai 1871 betr. die Verleihung des
Anspruchs auf die Kriegsdenkmünze für Nichtcombattanten an Hof- und Civil⸗Staatsbeamte, an Angestellte der Privat⸗Eisenbabngesellschaften, an die Johanniter- und
Maltbeser-Ritter ꝛc.— Nr. 648. Gesetz, betr. die Feststellung des Haushalts⸗Etats des deutschen Reichs für das Jahr 1871. Bekanntmachung, detr. allgemeine polizesliche Bestimmungen über die Anlegung von Dampfkesseln. Vom 29. Mat 1871.— Nr. 23 des Reichsgesetzblattes: 1) Anweisung, die Medieinalgewichte deu. Nr. 32 des Bundesgesetzblatio) und zur Eichgebübrentaxe vom 12. Dezember 1869(Besondere
Reichs bauptkasse.
5 Vom 1. Junt 1871.— Besondere Betlage zu Nr. 2) Nachträge zur Eichordnung vom 16. Juli 1869(Besondere Betlage zu
Vom 31. Mai 1871.— Nr. 649. 650. Bekanntmachung, betr. die Vom 6. Mat 1871.
Beilage zu Nr. 40 des Bundesgesetzblatis für 1869). Vom 6. Mai 1871. 3) Zweiter Nachtrag zur Taxe vom 12. Dezember 1869.
Das Ende Junt dieses Jabres fällige Holzgeld, don 2 bis 5 Uhr an das unterzeichnete Rentamt bezahlt werden.
Bekanntmachung.
mit dem Bemerken bekannt machen zu lassen, daß nach dem 15. Juni d. J. die Mahnung erfolgt.
Friedberg den 18. Juni 1871.
kann an den bestimmten Zahltagen Dienstags und Donnerstags Morgens von 8 bis 12 und Nachmittags Die Großberzoglichen Bürgermeisereien werden ersucht, dieses im Interesse ihrer Ortsangehörigen
Großherzogliches Rentamt Friedberg. Lindec.
Deutsches Reich.
Darmstad t. Die„H. V.“ bringen folgende Mit heilung vom 16. d. über den Einzug unserer gessischen Truppen in Mannheim: Nachdem die Quartiermacher der hessischen Division unsere Stadt gestern theils durchschritten, theils durch- ritten hatten, trafen die ersten Truppen geschlossener Tolonnen heute Morgen kurz vor 12 Uhr in ziesiger Stadt ein, empfangen nicht allein durch auten Zuruf der Bevölkerung, sondern auch durch teichen Flaggenschmuck sowohl hier, wie in der Schwesterstadt Ludwigshafen. Was ich Ihnen don den Quartiermachern sagte, gilt in demsel— den Maße von allen Mannschaften. Dieselben sahen in der That brillant aus, wie Rrieger und Helden im wahren Sinne des Wortes. Von dem Stadt-Commando Mannbeim empfangen, zwei badische Militärmusi⸗ len an der Spitze, rückten die Sieger von Mars la Tours, Gravelotte, Vionville, Blois, Chambord hier ein. Vorcrst das 1. und 2. Infanterie-Re⸗ giment, dann die Pionier-Compagnie, das 1. Jäger- bataillon und die ꝛeitende Batterie. Letztere rückte weiter nach Freudenheim am Neckar. Rückwärts liegen noch das 3. Regiment, zur Hälfte heute in Speyer(2. Bataillon), zum Theil in Ludwigs: bafen(1. und 2. Compagnie nebst Stab dieses Regiments) Vielleicht interessirt es Ihre Leser noch zu erfahren, daß in Folge der zum Einzug n Berlin abrommandirten Offiziere der preußische Oberst v. Winkler die Division, Oberstlieutenant Kullmann die 1. und Oberst Kraus die 2. Brigade ührt. Die Einwohner der nächstgelegenen hessischen Orte haben sich natürlich massenhaft hier einge— unden, um ihre Söhne und Brüder zu begrüßen.
5 Friedberg, 19. Juni. Bezüglich der unsere Stadt so wesentlich interessirenden Garnisonsan- gelegen beit hat am 17 d. M. Abends im Hertlein'schen Locale eine Besprechung stattgefunden, im Gefolge welcher eine von der gesammten Bürgerschaft zu uuterschreibende Adresse an S. K. H. den Groß- verzog ergehen soll. Diese Adresse ist bereits ent- worfen und wird dem Stadtrath heute Abend vorgelegt und von morgen an zur Unterzeichnung lolportirt werden. Die Einwohnerschaft Fried- zergs ist hierbei so sehr interessirt, daß man hofft, ie werde sich Jeder, dem am Wohlergehen der
Stadt Etwas gelegen ist, unterschriftlich bethei⸗ igen. Die fragliche Adresse soll dem Großzherzog K. H.
durch eine vom Stadtrath aus der Bürger- schaft zu erwählende Deputation sofort überreicht werden.
Auch bei dem Gr. Kriegsministerium sollen
auf die fragliche Angelegenheit sich beziehende Schritte geschehen, denen freilich durch kadelnde, aus Friedberg datirte Artikel in dem Wetterauer Boten und der Frankfurter Presse schlecht vorge- arbeitet wird. Zum Mindesten erscheint jener Tadel voreilig, da bis jetzt noch gar Niemand wissen kann, Wer die Schuld an der Nichtbe⸗ rücksichtigung Friedbergs trägt. V Friedberg, 19. Juni. Die Ersatzcom⸗ pagnie des 1. Jägerbataillons ist heute Morgens 4½ Uhr unter Führung ihres Commandeurs, Haupt mann Euler, nach der Residenz Darmstadt ab- marschirt. Die Stadt Friedberg hat somit faktisch aufgehört, unter die Garnisonsstädte des Groß herzogthums zu zählen, nachdem dieselbe länger als 60 Jahre sich dieser Bevorzugung erfreuen konnte. Zu den Dienstleistungen während der Dauer der Anwesenheit S. K. H. des Groß— herzogs ist ein Detachement des 2. Infanterie- regiments commandirt und in einer Stärke von 65 Mann gestern Nachmittag schon von Gießen eingetroffen.
Mainz. Von bessischen Truppen sind hier eingetroffen die Ersatzeompagnie des 2. Jäger— bataillons(seither in Offenbach), das Ersatzbataillon des 4. Infanterie-Regiments. Die Mannschaft des letzteren ist seit gestern zum gewöhnlichen Dienste in Bewachung zc. herangezogen worden. Das Regiment selbst hat in den mehr gegen Rhein und Main liegenden Gemeinden des Kreises Groß— gerau Cantonnements bezogen, da es vorerst fac tisch unmöglich ist, die Mannschaften hier unter— zubringen. Schon die oben bezeichneten liegen in Außenforts. Das 19. Regiment dürfte in acht Tagen abmarschiren und dann das 4. Regi— ment einrücken.
Worms, 16. Juni. Auch zum Empfang des 2. Bataillons des Hessischen 4. Infanterie Regiments, welches heute Nacht hier ankam, hatte sich eine gleich zuhlreiche Menge wie gestern zur Be— grüßung des 1. Bat. eingefunden. Nach halbstündigem Aufenthalte, während dessen das Erfrischungscomite die Ossiziere und Mannschaften bewirthete, fuhr der Zug nach Oppenheim weiter; von dort mar- schirten die Truppen in Quartiere der Umgegend.
Zu Ehren des am Sonntag Vor- mittag in unsere Stadt einziehenden 1. Hess. In⸗ fanterie-Regiments werden zwei Ehrenpforten er⸗ richtet, die eine am Speyererthor, die andere am Anfange der Kämmererstraße. Ueberall regen sich fleißige Hände, um die Stadt in ihr schönstes Festgewand zu büllen.— Das Ersatzbataillon des 1. Infanterie-Regiments ist heute in der Frühe von hier abmarschirt.
Berlin. Die bei Schluß des Reichstages vom Kaiser gehaltene Thronrede lautet:„Geehrte Herren! Als ich Sie vor drei Monaten an dieser Stelle begrüßte, bezeichnete ich es als den ehren⸗ vollen Beruf des ersten deutschen Reichstages, die Wunden, welche der Krieg geschlagen hat, nach Möglichkeit zu heilen und den Dank des Vater- landes Denen zu bethätigen, welche den Sieg mit ihrem Blute und ihrem Leben bezahlt haben. Sie haben diesen Beruf nach dem Herzen des deutschen Volkes erfüllt. Mit freigebiger Hand haben Sie für die an ihrer Gesundheit geschädigten Krieger und für die Hinterbliebenen der Gefallenen gewährt, was die Dankbarkeit des Vaterlandes er- statten kann. Sie haben die verbündeten Regie- rungen in den Stand gesetzt, die Nachtheile zu mildern, welche der Ruf zur Fahne für die Er⸗ werbsverhältnisse vieler Berufenen herbeigeführt hat. Zum Ersatz der Schäden, welche die An⸗ wohner unserer bisherigen Grenzen und die für Deutschland zurückerworbenen Gebiete erlitten haben, zur Ausgleichung der Verluste, welche die deutsche Schifffahrt durch den Krieg erfahren hat, und zur Erleichterung der Lage, in welche deutsche Mit- bürger durch ihre Ausweisung aus Frankreich ver⸗ setzt worden sind, haben Sie bereitwillig Ihre Mitwirkung gewährt. Im Vereine mit den ver- bündeten Regierungen haben Sie es mir ermög- licht, den Dank des Vaterlandes den Männern darzubringen, welche das deutsche Heer zu seinen Thaten erzogen, dasselbe von Sieg zu Sieg ge— führt und die glorreichen Errungenschaften des Krieges sichergestellt haben. Ich erfülle ein Be- dürfniß meines Herzens, indem ich Ihnen dafür in meinem und des deutschen Heeres Namen meinen kaiserlichen Dank ausspreche. Durch die neue Redaction der Reichs verfassung haben die staats⸗ rechtlichen Verhältnisse Deutschlands die den Ver- trägen entsprechende Form gewonnen und durch den Nachtragsetat für 1871 haben die finanziellen


