allerdings die französische Ostbahn an einzelnen Stellen unterbrochen; aber diese Demolirungen sind sofort durch unsere Pioniere und Feldeisen⸗ bahnabtheilung ausgebessert und beseitigt, die zer⸗ störten Brücken durch hölzerne Nothbrücken ersetzt worden. Jetzt ist die Bahn von Weißenburg über Nanzig, Toul, bis Meaux frei und in Remilly hofft man die um Metz herum gebaute Bahn am 24. eröffnen zu können, so daß dann auch von Saarbrücken bis zur Armee vor Paris die Locomotive ohne Unterbrechung fahren kann.
Meaux. Favre's Ansinnen, auch in den occupirten Landestheilen zur Constituante wählen lassen zu dürfen, wurde preußischerseits zurück- gewiesen.— Die Preußen besetzten St. Cloud.
Das Hauptquartier des Obercommandos der Maas Armee(Kronprinz von Sachsen) befand sich am 22. Sept. nach telegraphischen Nachrichten des„Dresdn. Journals“ in Grand ⸗Tremblay (2 Meilen nordöstlich von Paris).
Pont à Mousson, 20. Sept. Die„Köln. Zig.“ meldet:„Der Marschall Bazaine hat vor⸗ gestern einen Parlamentär gesandt und um ver- schiedene Zeitungen gebeten, da er seit vierzehn Tagen von jeglichem Verkehr abgeschnitten sei und gar nicht mehr wisse, wie es in der Welt zugehe. Es sind ihm darauf alle englischen, belgischen und deutschen Zeitungen, die nur im Hauptquartier aufzutreiben waren, zugesandt worden. Gestern hat nun Bazaine ein Schreiben gesandt, in welchem er erklärte, daß er unter gewissen Bedingungen zu einer Capitulation bereit sein werde, und ist ein Offizier mit diesem Schreiben in das könig- liche Hauptquartier gesandt worden. Es sollen unter der eingeschlossenen Besatzung von Metz die Ruhr und der Typhus seht arg haufen und auh die Indisciplin so einzureißen beginnen, daß be⸗ sonders Letzteres den Marschall Bazaine zu dem Entschlusse bringen mag, auf eine Capitulakion einzugehen, worin ihm freier Abzug mit allen Ehren und Waffen gegen das Versprechen, inner⸗ halb drei Monaten die Waffen nicht zu gebrauchen, gestattet wird.“ N
— Die Beschießung von Bitsch nimmt nach der „Karlsr. Ztg.“ ihren regelmäßigen Fortgang. Die Stadt hat durch Brände stark gelitten. Auch in der darüber liegenden eigentlichen Festung haben die wenigen Gebäude, die sich dort befinden, schon öfters gebrannt. Der erbetene Abzug der Be— völkerung wurde nicht bewilligt. Von einer Er⸗ stürmung des Felsennestes kann seiner natürlichen Lage wegen keine Rede sein.
— Nach Berichten aus Sevres ist das Verlangen der dortigen Bevölkerung nach einer preußischen Garnison dadurch entstanden, daß Anhänger der rothen Republik sich der Ver— waltung der Stadt bemächtigt hatten und wan gegen die Herrschaft derselben Schutz bei den preußischen Truppen suchte.
Von Metz aus versuchte am 16. d. M. ein französisches Corps einen Ausfall gegen die
Stellung längs der Chaussee nach Straßburg. Das Anfangs nur mit Jufanterie, dann auch mit Artillerie geführte Gefecht dauerte nur einige Stunden, dann wurde es, theils in Folge der späten Abendstunde, theils durch ein starkes Unwetter, abgebrochen, nachdem die diesseitigen Truppen die Abhänge des von uns genommenen Plateaus, sowie das Schloß Mercy le haut
besetzt hatten. a
— Einen sehr schwierigen Dienst scheint nach den vorliegenden Nachrichten das Cernirungs⸗ torps von Thionvills versehen zu müssen. Tags über umstreisen Cavalerie⸗ Patrouillen den Platz, um denselben von jedem Verkehr mit Außen abzu⸗ schneiden; Nachts versieht die Infanterie den Vorpostendienst, der um so austrengender, als kaum 24 Stunden ohne Ausfall der Besatzung vergehen, welche durch Franctireurs, unter denen selbst Weiber sich befinden, von außer⸗
halb unterstuͤtzt wird.
— Die Amtsslegel der deutschen Behörden in Nanzig enthalten nach der„R. W. 3.“ nicht die Preußischen Wappen, soudern den Reichs⸗ adler, ein Beweis, wie das citirte Blatt meint, sür die Gemeinschaftlichkeit des Besitzes zwischen
allen deutschen Ländern; auch J geben die Verwaltungsmaßnahmen bestimmte Andeutungen dafür, daß Elsaß und Lothringen als reichs⸗ unmittelbare Territorien fortverwaltet werden sollen.
— Die Franclireurs tragen meistens bürgerliche Kleidung, statt des Gurtes einen Strick um den Leib, woran der Säbel befestigt ist. Das Ge⸗ wehr ist kein Chaffepot, sondern ein einfaches Percussionsgewehr, das an Stelle des Leder- riemens gleichfalls mit einem Steick versehen ist. Die Leute sollen jedoch mit außerordentlicher Sicherheit schießen und unseren Vorposten bereits manchen empfindlichen Verlust zugefügt haben. Dover, 22. Sept. Drei französische Schiffe vom ehemaligen Ostsee-Geschwader kreuzen zwischen Dünkirchen und Boulogne.
Vor Straßburg sind zwei Luftballons angekommen, aber bis jetzt noch nicht gestiegen. Einen derselben dirigirt Prof. Maler aus Berlin, den audern ein amerikanischer Ingenieur. Es sind sog. ballons captifs, welche, am Tau von einigen Hundert Soldaten gehalten, aufsteigen. Ein preußischer Marincossizier ist vor Straßburg angekommen, um die Arbeiten zu leiten, welche bestimmt sind, das Wasser aus den Gräben zu bringen. Bis jetzt sollen sehr schöne Ergebnisse in dieser Beziehung erzielt worden sein,
— Man kennt jetzt die Verluste des Belage- rungscorps vor Straßburg in dem Zeitraum vom 1. bis 10. Sept. Sie sind nicht unbeträchtlich. Die preußischen Truppen verloren an Todten: 1 Stabsoffizier(Oberstlieutenant v. Gayl vom Ingenieurstab), 2 Offiziere(darunter Ingenieur- hauptmann Herzberg von Köln), 23 Unteroffiziere und Mannschaften; an Verwundeten: 6 Offiziere, 151 Unteroffiziere und Mannschaften; an Ver- mißten: 1 Offizier(Lieutenant Versen, verwundet und gefangen) und 3 Mann. Die badischen Truppen verloren an Todten: 2 Offiziere, 10 Mann; an Verwundeten; 1 Offizier, 00 Mann; an Vermißten: 7. Zusammen 38 Todte, 225 Verwundete, 11 Vermißte, insgesammt 274 Mann. In dem Zeitraum vom 20. August bis zum 1. September war der Gesammiverlust 136 Das größte Contingent stellte der 2. September, welcher in den Trancheen, bei einem Vorposten⸗ und Ausfallsgefecht, und in der Parallele seine Opfer forderte. Seit zwei Tagen werden deut- scherseits die größeren Auswanderungen von Straßburgern nicht mehr genehmigt. Es erschien nicht mehr zuträglich, dem Commandanten die Mittel längeren Widerstandes selbst zu vermehren.
Aus Baden, 23. Sept. Vor einigen Tagen sind mit anderen Batterien baperischer Artillerie auch 2 Batterien der neuen Mitrailleusen („Kartätschen⸗Mühlen“ nennt sie das Polk) durch Karlruhe gekommen. Die Vorrichtung, mittelst welcher geladen und abgefeuert wird, ist ebenso exact wie sinnreich. Diese Artillerie ging zum Heer vor Paris.— Die in Frankreich immer noch verbreiteten Lügentelegramme und Sieges ⸗ depeschen stammen aus dem jetzt in Tours ctablirten Correspondenzbureau von Hapas.
Basel, 21. Sept, Von Mühlbausen wird sorben gemeldet: Gestern Nachmittag 3 Uhr sind hier einigt Tausend Mann französischer Truppen, Linie, Mobilgarden und Franctireuxs, nebst einer Feldbatterie eingetroffen und haben eine starke Abtheilung nach Colmar vorgeschoben. Frankfurt. Mehrere Migleder des hiesigen Sanltäts vereins, welche Lazarethgegenstände zu den 34 ern vor Straßburg brachen, waren bei 0 Erssürmung des Werkes 53, an welcher die
gegen. Nach ihren Schilderungen sind die Stra pazen, welche die Belagerer auszustehen babz ganz außerordentlich. Alle 24 Stunden ist Dien in den Trancheen, wo es sich zu decken gilt, denn kaum läßt sich eine Mütze blicken, so schießen die Belagerten darauf, jedoch meist ohne viel zu schaden. Das 34. Regiment hat bis jetzt 180 Mann an Kranken, Verwundeten und Tobten verloren.
Schwerin, 24. Sept. Nach einem Lele⸗ gramm des Großherzogs sind dei der Einnahme Touls diesseits sast feine Verwundete.
„Compagnie des 34. Regiments theilnahm, zul
Hessen. K. Friedberg. Nachdem bereits vor mehreren Wochen von Seiten des Königs und des
Kronprinzen v. Preußen die Anregung zur Gründung
einer deutschen Nationalstiftung für e des Krieges von 1870 und die nothleidenden Familien der in diesem Kriege Gefallenen aus⸗ gegangen, auch von Berlin aus weitere vorberei⸗ tende Schritte in dieser Richtung geschehen sind,
so hat der Vorstand des Hülfsvereins im Groß⸗
herzogthum Hessen für die Krankenpflege und Unterstützung der Soldaten im Felde, laut einer in der„Darmst. Ztg.“ veröffentlichten Bekannt ⸗
machung den Beschluß gefaßt sich als Landesverein
jener deutschen Stiftung zu constituiren und hat zur geschäftlichen Behandlung dieser Sache eine besondere Abtheilung niedergesetzt, in welcher alle zu Darmstadt bestehende Vereine oder Comite's verwandter Richtung vertreten sind. In Folge davon hat das hiesige Local-Comite des gedachten Vereins, in Betracht, daß nach F. 1, Ziff. 3 der Vereinsstatuten die Fürsorge für die Invaliden ausdrücklich zu den Aufgaben des Vereins gehört, vorläufig beschlossen sich dem demnächstigen Landes- verein als Zweigverein einzuordnen und, so bald von der Centralstelle weitere Anregung erfolgt, die Sache in die Hand zu nehmen. Da es sich nicht blos um ein menschenfreundliches Werk han⸗ delt, denn es wird viele Noth zu lindern geben, sondern auch um die Erfüllung einer nationalen Ehrenpflicht, so ist zu erwarten, daß die Sache auch in unserer Stadt und Gegend lebhafte Be⸗ theiligung finden wird. Vorerst nimmt die Für⸗ sorge für die Verwundeten und die im Feld stehenden Soldaten noch so sehr die Hülfsthätig⸗ keit in Anspruch, daß es wahrscheinlich für an— gemessen erachtet werden wird, weitere Schritte in der Sache der Invalidenunterstützung noch einige Zeit aufzuschieben. Es wird aber dem Publikum von Interesse sein zu erfahren, daß bereits das Nöthige eingeleitet ist, um im gegebenen Augenblick alsbald kräftig in der Sache vorzugehen.
Preußen. Kassel. Wiener Blätter ent ⸗ halten die bis jetzt von keiner Seite bestätigte Nach⸗ richt von einem Selbstmordversuche Napoleons, den er am 18. d. nach Empfang mehrerer Depeschen aus Hastings und Brüssel unternommen habe. Den Bemühungen zweier Aerzte sei es nach ein⸗ stündiger Anstrengung gelungen, den in eine tiefe Ohnmacht verfallenen Kaiser wieder zu sich zu bringen. Das Ereigniß werde möglichst geheim zu hakten gesucht, in Kassel aber spreche man allgemein davon.
Frankreich. Tours, 24. Sept., Abends. Die Wahlen sind vertagt, da Preußen entschlossen ist, den Krieg fortzusetzen.— Die Regierung hat eine Proclamation, aus Tours den 23. Sept. datirt, erlassen, welche besagt:„Jules Fapre wollte den Grafen Bismarck sehen, um die Absichten des Feindes kennen zu lernen. Wir wissen nun, was Preußsen beabsichtigt, es will den Krieg sortsetzen und Frankreich zu einer Macht zweiten Rauges herabdrücken; es will den Elsaß und Lothringen bis Metz kraft des Rechtes der Eroberung. Für die Gewätzrung eines Waffenstillstandes begehrt Preußen die Uebergabe Straßburgs, Touls 10 des Foris Mont Galerin, Paris wird sich ehe unter seinen Mauern begraben lassen; auf solche Forderungen kann nur durch die Fortsetzung des Kampfes geantwortet werden. Frankreich nimmt den 51 auf und rechnet auf seine Kinder.“
— Der General Cluseret, im Begriff, von Tours nach Lyon zu gehen, ist von der Regitrung daran verhindert worden. Palikad, von dem srrthümlich hieß, er sei zum Commandanten in von ernannt, befindet sich in Lüttich. Benedeist ist nach Brüssel gereist. Girardin wird in Tounz erwartet. f
Aus Rouen, 22. Sept., wird telegraphirt⸗ Mantes(bei Paris) bombardirt und in Braud gesteckt. In Orleans und im Aube ⸗Departemen sind noch keine Deutschen. Die 2000 angeblich
bel Monthléry geschlagenen Preußen seien, heißt
16, in Pithiviers, Malesherbes und Puiseauf, bereit sich zu ergeben.(9) 90
Großbritannien. Verbürgten Nachrichten
zusolge hat Graf Bismarck dem französischen Mi⸗
publll Okense Legion tilen. stüd, er candide
gerisse. saudlen Procla Verluf Todlen
den 2. über de Bchauy segell, erhalte baldi nach komme seiner


