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begrüßen. An 159 Verhaftungen, meist von ehe- parisienne an, mit Ausnahme Gambetta's, Cor⸗[fenden Personen gesandt zu sein, damit auch bie Ver⸗
maligen Offizieren der Föderirten, welche wahr⸗ scheinlich sehen wollten, wie ihre Collegen der
Linie manövriren ließen, wurden während des militärischen Schauspiels vorgenommen.
— Nach Mittheilungen aus der Charente inferieure sollen die bonapartistischen Wahlagenten an 1 Mill. Frs. unter den Wählern der unteren Volksklassen zur Vertheilung gebracht haben, um der Erwählung Rouher's Vorschub zu leisten. Prinz Napoleon hat, wie ein Blatt wissen will, sich nach Deutschland begeben, um im Austrage des„Hofes“ zu Chislehurst mit Hrn. v. Bismarck zu„verhandeln“.
— Von 34 Departements, unter welchen sich das Seine-Departement nicht befindet, sind die Wahlresultate annähernd bekannt. Von den Ge— wählten gebören 56 den Listen der republikanischen Partei, 12 denen der Conservativen an.
— Die Verhaftungen und Haussuchungen dauern ununterbrochen fort. Unter Andern wurde gestern die Frau Prevost, genannt Lachaise, ver— haftet, welche mit eigener Hand den Msgr. Surat in dem Gefängniß von La Roquette erschossen hat. Bei den Haussuchungen ist der Amtseiser so groß, daß die Polizeibeamten neulich, als sie ein Haus der Rue des Martyrs in früher Morgenstunde durchstöberten, dem Polizei-Commissär Daudet selber ins Schlafzimmer fielen und ihn aus dem Bette aufhoben.
— Auf Veranlassung der in der National- versammlung von Herrn Grevy gesprochenen Worte warnt das„Journal des Debats“ im richtigen Moment vor Ueberhebung. Es sagt:„Seien wir bescheiden, wie es unserem Schicksal zukömmt. Unterstreichen wir nicht mit Hurrahrufen die Er— zählung des Desilee's! Fangen wir nicht bei dieser Gelegenheit, fangen wir niemals mehr die leicht— sinnigen Großsprechereien an, welche die Ereignisse so hart gegeißelt haben. Wir kehren zum Leben zurück und unsere Kräfte nehmen zu, aber wir haben deren noch nicht genug, um uns mit ihnen zu brüsten und sie Europa zu zeigen.“ Und weiter über die Anleihe sprechend sagen die„Debats“: „In dem merkwürdigen Erfolge der Anleihe liegt auch für unsere Nationaleitelkeit eine Versuchung.
Widersteben wir diesen Versuchungen eines legi⸗⸗
timen Stolzes. Diese Millionen bezeugen die Größe und die Solidität unseres Credits, Ein Tag wird kommen, wo wir Das wieder werden, was wir zu sein nie hätten aufhören sollen, und an welchem die„große Nation“ vielleicht größer als je sein wird; aber nur unter der Bedingung, daß sie die Tiefe ihres Falles, die Höhe des zu erklimmenden Abgrundes, die Vernunft, die Weis heit und die ihr dazu nöthige Zeit ermißt. Bis dahin müssen wir uns enthalten, unsere Sporen und Millionen klingen zu lassen; wenn wir Fran— zosen sind, trauern wir!“
— 3. Irli. Nach den bisherigen Wahlresul- taten erscheint die Wahl von 80—90 gemäßigten Republikanern gesichert, welche die Politik Thiers unterstützen werden. In Marseille wurden Gam- betta und Laurier gewählt; im Departement Seine et Oise dürften die Liberalen durchdringen, in Charente Inférieure Rouher unterliegen.
— Die republikanischen Candidaten Faidherbe und Testelin sind in Lille gewählt worden. General Faidherbe wurde gleichzeitig auch im Departement Pas de Calais und im Departement Somme ge— wählt. Im Departement Aisne siegte ein repu- blikanischer Candidat.
— Nachstehend folgt das nahezu vollständige Resultat der Wahlen: Wolowski 122,000, André 110,, Pernocet 109,000, Louvet 104,000, Dietz-Morin 100,000, Pressense 98,000, Morin 97,000, de Normandie 96,000, Corbon 95,000 Gambetta 94,000, Ploeuc 93.000, Cissev 91,000, Kästner 90,000, Kranz 90,000, Laboulaye 89,000, Lefebure 85,000, Siebert 81,000, Pichat 81,000, Drouen 80,000, Moreau 78,000, Breslay 78,000, Bonvalet 76,000, Flavigny 74,000, Freppel
69,000, Berquier 69,000 Stimmen. Die 21 ersten Namen, welche wahrscheinlich definitiv
gewählt werden, gehören den Listen der Union
bon's, Kästner's, Pichat's und Breslay's. Belgien. Brüssel. Die Betheiligung bei den Wahlen in Paris war in den wohlhabenden Quartieren eine ansehnliche. Die Arbeiter da— gegen enthielten sich der Abstimmung. Ueberall berrscht Ruhe. Man sieht nur wenig Soldaten. — Senat. Auf eine Interpellation erklärte
Minister d' Anethan, die belgische Regierung habe
Betreffs der Verlegung des Sitzes der italienischen Regierung die Besetzung Roms weder zu billigen, noch zu mißbilligen, sondern nur die diploma— tischen Gebräuche zu befolgen. Der belgische Gesandte sei angewiesen, dem Könige von Italien zu folgen, wo derselbe seine Residenz aufschlagen werde. Belgien werde zwei Gesandtschaften in Italien haben, eine bei dem Könige und eine bei dem Papste. Der Senat nahm hierauf folgende motivirte Tagesordnung an: Der Senat, befrie— digt durch die gegebenen Aufklärungen, geht zur Tagesordnung über.
Ostende. Der deutsche Kaiser wird im August hierher kommen und drei Wochen hier verweilen.
Italien. Rom. Die Gesandten Deutsch— lands, Schwedens, der Türkei, der Niederlande, Rußlands, Spaniens und der Vereinigten Staaten sind von Florenz hier angekommen.
— Der König Victor Emanuel ist hierselbst eingetroffen und von der Bevölkerung entbusiastisch empfangen worden. Bei seiner Ankunft wurde der König vom Prinzen Humbert, dem Bürger⸗ meister, den Ministern, den Gesandten und den Kammerpräsidenten begrüßt. Die Truppen, die Nationalgarden und zahlreiche Deputationen mit Fahnen und Musik bildeten in den Straßen, die der König passirte, Spalier. Derselbe erschien mehrmals auf dem Balkon des Quirinals und empfing die Deputationen von 100 Municipien.
Amerika. Ueber Washington kommt das folgende Telegramm:„Das Marineministerium hat Nachrichten vom Capitän Rogers aus Corea erhalten, welche bis zum 30. Juni reichen und melden, daß fünf coreanische Forts mit einer Ge— sammtbesatzung von 11,000 Maan gestürmt, 481 Geschütze erbeutet und 242 Coreaner getödtet worden sind.“
Friedberg. In unmittelbarer Nähe des Nauheimer Bahnhofs ersolgte in der Nacht von Montag auf Dienstag ein surchtbarer Zusammenstoß der Wagen eines in zwei Theile zerrissenen, von Norden kommenden Güterzuges, wodurch schauerliche Verheerungen an den Wagen und der Bahn angerichtet und mebrere Telegraphenstangen umge— worfen wurden. Eine Anzahl Wagen lagen zertrümmert und so ineinander geschoben auf dem Bahnkörper und an der Böschung, daß uns unmöglich war, zu ermitteln, wie viele derselben übereinander und nebeneinander geworfen waren. Ihr Inhalt, Kaffee, Wildhäute, Kalbfelle, Stein⸗ kohlen, Eisengußwaaren ꝛc., lag zerstreut umher, thetlweise zerbrochen; es war ein Anblick entsetzlicher Verwüstung. Der Unglücksfall soll durch Trennung eines Theils der Wagen von dem Zuge erfolgt sein, indem diese, schon hinter Butzbach losgelöst, bei dem auf dieser ganzen Bahnstrecke vorhandenen Gefälle mit vernichtender Gewalt an den vor dem Bahnhof in Nauheim haltenden vorderen Theil ihres Zuges heranbrausten. Leider wurden hierbei zwei Bremser so sehr beschädigt, daß sie nach Nauheim ver⸗ bracht werden mußten, wo Beide am Abend in Folge ihrer Verletzungen gestorben sind. Der unterbrochene Verkehr konnte schon Nachmittags auf dem einen und Abends auch auf dem zweiten Geleise wieder hergestellt werden.
Frankfurt, 3. Juli. Die Gewitter in der Nacht vom Sonntag auf Montag haben mehrfachen Schaden in der Stadt und in der Umgegend angerichtet. In Gries— heim wurde Nachts halb 1 Ubr eine Frau, welche kurz vorher vor die Hausthüre getreten war, um nach dem Unwetter zu sehen, in ihrer Küche vom Blitz erschlagen. Die Leiche hatte auf der Brust einen blauen Flecken, ebenso in der Seite, aus welcher einiges Blut quoll. Ein kalier Schlag traf ein hiesiges Hotel. Alte Leute versichern,
daß sie sich ähnlicher Wetter hier nicht erinnern könnten.
Frankfurt. Hiesige Blänter haben schon vor einigen Tagen auf eine Anzahl Berliner Leinenreisende, welche Frankfurt und die Umgegend unsicher machen, hingewiesen. Im Interesse des Publikums wird nun weiter darauf ausmerksam gemacht, daß dieselben leicht zu erkennen sind, da sie aus Einer Schule hervorgegangen zu sein scheinen. Sie lamentiren fast sämmtlich über die Unglücksfälle, in welche ihre Principale in Folge des Krieges gerathen seien, weßhalb sie gezwungen wären, zu Spottpreisen zu ver⸗ kaufen; einige brechen bei der Erzählung sogar in Thränen aus; andere haben sich auf irgend einem Wege die Adresse von in der Umgegend wohnenden Familien-An⸗ gehörigen oder Verwandten zu verschaffen gewußt und führen sich damit ein, daß sie vorgeben, von den bettef—
wandten das Glück hätten, dillitze Leinwand zu kaufen. Einem Exemplar der letzteren Gattung erging es schlimm, denn zufälliger Weise befand sich der Mann, dessen Name auf die angedeutete Weise mißbraucht wurde, bei seinen Verwandten, und fand ber schlaue Berliner die Hausthüre kopfüber. f
Offenbach. Einem schweren Gewitter, das in der Nacht vom 2.—3. d. zwischen 12 und 1 Uhr unter fort⸗ währendem Blitz und Donner mit Hagelschlag über unsere Stadt hinzog, folgte Morgens gegen 7 Uhr ein anderes, das hier in ein Haus einschlug und die Zimmerdecke zer⸗ sprengte, glücklicherweise aber zwei Kinder, die daselbst im Bette lagen, unbeschädigt ließ. Dagegen hat um dieselbe Zeit der Blitz einen jungen Mann, der von einem be⸗ nachbarten Ort hierher zur Arbeit gehen wollte, in der Nähe von Heusenstamm erschlagen.
Wiesbaden. Das unglückselige Spiel im Kursaale hat wieder ein Menschenleben gefordert. Ein Engländer verspielte 80,000 Frs. und erschoß sich alsbald darauf in der Nähe des Spielhauses.
Aus Bonn wird vom 27. Juni gemeldet: Die Eifeler Post langie heute mit erheblicher Verspätung bier ein. Wie wir hören, hat dieselbe in dem sonderbaren Um⸗ stand ihren Grund, daß auf der Strecke von Daun bis Adenau ein Fuß hoher Schnee lag. Sonderbare Hunds⸗ tage in diesem Jahre!
Zu Mähringen im Oberamt Tübingen haben die Gemeindebebörden den Beschluß gefaßt, jedem Soldaten der Gemeinde, wescher den ruhmvollen Feldzug gegen Frankreich mitgemacht hat, ½¼ Morgen fruchtbares Acker⸗ land, nebst einem tragbaren Obsibaum auf Lebensdauer zur Nutznießung, und falls er durch Heirath oder dal. aus dem Ort sich entfernen sollte, 10 fl. aus der Ge⸗ meindcasse zuzuweisen.
Landwirthschaftliches.
Bei der so außerordentlich ungünstigen Witterung sind unsere Landwirihe in großer Verlegenheit wegen der Heu⸗ bereitung. Es dürfte darum zweckmäßig sein dieselben auf eine Methode aufmerksam zu wachen, durch welche das Heumachen weniger oder gar nicht vom Wetter abhängig ist. Dieses Verfahren besteht darin, das halbtrockene Heu auf ganz große Haufen zu bringen und fest zu treten; es wird sich bald erhitzen und sobald die Hitze einen hohen Grad erreicht bat, werden die Haufen wieder auseinander geworfen. In kurzer Zeit ist das Hen sodann zum Ein⸗ fahren geeignet. 0
Noch mehr empfiehlt sich die sogenannte Braunheu⸗ bereitung, wie diese bereits in England, Holland und Belgien längst im Gebrauche ist. Das Gras wird noch seucht, also kaum etwas abgewelkt an den Aufbewahrungs⸗ ort(am zweckmäßigsten auf Heufeimen) gefahren. Regen, Thau, überbaupt äußere Feuchtigkeit darf sich nicht am Grase befinden. Das Futter wird in diesem Zustande ganz fest getreten. Nach etwa 3 Tagen tritt die Erhitzung ein und es steigert sich die Temperatur oft auf 800. Dieser Zustand dauert in der Regel 6 Wochen, während welcher Zeit der Heuhaufen in keiner Weise gestört werden darf. Nach diesem Zeitraum ist das Heu trocken. Eine Selbst⸗ entzündung oder Verderben des Futters ist durchaus nicht zu befürchten. Die Vortheile, welche von dieser Heube⸗ reitung zu rühmen sind, besteben 1) in bedeutender Zeit⸗ und Arbeitsersparniß besonders bei ungünstiger Witterung; 2) bedeutendem Mehrgewinn an Futter, da hier weder Blätter noch Blüthen verloren gehen; 3) Verbesserung ge⸗ ringen Futters; 4) größere Nahrhaftigkeit und Schmack⸗ haftigkenn des Futters; 5) leichtere Verdaulichkeit desselben, da wahrend des Gäbrungsprocesses eine Menge sonst schwerer löslicher Stoffe in leicht lösliche umgewandelt werden, die Assimilationsfähigkeim also erböbt wird; 6) die loslichen Nährstoffe können durch ungünstige Witterung nicht ausgewaschen werden, wie dies dei der Grünbeude— teitung so häufig geschieht; 7) bedeutende Raumersparniß.
Der„landwirthschaftliche Anzeiger“ Nr. 8 und 9 von 1869 brachte folgende Erklärung, welche wir angesichts der neuesten Ueberschwemmungen unseren Lesern mittheilen zu sollen glauben: Am 25. und 26. Mat verschlammte mir ein großer Tbeil meiner Wiesen derart, daß ich, be⸗ sonders da ein die Erde von den Blättern abspülender Regen nicht eintrat, befürchtete, das Gras auf dem der schwere Lehmboden 1 bis 1½ Linien dick aufsaß, gar nicht verwenden zu können. Nachdem das Geschäft des Mähens mühsam vollendet, ließ ich meine Heuwendemaschinen daran arbeiten und die Ausstäunbung gelang so vollkom⸗ men, daß, nachdem das Heu vollftändig getrocknet, der Staub auch soweit entfernt war, um die Verwendung des Futters zu jedem Zwecke zuzulassen. Ich empfehle allen meinen Collegen die Heuwendemaschinen, deren Vortheile bereils anerkannt sind, ganz besonders auch zur Erreichung des angegebenen Zweckes. Meine Maschinen habe ich seiner Zeit aus der Fabrik des Herrn C. F. Wiegand (bezogen und zweifle ich nicht, daß Herr ꝛc. Wiegand in Homberg, Regierungsbezirk Kassel, Vorrath haben wird und jeder Zeit allen an ihn gestellten Anforderungen ge— nügen kann. Domäne Cornberg im Juli 1869. E. Thon.
Verloosungen.
Hamburg, 1. Juli. 100 M. ⸗B.⸗Loose von 1866. In der heute statthebabten Ziehung wurden folgende Serien ausgeloost: 47 79 93 105 117 184 222 289 317 349 428 547 556 569 574 613 624 625 729 768 806 822 824 920 952 969 977 1031 1059 1122 1155 1159 1170 1292 1307 1543 1561 1630 1607 1715 1773 1801 1830 1869 1904.


