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ständiger Nonchalance den Vorsitz führt, und gar nicht aussieht wie ein Mann, dem das Herz blutet.

Nach Berichten aus Valenciennes vom 27. Januar hatte die Nachricht von den Unter- handlungen in Versailles große Befriedigung er- regt, zumal man hoffte, daß nun die gefürchtete Maßregel betreffs der Ueberschwemmung des Nord- Departements unterbleiben werde. Die Vor- arbeiten für die Ueberschwemmungen sind bereits getroffen worden. Man hatte mit dem Bau eines Dammes bei den Schleusen von Mortagne begonnen. Diese Arbeiten waren bestimmt, die Schelde und die Sensee aus ihren Ufern heraus- treten zu lassen und Valenciennes und Cand auf 1215 Kilometer im Umkreise unter Wasser zu setzen!

Aus einem Feldpostbrief, den dieD. Z. veröffentlicht, geht hervor, daß Briare bei Orleans so recht einverlorener Posten war, den, 20 Stunden von letzterer Stadt entfernt, das De tachement des Generals Rantzau längere Zeit zu halten hatte und auch einer überlegenen Truppen⸗ macht gegenüber hielt. Seine strategische Wichtig- keit erhält der genannte Ort durch den Umstand, daß er in Folge der Kreuzung von Eisenbahn linien, ein Straßenknetenpunkt von Bedeutung ist. Die Leibschwadron des 2. Reiterregiments unter Major v. d. Hoop, hatte eine feindliche Tirailleurlinie zu durchreiten, wobei sie 9g Mann verlor, darunter ihren Commandeur. Im Uebrigen hatte nur noch das 2. Jufanterie- Regiment den mäßigen Verlust von 19 Mann zu beklagen, während das Detachement noch circa 100 Ge fangene machte und nicht einen einzigen Wagen einbüßte. Dasselbe hatte, 2000 Mann stark, circa 8000 Mann feindliche Truppen gegen sich.

Nach in Darmstadt eingelaufenen Feldpostbriefen vom 26. und 27. v. M. hatte am 24. ein hessisches Detachement unter der Führung von Major Gerlach etwa 6 bis 7 Stunden suͤdlich von Orleans ein glückliches Gefecht bestanden. Das Detachement bestand aus 2 Compagnien des 1. Jägerbataillons, einer Escadron des 1. Reiterregiments und 2 Geschützen. Der Feind war beträchtlich stärker, wurde aber zur Flucht genöthigt; er ließ 8 Todte auf dem Gefechtsfeld zurück. Am 25. ging eine weitere Jäger-Compagnie unter Hauptmann Balser noch südlicher vor, stieß aber nirgends auf Feinde.

Vor einiger Zeit verlautete von Schritten, welche Prinz Napoleon bei General Changarnier gethan habe, um denselben zu bestimmen, sich an die Spitze einer Bewegung zur Wiederherstellung des Kaiserreichs zu stellen, und von der entischie⸗ denen Weigerung des greisen Generals, auf diesen Plan einzugehen. Changarnier selbst berichtet nun hierüber Folgendes:... Ich erschrack nicht wenig, als ich diese dicke und große Person (den Prinzen) in meinen kleinen ärmlichen Salon eintreten sah; allein meine militärische Kaltblütig⸗ keit verließ mich nicht. Ohne ihn auch nur ein- zuladen, Platz zu nehmen, fragte ich ihn, wie ich zu der Ehre seines Besuches komme. Nach langen Complimenten und Schmeichelworten über meine Wichtigkeit und Beredtsamkeit, die ich nicht zu beschreiben vermag, sagte er:Sie allein können Frankreich retten und dem Kriege ein Ende machen. Die Kaiserin ist ein dummes Thier (une brute). Werden Sie Frankreichs Regent und führen Sie den jungen kaiserlichen Prinzen. Ich bürge Ihnen für die Zustimmung des Königs von Preußen und Bismarck's. Vereinigen Sie sich an der Grenze mit 150,000 unserer Gefan⸗ genen, welche von Generalen nach Ihrem Willen commandirt werden sollen. Wenn Sie die pro- visorische Regierung und einige fünfzig andere Unruhestifter erschießen lassen werden, wird die Ordnung für immer hergestellt sein. Falls Sie einstimmen, wird sogleich ein Unterhändler an Herrn Bismarck abgeschickt werden.Prinz, antwortete ich,ich will keine Romane mehr machen, am allerwenigsten so lächerliche. Darauf wies ich ihm die Thür und er entfernte sich.

Zußverlässiger Nachricht zufolge, sagt der Staatsanz., sind die Arbeiten zur interimistischen

r

Wiederherstellung der durch Franktireurs gespreng⸗ ten Brücke bei Fontenay im Zuge der occupirten Eisenbahn Nanzig-Langny(Paris) so weit vorgeschritten, daß auf einem Geleise schon am 31. Januar Postzüge darüber geschoben wer⸗ den konnten und die vollständige Fahrbarkeit auf beiden Geleisen zum 4. Febr. zu erwarten steht.

Von der Festung Bitsch fehlt uns jede Nachricht und Niemand will etwas von dem letzthin imNiederrheinischen Kurier gemel deten Ausfall erfahren haben, so daß es eben nicht sehr unwahrscheinlich klingt, daß der ganze Ausfall ins Reich der Fabel gehört.

Von dem Schloß Montbeliard, von welchem Bourbaki meldet, nicht in dessen Besitze gewesen zu sein, erhält dieR. A. Z. folgende Notizen: Dasselbe sollte unter allen Verhältnissen gehalten werden und war mit zwei Compagnien Landwehr(Gumbinnen) besetzt, mit sechs Ge schützen armirt, deren Bedienung theils aus Preußen, theils aus Badenern bestand, und auf einige Wochen verproviantirt. Die Franzosen hatten zwar die Stadt besetzt, jedoch wehte am Schloßthurme die preußische Fahne. früb erschien ein französischer Geniehauptmann als Parlamentär und forderte zur Uebergabe auf. Demselben wurde der Bescheid, daß das Schloß noch die Stadt beherrsche und sich die Besatzung bis zum letzten Mann halten würde. Auf dessen Erwiderung, daß sein General vor der Citadelle mit 40 Geschützen das Schloß in Brand schießen würde, wurde demselben geantwortet, wir erwar teten den Angriff. Französische Batterien standen bereits gefechtsbereit, jedoch wurden sofort durch einen 12Pfünder zwei Geschütze derselben demon- tirt. Jetzt wurde das Schloß mit Shrapnel- und Granatfeuer und aus den umliegenden Häusern mit Chassepotkugeln überschüttet. Selbst Bürger betheiligten sich hierbei. Ein Wehrmann wurde durch ein Infanterie-Sprenggeschoß schwer verwundet. Kauoniere und Wehrleute wetteiferten unter schweren Verlusten am 16. und 17. im tollsten Kugelregen in ihrer Arbeit und die Ge schütze brachten durch die umsichtige Leitung des Lieutenant Sauer manche Batterie zum Schweigen, ganze Colonnen wurden fortgemäht. Als am 18. bekannt wurde, daß Bourbaki in fluchtartigem Rückzuge sci, wurde dieses der Besatzung durch den Commandanten des Schlosses, Major von Olszewski, unter einem Hoch auf Se. Majestät den König mitgetheilt. Die Stadt mußte für ihre Mitbetheiligung am Straßenkampfe eine Con- tribution von 50,000 Fr. zahlen.

Die Bourbaki'sche Armee hat dem sicheren Untergang durch die deutsche Umgarnung den ge fahrlosen Uebertritt in die Schweiz bei Pontarlier vorgezogen, nachdem sie noch einen partiellen An⸗ prall des pommer'schen Armeecorps zu bestehen hatte. Auf dieser Seite wäre also die Waffenstillstandsfrage auf natürliche Weise erledigt, die vielen Tausende armer Opfer gerettet, wir von einer zweiten Auflage der Hurden von Sedan befreit. Die beiderseitige Wohlthat ist einleuchtend und die neutrale Schweiz erwirbt sich unsere Daukbarkeit. Ein Anderes ist es mit Garibaldi. Bekanntlich sind drei Departe⸗ ments der späteren Festsetzung des Waffenstillstan⸗ des vorbehalten: Cote d'Or, Doubs und Jura. Das erstere kommt jetzt allein noch in Frage; hier, bei Dijon, ist immer noch Widerstand möglich, denn General Cremer und Garibaldi sind ja in der Meinung, sie seien Sieger gegen ein ganzes preußisches Armeecorps. obwohl wir authentische deutsche Nachrichten bis heute noch nicht von dort besitzen, doch das Eine klar, daß sich höchstens eine Division der Pommern unter General Kettler mit den Garibaldianern herumgeschlagen hat und zwar zur Deckung des Fransecki'schen Flankenmarsches nach Süden und zur täuschenden Festhaltung Garibaldi's bei Dijon. Dies ist vollständig gelungen. General Manteuffel wird jetzt wohl sofort in Eilmärschen nach Dijon abrücken und die drei Corps werden ihr Um- gehungsmanöver wiederholen, falls es Garibaldi nicht für gerathen halten sollte, sich noch recht⸗ zeitig nach dem Süden zurückzuziehen.

Am 16.

Nun ist aber,

VStraßburg. Am 30. Jan. wurden vor dem Steinthore aus Anlaß der Capitulation von Paris 101 Kanonenschuß gelöst.

Das Departement Niederrhein, welches

bisher in die vier Arrondissements Strasburg, Schlettstadt, Weißenburg und Zabern getheilt war, zerfällt, wie derAllg. Ztg. berichtet wird, nach der nun durchgeführten neuen Ein theilung in die siebenKreise: Erstein(66,000 Einwohner,) Hagenau(75,000 Einwohner), Molsheim(69,000 Einw.), Schlettstadt(79,000 Einw.), Straßburg(75,000 Einw.), Weißen⸗ burg(64,000 Einw.) und Zabern(89,000 Einwohner.) Die Stadt Straßburg ist der Präfectur uumittelbar untergeordnet. Aus Baden. hat es sich bei der Katastrophe der französischen Ostarmee nur um eine kurze Spanne Zeit ge handelt. Der Uebertritt derselben ist bei Pontarlier über Verrieres erfolgt. Das 24. Corps soll noch südlich den Weg nach Lyon über Mouthe ge wonnen haben und der deutschen Umschlingung entkommen sein. Dies ist möglicherweise die alte Meldung. Wir bezweifeln es auch nach der gegenwärtigen Beschaffenheit der Wege im Jura, die wir kennen, und vermuthen, daß die vorläufig auf circa 80,000 angegebene Zahl der Ueberge tretenen sich noch beträchtlich vermehren werde. In Montbeliard herrscht großes Elend. Der General Tresckow hat deshalb Unterstützung aus Deutschland verlangt.

Karlsruhe, 31. Jan. Heute Mittag trafen zwei in den Gefechten vor Belfort eroberte fran zösische Fahnen hier ein, wurden von einem Detachement Militär am Bahnhof in Empfang genommen und dann unker Trommelschlag nach dem Schlosse gebracht. Die in Dijon von uns zurückgelassenen Verwundeten sind, soweit sie trans- portabel waren, über Lyon nach Marseille und Nizza geschafft worden. Es waren jedenfalls die⸗ selben, die man in Lyon fürGefangene aus den Gefechten am Doubs ausgab.

Bern. Der Platzcommandant von Morteau bei Pontarlier hat um die Erlaubniß nachgesucht, 300 Kranke über schweizerisches Gebiet nach Lyon transportiren zu dürfen. Das schweizerische Mili⸗ tärdepartement soll dem Ansuchen entsprochen haben. Bern. Ein Telegramm desBund aus Pruntrut meldet: Belfort wird ununterbrochen be schossen. Das 24. französische Armeetorps ist südwärts entkommen. Der Rest der Bourbaki'schen Armee ist abgeschnitten und gegen die Schweizer⸗ grenze gedrängt. 2 Bern. Der Vundesrath forderte den Canton Bern auf, Vorkehrungen zur Aufnahme allfällig übertretender französischer Corps zu treffen. Das Militärdepartement wurde gleichzeitig aufgefordert, Brodvorräthe bereit zu halten. Für den Fall, daß ein Uebertritt nicht erfolgen sollte, ist das Militär departement ermächtigt worden, der im höchsten Grade nothleidenden Bevölkerung von Pontarlier, Morteau und Umgegend 1000 Ctr. Mehl und 500 Ctr. Reis zu übersenden. Bern, 1. Febr. Nach amtlicher Mittheilung hat heute früh der General der Eidgenossenschaft, Herzog, ein Uebereinkommen wegen des Uebertritts der französischen Armee bei Le Verrieres abge schlossen. 3000 Mann sind schon bei Ste. Croix. übergetreten. Die Gesammtzahl dürste 80,000 sein. Die Vertheilung auf die Cantone erfolgt nach Verhältniß der Bevölkerungszahl. Die fran⸗ zösische Artillerie kommt heute noch bis Verrieres.

Hessen.) Mainz. Die hiesige Schloß⸗ caserne wird zur Aufnahme von 400 kriegsge- fangenen Offizieren hergerichtet! Am 1. Febr. ist die erste Post nach Paris von hier abgelassen worden. Auch der früher so schwunghaft von hier betriebene Handel mit feineren Fleischwaaren hat wieder mit einigen colossalen Extra-Trans- porten begonnen. Extrazüge mit Schlachtvieh und Mehl werden eben formirt und ist kaum zu be⸗ zweiseln, daß dergleichen Zufuhren nach Frank- reich, welches seinen Mundbedarf immer zum Theil von Deutschland bezog, in der nächsten Zeit in Folge des erhöhten Begehrs eine erheb⸗

Wie vorauszusehen gewesen,

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