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14. August. DieNationalzeitung be; zeichnet die Nachricht der französischen Blätter von einer zwischen dem General von Manteuffel und der französischen Regierung vereinbarten Stipu⸗ lation, nach welcher unter Abänderung der Be⸗ stimmungen des Frankfurter Friedensvertrages gegen die Uebergabe weitsichtiger Wechsel die Räumung der Pariser Forts und der Departements Seine und Seine et Oise in der allernächsten Zeit be⸗ vorstehe, als unbegründet; die Sache sei nicht über Anknüpfungen Seitens der französischen Staatsmänner hinausgekommen.

Seitdem unsere Frauen und Töchter(schreibt dieVolksztg.) aufgehört haben und in sehr zahlreichen Fällen auch aufhören mußten, den so hohen und edlen Samariterinnen-Dienst in den Baracken und Lazarethen zu versehen, seitdem die Quelle der Liebesgaben versiegt ist, gehen uns fortgesetzt nicht sehr erfreuliche Nachrichten, be⸗ sonders über die Verpflegung der Verwundeten und Kranken in den Lazarethen und Baracken im Bereiche des dritten Armeecorps, zu. Wir haben uns selbst davon überzeugt, daß in den meisten Fällen, insbesondere bei den Reconvalescenten, die ihnen dargereichte Kost sowohl hinsichtlich der Quantität als namentlich der Qualität eine durch- aus ungenügende ist. Die Helden der großen Tage, auf die die ganze Nation stolz ist, erhalten zum Mittagbrod eine wässerige Suppe, eine soge · nanntefalsche, und einen Teller womöglich altes Gemüse mit einer unbedeutenden Fleischprobe; des Morgens eine Tasse sogenanntenBlümchen⸗ kaffee, des Abends wieder einen Teller Wasser⸗ suppe und sodann noch pro Tag und Mann drei Semmeln und zwei, sage zwei Loth Butter. Er⸗ quickungen wie Wein, Obst u. s. w. werden gar nicht mehr verabreicht, höchst selten ein Glas Bier oder Selterserwasser; ebenso erhalten die Braven weder Tabak noch Cigarren, aber ein Taschengeld in Höhe von 3, sage drei Pfennigen pro Tag.

15. August. Einer Bekanntmachung des Directoriums der preußischen Bank zufolge wird die Bankcommandite zu Metz ihre Wirksamkeit am 21. August beginnen.

Die bereits angekündigte Centralisation der Eisenbahn⸗Verwaltungen von Elsaß⸗Lothringen wird am 1. September stattfinden und die Leitung derselben von da ab der in Straßburg eingesetzten General Direction zustehen.

Nach derSpener'schen Zeitung nehmen die Frankfurter Friedensverhandlungen keine er⸗ sreuliche Wendung. Frankreich habe nur Wünsche, biete aber kein Aequivalent. Die Verhandlungen gerathen ins Stocken; möglicherweise werden sie abgebrochen werden. Deutschland würde dann

mit voller Ruhe den Franzosen Zeit lassen, zur]

Besinnung zu kommen, um die Wiederaufnahme der Verhandlungen durch entsprechende Anerbietun⸗ gen zu ermöglichen.

Königsberg. Nach Ausweis der Todten⸗ liste sind in vergangener Woche(4. bis 11. Aug.) 44 Personen an der Cholera gestorben. Unter diesen befinden sich 15 Kinder im Alter bis zu 11 Jabren; die übrigen von der Seuche dahin gerafften Personen gehören, ein paar Fälle aus genommen, ganz überwiegend den niederen Ar⸗ beiterständen an, und nur in wenigen Fällen ist auch der mittlere Handwerkerstand vertreten.

München. Fürst Bismarck ist nebst Ge mahlin und Tochter hier eingetroffen und in dem HotelZu den vier Jahreszeiten abgestiegen. Der Reichskanzler stattete bald nach seiner An⸗ kunft dem Justiz⸗ und Cultusminister v. Lutz einen längeren Besuch ab.

Straßburg. Aus dem Unterelsaß geht demNiederr. Kur. eine Correspondenz zu, welche biltere Beschwerde führt über das Treiben der Auswanderungsagenten. Als besonders hervor stechendes Factum wird angeführt, daß einer armen Wittwe der älteste Sohn, 17 Jahre alt, ohne ihr Wissen und unbekannt durch wen, abspenstig gemacht und nach Afrika in ein Zuavenregiment geschickt sei. Der Correspondent knüpft hieran folgende Betrachtung; Was haben nun die Wer- ber bewirkt? Frankreich zählt einen Soldaten

mehr, aber eine arme Wittwe und vier Waisen seufzen im tiefsten Elende. Vermuthlich hätte dieser Sohn in einigen Jahren der deutschen Wehrpflicht Genüge leisten müssen; aber bis dort⸗ hin wäre auch wieder eine andere Stütze heran⸗ gewachsen und das arme Weib hörte heute nicht hülflos ihre armen Kinder um Brod schreien!

Der in Mühlhausen erscheinendeAlsatien, welcher der Präfectur des Oberrheins zu amtlichen Publicationen dient, will wissen, daß der Reichs⸗ kanzler die Anordnung getroffen habe, die seiner Zeit vom Civilcommissariate im Elsaß eingeführte confessionelle Schulverwaltung in eine confessions⸗ lose umzuwandeln.

Metz. Der hiesige neue Municipalrath hat

am 9. seine erste Sitzung gehalten. 26 Mitglie⸗ der waren anwesend, 2 meldeten schriftlich ihre Demission an aus Gesundheitsrücksichten. Die

Anwesenden gaben jeder einzeln ihr Versprechen

ab, die Functionen, für die sie erwählt worden, treu zu erfüllen. In einer Sitzung vom 10. d. wurde die Mittheilung entgegengenommen, daß ein den 8483 um Metz gefallenen französischen Soldaten errichtetes Denkmal wahrscheinlich Ende dieses Monats vollendet sein wird.

Ausland.

Oesterreich. Wien. DiePresse/ schreibt: Mit dem Fürsten Bismarck treffen in Gastein die Legationsräthe v. Keudell und Bucher, sowie ein Theil der Cabinetskanzlei aus Berlin ein. Graf Beust hat gleichfalls seinen diplomatischen Stab verstärkt und dürfte man der Anwesenheit des Grafen Andrassy in Gastein entgegensehen. Dieses Aufgebot eines größeren Apparates läßt darauf schließen, daß es sich um mehr als um den bloßen Austausch von Höflichkeitsbezeugungen handeln wird. In wieweit ein in diplomatischen Kreisen cursirendes Gerücht von förmlichen Stipulatsonen über eine gemeinsame Politik in allen Fragen, welche den europäischen Frieden zu trüben drohen, begründet ist, will diePresse vorläufig dahin⸗ gestellt sein lassen. An unmittelbarem actuellen Anlaß hierzu fehlt es nicht, dafür haben die rumänischen Kammern gesorgt, deren bekannter Beschuß für die französischen und russischen In⸗ triguen einen bequemen, ohne Zaudern benutzten Anknüpfungspunkt geboten hat.

Salzburg, 13. August. Kaiser Wilhelm traf gestern Abends 8 Uhr hierselbst ein und wurde vom Statthalter und dem Stadteommandanten be grüßt. Heute Morgen 9 Uhr ersolgte die Weiter- reise nach Gastein.

Gastein, 13. August. Kaiser Wilhelm ist hier eingetroffen und imHotel Straubinger abgestiegen.

Schweiz. Genf. Hier war letzten Donnerstag Abends ein großer Scandal, weil einige Gamins in einem die Stadt besichtigenden Frem⸗ den den Exkaiser Napoleon erkannt haben wollten und ihn mit dem Rufe: C'est Badinguet! ver- folgten. Der Gasthof, worin derselbe abgestiegen, wurde Stunden lang von einer großen Volks- menge belagert. Folgenden Morgen verließ der Fremde unter Polizeiescorte die Stadt; wie sich nun herausstellt, war er ein ehemaliger Bürger meister von Brüssel.

Frankreich. Paris. Nachrichten aus Algerien melden, daß die Waldbrände an der östlichen Küste der Colonie fortdauern. 5000 Mann sind aus Algier nach Bone abgegangen, um die Stämme, welche diese Feuersbrünste an⸗ stiften, zu züchtigen. In der Provinz Algier ist die Ruhe wiederhergestellt. Die Steuern gehen wieder ein und erreichen beinahe die Ziffer von 3 Millionen.

Einer Meldung derAgence Havas aus Versailles zufolge wird allgemein geglaubt, daß bezüglich der Frage über die Verlängerung der Vollmachten Thiers' eine Verständigung zwischen den beiden Fractionen erzielt werden wird. Das Gerücht von der angeblich beabsichtigten Demission Larcy's hat sich nicht bestätigt.

Versailles, 12. Aug. Thiers sprach sich in der Nationalversamwlung für die Dringlichkeit der beiden Vorschläge wegen Machtverlängerung

Bockenheim.

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aus und vereitelte die Tactik der Rechten betreff ö

einer Verwerfung einer Dringlichkeits erklärung.

Die Motion det linken Centrums ward in Be⸗ tracht genommen. Ein Vorschlag deen.* treffs definitiver Lösung der Frage wegen der

Regierungsform vor der Auflösung der Kammer ward verworfen..* 12. August. Billioray erklärte vor dem Kriegsgericht, daß das Centralcomite bemüht ge⸗ wesen sei, die Verhaftungen zu beschränken und die Gefangenen zu befreien. Assy behauptete, die Insurgenten hätten niemals Brandprojectile oder Petroleumbomben zur Anwendung gebracht. Jourde führte den Nachweis, daß er unausgesetzt bemüht gewesen, die finanziellen Interessen des Landes zu wahren und die Bank zu retten. Großbritannien. London. Aus Rio de Janeiro, 23. Juli, wird gemeldet, daß die Deputirtenkammer die Regierungs vorlage, betreffend die Sclavenemancipation, in zweiter Lesung an⸗ genommen habe. f Italien. Rom. DerOsservatore ver⸗ öffentlicht eine papstliche Eneplica, in welcher der Papst für die bei seinem Jubiläum ihm darge⸗ brachten Glückwünsche und Ehrfurchtsbezeugungen seinen Dank ausspricht und die Gläubigen für die Freiheit des heiligen Stuhles, den Sieg der Kirche und die Ruhe der Welt zu beten auffordert. Die Regierung beschäftigt sich auf das Angelegentlichste mit der Expropriirung der Klöster zum Zwecke der Unterbringung den Truppen. Eine Specialcommission untersuchte 24 Klöster.

Friedberg. Am Montag Nachmittag brachte uns ein starkes Gewitter heftigen Sturm, Regen und Hagel⸗ schlag. Die in der Größe von Haselnüssen oder Eicheln niedergesallenen Hagelkörner zerschlugen nicht wenige Fensterscheiben, im Gebäude des Schullehrer-Seminars allein 86; der im Felde verursachle Schaden soll jedch nur sehr unbedeutend sein.

B. Aus Oberhessen. Wir glauben den Lesern Ihres geschätzten Blattes einen Dienst zu erweisen, wenn wir dieselben auf eine neue literarische Erscheinung auf⸗ merksam machen, welche nicht nur das getreue Lebens⸗ bild einer Persönlichkett bietet, die ein ganzes Menschenalter hindurch in unserer Provinz dem Dienste der Wissenschaft und der Tugend seine Kräfte widmete, sondern auch durch die eigenthümliche Gestallung dieses Lebensbildes das alle Geister heutzutage aufs Tiesste bewegende keligiöse In⸗ tetesse gar nahe berührt. Es ist dieses die Lebensbeschreibung des Professors Leopold Schmid von Gießen, welche vor Kurzem bei Brockhaus die Piesse verlassen under dem Titel:Schmid's Leben und Denken von B. Schröder und F. Schwarz mit einem Vor⸗ worte von F. Nippold. Bekanntlich war der nicht nur von den Professoren und Studenten, sondern auch in weiten Kreisen hochgeehrte Mann im Jahre 1849 zum Bischofe von Mainz gewählt, aber durch die nimmer⸗ rastenden Verläumdungen und Intriguen der jesuitischen Partei von dem damals noch nicht unfehlbaren Papste verworsen worden. Wie innig Schmid(von der Noth⸗ wendigkeit der Erneuerung der katholischen Kirche über⸗ zeugt, wie sest er gewillt war als kirchlicher Würdensräger für Durchführung derselben Sorge zu tragen, mit welcher Bitterkeit und Schlauheit die Ultramontanen den edeln Gelehrten in Rom perläumbeten, wie sie gegen alles kirchliche Recht Ketteler auf den Mainzer Bischosstuhl brachten, sind Stellen, die wir aus dem reichen Inhalte dieser getreuen Lebensschilderung besonders hervorheben zu müssen glauben. So bietet das Lebensbild des vortreff⸗ lichen, humanen, vorurtheilsfreien Mannes nicht nur für die, welche demselben im Leben nahe gestanden, besondere Befriedigung, sondern auch für alle diejenigen, welche die tiefgehende religibse Bewegung unserer Tage mit warmer Theilnahme verfolgen.

Um auch in ihrem Daheim die aus dem Krieg heimgekehrten Mannschaften, soweit sie uns angehören, zu ehren, gab denselben die Saadt und die Bürgerschaft imFrascati ein fröhliches und durch das berzliche Miteinanderwirken aller Gesellschaftskreise be⸗ sonders erfreuliches Fest. Der Gefeierten, von denen Manchen das eiserne Kreuz ziert, waren es 168, von denen 78 hiesige Eingeborene sind. Als Opfer hat Bocken⸗ heim nur 4 Mann zu beklagen.

Frankfurt. Die Palmengärten wurden am Sonntag von eiwa 4000 Personen besucht. Es sollen dort an diesem Tage ca. 1100 Pfd. Fleisch, Wurst ꝛc. konsumirt worden sein.

Frankfurt. Wie wir hören, sind Leipzig und Han⸗ nover diejenigen beiden Städte, mit denen die Unter⸗ handlungen wegen Uebernahme des vierten deutschen Bundesschießens eingeleitet sind.

Coblenz. Nach Mittheilungen aus Antwerpen sind im dortigen Hafen mehrere Hunderte von Segel- und Dampfschiffen mit überseeischen Körnerfrüchten angekommen, welche, größtentheils für Deulschland bestimmt, den hohen Brodpreisen in der Rheinprovinz ein Ziel setzen werden; auch passirten heute bereits zwei Schiffsladungen über⸗ seeischen Hafers, über 8000 Centner, für Mainz bestimmt, unsere Stadt, und sieht daher dem Schifferstande für die Fahrten rheinaufwärts ein lohnender Verdienst in Aussicht.

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