Ausgabe 
26.3.1870
 
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durch einen Ministerrath versehen. Der Land⸗ tag ist vertagt, nachdem der König den Ministern den Befehl ertheilt hat, den Haupksinanzetat be⸗ hufs etwaiger Ersparnisse, namentlich im Kriegs⸗ departement, einer erneuten Prüfung zu unterwerfen.

Oesterreich. Wien. In der Reichsraths⸗ sitzung wurde die Debatte über das Budget fort- gesetzt. Bei der Berathung des Etats des Landes⸗ vertheidigungs⸗Ministeriums beantragte Abg. Mayr⸗ hoffer, die Regierung aufzufordern, auf bedeutende Ersparnisse im Militärbudget sowie auf eine all⸗ gemeine europäische Entwaffnung hinzuwirken. Der Antrag fand Unterstützung.

Die Nachricht von dem Entlassungsgesuche des Ministers Giskra bestätigt sich. Der Grund dieses Schrittes liegt darin, daß Giskra im Ministerrath mit seinen Ansichten hinsichtlich der alsbaldigen Inangriffnahme der Wahlreformfrage überstimmt worden ist, und auch insofern von der Politik der anderen Minister sich getrennt hat, als er den Reichstag für hinlänglich competent zur Beschließung eines neuen Wahlgesetzes hält, der Ministerrath abe dies bezweifelt und den einzelnen Landtagen ihre Mitwirkung sichern will. Der Kaiser hat sich gleichfalls für das letztere entschieden.

Das Abgeordnetenhaus lehnte mit 64 gegen 53 Stimmen den Antrag des Abg. Mayr⸗ doffer auf den Erlaß einer Resolution, welche ausgiebigere Ersparungen im Militärbudget und die allgemeine europäische Entwaffnung verlangt, ab.

Pest. Die zur Deak⸗Partei gehörigen Mit⸗ glieder des Oberhauses beschlossen, der Regierung ein Memorandum bezüglich der Reform des Ober hauses zu unterbreiten, welches folgende Haupt- punkte umfaßt: 1) Diejenigen Magnaten, welche 3000 fl. Steuer zahlen, erhalten darin Sitz; 2) die Obergespane erhalten keinen Sitz; 3) die Regierung ernennt ein Dritttheil der Mitglieder.

Schweiz. Trotz des sehr ungünstigen Win⸗ ters sind die Arbeiten an der Rigibahn soweit vorgerückt, daß Anfangs April mit dem Legen der Zahnstange und der Schienen begonnen werden kann. Man hofft bis Anfangs Mai die Strecke bis zum Schnurtobel(7000 Fuß von Vitznau), wo ein Tunnel und eine Brücke zu erbauen sind, mit der Locomotive zu befahren, um das Material zur Brücke hinauf zu transportiren. Die ganze Länge der Bahn beträgt 19,000 Fuß, das Maxi⸗ mum der Steigung 25 Prozent. Die ganze Strecke hofft man noch in dieser Saison befahren zu können.

Die Direktionen der schweizerischen Nord⸗ ostbahn und der Centralbahn haben sich zur Ueber⸗ nahme der Seitens Italiens und des norddeut⸗ schen Bundes aufgestellten Vertrags⸗Bestimmungen rücksichtlich des Baues der Gotthardt⸗Eisenbahn und des Betriebs derselben bereit erklärt.

Frankreich. Paris. DasJournal officiel veröffentlicht ein Schreiben des Kaisers au den Justizminister Ollivier. Dasselbe erklärt es für geboten, alle diejenigen Reformen einzu⸗ führen, welche die constitutionelle Regierungsform erfordert, damit dem ungezügelten Wunsche nach Veränderung ein Ziel gesteckt werde, welches ge wisse Geister erfüllt und die öffentliche Meinung beunruhigt. Die Verfassung vom Jahre 1852 sollte in erster Linie die Ordnung sichern. Heute dagegen ist es nothwendig, alles Das, was in die Sphäre der Gesetzgebung gehört, wieder der Herrschaft des Gesetzes zu unterwerfen. Das Schreiben fordert das Ministerium auf, dem Kaiser ein Senatus⸗Consult vorzulegen, welches die gesetz⸗ gebende Gewalt zwischen zwei Kammern theilt und damit der Nation den Theil der constituiren⸗ 99 Gewalt zurückgibt, welchen sie bisher delegirt

alte.

Privatmittheilungen aus Rom vom 23. d. melden: Die vom Papst selbst geschriebene Ant- wort auf die Note des Grafen Daru ist nach Paris abgegangen. Das Concil hat seine Sitzun⸗ gen wieder aufgenommen und disculirt das Schema über die ketzerische Philosophie. Das Resultat wird Ostermontag verkündigt werden.

2 Im gesetzgebenden Körper bekämpfte der Kriegsminister Leboeuf den Antrag des Deputirten

Keratry, betreffend die Reccutirung, und erklärte, die Regierung werde die Garde mobile ganz ent⸗ schieden aufrecht erhalten. Die Herabsetzung des Contingents wird vom Kriegsminister für unzeitig erklärt. Der Antrag Keratry wurde verworfen.

Die Verhandlungen im Prozesse Peter Bonaparte wurden zu Tours am 21. März 11½ Uhr eröffnet; schon mehrere Stunden zuvor war der Sitzungssaal überfüllt. Während man zur Ausloosung der Geschwornen schreitet, wird der Angeklagte, welcher diesem Ael in dem Zimmer der Geschwornen beiwohnen soll, aus Versehen in den Audienzsaal eingeführt. Sein Erscheinen rust eine allgemeine Bewegung hervor. Frau Salmon, welche auf der Bank der Civilpartei Platz genommen hatte und zum ersten Male den Mörder ihres Sohnes sieht, bricht in Thränen aus. Der Prinz wird eiligst wieder hinausgeführt. Nachdem die Jury definitiv aus 36 Mitgliedern und 4 Ergänzungsgeschwornen gebildet worden, wird der Angeklagte wieder eingeführt und nimmt, einen Gendarmerie-Capitän an der Seite, den Gerichtshof grüßend, auf der Anklagebank Plabb. Der Präsident, Herr Glandaz, bält den Geschwor⸗ nen in einer eindringlichen Ansprache ihre beson⸗ deren Pflichten vor und legt die Stellung und die Aufgaben des Staatsgerichtshofs dar. Nach⸗ dem hierauf die Anklageschrift verlesen worden und der Präsident in vorschriftsmäßiger Weise gesagt hat:Prinz Peter Bonaparte, Sie sind angeklagt, am 10. Januar an der Person des Yvan Salmon, genannt Victor Noir, eine frei⸗ willige Tödtung und an dei Person des Ulric de Fonvielle einen Tödtungsversuch begangen zu haben, werden die Zeugen in der Zahl von 47 für die Anklage, 10 für die Vertheidigung und 20 für die Civilpartei aufgerufen. Aus diesem Anlaß beantragt der Advocat Laurier im Namen der letzteren die Vorführung des Zeugen Henri Rochefort. Der Präsident leistet diesem Antrage Folge und eröffnet, daß die Ueberführung des Zeugen Rochefort von Sainte-Pelagie nach dem Gefängniß von Tours angeordnet werden solle. Darauf schreitet man zu dem Verhör des An- geklagten. Der Prinz Peter Bonaparte erklärt seine bekannten Antecedentien. Er ist 1815 in Rom geboren und nahm 1848 in Frankreich seinen dauernden Aufenthalt; er ist im Jahre 1849, weil er einen Collegen von der gesetz gebenden Versammlurg geohrfeigt hatte, zu 200 Francs Strase verurtheilt worden. Seit 1851 wohnte er theils in Corsica, theils in Auteuil. In demAvenir de la Corse veröffentlichte er einen Brief in Erwiderung eines Artikels des Herrn de la Rocca; in diesem Briefe verlangte er nach heftigen Ausfällen gegen seine politischen Gegner, daß man ihnen die Eingeweide ausreißen sollte und dergleichen Beschimpfungen mehr. Dar- aus entwickelte sich eine Polem k mit derRe- vanche, dann mit derMarseillaise, in Folge deren der Angeklagte eine Herausforderung an Rochefort und gleichzeitig der derRevanche nahe stehende Herr Pascal Grousset eine Heraus⸗ forderung an den Angeklagten schickte. Das Verhör gelangt dann zu dem Ereigniß vom 10. Januar. Es folgt nun die bekannte Schilderung des Ereignisses von Seiten des Angeklagten, worauf der Präsident eine Reihe von Fragen an denselben richtet. Hierauf wird zum Zeugenverhör übergegangen. Der Polizeicommissär Roidot war unmittelbar nach der That beim Prinzen erschie⸗ nen und brachte denselben nach der Polizeipräfektur. Er wiederholt, was ihm der Prinz im ersten Augenblick erzählt hat. Spuren von einem Schlage hat er auf der Wange des Angeklagten nicht bemerkt; es sei um jene Zeit finster gewesen. Der Seeretär des Hrn. Roidot Hr. Lallemant hat den letzten Augenblick V. Noir's in der Phar- macie und der ersten Obduction des Leichnams beigewohnt. Dort begegnete er Pastal Grousset,

und später Ulrie de Fonvielle, die ihm den Her⸗ gang erzählten; der Letztere behauptete, daß Victor Noir nur vorgetreten sei und daß der Prinz ihm eine Ohrfeige gegeben hätte, während er gleich- zeitig auf ihn schoß. Zeuge Ulric de Fonvielle wird aufgerufen.(Bewegung.) Indem der Zeuge

vortritt, firirt er den Angeklagten, der seinen Blick

ruhig aushält. Er erzählt den Hergang in der bekannten Weise. Nachdem der Präsident einige Worte an diesen Zeugen gerichtet, erhebt ein Geschworener die Frage: Wie hat der Angeklagte Victor Noir geschlagen? Zeuge: Mit der linken Hand, während er mit der rechten schoß. Es folgt als Zeuge Hr. Pascal Grousset. Präsident: Wo wohnen Sie? Zeuge(stolz): In Sainte ⸗Pelagie.(Heiterkeit.) Präsident: Sind Sie mit dem Angeklagten verwandt? Zeuge: Lätitia hatte so viele Liebhaber, daß ich nicht weiß, ob ich sein Verwandter bin.(Unruhe, Lachen und Murren.) Präsident verweist dem Zeugen diese Ausfälle. Gleichwohl spricht derselbe im weiteren Verlauf seiner Aussage von Mouchards, be⸗ dient sich ähnlicher Schimpfwörter und fährt dann fort: Als ich den Schreck der Leute sah, da sie dieses Ver⸗ brechen erfuhren, fühlte ich mehr als je, wie tief Frankreich durch ein achtzehnjähriges Kaiserreich gesunken ist. Auf diese Worte erklärt der Ge⸗ neral- Procurator, er wolle keinen Strafantrag gegen den Zeugen stellen, weil derselbe bereits in Haft sei, aber er verlauge, daß der Zeuge ab⸗ geführt und seine Aussage aus den Acten verlesen werde. Dies geschieht und mit dieser Verlesung wird die Sitzung geschlossen.

Der Zudrang zu den Verhandlungen am 22. d. war noch stärker als Tags zuvor. Das Zeugenverhör wird fortgesetzt. Della Rocca, Re⸗ dakteur des Avenir Corse, sagt aus, der Prinz habe ihm gesagt, er habe eine Ohrfeige erhalten. Theodor Grave, Redakteur des kleinen Figaro, hat die Contusion auf der Wange des Prinzen gesehen. Der Dr. Pinel hat den Prinzen untersucht und eine Geschwulst neben dem Ohre bemerkt, aber nichts auf der Wange. Der Doctor macht die Bemerkung, daß die Handschuhe Victor Noirs unbeschädigt geblieben seien. Der Dr. Morel, Hausarzt des Prinzen behauptet, daß der Prinz eine deutlich sichtbare Verletzung gehabt habe, wenn der Dr. Pinel anders aussage, dann verletze er die Gewissenhaftigkeit.(Große Bewegung im Publikum.) Villien behauptet, daß Rimbaux in einem Laden gesagt babe, wenn der Prinz verweigere, sich mit Grousset zu schlagen, so werde er in seiner eigenen Wohnung getödtet werden. (Lang andauernder Lärm.) Der Präsident droht den Saal räumen zu lassen, die Doctoren Tardieu und Bergeron haben die Wange des Prinzen untersucht. Der Apotheker, zu welchem Victor Noir getragen wurde, hat nicht gehört, daß Fonvielle gesagt hat, der Prinz habe eine Ohrfeige erhalten; er bestätigt aber, daß die Handschuhe Noir's unverletzt waren. Der Zeuge Valladon hat Fonvielle sagen hören:Wenn ich gekonnt hätte, hätte ich den Prinzen getödtet wie einen Hund! Die Sitzung schließt unter großer Aufregung der Anwesenden.

Tours, 23. März. Im Prozeß Prinz Bonaparte sagten heute mehrere Zeugen aus, von Fonvielle die Aeußerung gehört zu haben, daß V. Noir den Prinzen in's Gesicht geschlagen habe. Fonvielle darüber befragt, läugnet es in bestimmter Weise.

Auf der Eisenbahn von Lyon ist wieder ein neues Verbrechen verübt. Eine Depesche aus Valence meldet wie folgt:21. März, 11 Uhr. Als der Schnellzug in Montelimard eintraf, be⸗ merkte man, daß die Thüre eines Coupe's erster Classe auf der unrichtigen Seite geöffnet war. Zwischen Loriol und Salce fand man eine ganz entstellte Leiche. Man sagt, daß der Mörder den Waggon hat verlassen können, ohne eine Spur von sich zurückzulassen, und ehe der Zug in Mon⸗ telimard eintraf. Nachrichten vom 22. melden: Der Urheber dieses Mordes ist bereits entdeckt und in Loriol verhaftet worden. Es ist ein rück⸗ fälliger Verbrecher; er hat sich verletzt, indem er vor Montelimard aus dem Wagen sprang. Das Opfer ist ein Kaufmann aus Audenas, der eben eine starke Post Seiden verkauft hatte. Der Mörder hatte mit ihm ein Sch afcoupe getheilt. Der Kampf scheint fürchterlich gewesen zu seln. Das Bett war mit Blut getränkt und alle Scheiben waren mit Blut bedeckt.

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