Ausgabe 
23.8.1870
 
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Emil Ollivier sind vorigen Freitag im Bahnhofe von Culoz gesehen worden. Sie begeben sich nach Italien. Diese Abreise unter so traurigen Ver- hältnissen wird streng gerügt.

Der Commandant von Paris, General Trochu, hat sich in Privatkreisen rückhaltlos dahin ausgesprochen, daß die Dynastie Bonaparte nicht wieder zur Gewalt gelangen werde. Die Kai serin befindet sich nicht mehr in Paris. Die Abreise Ollivier's nach Italien hat vielen Impe⸗ rialisten das Signal zur Flucht gegeben.

DerIndependance wird telegraphirt, daß bei Mars la Tour am 16. August eine Armee von 80,000 Deutschen(2) gegen 180,000 Franzosen gestanden. Die Schlächterei sei ent setzlich gewesen; der französische Verlust betrage 25,000 Mann, der deutsche 15,000 Mann.

ImSidcle steht zu lesen, daß die ge⸗

fangenen und verwundeten Franzosen in Frankfurt ausgezeichnet bewirthet worden und daß dies ein Beweis für die französischen Sympathien der Frankfurter sei!(Oder auch nicht!) Die Bauern in der Umgegend von Metz wurden von dem Festungs-Commando freundlich eingeladen, ihr Vieh in die Stadt zu treiben; man werde es ihnen nicht abnehmen, ohne es ihnen redlich zu vergüten. Alle Ortschaften haben Befehl, bei Annäherung des Feindes Sturm zu läuten. Große Finster niß herrscht des Abends in Metz; da die Zu Fuhr aus den Saar⸗Kohlengruben abgeschnitten st und kein Gas bereitet werden kann.

Belgien. Brüssel. DerIndependance Belge zufolge ist das Corps Douay von Belfort über Paris in Chalons eingetroffen. Die Mobil zarden haben das Lager von Chalons verlassen, um sich nach dem Lager von St. Maur zu be⸗ geben.

DerEtoile belge versichert, daß der Kaiser Napoleon vor einigen Tagen unter Ver⸗ nittlung Englands seine Absicht zu Frievens enterhandlungen kundgegeben habe. Graf Bismarck abe die Antwort ertheilt: wir wollen nur in aris unterhandeln, wenigstens müsse Frankreich nerst um Waffenstillstand nachsuchen.

20. Aug., Vormittags. In Paris wußte nan bis gestern Abends nichts von dem Siege der Deutschen bei Rezonville. Nach hier ein gelaufenen Privatnachrichtn war der Kampf est um 9 Uhr zu Ende. Bazaine ist vollständig

f Metz zurückgeworfen und von Paris abge-

nitten. Das Gerücht von einem ernsthaften (gagement bei Chalons circulirt in Paris.

Großbritannien. In London sind über 185,000 Thlr. für die Verwundeten, die Wittwen und Waisen in Deutschland subscibirt worden; a der Spitze dieser Stiftung steht der Baron on Schröder, einer der thätigsten Directoren der Jorth⸗Britisch Mercantile Versicherungs-Gesell schaft. Große Beiträge sind schon der Armee zu⸗ gangen und eines der Mitglieder des Comite's mit einem Zeltlager von 200 Betten nach saarbrücken abgereist. Dasselbe enthält Alles, dus für ein Lazareth von solchem Umfang nöthig ist.

Italien. Florenz, 17. Aug. In Rom culirt eine mit mehreren Tausend Unterschriften cgeckte Petition, welche von der italienischen gierung Hülfe und Schutz gegen die römische ho lizei fordert.

DieNazione sagt: Ein preußischer lezationsrath habe König Wilhelm nach Coblenz

einen Brief des Pabstes und von dort des Königs Antwort zurückgebracht des Inhalts: Der König habe als Haupt des Norddeutschen Bundes nichts dagegen zu erinnern, wenn eine deutsche katholische Macht dem Pabst anstatt Frankreichs eine Be satzung schicke, oder wenn eine neutrale Macht während der Dauer des Krieges dem Pabst Hülfe gewähre, denn er erkenne die Souveränetätsrechte des Pabstes nach jeder Richtung an.

Rom. DerCorresp. Havas wird vom 9. telegraphirt:Die Räumung ist vollständig beendigt. General Dumont ist ermächtigt worden, der römischen Regierung 35 Haubitzen und 15,000 Bomben zu überlassen. Die Desertionsfälle sind in der Legion von Antibes zahlreicher als je; vor einigen Nächten sind 27 Mann von diesem Corps verschunden.

Rußland. Auch die Deutschen in Moskau zeichnen sich durch eine außerordentliche Opfer freudigkeit aus. In wenigen Stunden waren 8000 Silberrubel gesammelt und es ist Aus sicht, daß in den nächsten Tagen eine erste Sendung von circa 30,000 Rubel an den Hülfs verein in Berlin abgehen könne.

Amerika. Washington. Die Reglerung wies das europäische Uebungsgeschwader an, Schiffe zur Schügung der Interessen der Union nach der Elbe und Weser zu schicken, indessen die Blokade regeln inne zu halten.

19. August, Abends.(Kabeldepesche.) Heute fand eine große Festlichkeit der hiesigen Deutschen, anläßlich der deutschen Siege statt. 30 40,000 Deutsche waren in Johnes Woods

versammelt. Es herrschte ein großer Enthu siasmus. Frankfurt. Am 19. Abends um 10 Uhr langte

ein Zug mit verwundeten und gefangenen Franzosen hier an, darunter einige 30 Turkos. Zwei derselben waren ganz schwarz. Die gefangenen blieben mit den Ver wundeten und den gegen 12 Uhr mit einem andern Zuge angekommenen Franzosen die Nacht über im Weserbahn⸗ hof, von wo sie am 20. Morgens nach Norden spedirt wurden. Drei gefesselte Elsässer Bauern, scharf bewacht, bildeten den Gegenstand allgemeiner Neugierde; dieselben hatten wahre Galgengesichter und schauten mit ihren Lux augen umher, ob sich ihnen etwa eine Gelegenheit zur Flucht biete. Doch die Escorte ließ sie nicht aus dem Auge. Von ihr erfuhren wir, daß die zwei Bauern sich der Beraubung von Leichen und der dritte der Ver stümmelung eines Verwundeten schuldig gemacht.

Mainz. Vor einigen Tagen legitimirte sich einer Gefangenen höheren französischen Offiziere beim

der

Festungsgouvernement als Neffe unseres deutschen Dichters Abalb v. Chamisso, welcher den gleichen Damen führt, und suchte darum nach, seine Gefangen schaft bei einem Vetter, dem Sohne des Dichters, zubringen zu dürfen. In entgegenkommenster Weise wurde seinem Wunsche ent⸗ sprochen, indem er auf gegebenes Ehrenwort ohne alle Bedeckung nach Wiesbaden reisen durfte. Am 19. d. hatten wir den Besuch eines ganzen franzöfischen Feld⸗ lazareths sammt Ausrüstung; dasselbe bestand aus etwa 40 Personen die unter dem Schutze der Genfer Convention von Weißenburg nach Köln dirigirt wurden, um durch Belgien reisend wieder nach Frankreich zu kommen. Von hier gingen sie per Dampfboot nach Köln.

Beseheinigung.

Bei dem Rechner des Comités für die Unterstützung der verwundeten und erkrankten Soldaten im Felde und der nothleidenden Familien von Soldaten sind weiter ein gegangen und werden dankbar quittiri: fl. kr. durch Herrn Regterungsrath Trapp, Gaben von

den Einwohnern Ober ⸗Mörlens, gesammelt

durch Herrn Bürgermeister Jeckel 55 durch Herrn Gasiwirth W. Schmidt,

Hülfscomités zu Reichelsheim:

1) aus den Wochenbeiträgen bes Hülfsvereins 20

55 Rechner des

2) von der Firma F. B. Schwarz& Co. 10 durch Herrn Pfarrer Ührich aus dem Abends⸗

Gottesdienste in Beienheim 3 48 durch Herrn Lehrer Biedenkapp von den Schulkin⸗

dern Nieder Rosbachs 6 durch die Herren Vürgermeifter Helfrich, Bernhard

und Haas gesammelt in Fauerbach 31 38

in der Collecte Friedbergs 16 18

von den monatlichen Gebern Friedbergs 89 5

231 49

hierzu die bereits quittirten Beträge 2676 50

2908 39

Außer den vielfältigen Gaben von Friedberg gingen ein: von Frau Kleeberger in Södel 15 Pfund geirocknete Zwetschen und Mirabellen, 100 Eier, von Herrn Pfarrer Müller in Staden 2 Flaschen Johannisbeersaft, durch Frau Lehrer Werner in Ober-Rosbach als zweite Sendung 8 Hemden, 9 Handtücher, 22 Binden, 1 Pack Compressen, 3 Päcke alte Leinwand, von Frau Oberpfarrer Fuhr in Ober-Rosbach, 1 Korb Zwieback, 5 Spreusäckchen, ver⸗ schiedenes Dürrobst.

Auch für geistige Nahrung ist die Liebe thätig: Herr Director Dr. Malthias sandte leihweise für die hiesigen Lazarethe 5 Spinnstuben, 1 Neues Testament, 1 Gesang⸗ buch, 1 Katechismus, 1 Kriegsgefangenschaft, 1 Zeugnisse von Rödenbacher, 1 Jahresbericht der Bibelgesellschaft von 1866, 1 Lesestück von Fischer, 1 Kalendermann, 1 Mohr und Winsor, ferner viele Bücher von verschiedenen Herren, und die Herren Bindernagel& Schimpff stellten ihre ganze Bibliothek den Verwundeten zur Verfügung.

Unsere Lazarethe sind bereils von unseren verwundeten Brüdern gefüllt und große Ausgaben zur Verpflegung an uns herangetreten, wir bitten deßhalb um weitere Gaben der Liebe.

Friedberg den 22. August 1870.

Für das Comits:

J. Huber, Rechner.

Aufruf 3

Liste einzeichnen.

ur freiwilligen Krankenpflege.

Angesichts der täglich sich mehrenden Anzahl der Verwundeten in den hiesigen Lazarethen ergeht an alle Herren und Damen der Ruf um Hülfeleistung.

Es ist Mangel an Krankenpflegern und Pflegerinnen und wem irgend es Zeit und Umstände erlauben, wolle sich sofort in die auf dem

Bürgermeisterei-Bureau offenliegende

Zur Bildung eines zweiten fliegenden Sanitäts-Corps werden Anmeldungen in dem Sanitäts⸗Wachtzimmer am Bahnhof entgegengeyommen.

Aufruf zur Aufnahme

wollen sich bei der Bürgermeisterei anmelden.

von leichtverwundeten

Soldaten und Reconvalesceuten.

Alle hiesigen Einwohner, welche sich zur Aufnahme der Genannten bereit erklären,

Nasche Hülfe thut dringend noth!

Bekanntmachung. 49 Donnerstag den 25. d. M., Nachmlttags 2 Ubr, blen der Gemeinde Vilbel gehörige 10 Pferde und welspännige Wagen unter den bei der Verstetgerung belannt gemacht werdenden Bedingungen durch unter zupnete Stelle versteigert werten.

Die Pferde, sowie Wagen sind sehr brauchbar und kinnen dleselben eingesehen werden(Gasthaus zum celrenen Engel in Vilbel).

Vilbel den 20. August 1870.

Großberzogliche Bürgermeisterel Vilbel.

Meine Obstkelter

208 ist aufgeschlagen und biete solche zum Gebrauche an. Wittwe Morell Vorstadt Nr. 150.

Bekanntmasch unn 2056 Die Genehmigung des verkauften Streulgub vom 18. Jul l. J. ist nicht erthellt worden und wird ander weitsg Mittwoch den 24. Auguft, Morgens 8 Uhr, auf Ort und Stelle verfseigert. Die Zusammenkunft ist an der Hauptschneiße am Bainhardswald. Nieder⸗-Rosbach am 19. Augus 1870. Großherzogliche Bürgermetsterei Nieder Rosbach Jos st.

Eine Parthie 0

leerer Oxhoftfässer,

200 zum Einmachen von Gurken oder Sauerkraut geetgnet, ist ganz oder theilweise zu verkaufen. Falken gasse Nr. 5 in Franfurt a. M.

Versteigerung von Pferden und Wagen. 2057 Mittwoch den 24. d. M., Vormittags 9 Ubr, sollen an Ort und Stelle

5 Zugpferde

4 Wagen, sowie

eine Parthte Pferdegeschirr öffentlich meistbietend versteigert werden.

Ilbenstadt u den 22. August 1870.

Großherzogliche Bürgermetsteret Ilbenstadt Wien

Hiische Obergährhese,

2008 für deren Güte garantirt wird, per Schoppen 12 kr., bei G. Philippi.