— Nach der„V. Z.“ hat das Obertribunal kürzlich folgendes für das kaufmännische Publikum wichtige Urtheil in einer Postcontraventionssache gefällt. Die Kaufleute Siebel Jost Sohn zu Freudenberg hatten am 11. August pr. an die Witwe Krämer zu Neuß 2¼40 Loth Leimproben unter Streifband eingesendet und denselben mit zwei Postfreimarken 4 Pfennige beklebt. Inner- halb des qu. Streifbandes befanden sich die Worte geschrieben:„per 100 Pfund Thaler 19 ab Kirchen, per compt. 1 Proz. Sconto bei Jost Siebel Sohn.“ Auf Grund dieser Mittheilungen erhob die Staatsanwaltschaft Anklage gegen die Absender, da nach§. 15 sub 3 des Reglements vom 11. Dezember 1867 zu dem Gesetze über das Postwesen des norddeutschen Bundes vom 2. Nov. 1867 auf der Adresse von Mustersendungen nichts weiter als der Name oder die Firma des Ab⸗ senders, die Fabrik- oder Handelszeichen, ein⸗ schließlich der näheren Bezeichnung der Waare, die Nummern und die Preise angegeben sein vürfen. Die Kreisgerichtscommission zu Freuden berg erkannte indessen auf Freisprechung und das Appellationsgericht zu Arnsberg bestät gte am 3. März 1870 diese Entscheidung, indem es aus- führte, daß der auf dem Streifband vorfindliche Inhalt sich als gestattete Preisangabe charakteristre, und man der Ansicht der Postdirektion nicht bei— pflichten könne, daß die Bezeichnung: per compt. 1 Proz. Sconto, eine Bonification enthalte. Die Mustersendung unter Kreuzband erfolge im Han⸗ delsverkehr um deßhalb, weil es dem Kaufmann erlaubt sei, mit wenigen Kosten Kaufsofferten zu stellen, und zwar müsse ohne weitere Rückfrage die Bestellung erfolgen können.
Fulda. Nach dem gegenwärtigen Stande der Verhandlungen zwischen Berlin und Rom werden mit Neujahr die zur Diözese Würzburg gehörigen Pfarreien preußischen Antheils mit der Diözese Fulda vereinigt werden.
Bayern. München. Da der Münz⸗ vertrag, an welchem auch Bayern Theil hat, bis 1878 in Wirksamkeit zu bestehen hat und er ohne die süddeutschen Staaten keine Modificationen er- leiden kann, so ist es selbstverständlich, daß sich die süddeutschen Staaten an der zu diesem Zweck vom norddeutschen Bund niedergesetzten Commission betheiligen werden, und zwar haben sie dieses als ihr Recht, nicht als ein Zugeständniß, das ihnen erst auf ihre Anfrage eingeräumt wird, zu bean- spruchen. In diesem Sinne wird wohl auch der bayerische Gesandte in Berlin instruirt werden.
Oesterreich Wien. Zu Landtagsab- geordneten wurden in Wien gewählt: Brestel, Giskra, Kuranda, Glaser, Mayerhofer, Ditmar, Rekenschuß, Tennebaum, Süß, Willner, Steubel, Klemm, Felder, Löblich. In drei Bezirken zer splitterten sich die Stimmen; die Betheiligung an der Wahl war eine außerordentlich große.
— Bei den Nachwahlen in Wien wurden Kopp und Schrank gewählt, ihre Gegencandidoten waren Krawani und Schindler. Bei den Wahlen der Landgemeinden in Steyermark wurden 12 Ultramontane, 6 Liberale und 4 Slovenen gewählt; Kaiserfeld und Stremayr unterlagen. In den mährischen Landgemeinden wurden 23 Declaranten und 7 Verfassungstreue gewählt.
— Die„Oesterr. Corresp.“ erfährt aus Rom, daß sämmtliche ungarische Bischöfe darüber einig seien, sofort nach der Proklamation der Unfehl⸗ barkeit des Papstes Rom zu verlassen.
— Erzherzog Albrecht wird sich zur Begrüßung des Kaisers von Rußland nach Warschau begeben.
Frankreich. Paris. Der Siecle schreibt: „Die Bewegung zu Gunsten des unentgeltlichen und obligatorischen Unterrichts wird immer bedeu— tender. Jeden Tag sendet die Unterrichts Liga, auf das Ersuchen mehrerer Freunde in der Pro— vinz, 40 bis 50 Exemplare der zu unterzeichnen⸗ den Petition ab. Es kann schon angenommen werden, daß man bald für eine halbe Million Unterschriften gesammelt haben wird, wenn nur Männer von Initiative der Sache einige Thätig— keit widmen wollen.
— Die Blätter veröffentlichen einen Brief der Prinzen von Orleans, datirt Twickenham 19. Juni,
worin dieselben verlangen, daß der gesetzgebende Körper das im Jahre 1848 von der Republik erlassene Deeret, welches die Verbannung des Hauses Orleans ausspricht, aufheben möge.
— Die Commission zur Berathung des Ge⸗ setzentwurfs über die auswärtigen Zeitungen hat sich dahin entschieden, daß die in nicht französischer Sprache verfaßten Blätter ohne Controle in Frankreich eingeführt werden dürfen.
— Im gesetzgebenden Körper beritth man über die Vorlage des Herrn Steenackers, der zu⸗ folge die Hinrichtungen künftig im Innern der Gefängnisse vollzogen werden sollen. Laroche Joubert bekämpft diese Reform als Gegner der Todesstrafe überhaupt, im Allgemeinen aber zeigt sich die Kammer ihr sehr günstig. Die Bestim- mung, daß gewisse Personen der Hinrichtung als Zeugen beiwohnen müssen, gibt zu Bedenken An- laß, in Folge deren der betreffende Artikel an die Commission zurückverwiesen wird.
— Im gesetzgebenden Körper wurde ein von mehrtren Deputirten der Opposition gestellter An- trag, nach welchem die Maires durch allgemeine und direkte Wahlen gewählt werden solleg, nach lebhafter Debatte mit 187 gegen 55 Stimmen abgelehnt.
— In Bezug auf die Petition der Prinzen des Hauses Orleans glaubt man zu wissen, daß die Regierung der Petitionscommission erklären werde, sie wünsche entschieden, alle Spuren der politischen Zwietracht zu verwischen und die Aus nahmsmaßregeln, welche davon noch herrührten, verschwinden zu lassen, aber sie glaube nicht, daß der geeignete Augenblick gekommen sei.
Däuemark. Kopenhagen. Der höchste Gerichtshof hat das vorinstanzliche Urtheil be- stätigt, wodurch des Herzogs Karl von Glücks- burg Ansprüche auf den dänischen Staatsschatz anerkannt werden.
Italien. Aus Verona wird gemeldet, daß am 24. d. auf den Schlachtfeldern von San Martino und Solferino die feierliche Einweihung der Grabstätten, welche den daselbst Gefallenen errichtet wurden, stattgefunden hat. Mehrere ita⸗ lienische Prinzen, die Minister und eine Deputation des Parlaments, sowie die Vertreter Frankreichs und Oesterreichs wohnten der Feier bei, zu welcher sich etwa 40,000 Personen eingefunden hatten. Man trank auf das Wohl der drei Armeen.(1)
Nußlaud. Warschau. Daß die be; kannten Potemkin'schen Dörfer noch immer in Rußland zu haben sind, beweist nachstehende Mit theilung, die der„B. B..“ von hier aus zu⸗ geht:„Zur bevorstehenden Ankunft des russischen Kaisers werden die umfassendsten Vorbereitungen getroffen, d. b. polizeilich der Einwohnerschaft auferlegt: Jeder Hausbesitzer, besonders in den- jenigen Straßen, welche der Kaiser bei der Ein- fahrt vom Bahnhof der Warschau-Wiener Bahn oder nach der griechischen Kirche ꝛc. passiren muß, ist, wie schon erwähnt, polizeilich angehalten, sein Haus, Platzumfriedigung ꝛc abfärben oder an⸗ streichen zu lassen; das Pflaster wird ausgebessert, eine Ehrenpforte hergerichtet u. s. w.
Amerika. Der nunmehr beendigte Krieg in Paraguay hat Brasilien schwere Opfer an Menschenleben gekostet. Einem Berichte des bra— silianischen Kriegsministers zufolge wurde anfäng⸗ lich eine Armee von 83,000 Mann nach dem Kriegsschauplatze entsendet. Davon starben oder verschollen 37,000 und wurden dienstunfähig 23,200, so daß die Armee im Feöruar d. J. nur noch 23,436 Mann zählte, von welcher Anzahl nur etwa 12,000 Mann reguläre Truppen waren.
F. Friedberg. Nächsten Sonntag den 3. Juli wird das 17. Felobergzfest stattfinden. Das Rundschreiben des Festcomites, das zu recht zahlreichem Besuche einladet, sagt:„Da wir am 3. Juli nur frohe Gesichter sehen möchten, so erflehen wie vom Himmel schönes Wetter, aber zuvor und vor allen Dingen einen lüchtigen Regen über alle Berge und Thäler des Vaterlandes und der ganzen verdorrten Erde. Gut Heil!!“
Frankfurt. Das Programm des fünften, deutschen Jouknalistentages, welcher dahier am 3., 4., 5. Juli 1870 slatifindel, lautet: Samstag, den 2. Juli: Empfang der Gäste im Versammlungslokale(Rosenau). Besichtigung
der Sehenswürdigkeiten Frankfurts, wozu gegen Vor⸗ zeigung der Legitimationskarte meist freier Eintritt gewährt
wirb. Nachmittags 5 Ubr großes Gartenfest des Künstler⸗ vereins in der ehemals kurslestlichen Villa an der Wind⸗ mühle. Sonntag, den 3. Juli: Präeis 9 Uhr erste
sammlungslokales.— Um 2 Uhr 45 Minulen Abfahrt per hessische Ludwigsbahn nach dem Oberforsthause und Diner daselbst.— Um 5 Ubr gesellige Vereinigung im Stadtwalde. Montag, den 4. Juli: Zweite Sitzung um 9 Uhr.— Um 1 Uhr gemeinschaftliches Mittagessen im Garten des Versammlungslokzles.— Nachmitlags Besuch der Blumen- und Pflanzenausstellung der Gartenbau⸗ gesellschaft im Palmengarten.— Dann Concert der Par⸗ low'schen Kapelle im zoologischen Garten.— Abends Fest⸗ vorstellung im Thaliatheater. Dienstag, den 5. Juli: Dritte(Schluß) Sitzung um 8 Uhr.— Um 10 Uhr 30 Minuten Abfahrt der Taunusbahn nach Castel. Bon Castel per Dampfboot nach Rüdesheim.— Diner daselbst. — Nachmittags Besuch des Niederwaldes, des Rheinsteins und Bingens.— Abends 8½ Uhr von Bingen zurück nach Franksurt.
„ Frankfurt. Die Gartenbau- Gesellschaft wird vom 30. Junt bis 11. Juli d. J. in dem Palmengarten eine Sommerausstellung veranstallen, auf welche wir Freunde und Liebhaber hiermit aufmerksam machen. Die Anmeldungen zur Ausstellung von hier und auswärte lassen auf eine zahlreiche Betheiligung schließen und ist zu hoffen, daß dieselbe trotz der ungünstigen Witterungsver⸗ bältnisse eine bedeutende werden wird. Auch sind bei dteser Ausstellung eine ziemliche Anzahl bedeutender Geld⸗ preise ausgesetzt und nachträglich von der Palmengarten⸗ Gesellschaft vier weitere Preise den Herren Preisrichtern zur freien Verfügung gestellt worden.
Offenbach. Am Vormittag des 23. d. war in einem Theile des Stadtwaldes ein Gras- und Moosbrand aus⸗ gebrochen, zu dessen Löschung das hiesige Jägerbataillon commandirt wurde.
Darmstadt. Die Allgemeine Rosenaus⸗ stellung ist am 25. d. eröffnet worden und müssen wir geslehen, daß elwas Reizenderes kaum gedacht werden kann. Die weiten Räume des Gr. Orangeriehauses sind in einen üppig grünenden Garten umgewandelt und bieten mit ihrem Reichthum an Decorationspflauzen, wozu die großh. Gärten, der botanische Garten und die hiesigen Kunstgärtnereten ihr Bestes und Schönstes geliefert haben, ihren Fontainen und
mannichsaltiger wohl weit und breit nicht arrangirt wer⸗ den könnte. Den Glanzpunkt der Ausstellung bilden aber doch die reizenden Kinder Flora's, die in Tausenden von Varietäten und in allen Formen von Arrangements die übrigen Räume des Ausstellungsgebäudes zieren.
Darmstadt. Die landwirthschastliche Maschinen⸗ ausstellung, die vom 3. bis 5. Juli hier stattfindet, wird sich den früheren hiesigen Ausstellungen würdig anreihen. In großer Auswahl und Mannigfaltigkeit werden aus⸗ gestellt sein: Maschinen und Gerätbe zur Bearbeitung des Bodens, zur Ausbringung der Saat, zur Einbringung der Erndte, zur Gewinnung der Erndteerzeugnisse, zur Futterzubereitung, für Hausbaltung, Hof und Stall. Außerdem bringt diese Ausstellung die vollkommensten Apparate und Maschinen, die nach dem jetzigen Stand der Technik und Wissenschaft zur Vranntweinbrennerei, zur Bierbrauerei und Müllerei verwendet werden.
Schneeberg, Königreich Sachsen. Bei einer Vor⸗ siellung der gegenwärtig hier anwesenden Seiltänzer⸗Ge⸗ sellschaft ereignete sich ein bedauerlicher Unglücksfall. Das hohe Thurmseil wurde von der Frau des Directors mit einer ausgestopften Figur(der sog. Großmutter) auf dem Rücken bestiegen, und ging die Sache auch Anfangs vor⸗ trefflich, bis einer von den mit dem Festhalten der Leinen, welche zum Straffziehen des großen Seiles dienen, beauf⸗ tragten Leute losließ, die Frau ins Schwanken kam und nach einem vergeblichen Versuche, sich am Seile festzu⸗ halten aus beträchtlicher Höhe herabstürzte. Die Unglück⸗ liche trug bedeutende Verletzungen davon.
Einiges über die landwirthschaftlichen Verhältnisse des Kreises Friedberg. Von Dr. K. Henkelmann.
(For isetzung.)
Das neueste Glied der Alluvialbildung, die Damm oder Ackererde ist ein Gemisch von zersetzten Felstrümmern, von feinem Staubmehl zersetzter und ausgelaugter Gesteine mit verwesten Pflanzen- und Thierüberresten, welche letzteren theils auf natürlichem Wege(wie beim Wald- boden), theils durch directe Düngung hinein- gelangten. Sie ist als Hauptwerkstätte des Land ⸗ wirthes für diesen von der größten Wichtigkeit, hängt von ihrer Zusammensetzung und Mächtig: keit doch hauptsächlich der mehr oder weniger günstige Erfolg seiner Bemühungen ab. Die Mächtigkeit der Ackerkrume wird gewöhn⸗ lich nach der Tiefe bestimmt, zu welcher der Boden mit dem Pfluge bearbeitet wird, und wenn wir dieß auch hier thun wollten, so betrüge dieselbe auf den meisten Feldern bei uns nicht mehr als 6 Zoll, da die meisten unserer Landwirthe gewöhn⸗ lich nicht über 6 Zoll tief pflügen; allein in der Wirklichkeit ist dieselbe viel größer und beträgt
mindestens 8 Zoll, wenn wir unter Ackerkrume (die mehr oder weniger mit Humus und Gaxerde
Sitzung.— Frübstück d la carte im Garten des Ver⸗
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