Ausgabe 
25.1.1870
 
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schließt mit schneidendem Hohne folgendermaßen: Bei dieser Agitation wäre es nun Pflicht aller Andersdenkenden gewesen, in ehrfurchtsvollem Schweigen zu verharren, die Jesuiten und ihren Anhang ruhig gewähren zu lassen, die von ihnen in zabllosen Schriften vorgebrachten Argumente keiner Prüfung zu unterziehen. Leider ist dieß nicht gescheben; einige Menschen haben die uner⸗ hörte Frechheit gebadt, das heilige Schweigen zu brechen und eine abweichende Meinung kundzugeben. Dieses Aergerniß kann nur durch eine Vermehrung des Glaubensbekenntnisses, eine Veränderung der Katechismen u. aller Religionsbücher gesühnt werden.

DieAugsburger Allgemeine Zeitung veröffentlicht den Wortlaut des Protokolls deutschen und österreichischen Bischöfe gegen die Geschäftsordnung des Concils.

Dasselbe Blatt veröffentlicht auch eine vom

Cardinal Erzbischof Rauscher verfaßte Adresse 0 gegen das Dogma der Unfehlbarkeit des Papstes, welche dem Papste in diesen Tagen überreicht wird.

Würtemberg. Stuttgart. Die Adresse gegen das Kriegsdienstgesetz, welche nach dem Be- schluß der Landesversammlung vom 6. Januar

90 von den Wählern der einzelnen Bezirke unter 5 zeichnet, den betreffenden Abgeordneten zur Ueber ö gabe an die Kammer durch eine Deputation über⸗ bracht werden soll, ist von dem Landes⸗Comite in

folgender Fassung augenommen worden. An die

würtembergische Kammer der Abgeordncten: Volks- vertreter! Die unterzeichneten Bürger bitten Euch, Euern ganzen Einfluß und alle der Volksvertre tung zustehenden Mittel anzuwenden, um die Re⸗ gierung zur Abänderung des landes verderblichen Kriegsdienstgesetzes von 1868 und zur möglichst N raschen Vorlegung eines neuen Kriegsdienstgesetzes, ö gegründet auf wahrhaft allgemeine Dienstpflicht, militärische Jugendvorbereitung und kurze Präsenz zu bewegen. u

Baden. Karlsruhe. Die beiden zum Tode verurtheilten Mörder des Kaufmanns Mat- thieß sind von dem Großherzoge zu lebensläng⸗

licher Zuchthausstrafe begnadigt und in die Straf⸗ ö anstalt Bruchsal verbracht worden. N Oesterreich. Wien. Im Abgeordneten bause sprachen bei der Debatte über den Adreß ö entwurf für denselben Kuranda, Mene und Kaiser⸗ ö feld. Der Letztere spricht sich entschieden gegen ö die jüngsten Ausgleichsversuche aus und ermahnt das Haus, gegenüber den förveralistischen Tendenzen an der Verfassung festzuhalten. Soetic, Wodicki und Greuter sprachen gegen den Entwurf der Commisston. f Das Verbot der Ausfuhr von Waffen ist wieder aufgehoben. Der Ausschuß nahn die Regierungevorlage betreffs Ausbebung des Rekrutencontingents pro

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der;

1870 an. Das Ausschußmitglied Figuly reservirte sich für die Plenarberathung den Antrag auf Herabsetzung des Effektivbestandes der Armee auf 600,000 Mann, wodurch eine Jahresersparniß von 20 Mill. zu erzielen sei.

K In Wien ist am letzten Mittwoch Mittags 1 12 Uhr eine ziemlich heftige Er derschütterung ü wahrgenommen worden.

DieN. fr. Pr. äußert sich bezüglich 1 des Besuchs des Erzherzogs Karl Ludwig in 1 Berlin dahin, daß dieser Reise durchaus keine politische Absichten beigelegt werden dürften. Sie sei nur ein einfacher Akt der Courtoisie, veranlaßt 1 durch den Besuch des Kronprinzen von Preußen 1 in Wien. Aufschluß über die Beweggründe zu diesem Besuche gibt indeß ein Berliner Corre⸗ spondent derBresl. Ztg., indem er sagt: Wenn

1 g vom Berliner Hofe ein freundliches Einvernehmen 1 mit dem Kaiser von Oesterreich erstrebt wird, so N erklärt sich dieß aus dem Wunsche des Königs I und dem Rathe seiner Aerzte, die nächste Bade; 1 Saison in Karlsbad und Gastein zuzubringen. U Es hat sich nämlich herausgestellt, daß die Wirkungen N des Bades von Ems auf ein allerdings unerheb⸗ g liches Leiden des Monarchen nicht von so durch; 1 greifendem Effekt waren, als dies nach dem Ge⸗ 1 brauch der österreichischen Bäder beobachtet wurde. f Dem Besuche desselben wird selbstverständlich ein

beiderseitiges freundliches Entgegenkommen voraus- gehen müssen.

Frankreich. Paris. Körper sprach sich Simon, trotz der evidenten Nachtheile, unter welchen einige Industrien durch

Im gesetzgebenden

den Freihandel leiden, für denselben aus. In England habe sich der industrielle Kampf mit Deutschland sehr fühlbar gemacht; es seien jedoch als Bedingungen des Kampfes allgemeiner Friede und Freiheit nothwendig.

In dem Prozeß des Prinzen Peter Bona- parte sind am 19. d. mehrere neue Zeugen ver⸗ nommen worden, darunter der Dr. Morel, der Arzt des Prinzen, die Herren Coetlogon und Chabrillat vomFigaro und Herr de la Garde vomPays. Ulric de Fonvielle soll zu einer neuen Vernehmung vorgeladen sein. Der Prinz hat den Advokaten Emil le Roux, seinen ehemaligen Collegen in den gesetzgebenden Versammlungen von 1848, der ihn schon in mehreren Prozessen vertreten hat, zu sich rufen lassen. DieMar- seillaise meldet, daß als Anwalt der Familie Noir in dem gegen den Prinzen angestrengten Civilprozeß Herr Ledru-Rollin fungiren werde.

DerRappel sagt:Seit gestern, seit der in AnklagestandVersetzung, d. h. seit der Verurtheilung Rochefort's gibt es nur einen Ruf im Volke; die Deputirten von Paris müssen in Masse ihre Entlassung geben Ja, diese Ent⸗ lassung würde eine ihrer Stellung würdige Pflicht sein. Es wäre schön, wenn nicht ein einziger republikanischer Deputirter von Paris auf den Bänken verbliebe, auf denen der Abgeordnete des ersten Bezirks nicht mehr Platz nehmen wird. Alle Wahlbezirke sind solidarisch und alle werden in dem ersten mitbetroffen. In der Person des Herrn Rochefort ist ein Gewaltact gegen das all⸗ gemeine Stimmrecht verübt worden. Durch ihre Entlassung würden die Pariser Deputirten seine Sache zu der ihrigen machen. Ihre enthusiastische Wiederwahl wäre die Protestation der gesammten Bevölkerung und Paris würde seinen Abgeordneten schon von heute an zu diesem einstimmigen und folgenreichen Entschlusse Glück wünschen, der das Kaisegeich zwänge, zugleich mit den zwölf Ge⸗ schwornen, welche Rochefort verurtheilen sollen, die 200,000 Wähler zu versammeln, welche ihn sreisprechen werden.

Die Arbeitseinstellung in Creuzot dauert, ohne neue Unruhen bervorzurufen, fort. Die Arbeiter verlangen die Entlassung des Direktors der Werkstätten und die Wiederzulassung aller Arbeiter, welche neulich wegen unerlaubter Ab⸗ wesenheit weggeschickt wurden.

Im Gesetzgebenden Körper verlangten mehrere Redner, indem sie auf die scandalösen Auftritte bei der Hinrichtung Traupmanns hin- wiesen, daß künftighin die Hinrichtungen innerhalb der Gefängnißmauern stattfinden sollten. Der Minister will sich über diesen Punkt in nächster Sigzung erklären. Der Deputirte Simon kündigte an, er werde einen Gesetzentwurf beantragen, der die Abschaffung der Todesstrase verfügt.

Der Minister hat im Gesetzgebenden Kör⸗ per die Ecklärung abgegeben, daß das Verlangen, die Hinrichtungen künftig innerhalb der Gefäng- nißmauern zu vollziehen, ernstlich in Erwägung gezogen werden solle. Das Befinden des De⸗ putirten Raspail hat sich gebessert. Der be; kannte tussische Exilirte A. Hertzen ist gestorben. Aus Creuzot wird gemeldet, daß die Arbeiten wahrscheinlich in den nächsten Tagen wieder auf⸗

enommen werden, ein Theil der Arbeiter habe sich bereits zur Arbeit wieder eingefunden.

Rochefort hatte die öffentliche Erklärung abgegeben, er werde sich dem Tribunal nichl stellen, er verwerfe die Richter, welche nicht aus dem all- gemeinen Stimmrecht hervorgegangen seien. Er werde am Tage der gegen ihn zur Verhandlung kommenden Anklage zu Hause zu treffen sei. So

wurde denn auch am 22. d. die Anklage gegen

dieMarseillaise, resp. gegen Rochefort, Grousset

und Dereure, ohne daß einer der vorgeladenen Angeklagten erschienen wäre, verhandelt. Das öffentliche Richter möchten nur in

behandeln, als es nothwendig sei, die Achtung vor dem Gesetze zu sichern. Verurtheilt wurden Rochefort zu sechs Monaten Gesängniß und 3000 Fres Geldbuße, die beiden anderen Angeschuldigten, Grousset und Dereure, traf gleichfalls eine Ge⸗ fängnißstrafe von 6 Monaten und Ersteren eine Geldbuße von 2000, Letzteren von 500 Fres. Die Aus gabe derMarseillaise vom 2288 wurde polizeilich verhindert a Thiers entwickelte im gesetzgebenden Körper in längerer Rede, daß der Kampf, den der Frei⸗ handel hervorgerufen habe, die nationale Arbeit einer Gefahr aussetze. Eine Nation habe drei große Interessen zu vertheidigen, ihre Freiheit, Größe und ihre materielle Prosperität. Die ge meinsamen Bestrebungen würden die Freiheit wie⸗ dergestalten und der Verzicht auf die brutale Ge walt den Völkern Achtung einflößen und durch

sichern.

Italien. Rom. Eine Petition an den Papst, unterzeichnet von mehreren Bischösen, pro testirt gegen die Art und Weise, wie sich die religibsen Journale über die schwebenden Fragen aussprechen. 7

Rumänien. Bukarest DasAmts blau veröffentlicht ein Rundschreiben, welches den Präfekten empfiehlt, die bestehenden Gesetze gegen die Ueberhandnahme der Juden strenge, durch- zuführen.

Friedberg. Von Seiten des hiesigen Turnvereins kommt uns folgende Berichtigung zu: Im Oberhessischen Anzeiger Nr. 10 befindet sich ein über die hiesigen Feuer⸗ wehrverhältnisse handelnder Artikel, in welchem es heißt: Der hiesige Turnverein habe eine Erweiterung der Turner⸗ feuerweyr von sich weisen zu müssen geglaubt. Ein in derselben Nummer unter den Inseraten befindliche Auf⸗ forderung zur Gründung einer freiwilligen Bürgerfeuer⸗ wehr, sagt: Die Statuten der freiwilligen Turnerfeuerwehr gestatten nur Mitgliedern des Turnvereins die Aufnahme in dieselbe. Beide Behauptungen sind vollständig unbe⸗ gründet. Die Statuten der Turnerfeuerwehr besagen aus⸗ drücklich, daß Nichtmitgliedern des Turnvereins die Auf⸗ nahme in die freiwillige Feuerwehr nur unter Zustimmung der Mannschaften gestattet werden könne, eine Bestimmung, welche wahrscheinlich bei den meisten Vereinen und Cor⸗ poralionen besteht. Eine Anmeldung von Nichtmitgliedern in die Feuerwehr des Turnvereins ist bis jetzt noch nie⸗ mals erfolgt, der Turnverein befand sich also auch nicht in der Lage, sich über eine derartige Erweiterung der Turnerfeuerwehr entscheiden zu müssen.

o Friedberg. Wie man uns mittdeilt, wird nächsten Miliwoch hier ein 6½᷑ jähriges Kind, Helene G., öffentlich gezeigt werden, welches zu den menschlichen Mikrocephalen oder Kleinköpfen gehört. Dr. Louis Büchner in Darmstadt hat diese außerordentliche Erschei⸗ nung gesehen und eine Beschreibung derselben in der Gartenlaube gegeben, und nach dieser so wie nach den Beobachtungen anderer berühmter Physiologen und Ana⸗ tomen repräsentirt Helene B. den wahrsten Aztekismus, d. h. die Gehirnverkleinerung im ausgeprägten Maßstabe. Ob sich hier, wie behauplet wird, ein auffallender Beleg zu Darwin's Theorie des Rückfalls in die alte Race conflatiren läßt, überlassen wir dem urtheilsfähigen Fried⸗ berger Publicum. Es dürfte nicht nur für Fachleute, sondern auch im Allgemeinen sehr belehrend sein, solch ein Exemplar unsrer noch dazu kaukasischen Menschenraee

genauestens zu besbachten.

* Friedberg. Der Frankfurter Handelsverein macht zur Wiederlegung des auch bierorts und in der Um⸗ gegend vieljach verbreiteten falschen Gerüchts, als wären Oesterr. Sechser in Frankfurt jetzt wieder ohne Ver⸗ lust zu verwertben, bekannt, daß dieselben nicht über 94% daselbst zu begeben find, und in Oesterreich selbst vor wie nach nur gegen Papiergeld eingewechselt werden bis Ende März a. e. Im Waarengeschäft werden sie auch in Frank⸗ furt 4 kr. pr. Stück genommen.

Aus Gedern wird denH. V. gemeldet: Seit Anfang November v. J. besteht hier eine eigenthümliche Posteinrichtung, worüber man allenthalben die lautesten Klagen des reisenden Publikums vernimmt. Der um 8½½ Ubr Vormittags von Lauterbach hier ankommende Postwagen geht nämlich erst um 1 Uhr nach Nieder⸗ Wöllstadt, so daß die miikommenden Passagiere nutzlos bier mehrere Stunden verbringen müssen und die Geschäfts⸗ leuie, welche mit der Bahn weiter reifen wollen, oft um einen ganzen Tag kommen, da sie die Morgenzüge nicht benutzen können. Ebenso setzt der um 12½ Uhr Nachm. von Nieder⸗Wöllstadt ankommende Wagen erst um 3 Uhr seinen Cours nach Lauterbach fort. Gründe für diese, das reisende Publikum schwer schädigende Einrichtung sind nicht bekannt, und kann man dieselbe überhaupt gar nicht begreisen. Es scheint aber eine preußische Eigeuthümlichkeit zu sein, auf die Inleressen des Zublitums wenig Rücksicht zu nehmen und erinnert diese Posteinrichtung lebhaft an

Ministerium stellt den Antrag, die

den so viel angegriffenen Sommerfahrplan der Main⸗ Weser⸗Babn. Es sind übrigens Schritte bei der höheren

1 le Postbehörde zur Abänderung dieser Einrichtung geschehen soweit die Angelegenheit ob dieselben Erfolg haben werden, bleibt abzuwarten. f

einen rechtmäßigen Einfluß der Nation ihre Größe

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