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enthält noch folgende, in dem schon mitgetheilten Telegramme nicht befindliche Stelle: Es ist um

jeden Preis nothwendig, daß der Waffenstillstand

für uns nutzbar gemacht wird und wir können dies thun. Kurz, es ist nothwendig, bis zu den Wahlen Alles zu unserem Vortheile zu wenden. Was Frankreich bedarf, ist eine Na⸗ tionalversammlung, die den Krieg will und entschlossen sein muß, ihn um jeden Preis weiter zu führen.

— Jules Simon und Lavertujon sind am 1. Febr. in Bordeaux eingetroffen.

— Die Regierung veröffentlicht eine Depesche des Generals Clinchamps vom 30. Jan., welche desagt: Auf meine Anfrage bezüglich des Waffen- nillstandes hat General v. Manteuffel noch nicht offiziell geantwortet. Nach cinem durch einen Parlamentär bei Frasne überbrachten Schreiben des preußischen Generals scheint derselbe den Waffenstillstand für die Ostarmee nicht anerkennen zu wollen. Eine weitere Depesche Clinchamps dom 1. Febr. meldet: Manteuffel beharrt bei seiner Ansicht bezüglich des Waffenstillstandes und hat ine von mir verlangte 36 stündige Waffenruhe zur Aufklärung der Sachlage abgeschlagen. Da rotz meiner Protestation der Feind die Operation yortsetzt, sogar den Rückzug nach der Schweiz abzuschneiden droht und die Armee sowie das Kriegsmaterial dadurch verloren ware, habe ich zothgedrungen die Schweizergrenze überschreiten nüssen. Das Kriegsmaterial ist bertits über⸗ zegangen. General Billot deckt mit drei Divi— zonen des 18. Corps den Rückzug.

— Die Regierung erhielt von General Nazare zus Bourges und von General Lopsel aus Havre fine Depesche, worin dieselben nochmals Auf— lärung über den Waffenstillstand verlangen, der Ar Frankreich verletzend und nachtheilig sei. Die Zenerale verlangen nochmals bestimmten Befehl.

— Laut Mittheilung der Regierung ist Dijon zon den Preußen besetzt worden.— In Marseille lerrscht, eingegangenen Berichten zufolge, Bestürzung, och ist die Stadt ruhig. Die Proclamationen ter Präfektur und der Munjcipalilät brachte eine tute Wirkung hervor. Die Journale empfeblen ünsfimmig, die Ordnung zu bewahren und De⸗ donstrationen zu unterlassen.

— Im Theater hat eine große Versammlung

sattgefunden, in welcher eint Anzahl der hervor— ugenden Mitglieder der republikansschen Partei lehufs Bildung eines Wohlfahrtsausschusses ge⸗ pählt wurden, darunter auch Louis Blanc, Viclor tugo, Gambetta, Rochefort, Esquiros, Dupdrtal ud Schölcher. 4 Auf Verlangen Jules Simon's werden noch Mitglieder der Pariser Regierung(wahrscheinlich derry und Picard) in Bordeaux eintreffen, wo de wachsende Erregung der Gemüther dae Schlimmste befürchten läßt.

, Gambetta läßt an die Zeitungen folgende Pittheilungen über die letzten Operationen der Dstarmee bezüglich des Abschlusses des Waffen- tüustandes ergehen, welche der Delegation mit- theilt wurden: Während die Oßarmte den Rück⸗ ig bewerkstelligte, begann Garibaldi, dessen Armee af 50,000 angewachsen war, die nöthige Diversion n Rücken der Feinde nach Dole und den Wald nach Chaux. Wenn diese Bewegung ebenso glück- Ih zu Ende geführt worden wäre, als sie be⸗ knnen wurde, so würden die preußischen Streit— ltiste zwischen zwei Feuer gekommen sein.(7) Ju wem Augenblicke stellte die Ostarmee ihre Be- digungen ein und Garibaldi mußte 3 Kilometer Feind fast völlig geräumt sotte, stille halten. In den zwei folgenden Tagen, vihrend die französischen Generale mit dem Feinde sarlamentirten, um das anscheinend vorhandene Nißverständniß zu beseitigen, setzte der Feind linen Vormarsch fort, schickte ansehnliche Ver- serkungen gegen Garibaldi, besetzte alle Positionen und machte es der französischen Armee unmöglich, eu früheren Plan zu verfolgen. Als der wahre Lortlaut der Convention bekannt wurde, war baribaldi genöthigt, Dijon zu räumen und sich af Macon zurückzuziehen; die Ostarmee aber war ef wungen, auf schweizerisches Gebiet überzutreten,

ausgenommen das 24. Corps, welches als linker Flügel sich der feindlichen Verfolgung zu entziehen vermochte.

— Gambetta läßt folgende Mittheilung veroͤffentlichen: Ich empfange aus Versailles vom 3, d. das folgende Telegramm:„An Herrn Gambetta in Bordeaux. Im Namen der durch die Waffenstillstandsconvention fest— gesetzten Wahlfreiheit protestire ich gegen die unter Ihrem Namen getroffenen Bestimmungen, welche zahlreiche Classen französischer Bürger von dem Rechte, in die Constituante gewählt zu werden, ausschließen. Wahlen, welche unter einem Systeme willkürlicher Unterdrückung er— folgen, werden nicht diejenigen Rechte erlangen können, welche die Waffenstillstandsconvention frei Gewählten zuerkennt. gez. Bismarck.“

Zu dem Telegramm macht Gambetta folgenden

Zusatz:„Wir sagen, daß Preußen zur Be⸗ friedigung seines Ehrgeizes auf eine Versamm— lung rechnete, in welche, Dank der Kürze der Fristen, sowie der materiellen Schwierigkeiten jeder Art, Complicen und Begünstiger abge— setzter, mit Preußen verbündeter Dynastien hätten eintreten konnen. Das von der Dele— gation der Regierung in Bordeaux unter dem 31. v. M. erlassene Ausschließungsdecret ver— eitelt diese Hoffnungen. Der Anspruch des preußischen Ministers, sich in die Zusammen— setzung einer französischen Volksvertretung ein— mischen zu können, ist die glänzendste Recht— fertiguug der Seitens der Regierung der Republik ergriffenen Maßregeln. Die Lehre wird nicht verloren sein für Diejenigen, welche ein Gefühl für die nationale Ehre haben.“ Unterzeichnet ist die vorstehende Mittheilung von Gambetta.

— Die„Patrie« vom 30. v. M. meldet: Die Regierung hat die Präfecten beauftragt, die Stimmung der Bevölkerung in den Provinzen bezuͤglich der Fortsetzung des Krieges zu er— forschen und darüber zu berichten. Seitens der letzteren sei hierauf die Antwort erfolgt, daß die Bevölkerung selbst in den südlichen Departements durch den Krieg erschöpft sei und den Frieden herbeisehne.

Aus Calais wird vom 2. d. gemeldet: Das Eintreffen der Eisenbahnzüge mit Lebens- mitteln ist sehr erschwert. Der erste Eisenbahnzug mit Mehl kann erst morgen nach Paris abgehen. Der Mangel an Brod macht sich daselbst äußerst fühldar.— Aus Lille eingelangte Berichte melden, daß die Stimmung dort zum Frieden geneigt sei.

— Das„Siecle“ meldet:„Die Ankunft von Waffen erfolgt im Hafen von Bordeaux ohne Unterbrechung. Gestern(28. Januar) schifften „Avon“ und„Lafayette“ für Auftrag der Ver- theidigungs- Commission ihre sast ganz aus Ge— wehren, Patronen und Mitrailleusen bestehenden Ladungen aus. Heute traf der Dampfer„Con- cordia“ mit unermeßlichem Artillerie-Material ein. Zwei andere Schiffe laufen mit Ladungen der— selben Art in den Fluß ein. Der amerikanische Dampfer„Concordia“ brachte von Newyork 1250 Kisten Gewehre, 1707 Kisten Patronen, 3495 Kisten Kriegsmunition, 166 Kisten mit Artillerie— sachen, 181 Kisten Kanonen, 249 Pulverkarren, 79 Laffetten zu Kanonen, 1047 Räder, 542 Kisten mit Pferdegeschirr und 593 andere Kisten, sowie mehrere Kisten mit Hacken.“

Belgien. Brüssel. Personen, welche direct von Paris dahier eintrafen, erklärten, daß in Paris eine unheimliche Ruhe herrsche. Es mangle dort an den nöthigsten Eßwaaren. Gebrüder Rothschild strecken die vereinbarte Gemeindetontribution von 200 Millionen Francs vor.

— Reisende, welche Paris am 1. Februar verlassen haben, schildern die Ruhe in der Stadt Große Schwierigkeiten bereitet die Vertheilung von Lebensmitteln. Bis jetzt verlangten 25,000 Per— sonen Paris zu verlassen.— Nach einer Depesche des„Gaulois“ aus Genf vom 2. Februar ist General Bourbaki gestorben.

— Der hier eingetroffene franz.„Moniteur“ vom 30. Januar enthält ein Deeret der Regierung, durch welches 13 obrigkeitliche Personen ihrer

Stellung enthoben werden, weil dieselben bei den Staatsstreich von 1851 mitgewirkt haben.

Großbritannien. London. Aus Ver- sailles gebt folgende telegraphische Meldung vom heutigen Datum ein:„Von Seiten der Generale Faidherbe und d'Achiet wurden in Betreff der Ausführung der Convention vom 28. Januar Schwierigkeiten erhoben, indem sie erklärten, keine Demarcationslinie anzuerkennen, und sich weigerten, die Räumung der auf der deutschen Seite liegenden Stellungen zu vollziehen, nachdem die deutschen Besatzungen ihre Stallungen auf der andern Seite bereits am 30. Januar geräumt hatten. Die deutschen Commandirenden erklärten hierauf, daß, wenn nicht bis zu einer bestimmten Frist die Räu- mung der betreffenden Positionen ausgeführt wäre, sie zum Angriff schreiten würden. Die Parsset Regierung, von diesen Differenzen benachrichtigt, wies ihre Generale telegraphisch an, sich sofort zu fügen.“

— Bier eingetroffenen Meldungen zufolge soll Graf Bismarck die Einstellung der Feindseligkeiten in den drei südlichen Departements und die Her— stellung der Demarcationslinie bis zur Schweizer Grenze von der Uebergabe Belfort's, unter freiem Abzug der Besatzung, abhängig gemacht haben.

— Die„Times“ meldet aus Versailles vom 2. Februar, Jules Favre werde nicht zur Confe⸗ renz kommen und auch keinen Substituten absenden. Das Hauptquartier des Feldmarschalls Prinz Friedrich Karl ist nach Tours verlegt.

— Der Umstand, daß die Nachricht von ein⸗ geleiteten Unterhandlungen zwischen Paris und dem kaiserlichen Hauptquartier in Versailles von engl. Blättern zuerst gebracht wurde, wird dadurch erklärt, daß Jules Favre zunächst dem englischen Diplomaten Odo Russel Mittheilung gemacht habe von dem Entschluß nach Versailles zu kommen, weil Paris genöthigt sei zu capituliren, wenn es nicht verhungern wolle. Er schilderte die Lage von Paris als eine furchtbare und theilte u. A. Odo Russel mit, daß während der drei Tage, welche seiner Ankunft in Versailles vorausgegangen seien, 3500— 4000 Personen(die Verwundeten nicht mit einbegriffen) in Paris gestorben seien. Odo Russel habe in Folge dessen bezügliche Nach⸗ richten nach London gelangen lassen, ehe noch Graf Bismarck von den Absichten Jules Favre's genau unterrichtet gewesen sei.

Türkei. Konstantinopel. Die Pforte bat die an der bosnischen Grenze concenttirten Regimenter nach Konstantinopel abberufen.

Frankfurt. Dieser Tage traf ein Brief aus dem Reichskanzleramt zu Versailles bei einer hiesigen Familie ein und enthielt derselbe eine Sammlung von 20 Stück Briefmarken von per Luftballon beförderten Briefen. Das Räthsel löste sich bald. Als die Eltern an ihre beiden in Versailles stehenden Soͤhne schrieben, legte der Bruder derselben ein Briefchen an den Reichskanzler bei. Die Brüder besorgten die Einlage ganz pünktlich und Graf Bismarck gewährte die Bitte. In dem Schreiben heißt es, daß die Marken von solchen Briefen seien, welche unter ganz besonderen Umständen den Deutschen in dle Hände gefallen seien.

Darmstadt. Da die kriegsgefangene pariser Armee nicht, wie ursprünglich erwartet, nach Deutschland ge⸗ bracht wird, so ist der Bau des Lagers auf dem Exer⸗ eiexplatz sistirt worden und man bereits mit dem Abtragen der seither erbauten Baracken beschäftigt.

Darmstadt. Die„H. V.“ melden: Dieser Tage wollte ein junger, in Darmstadt internirter, franzoͤsischer Offizier auf dem großen Woog Schlittschuh laufen. Ein Mitglied der dort anwesenden hoffnungsvollen Jugend warf demselben unter dem Rufe:„Paris caput“ einen brennenden Feuerwerkskörper zwischen die Beine. Dabei verlor aber der Kleine das Gleichgewicht und stürzte so heftig auf einen am Ufer befindlichen harten Gegenstand, daß er betäubt war und heftig am Kopfe blutete. Sofort hob ihn der franzoͤsische Offizier auf, trocknete ihm das Blut ab, holte einen Wagen und brachte ihn darin zu seinen Eltern in die Stadt zurück. Der menschenfreundliche Offizier ist der Lieutenant du Quesnoy 1. franz. Husaren⸗ Reglment.

Friedberg. Oer hiesige Musikeerein wird nächsten Sonntag Abend im Hötel Trapp ein Concert zum Besten der im deutschen Kriege Verwundeten veranstalten. Wie wir bören, haben einige auswärtige Rünstler ihre Betbeiligung zugesagt, so daß ein genuß— reicher und Abwechslung bietender Abend zu erwarten sieht. Möge man uns recht bald durch die Mittheilung des Programms erfreuen und boffen wir auf eine, dem edlen Zwecke entsprechende zahlreiche Betheiligung des Publikums.

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