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schluß noch abgeliefert werden: 197 Locomotiven, 159 Personenwagen und 5282 Güterwagen, während 264 Locomotiven, 300 Personenwagen und 5205 Güterwagen erst im nächsten Jahre zur Ablieferung kommen. Diese Lieferungen und Bestellungen repräsentiren einen Geldwerth von 30 Millionen Thaler. 1

— Der Bundesrath hat dieser Tage die Frage der Aufhebung des Bestellgeldes für die soge— nannten Landbriefe berathen und sich, wie die „M. Z.“ hört, für Aufhebung dieses Bestellgeldes, vom 1. Januar 1872 an, entschieden.

— Pouyer⸗-Quertier ist am 14. d. wieder abgereist.

— Der„Reichsanzeiger“ veröffentlicht ein Gesetz, durch welches der gesetzliche Cours der Noten der Bank von Frankreich für Elsaß⸗Loth⸗ ringen vom Tage der Verkündigung des Gesetzes an aufgehoben wird.

— Die„Kreuzzeitung“ schreibt anläßlich der Abreise des französischen Finanzministers Pouyer— Quertier: Die Verhandlungen mit der Reichs- regierung sind dem Vernehmen nach zu einem befriedigenden Abschluß gelangt. Näheres über die vereinbarten Bestimmungen werd aus nahe— liegen Gründen noch nicht mitzutheilen sein. Die dießbezüglichen Mittheilungen hiesiger Correspon- denten auswärtiger Blätter sind durchweg unzu⸗ verlassig.

Kassel. Die Hessische Bank in Kassel er— öffnete am 16. Oct. ihre Büreaux, wie aus einer im Inseratentheile dieses Blattes enthaltenen Annonce hervergeht.

München, 14. October. In der heutigen Sitzung der Abgeordnetenkammer beantwortete der Cultusminister v. Lutz im Auftrage und im Namen des gesammten Ministeriums die Interpellation Herz in einer sehr ausführlichen und eingehenden Rede. Der Minister constatirt, daß eine nicht unwesentliche Uebereinstimmung zwischen dem Stand— punkte der Interpellation und dem der Staats— regierung vorhanden sei und wahrt dem Staate das Recht, sein Staats- und Kirchenrecht zu ändern, sobald die Kirche selbst die Grundlagen, auf denen das bisherige Verhältniß zwischen dem Staat und der Kirche beruhte, verrückt. Redner führt aus, daß der Lebrbegriff der katholischen Kirche durch das ntue Dogma geändert ist und die Beschlüsse des Concils staatsgefährlich sind, führt sodann eine Reihe von Zeugnessen von Con— cilsvätern selber auf, wonach die Katholiken bisher an die Unfeblbarkeit des Papstes nicht geglaubt haben. Die Staatsgefährlichkeit betreffend, er— innert der Minister an das Schreiben des Erz— bischosfs von München- Freysing, worin derselbe ganz offen sagt, daß ven der Kirche so lange nichts zu fürchten sei, als der Staat vom gött⸗ lichen Gesetze nicht abfällt, wobei selbstverständ lich die Kirche sich vorbehalte, zu entscheiden, ob und wann der Staat von den göttlichen Gesetzen ab⸗ gefallen sei. Der Minister legt ausführlich dar, daß das Platet, über welches sich die Bischöfe binwegsetzten, in jeder Beziehung in Kraft und Recht bestehe, und beweist endlich durch vielfache Citate, daß jedes Concordat nach dem Begriffe der Curie lediglich eine jeden Augenblick wider⸗ rufbare Bewilligung Roms sei. Nach diesem Exposé von zweistündiger Dauer gelangt der Minister zu der eigentlichen Beantwortung der Interpellations- frage. Dieselbe lautet: Ad 1. Die Staatsregie- rung ist gewillt, allen katholischen Staatsange⸗ hörigen geistlichen und weltlichen Standes, welche die Lehre von der Unfehlbarkeit des Papstes nicht anerkennen, den vollen in den Gesetzen des Landes begründeten Schutz gegen den Mißbrauch der geistlichen Gewalt zu gewähren und sie, soweit ihre Zuständigkeit reicht, in ihren wohlerworbenen Rechten und Stellungen zu schützen. Ad 2 a.; Sie ist entschlossen, das religiöse Erziehungsrecht dec Eliern gegenüber dem Dogma von der Un⸗ sehlbarkeit dee Papstes anzuerkennen. Ad II. b.: Wenn von den Anhängern der alten katholischen Lehre Gemeinden gebildet werden, so gedenkt die Staatsregierung, wie sie den Einzelnen fortwährend als Katholiken betrachten zu wollen erklärt hat, auch die Gemeinden als katholisch anzuerkennen

15. Januar nächsten Jahres ab, mit Ausschluß

und folglich denselben, sowie ihren Geistlichen, alle jene Rechte einzuräumen, welche sie gehabt haben würden, wenn die Bildung der Gemeinden am 18. Juli 1870 vor sich gegangen wäre. Ad III.: Fest entschlossen, jeden Eingriff in die Rechte des Staates mit den verfassungsmäßigen Mitteln ab⸗ zuwehren, erklärt sie sich zugleich bereit, die Hand zu Gesetzen zu bieten, durch welche die volle Un— abhängigkeit sowohl des Staates als auch der Kirche begründet wird, da auch nach ihrer Ansicht allein auf diesem Wege die Herstellung des teli— giösen Friedens und dessen Erhaltung gesichert werden kann. Eine Discussion über die Inter⸗ pellation und die abgegebenen Erklärungen fand nicht statt.

Stuttgart. Dem Vernehmen nach ist der preußische General v. Stülpnagel zum Comman- danten des würtembeigischen Armeecorps ernannt worden.

Karlsruhe. Die„Karlsr. Ztg.“ bfingt das Resultat von 41 am 18 d. staltgehabten Wahlen zum badischen Landtag. Sechs derselben sind klerikal, drei demokratisch(Mannbeim), die übrigen national⸗liberal. Die national-conserva— tive(protestantische) Partei hat keinen Candi— daten durchgesetzt.

Straßburg. Nach Berichten aus Berlin sollen in Elsaß-Lothringen vor der Hand nicht nur keine französischen, sondern überhaupt keine ausländischen Consuln anerkannt werden; die be— treffende Anzeige soll den verschiedenen Regie— rungen bereits zugegangen sein.

Ausland. DODiesterreich. Wien. Die„Neue freie Presse“ meldet, daß die Minister Schaeffle und Habietinek ihre Entlassung angeboten haben, falls Graf Beust nicht entlassen würde.

— Die„Wiener Abendpost“ meldet, daß ein Telegramm des Generalcommandos Agram an das Reichs Kriegsministerium, d. d. 13. October Abends, eingegangen ist, demzufolge bisher 163 Insurgenten eingebracht und 194 Gewehre, sowie ein großer Theil der Montur erbeutet wurden und die Untersuchung begonnen hat.

Pest. Die hiesigen Blätter veröffentlichen Telegramme aus Agram vom 12. d., wonach ein versuchter Aufstand im Oguliner Grenzbezirke durch Aufgebot der einheimischen Grenztruppen unter- drückt wurde. Mehrere Anführer sind gefallen, andere wurden gefangen. Einzelne Verwundete flüchteten in das Gebirge. Die Ursache der Un— ruhen ist der Verkauf der zur Militärgrenze ge— börenden Wälder.

— Den neuesten ofstriellen Meldungen zu⸗ folge ist der Aufstand in der Militärgrenze so⸗ weit unterdrückt, daß die bereits angeordneten

Frankreich. Paris. Das„Journal offi⸗ ciel“ veröffentlicht das Resultat der Wahlen. Gewählt sind 94 Bonaparlisten, 194 Legitimisten, 201 Radikale, 494 Republikaner, 867 Conser- vativ-Liberale, welche die Republik offen und ehr— lich annehmen. Für die Regierung sind im Ganzen 1361 und in dringenden Fällen sogar 1605. Dasselbe Blatt wendet sich in scharfen Ausdrücken gegen eine gewisse rührige Partei und sagt: Frankreich wisse, wem es sein Unglück zu verdanken habe und wolle nicht durch dieselben Leute noch— mals darein geslürzt werden,

Der Abschluß des Zollvertrags wegen Elsaß-Lothringen ist einer späteren Epoche vorbe⸗ halten. Fürst Bismarck stimete zu, daß von Seiten Frankreichs 650 Millionen Francs in vierzehntägigen Raten von je 80 Millionen vom

aller Bankiecsgarantie, bezahlt werden.

— Nach den vorliegenden Beschlüssen der Commission wegen Revision der Hrade in der Armee werden 6 Divisions-Generale wieder Bri— gade Generale, 10 Generale wieder Obristen, * Generale sind in Non-Activität versetzt. Schärfere Maßnahmen harren der Offiziere, die trotz des gegebenen Ehrenworis aus deutscher Gefangen⸗

schuft entwichen und unter anderen Namen in b

militärischen Disposttionen sistirt werden konnten.

— In Folge der aus Algier ein en Depeschen über den Stand der Jura kin

der Provinz Constantine, wo man ein offenstves Vorgehen der Araber befürchtet, finden seit gestern Truppenbewegungen statt, um Verstärk ch

Algier schicken zu 2 ö

Aus Dijon d gemeldet, daß Divist General Goeben das Verbot nach 8 Uhr Ab in den Straßen zu verkehren, so wie die

teres wieder aufgehoben hat. 4

Belgien. Brüssel. Die„Indépendance“ berichtet aus Versailles: Sechs Departements werden vom 20, bis 27. Oct. von den deutschen Befatzungstruppen geräumt.

Großbritannien. London. Die„Times“ veröffentlicht einen Brief, den der Ex⸗Kaiser Noe poleon am 29 October vorigen Jahres an den jüngst verstorbenen englischen Feldmarschall Sir John Burgoygne von Wilhelmshöhe aus ge⸗ eichtet hatte. In demselben heißt es:„ Sie, der Sie der Moltke Englands sind, werden begriffen haben, daß alle unsere Unglücksfälle dem Umstande zugeschrieben werden müssen, daß die Preußen früher fertig waren als wir, und daß sie uns, so zu sagen, bei dem Verbrechen der Formation auf der That ertappt haben. Nachdem die Offensive mir un- möglich geworden, entschloß ich mich zur Defensive, aber durch politische Rücksichten gehindert, wurde der Rückmarsch aufgeschoben, um nachher unmög— lich zu werden. Nach Chalons zurückgekehrt, wollte ich die letzte Armee anführen, welche uns in Paris geblieben war, aber auch hier zwangen politische Rücksichten uns, den unvorsichtigen und am wenigsten strategischen Marsch zu machen, der mit dem Unglück von Sedan endigte. Hier haben Sie in wenigen Worten die Geschichte des un— glücklichen Feldzuges von 1870. Ich wollte Ihnen diese Erklärung geben, weil ich viel auf Ihre Hochschätzung halte.“

Rußland. Aus Odessa wird gemeldet: Die Brände nehmen kein Ende; in der Stadt Ruzuluk sind 800 Häuser, darunter alle öffent⸗ lichen Stgatsgebäude abgebrannt. Es ist kein Zweifel, daß die Nihilisten mit diesen Branvstif⸗ tungen im Zusammenhang stehen; überall werden, die öffentlichen Gebäude zerstört.

Amerika. Newyork. Einer aus Chicago bier eingegangenen Meldung zufolge ist daselbst der Belagerungszustand erklärt worden. reiche Personen wurden wegen Plünderung und Brandlegung verhaftet. In Amtrika sind für Chicago bereits drei Millionen Dollars gesammelt. Aus Michigan wird von großen Waldbränden, welche bedeutenden Schaden angerichtet hätten, berichtet. Auch sollen denselben mehrere Menschen- leben zum Opfer gefallen sein B

— Ueber den großen Brand von Chicago liegen in den englischen Blättern ausführliche telegraphische Einzelheiten aus verschiedenen Quellen vor: Der Brand begann in einem Stalle am Sonntag den 8. d. Abends; ein Junge ging in den Stall, um eine Kuh zu melken und nahm eine Petroleum Lampe mit. Das Thier warf die Lampe um, die Flüssigkeit verbreitete sich über das Holzpflaster und das Feuer griff mit großer Schnelligkeit um sich. Die Leute wurden gerade— zu verrückt vor Aufregung, viele wurden zu Tode getreten, und andere kamen durch die Flammen um. Im Ganzen glaubt man, daß 500 Persoven ihr Lecen einbüßten. Am Montag Abend glaubte man, daß die heftigen Regengüsse dem Feuer E n⸗ balt tbun würden, aber im nördlichen Stadttheile

Dienstag, den 10, d. Nachmittags, gelang es des Elementes Herr zu werden, nachdem vorher hun⸗ derte von Gebäuden in die Luft gesprengt worden waren. Tausende von obdachlosen Familien haben sich in der Nähe der Stadt gelagert, und da sie; dem Hungertode nahe sind, befürchtet man eine Ruhestörung. Die Regierung hat 500 Maun Truppen an Ort und Stelle geschickt.

— In Michigan ist die ganze Stadt Manistre eingeäschert worden. 200 Häuser und 6 Fabriken rannten nieder und der Schaden wird auf

Dienste Gambekta's traten.

1,250,000 Doll. veranschlagt. Auch in Wis⸗

ßurg der Cafés, Gewölbe u. s. w. bis auf Wei⸗

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wüthete dasselbe unaufhörlich fort und erst am

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