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Im Anschluß an die Haupiversammlung des Protestantenvereins fand am 5. Oct. Nach⸗ mittags 4 Uhr unter dem Präsidium des Pfarrer Schlich von Eichloch im Ritsert'schen Saal eine bessische Landes⸗Versammlung statt, welche mehrere Resolutionen mit Einstimmigkeit annahm. Diese Resolutionen betrafen: 1) Die Verkündigung des Unfehlbarkeits-Dogmas und die Zulassung der Jesuiten in Hessen, Referent Hofgerichtsadvocat Ohly. 2) Den Bexfassungsentwurf für die evan gelische Kirche des Großberzogthums Hessen und die Präsentationsrechte, Referent Dr. Sckröder von Worms. Als Redner traten auf: Ohlp, Thudichum(Tübingen), Dr. Schröder(Worms) Thudichum(Rödelbeim), Grein(Offenbach) ꝛc. Ferner wurde der Gedanke eines südwestdeutschen. Protestantenverbandes angeregt.

Dem Obermedieinalrath Wüst wurde aus Anlaß seines fünfzigjährigen Dienstjubiläums das Ritterkreuz I. Klasse des Ludewigs-Ordens und dem Landgerichts-Actuar bei dem Landgerichte Schotten Sellheim in Anerkennung seiner fünf⸗ zigjäbrigen, mit Eifer und Treue geleisteten Dienste, das Ritterkreuz II. Klasse des Ludewigs-Ordens verliehen.

Die erste Kammer der Stände tritt am Mittwoch, 11. October 1871, Vormittags 10 Uhr, zu einer Sitzung zusammen.

Berlin. DerKreuzzeitung zufolge ist der Reichstag auf den 16. October einberufen worden. DerReichsanzeiger veröffentlicht einen aller- höchsten Erlaß, betreffend die Ausgabe von ver zinslichen Schatzanweisungen im Betrage von 4,791,600 Thalern, zum Zweck der Erweiterung der Bundeskriegsmarine und der Herstellung einer Küstenvertheidigung.

Fürst Bismarck ist mit Familie von Fried- richsruh hier eingetroffen.

Die preußische Staatsregierung wird dem nächst in die Lage kommen, in Sachen der Alt⸗ katholiken sich aussprechen zu müssen, da für den Pfarrer Kaminski auf den 4. October vor der Kreisgerichtsdeputation in Myslowitz Termin an stand, in welcher er sich wegen der Vornahme kirch- licher Handlungen, speciell einer Trauung, verant- worten sollte. Man ist(schreibt dieBresl. Ztg.) äußerst gespannt auf den Entscheid, umsomehr, als die Infallibilisten durch den von ibnen ausgegangenen Strafantrag ihren bisherigen Standpunkt verlassen und dadurch die Autorität dee Staates, in inneren kirchlichen Fragen Recht zu sprechen. anzuerkennen scheinen, was doch geradezu der Lehre des Sylla⸗ bus und der Infallibilität widerstreitet.

DieKreuzzeitung hört betreffs der Ver- handlungen über die elsässische Zollfrage, daß die diesseitige definitive Aeußerung nunmehr nach Versailles gelangt ist und daß demzufolge die weitere Entscheidung in der Angelegenheit unver- weilt erfolgen dürfte.

Die Vorstellung, welche die in Fulda ver sammelten preußischen Bischöfe an das Staats- oberhaupt zu richten beschlossen haben, wird vom Könige eist nach seiner Rückkehr aus Baden- Baden und auf Grund einer Berathung mit dem Staatsministerium beschieden werden.

Der Kaiser ist am 7. d. früh wieder ein⸗ getroffen.

DerReichsanzeiger veröffentlicht die Ein- berufungsordre des Reichstages auf den 16. Ocibr.

Das Handeisministerium hat den Eisen⸗ bahn Directionen die Verfügung zugehen lassen, daß, um Unglücksfällen vorzubeugen, die Ange- stellten, namentlich die Weichensteller, nur während 10 Stunden dienstlich beschäftigt werden sollen.

In Betreff der Ressortverhältnisse des neu errichteten Eisenbahnbataillons ist bestimmt worden, daß dasselbe unter dem Generalcommando des Garde-Corps steht. Die Uniformirung ist im Wesentlichen die der Genietruppen.

Aus Königsberg kommt die erfreuliche Meldung, daß dort am 3. October keine Er- krankung und kein Todesfall an der Cholera an gemeldet wurde. Auch aus Pillau wird das vollständige Erlöschen der Epidemie gemeldet.

DerK. Z. wird aus Paris geschrieben:

es befänden sich noch viele deritsche in Kriegs-

Haft in Algerien, woselbst man sie voͤlkerrechts⸗ widrig einbehalten habe, kann jetzt auf Grund einer umfassenden Untersuchung als völlig grundlos bezeichnet werden. Trotz mannichfachster Nach- forschungen hat in Algier kein dieser Kategorie an⸗ gehörender Gefangener aufgefunden werden köngen. Die westphälische Provinzialsynode hat auf Antrag der Synode Minden beschlossen, Folgendes bei der Kirchenbehörde zu beantragen: 1). Jedem Pfarramts-Candidaten, der dem Protestantenverein angehört, ist die Anstellung in der evangelischen Kirche zu versagen. 2) Jedes bereits im Predigt: amte stehende Mitglied des Protestantenvereins ist aufzufordern, entweder aus jenem Vereine auszu- treten oder sein kirchliches Amt niederzulegen.

Fran!furt. Kaiser Wilhelm traf am 6. d. Abends, wegen verlängerten Aufenthalts in Karls- ruhe und Mannheim, wo Truppenbesichtigungen stattgesunden hatten, erst um 8 ½ Uhr mit Extra- zug auf der Main⸗Neckarbahn hier ein. Im Bahn- hofe hatte sich eine zahlreiche Menge versammelt, welche den Kaiser mit freudigen Hochs begrüßte. Nach eingenommenem Souper in derWestend halle setzte der Kaiser um 10 Uhr mittelst Extra- zug der Main⸗W'serbahn die Reise nach Berlin fort. Wiesbaden. Der Kronprinz und die Kron prinzessin werden demRh. K. zufolge zwischen dem 15. und 20. d. M. bier eintreffen und vier Wochen in Wiesbaden verweilen.

München, 7. Oct. In der Abgeordneten kammer verlas der Abgeordnete Herz eine von 47 Deputirten der Fortschrittspartei unterzeichnete Interpellation über die Haltung der Regierung in der Kirchenfrage. Minister Graf Hennenberg⸗ Dux versbricht die Interpellation in einer der nächsten Sitzungen zu beantworten. Der Kriegs minister antwortete, auf eine Interpellation des Abgeordneten Louis: Die Abtragung der entbehr lichen Festungswerke Landaus werde vorgenommen werden, doch könne eine Abtretung derselben an die Stadtgemeinde nicht unentgeldlich erfolgen. Im weiteren Verlauf der Sitzung wünscht der Abg. Greil, daß die Kammern während der Sesston des Reichstags vertagt werden! Der Minister⸗ präsident erklärt unter Wahrung bezüglicher Präro- gative der Krone, die Regierung werde die Ver; tagung der Kammern beim Könige beantragen, sobald die Reichstagssession ausgeschrieben sei.

Stuttgart. Die Organisation des württembergischen(13. deutschen) Armeecorps schreitet ersichtlich vorwärts und wird inner⸗ halb der conventionsmäßig festgesetzten drei Jahre sicher vollendet werden. Nach Ernennung des Corps-Commandanten, welche noch aus steht, und Errichtung einer Canzlei desselben wird, wie es heißt, das württembergische Kriegs Ministerium mit seinem Beamtenapparate in der bisherigen Weise nicht weiter beibehalten, sondern in eine einfache Verwaltungsbehörde umgewandelt werden.

Es wird gegenwärtig von Interesse sein, an die weitverzweigte Verbreitung des Jesuitenordens in Deutschland zu erinnern. Der Jesuiten⸗Orden zählt zur Zeit in Deutsch⸗ land folgende Häuser, und zwar je eines in Maria-Laach, Paderborn, Köln, Coblenz, Mainz, Gorheim in Sigmaringen, je zwei in Bonn, Aachen und Münster in Westphalen. Dazu gehört auch das Pensionat zu Feldkirch in Vorarlberg, welches zwar auf österreichischem Gebiet gelegen, aber zur deutschen Ordens provinz gezählt wird. Das Haupt des Ordens im deutschen Reich ist gegenwärtig der Pro vincial Pater Clemens Faller, der zwar einen deutschen Namen hat, aber ein geborner Fran zose ist, welcher der deutschen Sprache beinahe nicht mächtig und von einem Verständniß für deutsches Wissen und Streben keine Spur hat,

Karlsruhe. Kaiser Wilhelm traf am 5, d. Mittags hier ein und wurde am Bahnhofe vom Großherzog, dem Kronprinzen des deutschen Reichs, der Generalität, sowie den höchsten Staats- und Ortsbehörden begrüßt. Der Kaiser hielt unter

Die vielfach in Deutschland verbreitete Nachricht,

gefangenschaft gerathene Soldaten in geheimer,

einer ungeheunmren Menschenmenge sein 1 Ei ug in die festlich geschmückte Stadt. Nachdem der Kaiser eine Inspection über die Garnison gehalsen, begab sich derselbe in das Schloß zum Dine!

Straßburg, DieKarls. 45 dheik die projectirte Landwehrbesirks-Ein eilung für Elsaß Lothringen mit. Darnach sind solche für 11 Bataillone vorgesehen und zwar mit dem Stabsquartier in Altkirch, Müblhausen, Kolmar, Schlettstadt, Molsheim, Straßburg, Hagenau, Saarburg, Saargemü 5 dieselben unterstehen der angegebenen Reihe nach dem 4. Armeecorps, dem 3., dem 5., dem 7., dem 11.(Molsheim), dem 9., dem 6., 10., dem 2., dem 1. und dem 8. Armeecorps.

Nach einer im Reichs⸗General⸗Postamte aufgestellten Statistik sind in Elsaß- Lothringen jetzt 184 Postanstalten mit 1840 nal von 1282 Beamten(456 Beamfe, Ierdkante) in Thätigkeit. Das Zeitungs-Abonnementsverfahren ist, ebenso wie die Paket-Geldversendung, die Ex⸗ preßbestellung, das Postvotschußwesen, eine in Elsaß-Lothringen bisher nicht gekannte, erst durch die deutsche Postverwaltung dort hergestellte Ein⸗ richtung.

Die Einlaßkarten in die Citadelle von Straßburg haben bis zum 3. October im Ganzen 60,102 Frs. ertragen.

Hagenau. Der kaiserl. Kreisdirecfor macht in der hiesigen Zeitung bekannt: Auf Veranlassung des deutschen Reichskanzleramtes werden zur An⸗ lage einer Eisenbahn von Straßburg, resp. Bisch⸗ weiler nach Lauterburg, Vorarbeiten stattfinden.

Ausland.

Oesterteich. Wien. Die Schulsection des Gemeinderathes beschloß, die Miebenutzung der Salvatockirche im Rathhause zur Abhaltung des Gottesdienstes den Altkatholiken zu gewähren.

Frankreich. Paris. Ueber die Verhand- lungen in der elsaß⸗lothringischen Zollangelegenheit verlautet, daß Frankreich der Aufhebung des Arzikel 3 zugestimmt habe; ferner wäre eine Einigung erzieit, daß die Tarifbegünstigungen für die Einfuhr der elsaß⸗lothringschen Fabrikate schon am 1. Imuar 1873 und nicht erst am 1. Juli 1873 gänzlich aufhören sollen. f

DieAgence Havas meldet, daß die Zettungsmittbeitung, wonach die französische Re⸗ gierung die Kündigung des Handelsvertrages mit England beabsichtige, der Begründung entbehre; die französische Regierung werde nur gewisse Ab- änderungen vorschlagen. DerAgence Havas zufolge hat Pouper-Quertier die Abreise nach Berlin um einen bis zwei Tage verschoben.

Siecle veröffentlicht einen vom Pariser Municipalrathe gefaßten Beschluß, betreffend die Repartition der Zeichnungen auf die städtische An⸗ leihe, nach welchem Abschnitte im Betrage von ein Viertel der ganzen Obligation hergestellt werden sollen. 1

DieConstitution meldet heute als eine Thatsache, daß die Regierung sichim Princip für eine Amnestie entschieden habe. Die Nachricht

ist wobl nut ein Fühler, mit welchem das repu⸗

blikanische Blatt der Regierung eine Erklärung über diese ihm sehr am Herzen liegende Frage ablocken will. DerConstitutionel seinerseits will in Erfahrung gebracht haben, daß der Schritt

Victor Hugo's zu Gunsten Henri Rochefort's er-

folglos geblieben sei. n

In der Armee werden die Entscheidungen der von Changarnier präsidirten Gradprüfungs⸗ Commission, die sich bisher nur mit den 120 Ge⸗ neralitäts⸗Offizieren beschäftigte, velfach besprochen. Erwähnung verdient jedenfalls die Degradirung des ehrenwortbrüchigen Generals Barral, der nach der Capitulation von Straßburg über Belfort nach Grenoble zu gehen und nicht mehr gegen Deulsch?! land zu kämpfen versprochen hatte und der boch wieder ein Divisions Commando von Gambetta angenommen. Er ist zum Brigade-General degradirt und in die Cadre der Reserve versetzt, kurzum, aus der activen Armee entfernt worden. Ueber den Fall des Generals Ducrot verlautet noch nichts

Kanonendonner und Glockengeläute und dem Jubel] Näheres

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