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Frankreich. Paris. Die Bebörden treffen energische Vorsichtsmaßregeln, um der Wie⸗ kehr der Unordnung vorzubeugen.

— Das„Journal officiel“ veröffentlicht einen Tagesbefebl des Commandanten der Nationalgarde der Seine, General Aurelles de Paladines. Der— selbe appelltrt an die Unterstügung der gut⸗ gesinnten Bürger und sagt, daß die Ordnung allein die Wohlfahrt wiederbringen werde. Er (Paladines) habe den festen Willen, jeden Versuch, die Ruhr zu stören, energisch zu unterdrücken. Das„Journal des Debats“ sagt, die wahren Feinde der Republik seien Diejenigen, welche gegenwärtig die Ruhe zu stören und die Wieder— aufnahme der Arbeit zu hindern suchten.

— 7. März. Vergangene Nacht fanden ernst— hafte Unruben statt. Gegen 11 Uhr Abends batten drei Bataillone Nationalgarde, die acht Kanonen und vier Mitrallleusen mit sich fuhrten, den Boulevard Ornons von Baudeu(2) aus beschossen und wurden mit dem Bajonnet zurück, getrieben. Gegen 1 Uhr fanden Explosionen, an- geblich von Nitroglpterin⸗Bomben berrührend, in der Rue Lepelletier an dem Boulevard des Italiens statt. Die Straße wurde von Nationalgardisten, Jägern und Cavalerie besetzt.

— 7. März. Die deutschen Truppen haben heute Morgen sämmtliche Forts dis linken Seine— Ufers den französischen Behörden übergeben. Kaiser Wilhelm und sein Hauptquartier haben diesen Morgen Versailles verlassen. Es heißt, der Kaiser habe sich nach Schloß Ferrières begeben. Die deutschen Truppen werden die Stadt Ver— sailles bis zum 11. d. und deren Umgegend bis zum 19. geräumt haben. In Paris hofft man, daß die Aufreizung, welche in gewissen Stadt- vierteln herrscht, ohne Conflict werde beigelegt werden.— Die Rinderpest fordert zahlreiche Opfer.

— 8. März. Die Situation in Belleville und Montmartre ist unverändert; in den übrigen Stadttheilen herrscht Ruhe. Heute hat bei dem General Aurelles de Paladines eine Versammlung der Commandanten sämmtlicher Abtheilungen der Nationalgarde sowie aller Maires von Paris stattgefunden. Es herrscht kein Zweifel, daß eine befriedigende Lösung herbeigeführt wird. Man glaubt, die Nationalversammlung werde ihre Sitzungen in Versailles vom nächsten Montag an abhalten, da die Deutschen dann bereits abmarschirt sein werden.— Alle Journale fordern die Repu- blikaner von Belleville auf, den Demonstrationen im Faubourg Montmartre ein Ende zu machen. Trotz großer Aufregung fand keine Ruhestörung statt.— Die Regierung wird sich Ende dieser Woche in Paris installiren.— In Lyon hat der Municipalrath die rothe Fahne durch die Trico— lore ersetzt.— Die Vorstädte Belleville und Montmartre entwaffnen freiwillig. Die Stim- mung bessert sich.

— 9. März. Gestern versuchten hier einige Deutsche ihre Läden wieder zu eröffnen. Der Pöbel zwang sie jedoch, dieselben wieder zu schließen.“ An der Börse konnte ein Oesterreicher sich nur durch das Anheften einer Karte mit der Aufschrift„Oesterreicher“ an seinem Hute schützen.

Bordeaux, 8. März. Ein großer Theil des Personals des auswärtigen Amtes ist heute nach Paris zurückgekehrt. Die Gesandten der fremden Mächte, darunter Lord Lyons und Olozaga, gehen am nächsten Sonntag nach Paris. Die Frage über die Verlegung der Nationalversamm— lung ist noch unentschleden. Die Nordarmee wird aufgelöst, die Linientruppen des 20. Corps werden

nach Afrika geschickt, die Mobilgarden und moblli⸗ sirten Nationalgarden in ihre Heimath entlassen.

— Ein Decret der Regierung verfügt die Auflösung der Stäbe der Nordarmee, der Vogesen⸗ armee, der zweiten Armee, des 25. Armeekorps und des in Havre stehenden Armeecorps, der in der Bretagne, dem Departement Aisne und Sa— vopen befindlichen Truppenkörper, sowie aller In- structions- und strategischen Lager.

Marseille. Die Regierung begintt Et sparungsmaßregeln zu ergreifen. In Toulon wird der größte Theil des Mittelmeergeschwaders und sämmtliche Kanonenboote abgerüstet, nur drei Panzer— schiffe und zwei Avisos verbleiben unter dem Be— fehl des Admiral Jurien de la Gravidre. Die Festungsartillerie kebrt in die Arsenale zurück. Eine Transportflottille liegt beteit, um 10,000 Mann nach Algerien zu überführen.

Belgien. Brüfsel. Die„Etolle belge“ meldet aus Paris, eine Note des Grafen Bismarck drohe, alle noch occupirten Städte mit Strafen zu belegen, wenn die Mißhandlungen der Deutschen in Paris andauerten.

Großbritannien. London. In Chiele⸗ hurst, der Residenz der Ex⸗Kaiserin Eugenie, wer⸗ den Vorkehrungen zum Empfange des Exkaisere Napoleon getroffen. Trotz der Gerüchte, daß eine Besitzung in Böhmen für den Exkafser an⸗ gekauft worden, verlautet es aus zuverlässiger Quelle, daß er vorläufig sein Domicil in England nehmen wird. Die Kaiserin und der kaiserliche Prinz machen in der Umgegend ohne jegliches Gefolge häufige Spaziergänge und zuweilen kommt Prinz Arthur von Woolwich zum Besuche der kaiserlichen Familie herübergeritten,

— Im Unterhause erwiederte Gladstone auf eine Interpellation Disraeli's, daß die Regierung absolut nichts von der Existenz eines Vertrages zwischen Rußland und Preußen wisse.

— Die„Times“ enthält eine Depesche aus Paris nach welcher ein Aufstand des 10. Ba— taillons der Mobilgarde des Seine-Departements stattgesunden hat, jedoch ohne ernstliche Folgen rasch unterdrückt wurde.

— Die„Times“ berichtet vom 9. März: Eine in Paris ausgebrochene Meuterei der Mobil— garden ist unterdrückt worden. Die französische Flotte gebt nach der Elbe und holt 90,000 Ge fangene ab. In Paris sind noch 50 gefangene deutsche Offiziere.

» Friedberg. Das General⸗Postamt in Berlin bat kürzlich bezüglich der Beschaffenheit der durch die Post zu versendenden Packete nachstehende Bekanntmachung ver⸗ oͤffentlicht: Es besteht noch vielfach die Gewohnheit, die mit der Post zu versendenden Packete nur durch Buchstaben oder Zeichen zu signiren. Bei der starken Zunahme des Post⸗ Packelverkehrs ist es aber zur Vermeidung von Verwechse⸗ lungen auf das Dringendste zu empfehlen, wenn irgend mözlich die vollständige Adresse des Empfängers, übereinstimmend mit dem Begleitbriese, auf dem Packete anzugeben, also, nach dem üblichen technischen Ausdruck, die Packete per Adresse zu signiren. Dadurch wird eine erhöhte Sicherheit für die richtige Ueberkunft der Sendungen erreicht. Dies hat sich in überzeugendster Weise bei dem Feldpostverkehr während des gegenwärtigen Krieges heraus gestellt, wo ohne das Hülssmittel der Signirung per Adresse der Päckereidienst nicht ausführbar gewesen wäre. Um dle gemachten Erfahrungen auch für den Friedens verkehr zu verwerthen, richtet das General-⸗Postamt daher an die Absender das Ersuchen, die Signirung der Packete per Adresse als Regel anzunehmen. In den Fällen, wo die Adresse wegen der Beschaffenheit des Verpackungo— materials sich unmittelbar auf das Packet selbst nicht gut schreiben läßt, empfiehlt es sich, dieselbe auf ein Stück sesten Papiers, eine Correspondenzkarte u. s. w. nieder zuschreiben und diese auf der Sendung mittelst Klebestoffes, Aufnähens ꝛc. haltbar zu befsestigen. Es ist nicht allein

zuläsfig, sondern auch zweckmäßig, wenn auf biesen Sig⸗ natur⸗Abressen, und zwar auf deten oberem Theile, zugleich der Name, die Firma ꝛc. des Absenders angegeben ist; eine Verpflichtung dazu desteht jedoch keineswegs, Bei Beuteln, Kötrben, Wild u. s. w. kann die Signatur⸗ Adresse auf sogenaunten Fahnen, am Besten von Pergament⸗ papier, oder auch von Leder, papierbeklebtem Holz u. s. w. angebracht werden.

Frankfurt. Verschiedene Zeitungen haben schon vor einiger Zeit die Mittheilung gebracht, daß einer der baupt⸗ sächlichsten Vermitller des Waffenankaufs in England ein gewisser Louis Morton gewesen sei, der dabei kolossale Geldsummen verdiente, indem er der französischen Regie⸗ rung elendes Zeug zu hoben Preisen verkaufte. Dieser Louis Morton soll nach weiteren Nachrichten der Sohn deg Herrn Moses und der Mlle. Königs warter sein, deide aus Frankfurt a. M., was allerdings höchst gleich⸗ gültig sein könnte, wenn es sich hier nicht um Waffen bandelte, welches den Franzosen zur Bekämpfung der Deutschen geliefert worden sind und zwar von einem von deutschenn Eltern abstammenden Zwischenhändler.

Germersheim. Ein Curiosum der hiesigen Reichs⸗ tagswahlen bildet der Wahlzettel eines, der Handschrift nach älteren Bauers der bis zum Kriege böchst ultramontanen Gemeinde Büchelberg, welche diesmal aber dem freiheit⸗ lichen Candidaten ihre Stimmen gegeben. Der Wahlzettel lautete:„Gambetta Rochesort. Raspail. Der Papst. Garibaldi und der Pfarrer von Büchelberg. Von denen sechs laugt Einer so viel wie der Andere.“

Berloos ungen.

Pappenheim' sche Prämien ⸗Anleibe Gewinn⸗ Ziebung am 1. März. Hauptpreise: Serie 4594 Nr. 10 3000 fl., Serie 1598 Nr. 18, Serie 5288 Nr. 10 und Serie 5549 Nr. 10 je 100 fl. u. s. w.

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* Danksagung.

Man fühlt sich gedrungen, den hiesigen Herrn Geistlichen herzlichen Dank zu sagen für die erhebenden Gottesdienste, welche sie während der Kriegszeit bis gestern an jedem Mittwoch— Abend veranstaltet haben. Sie haben uns darin nicht nur eine fortlaufende, vom wärmsten Patriotismus getragene Schilderung der Kriegs— ereignisse vorgeführt, sondern uns auch ange— leitet, dieselben im Lichte des Evangeliums auf— zufassen, unsre Herzen dadurch mit Zuversicht, Gottvertrauen, Opferwilligkeit erfüllt, alle Ge— beugte und Trauernde unter uns mit dem Troste der Religion erquickt und so wesentlich zu der gehobenen Stimmung beigetragen, die während der Kriegszeit unter uns geherrscht hat. Dafür sei unseren verehrten Geistlichen warme Aner— kennung und herzlicher Dank ausgesprochen.

Duͤrften wir noch einen Wunsch aufügen, so waͤre es der, daß es den Herrn auf eine oder die andere Weise moglich werden mochte, die gehaltenen vortrefflichen Reden im Druck zusammenzustellen. Sicherlich würde dadurch der großen Zeit, die wir durchlebt haben, ein Denkmal gesetzt, welches nicht nur für die Be— wohner der hiesigen Stadt, sondern auch fuͤr weitere Kreise in Gegenwart und Zukunft einen hohen Werth hatte und ohne Zweifel dazu beitragen würde, die patriotische und religiöse Gesinnung, welcher von unsrer Kanzel herab ein so wohlthuender Ausdruck verliehen worden ist, auch auf die kommenden Geschlechter zu verpflanzen.

Friedberg am 9. Marz 1871.

Einer, der im Sinne Vieler zu sprechen glaubt.

Güter- Versteigerung. 581 Montag den 20. März d. J., Vormittags 10 Uhr, soll im blefigen Ratbhause eln den Wilhelm Gersters Erben gehörendes Grundflück, circa 10 Klafter, am langen Weiher öffentlich meifbietend erdabtheilungs— halber versseigert werden. Frtledberg am 10. März 1871. Groß herzogliches Ortsgericht Friedberg. Foucar.

Son i

573 zum güttern der Bienen bel Wilhelm Bernbeck.

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487 ein braves Mädchen zur Hausarbeit, welches Näben, im Nothfall im Kochen aushelfen kann; jähr⸗ licher Lohn 50 fl. Anerbleten schristlich an Herrn v. Kalenberg in Darmstadt.

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