hin zu regeln, daß die Denaturirung des Salzes für landwirthschaftliche Zwecke nicht, wie bisher, beeinträchtigt werde. Delbrück erkennt das Vor— handensein von Mißständen an, auf deren Abstel⸗ lung die Regierung möglichst bedacht sei, ohne für den Erfolg ihrer Bemühungen eine Garantie übernehmen zu können. v. Hoverbeck wünscht die gänzliche Aufhebung der Salzsteuer. Der Antrag v. Below's wird mit großer Majorität angenom- men. Bei dem Capitel Branntweinsteuer antwor— tet Staatsminister Delbrück auf eine Anfrage v. Rabenau's: Verhandlungen wegen einer gleich- mäßigen Branntweinsteuer haben noch nicht statt- gefunden. Ob man im norddeutschen Bunde sich für eine Raum- oder für eine Fabrikatssteuer ent- scheiden werde, stehe dahin, da die betreffenden Versuche noch fortgesetzt werden. Ein Antrag der hessischen Abgeordneten auf Einführung der Malz steuer in Hessen wird zurückgezogen, nachdem Staatsminister Delbrück für die nächsie Session einen entsprechenden Gesetzentwurf in Aussicht stellt. Bei der Postverwaltung wird der Antrag der Commissarien angenommen, die Einstellung einer größeren Summe für die Vermehrung der Tele“ graphen verbindungen anzuempfehlen. Der Etat der Reichs⸗Eisenbahnen in Elsaß Lothringen gibt zu keiner Discussion Veranlassung. Die betreffen- den Titel sind somit überall genehmigt.
— 13. Nov. Der Oberprästdent, von Elsaß— Lothringen, v. Möllec, ist aus Straßburg hier eingetroffen. Derselbe conferirte gestern mit dem Reichskanzler, sowie dem Minister des Innern, Grafen Eulenburg und wurde heute worgen vom Kaiser empfangen. Die Rückkehr nach Straßburg erfolgt in etwa vier Tagen.
— Es ist bestimmt worden, daß die Geneh— migung des Chefs des Generalstabes auf dem Instanzenwege von allen Offizieren und Militär— personen, welche Berichte über die Kriegsereignisse aus dem Feldzuge von 1870/71 veröffentlichen wollen, nachgesucht werden muß.
— In Kreisen, welche der Regierung nahe stehen, will man, nach Angabe der„B.“ und H.-Z.“ wissen, daß gegenwärtig Unterhandlungen wegen einer Zolleinigung zwischen Deutschland und der österreichisch-ungarischen Monarchie im Gange seien. Man soll dabei von der Ansicht ausgehen, daß die Herstellung eines innigen Ver— hältnisses zwischen Deutschland und Oesterreich sich für den Fortbestand und die Wohlfahrt der österreichisch-ungarischen Monarchie als wünschens— werth, sowie für den Frieden Europas als heil— sam darstelle, und daß ein solches Verhältniß nur auf dem Boden der wirthschaftlichen Interessen sicher und dauernd erwachsen könne.
— Von den in Elsaß und Lothringen über— nommenen Festungen werden in der dießjährigen Rang und Quartierliste Marsal, Lützelstein, Pfalzburg und Schlettstadt nur noch als Artillerie— depots aufgeführt, Bitsch, Neubreisach und Die— denhofen sind dagegen unter Zutheilung eigener Commandanten in die Zahl der deutschen Festun— gen aufgenommen, und Straßburg und Metz als Festungen ersten Ranges ist je ein Gouverneur vorgesetzt worden.
Köln. Die„Köln. Ztg.“ bringt den Wort— laut sowohl der früher erwähnten Eingabe preu— ßischer Bischösfe an den Kaiser als König von
Preußen, als auch das Antwortschreiben, welches der Kaiser an den Erzbischof von Köln gerichtet.
München. Der König hat der Gemeinde Fleury bei Orleans, in deren Bezirk die am 11. October 1870 daselbst gefallenen Bayern und
Franzosen gemeinschaftlich begraben liegen, 500 Frs.
aus der Cabinetskasse anweisen lassen, da die Ge— meinde Fleury diesen Begräbnißort eigenthümlich erworben und mit einer Einfriedigung hat ver— sehen lassen, auch einen Seelengottesdlenst für die gefallenen Krieger stiften will.
Aus Baden. In die Stellen der in den Ruhestand vetsetzten Brigadegenerale Keller und von Degenfeld sind zwei preußische Obersten, v. Weller und v. Zieraietzky, eingerückt, und zwar Ersterer als Generalmajor definitiv, Letzterer unter Beibehaltung seiner bisherigen Charge als interi— mistischer Führer der 56, Brigade.
In Freiburg tagte letzten Freitag eine Commission bestehend aus den Präfecten von Ober- und Nieder⸗Elsaß, Geh. Referendär Muth und Oberbaurath Sexauer von Karlsruhe, welche sich mit der Verbesserung und Vermehrung der Rheinübergänge längs der badisch, elsässischen Grenze beschäftigt hat. Wie die„Freiburger Ztg.“ vernimmt, hat diese Commission sich verständigt, bei ihren betr. Regierungen die Anlage von Rheinbrücken an nachgenannten Orten in Vorschlag zu bringen: Neuenburg Schalampe, Sasbach— Markolsheim, Weis weil Schönau, Kappel-Rheinau, Ottenheim-Gerstheim, Freistedt- Gamsheim, Greffern-Drusenheim und Plittersdorf-Selz.
Straßburg. Die„Straßb. Ztg.“ consta⸗ tirt, daß der Pariser„Soir“ das Vorgehen der deutschen Regierung, welche die französische Con— sulate in den Reichslanden nicht zuließ, für wohl— berechtigt hält, und theilt das vom„Soir“ gefundene Auskunftsmittel mit, Agenten mit con— sularischen Vollmachten in Nanch und Belfort zu ernennen.
— Nach einer Bekanntmachung der Kreis- direction Saarburg haben sich neuerdings 13 deutsche Häuser bereit erklärt, die Handschuhmacherei im dortigen Kreise betreiben zu lassen. Es sind dies Häuser in Betlin, Thüringen, Sachsen und der Rheinprovinz.
Ausland.
Oesterreich. Wien, 13. Nov. Graf Andrassy, welcher dahier eingetroffen, wurde so— fort vom Kaiser empfangen.— Alle Nachrichten, betreffend Veränderungen in der kaiserlichen Cabi— netskanzlei, werden von dem Wiener„Telegr.“ Corr.⸗Bür.“ für grundlos bezeichnet.
— Am 7. November fand in Hietzing die feierliche Enthüllung des Denkmals des Kaisers Maximilian von Mexiko in Gegenwart des Kaisers, der hier anwesenden Erzherzoge, der Minister und eines zahlreichen Publikums statt.
Frankreich. Paris. Die„France“ meldet unter allem Vorbehalt, der Papst habe in Versailles eröffnen lassen, daß er nach Frankreich überzusiedeln und daselbst seinen Wohnsitz zu nehmen gedenke. Thiers habe den Papst von diesem Vor— haben abzubringen gesucht, demselben jedoch für den Fall, daß er darauf beharren sollte, das Schloß von Pau zur Verfügung gestellt.
— Bei dem diplomatischen Empfang im Mi⸗ nisterium der auswärtigen Angelegenbeiten, empfing Graf Arnim die Glückwünsche seiner Collegen aus Anlaß seiner nun definitiven Ernennung für den Pariser Gesandtschaftsposten.— Der erste Lega⸗ tions-Secretär zu Florenz, Marquis de Sayve, wurde von Victor Emanuel empfangen und setzte Seine Majestät officiell von der Verlegung der französischen Gesandtschaft nach Rom in Kenntniß. — Nachdem die Pferde, die Equipagen, das Ge— räth, die„Service“ des Ex-Kaisers verkauft wurden, soll nun am 14. d. auch seine Waffen sammlung versteigert werden.— Zu Lyon und Nancy sollen mediceinische Facultäten errichtet wer— den; die Professoren der Straßburger Facultät sollen an erstere versetzt werden.
— Der„Agence Havas“ zusolge ist das Ge⸗ rücht, der Papst habe die Absicht kundgegeben, Rom zu verlassen, ungenau.
— Die„Agence Havas“ erklärt die Nachricht, daß im Palais Bourbon gegenwärtig die nöthigen baulichen Vorrichtungen behufs der demnächstigen Rückkehr der Nationalversammlung getroffen wür— den, fär ungenau.— Es bestätigt sich, daß die Regierung der Nationalversammlung einen Gesetz- entwurf vorlegen werde, durch welchen die Bank ermächtigt wird, ihr Capital zu verdoppeln, ihren ee zu erhöhen und Noten zu kleinem
Betrage auszugeben.
— Folgende militärische Nachricht, sagt der bisweilen inspirirte„Bien public“, ist von wahrer Wichtigkeit: Die neuen Entwürfe für die Befestigung von Belfort, Besangon und den ganzen Theil unserer östlichen Grenze, welche sich von den Höhen des Elsaß bis Pontarlier erstreckt, sind vollkommen ausgearbeitet. Belfort wird nach Paris die stärkste französische Festung werden; das
System der detachirten, durch unterirdische Arbeiten verbundenen und auf vorgeschobene Werke gestützten Forts, werden wird, und dem die Topographie der Gegend so trefflich zu Hülfe kommt, wird in einem allerdings minder bedeutenden Maßstabe, in Besangon wiederholt werden, dessen Bedeutung sich in unserem neuen Vertheidigungssystem ver⸗ doppelt hat und dessen Festungswerke, aus den Zeiten Vauban's herrührend, den Bedürfnissen der modernen Strategie nicht mehr entsprechen. Alle Pässe des Jura, alle Zugänge zur Grenze sollen nach einem Gesammtplan, der, wie man sagt, ebenso sinnreich als furchtbar ist, geschützt und geschlossen werden.
Versailles. Man versichert, die Regierung werde der Nationalversammlung vorschlagen, sie zu ermächtigen, die Formen des gerichtlichen Ver⸗ fahrens bei Aburtheilung der noch übrigen 20,000 Gefangenen abzukürzen.— Die Entwaffnung der Nationalgarden wird bis Ende November be— endigt sein.
— Eine Versailler Depesche spricht von der Absicht der Regierung, die Proclamation der Republik der Kammer bei ihrem Zusammentritt sofort in Vorschlag zu bringen. Dies sind nur Fühler; was man eher erwartet und befürchtet, ist irgend ein Vorschlag, der das allgemeine Wahlrecht ver⸗ kürzen oder in seinen Folgen, der Auflösung der jetzigen Versammlung, beschränken würde.
Belgien. Brüssel. Aus Versailles werden mit Bestimmtheit Aenderungen des Ministeriums vor dem Wiederzusammentritt der Nationalver⸗ sammlung, ferner die Vorlage eines Amnestiepro- jects und die Rückkehr nach Paris mit Stellung der Vertrauensfrage in Ausficht gestellt.
Asien. Die letzten Privattelegramme zeigen, daß die Lage der Dinge in den von der Hungers— noth befallenen Districten Persiens sich noch keines- wegs gebessert hat, und u. A. wird gemeldet, daß zwei Drittel von den Lastthieren verendet sind. Borarjdom und Kamandje, welche Bushire mit 1000 Maulthieren zu versehen pflegen, wären jetzt nicht im Stande, auch nur 10 zu liefern, und von 15,000 Eseln, welche früher für den Trans- port zwischen den oberen und mittleren Districten von Fars und Bushire verwendet wurden, sollen kaum noch ein Dutzend am Leben sein.
Frankfurt. In letzter Zeit sind viele aus Frank⸗ reich imporurte römische Francsstücke hier in Umlauf. Dieselben werden, obschon sie weniger Werth als die französischen haben, den Leuten zum vollen Nennwerlh angeboten. Wer das Verhältniß nicht kennt, nimmt sie ruhig, wer aber nicht zu Schaden kommen will, weist sie urück.
g Im Odenwald sind die höheren Kuppen bereits seit einigen Tagen von einer weithin sichtbaren Schnee⸗ decke eingebüllt.
Kassel. In der Nacht von Freitag auf Sonnabend hat sich zwischen Mönchehof und Grebenstein wieder ein Eisenbahnunfall ereignet. Von einem nach Mönchehof jahrenden Güterzuge lösten sich mehrere Wagen los, welche bei dem starken Gefälle der Bahn in der Richtung nach Grebenstein mit großer Geschwindigkeit zurückliesen und nicht weit von der genannten Stadt auf einen von dort abgefahrenen Kohlenzug stießen. Die Locomotive und einige Wagen wurden arg beschädigt, leider aber auch zwei Schaffner aus Gerstungen, und zwar der eine lebensge— fährlich verletzt. Der Verkehr war bis zum Sonnabend Mittag unterbrochen, ist aber seitdem wieder im Gange.
Amerika. Die Petroleum⸗Gewinnung in den Ver⸗ einigten Staaten steigt von Jahr zu Jahr. Der Export dieses Artikels aus den Vereinigten Staaten betrug 1860 nur 1½ Mill. Gallonen, 1869 bereits nahe an 100 Millionen, und 1870 sogar 141,208,150 Gallonen. Die Pelroleum⸗Quellen Pennsylvaniens scheinen unerschöpflich zu sein und liefern jetzt bis 15,000 Gallonen täglich, ohne anscheinende Abnahme, und auch in Californien könnten bedeutende Quantitäten gewonnen werden, wenn die theure Handarbeit erlaubte, mit jenem Staate zu concurriren. Die Gesammtproduction der Vereinigten Staaten wird jetzt auf 220 Millionen Gallonen(von 4 Litres) geschätzt.
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Verloosungen. Neufschatel, 9. Nov. Bei der am 1. d. slattgehabten Ziehung fielen auf folgende Nummern höhere Gewinne: Nr. 92644 5000 Francs, Nr. 11363 und 39365 je 200 Fr., Nr. 46168 79472 und 114996 je 100 Fr., Nr. 4644 6843 38657 44985 75341 75715 92809 100112 105126 und 121822 je 50 Fr. Die Zahlung erfolgt am 1. Februar kommenden
Jahres.
welches auf diese Festung angewendet b
(10 ⸗Fr.⸗Loose von 1857.)
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