Ausgabe 
29.3.1870
 
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Oesterreich. Wien. Ein Telegramm derAllg. Z. meldet von hier: Die Entlassung Giskra's, unter Fortführung der Geschäfte bis zum Schlusse der Reichs rathssession, ist durch kaiserliches Handschreiben genehmigt.

Hiesige Zeitungen lassen sich aus Rom telegraphiren:Der Papst weigert sich absolut, irgend einen Gesandten zu den Versammlungen des Concils zuzulassen. Die Antwort Antonelli's an den Grafen Daru in Paris ist in diesem Sinne gehalten.

Frankreich. Paris. Der gesetzgebende Körper nahm den Gesetzentwurf, betreffend die Aufhebung des allgemeinen Sicherheitsgesetzes, einstimmig an.

Ein kaiserliches Deeret vom 24. d. ernennt den General Leboeuf zum Marschall von Frankreich.

DerConstitutionnel sagt: Die Antwort des römischen Staatsseeretärs Antonelli suche zu beweisen, daß die 21 Canones nicht die ihnen von der französischen Regierung beigelegte Trag- weite haben, auch könnten dieselben durch die Berathungen des Concils wesentlich abgeändert werden. Die Kirche denke durchaus nicht daran, sich in die Politik einzumischen. Die Canones böten demnach keine Veranlassung für Frankreich, seine bisherige Haltung gegenüber dem Concil aufzugeben. Cardinal Antonelli hofft, daß die französische Regierung gegenüber diesen Erklärungen nicht auf seinem Verlangen bestehen werde, einen Bevollmächtigten zum Concil zu senden.

Tours, Die Zeugenvernehmungen im Prozeß Bonaparte wurden am 23. d. fortgesetzt. Ser⸗ geants de Ville von Auteuil sagen aus, Fonvielle habe erklärt, daß Noir den Prinzen geschlagen oder zu schlagen gedroht habe. Fonvielle leugnet dies auf's Bestimmteste. Vinviollet deponirt, Fonvielle habe gesagt: der Prinz habe seinen Freund getödtet, doch habe er seine Ohrfeige erhalten. Fonvielle stellte auch dies auf's Be⸗ stimmteste in Abrede. Der Zeuge der Civil⸗ partei, Arnoud, berichtet über die Herausforderung Rocheforts durch Bonaparte. Rochefort wird, begleitet von drei Gensdarmen hereingeführt. Sympathische Bewegung unter den Journalisten. Er erzählt die Herausforderung durch den Prinzen und daß dieser ihn zu sich in seine Wohnung einge laden habe. Als Rochefort bei dieser Darstellung erwähnt, er habe den Herren Gambetta und Arago Mittheilung von dem bevorstehenden Duell gemacht und Arago ihm gesagt:Dieser Mann hat einen schlechten Ruf, nehmen Sie sich in Acht, wagen Sie sich nicht blindlings in diese Affaire, denn man sagt mir von allen Seiten, daß dieser Bona parte Alles zu thun im Stande und daß er eine scheußliche Canaille sei, ermahnt der Präsident Rochefort, den Angeklagten zu respectiren, da er bis zum Schlusse des Prozesses für alle Theile ein Unschuldiger sei. Rochefort erwiedert, er sage der Wahrheit gemäß nur das aus, was ihm mit⸗ N worden. Madame Louis Noir macht tief⸗ twegt eine rührende Aussage. Sie beschreibt die Sorgfalt, welche auf die Toilette Noirs verwandt wurde, bevor er zum Prinzen ging; sie constatirt, daß die Handschuhe nach dem Tode unversehrt gewesen. Der Prinz habe gelogen, als er von einer Ohrfeige gesprochen. Morel vomMoniteur dementirt die Aus sage Wachters. Cavalier bezeugt gleichfalls, daß die Handschuhe nach dem Tode unversehrt gewesen. Sauton sagt aus, daß Noir den Hut in der linken Hand gehalten. Der Träger des Leichnams hat nicht gehört, daß Fonvielle von einer Ohrfeige gesprochen. Dasselbe Dementi gibt Müller. Ebenso wiederspricht Audebizi der Aus⸗ sage Vinviollets. Notot wird durch Morel widerlegt. Habeneck, Seinguerlett und Siebecker sagen aus, daß Fonvielle immer bewaffnet aus- gegangen. Millière und Clareti constatiren den sanften Character Noirs. Verriere erklärt, Per rinet hätte in seiner Gegenwart gesagt:Wir sind es, welche dem Prinzen seinen Kopf retten. Kermorgard sagt aus, daß, als Fonvielle bei den Garibalt ianern diente, oleser mit Unrecht eint Diebstahls verdächtigt wurde. Noch wird Vicomte Clary vernommen. Er sagt aut, daß der Prinz steis, so namentlich auch im Jahr 1848 als Ab⸗

geordneter die Gewohnheit gehabt hätte, Waffen bei sich zu tragen.

In der Sitzung vom 24. b. nahm der Gerichtshof davon Act, daß Herr und Frau Salmon als Eltern und Herr Louis Noir als Bruder des Getödteten Civilansprüche

geltend machen. Hierauf wird das Verhör der von dem Prinzen angerufenen Zeugen fortgesetzt. Polizeicommissär Terrien hat auf dem unteren Theile der linken Wange des Prinzen eine Röthe bemerkt. Advokat Floquet rügt, daß der Zeuge aus Rücksicht auf den Stand des Schuldigen mehrere Stunden vergehen ließ, ohne vor läufige Erhebungen einzuleiten und den Prinzen in Haft zu nehmen. Der Journalist Henri de la Garde vom Pays sah auch die Spur des Schlags auf der Wange; sie schien ihm bläulich. Mehrere Zeugen, Cafetiers und Restaurateurs, schildern Victor Noir als sireitsüchtig, der in ihren Localen öfters Scandal veranlaßt habe. Von Seiten früherer Wafsengefährten des Prinzen wird dessen Berhalten als Soldat und dessen Kaltblütigkeit und Muth gerühmt. Als nun auch der Zeuge Capitän Llopus sich über die militärischen Eigenschasten des Prinzen in der anerkennendsten Weise geäußert und dies im Publikum einiges Lächeln erregt hatte, erhebt sich der Angeklagte er zürnt und sagt:Wird der Präsident mir gestatten, zu bemerken, daß dem tapferen Offizier, der eben ausgesagt hat, eine Kugel durch die Brust gegangen ist, und daß, wenn seine Rhetorik nicht eben so schön ist, wie die des Herrn Laurier, er doch viel mehr Muth hat, als die Faction, welcher Herr Laurier angehört.(Allgemeine Unruhe.) Advokat Laurier: Der Gerichtshof hat uns, obgleich er es nicht nöthig hatte, zur Mäßigung ermahnt. Man wird uns die Gerechtigkeit widerfahren lassen, daß wir während der ganzen Verhandlung nicht einen Augen⸗ blick von der maßvollsten Haltung abgewichen sind. Aber nun bin ich von Seiten des Angeklagten der Gegenstand eines nicht zu qualificirenden Angriffs gewesen.(Sensation.) Angeklagier: Ste haben gelacht, als mein alter Kamerad seine Aussage gemacht! In diesem Augenblicke erhebt sich aus der Tiese des Saales Ulric de Fonvielle und ruft sehr erregt:Sie haben wohl Victor Noir ermordet, Elender! Ste haben zu lachen gewagt, als man von seinem Leichnam sprach! Ein unbeschreiblicher Tumult folgt diesen Worten. Alles erhebt sich von seinen Sitzen. Ein Polizeicommissär ergreift Fonvielle, der auf einen Stuhl gesliegen ist und mit geballter Faust dem Prinzen zuruft: Peter Bonaparte, wage mir doch ins Gesicht zu sehen! Man läßt den Angeklagten abführen. Nach längerem Widerstand wird Fonvielle von den Stcherheitsbeamten aus dem Saale gedrängt und die Ruhe stellt sich allmälig wieder her. Nachdem der Angeklagte wieder eingeführt worden, rügt Generalprocurator Grandperret das Auf⸗ treten v. Fonvielle's, das nicht ungestraft bleiben könne, und erklärt, daß er vor Schlug der Sitzung einen Stras antrag stellen werde. Advokat Laurier erhebt hiergegen Widerspruch. Der Gerichtshof zieht sich zurück und ver⸗ kündet nach eiger längeren Berathung, daß sosort eine Untersuchung über den von Herrn v. Fonvielle herbei⸗ geführten Zwischenfall zu veranlassen sei.(Sensation.) Der Präsident wendet sich hierauf an den Augeklagten und empftehlt demselben die größte Kaltblütigkeit. Sie sehen, sagte er, daß Sie mit Ihren Unterbrechungen zu einem höchst bedauernswerthen Zwischenfall Anlaß gegeben haben. Angeklagter: Ich habe mich nicht an das Barreau, sondern an Herrn Laurier gewendet.(Unruhe.) Präsident: Sie haben hier Niemand zu interpelliren. Wir werden nicht gestatten, daß das Barreau von Ihnen insultirt werde.(Zustimmung im Zuhörerraum.) Das Zeugenverhör begiunt wieder. Ein gewisser Ser voni, ehemaliger Offizier bei den Garibaldianern, sagt aus, daß Fonvielle, der mit ihm zusammen unter den Mauern von Capua diente, dort aus einem von den Re⸗ volutionären mit Beschlag belegten Wagen eine Summe von 1215,000 Fr. entwendet habe. Diese Aussage, von der Vertheidigung offenbar mit den Haaren herbei⸗ gezogen, wird durch den Zeugen Kergomard wiederholt gänzlich entkräftet. Ueberdies besagt noch ein anderes Mitglied dieser Truppe, ein Herr Bloutt, der für dieses Zeugniß eigens aus Sicilien nach Frankreich gekommen ist, daß nicht Fonvielle, sondern ein gewisser Husson jenen Diebstahl begangen habe. Damit ist das Zeugenverhör geschlossen und Advokat Floquet ergreift, als ersier Ver⸗ treter der Civilpartei, das Wort. Er wird in seinem Plaidoyer wiederholt von dem Angeklagten unterbrochen, der sich u. A. darüber beklagt, daß ein förmliches Complot vorliege, ihn aus seiner Ruhe herauszubringen. Herr Floquet entwickelt aus ben historischen Antecedentien des Angeklagten die innere Wahrscheinlichkeit der Version des Hrn. v. Fonvielle; das Plaidoyer wird der vorgerückten Stunde wegen abgebrochen. Die Geschwornen ziehen sich zurück und der Gerichtshof verhandelt gegen Fonvielle wegen des Zwischenfalleg. Fonvielle ist während der Sus peusion der Sitzung vernommen worden und nimmt nun auf der Anklagebank Platz. Der Central-Commissär sagt als Zeuge aus, daß Fonvielle dem Prinzen zugerufen hätte:Sie haben Noir ermordel! Wagen Sie, mir ins Gesicht zu sehen, und sagen Sie noch, daß Sie meinen Freund nicht feig umgebracht haben! Sie sind ein Meuchel⸗ mörder! Zum Tode mit ihm! Zum Tode mit ihm! Jonvielle erkennt an, daß er alles dies mit Ausnahme der Worte:Zum Tode u. s. w. gesprochen habe. Einige Zeugen werden vernommen, darunter zur Entlastung die Herren Mill ere, Arnoud, Clarette, Siebecker und Habeneck, welche die Verston Fonvielle's bestätigen. Herr Grand⸗ perret gründet seine Anklage auf Artikel 2 des Gesetzes vom 17. Mai 1819, bettessend strafbare Aufreizung oder Beschimpfung deg Stagtegerichtshofs. Herr Laurier führt in masvoller Sprache die Vertheldigung. Der

Zum Tode! u. s. w. für beglaubigt erachtet, unter Zu⸗ lassung mildernder Umstäube auf zehn Tage Gefängniß. Das Urtheil macht einen angenehm überraschenden Ein⸗ druck, da das Gesetz einen Spielraum von drei Monaten bis zu fünf Jahren Gefängniß gelassen hatte.

Tours, 26. März. Eine Depesche meldet: Der Generalstaatsprocurator verlangt die volle Anwendung des Gesetzes gegen den Angeschuldigten, unterzieht die von dem Prinzen und dem Redacteur Fonvielle über den Hergang der Sache gemachten Darstellungen einer eingehenden Prüfung und erklärt, daß er keine von beiden vollständig acceptire. Er nehme an, daß der Prinz von Victor Noir geschlagen sei, wie auch Fonvielle gleich nach dem Ertignisse zugegeben habe. Die Verhandlungen werden heute nicht beendigt werden.

Italien. Rom. melden, daß in der Nacht des 23. d. ein Haufe

befindlichen Caserne ansammelte und die Rufe ausstieß:Es leben die Truppen! Es lebe die Republik! Nieder mit der Monarchie! Bei dem darauf staltgehabten Zusammenstoß mit den Truppen wurden ein Offizier und vier Soldaten verwundet, ein Sergeant blieb todt. Von den Ausfwieglern wurden zwei getödtet, die übrigen zerstreut. In der Stadt herrscht jetzt wieder Ruhe.

Florenz. DieAmtszeitung meldet: Wie in Pavia, so versuchten auch in Piacenza etwa 100 Personen in die Caserne einzudringen, wurden aber zurückgewiesen. Von Brisighella zogen 70 Bewaffnete nach Bologna, woselbst die Vereinigung zahlreicher Bewaffneter beabsichtigt war. Die ergriffenen Vorsichtsmaßregeln vereitelten den Ver⸗ such. Mehrere Verhaftungen wurden vorgenommen. Die Stadt ist vollkommen ruhig.

Amerika. Washington. Die Oppo⸗ sition des Repräsentantenhauses gegen die Fun⸗ dirungsbill wächst. Das Repräsentantenhaus hat den gegen die Vielweiberei der Mormonen in Utah gerichteten Gesetzvorschlag angenommen.

Frankfurt. Die vierte allgemeine Vogel-, Tauben⸗ und Hühnerausstellung, welche am 26. d. in der Leder⸗ halle eröffnet worden ist, übertrifft, namentlich was die Hühnerarten anlangt, alle ihre Vorgängerinnen. Die neuesten und seltensten Hühnerarten sind in den schönsten Exemplaren vertreten; wir machen Landwirthe auf einige Nutzhühner besonders aufmerksam. Die Ausspielung der angekauften Exemplare wird nächsten Mittwoch statifinden.

Frankfurt. Bei den massenhaften Anmeldungen von Pferden zum bevorstehenden Markte hat sich das Bedürfniß der Beschaffung weiterer Stallungen ergeben, und hat das Comile deßhalb auf Herstellung decselben auf dem großen Bleichgarten Bedacht genommen. Falsche Fünfthalerscheine scheinen schon seit längerer Zeit im Umlauf zu sein, welche sämmtlich die Jahreszahl 1856 tragen. Die Falsificate sind nur von dem geübten Kenner als solche zu erkennen. Ein Kennzeichen derselben il, daß bei der auf dem Revers links befindlichen Engels⸗ figur an der rechten Wade derselben sich ein starker Schatten befindet, auch das rechte Auge etwas verwischt ist. Fulda. Ein Sergeant hiesiger Garnison hat, wie einige Blätter melden, von einem in Brasilien geslorbenen entfernten Verwandten Million Thaler geerbt, und es soll hauptsächlich dem Einflusse des nordoeuischen Ge⸗ sandten zu verdauken sein, daß dem Erben die Erbschaft wirklich zu Theil geworden.

In Madrid hat sich kürzlich Abends eine Scene ereignet, welche den Betheiligten Anfangs nicht so ergötz⸗ lich erschienen sein mag wie später nach Aufklärung des

schaft. gegen 2 Uhr durch den Prado nach Hause, als er plötzlich gar unsanft mit einem ihm begegnenden Un⸗ bekannten zusammenstieß. Da er argwöhnte, daß dieses

sei, so suͤchte er schnell in seinen Taschen nach, und siehe, es sehlten ihm Uhr und Kette. Zum Glück führte er

das Verlangte und lief eiligst fort.

mitzunehmen und war so, ohne es zu wissen, zum Straßen⸗ räuber geworden.

ihm die sehr werthvollen Kleinodien zurückzuerstatten.

Brief kasten.

wolle gefälligst 30 kr. Iuseratgebühren eiunschicken,

dem Wunsche enisprochen werden wird. Es klingt dieß

Die Red.

Nachrichten aus Pavia f

Volks von circa 40 Personen sich vor der daselbst

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Gerichtshof erkennt in einem Urtheil, welches oie Worte 0 0

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Sachvergalls,. Ein junger Mann ging aus einer Gesell«

Rencontre vielleicht nicht ohne Absicht herbeigeführt worden

jedoch einen Revolver bei sich. Er eilte dem Diebe nach, bielt ihm die Waffe vor und rief:Heraus mit der Uhr und der Keite! Der Fremde vor Schrecken zitternd, gab Wle groß aber waer das Erstaunen unseres jungen Mannes, als er in seiner Wohnung angelangt, Uhr und Keite ganz ruhig auf dem Tische liegen sah. Er hatte vergessen, sie beim Ausgehen

Er wußte natürlich nichts Eiligeres 1 zu thun, als den vermeintlichen Dieb aufzulpüren und

Nun war natürlich die Reihe des Erstaunens an diesem. 4

freilich ewas ungalaut, aber es ist einmal nicht anders, Heirathenuwollen kestet Geld! 4

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Oegenßan faͤndiges ein Küchen dank, Gla Oaflenger winfelgert. Bode

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Die Einsenderin der AnnonceHeirathsgesuch 4 1 worauf