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Bischheim hinaus. Es fand dort ein lebhaftes Gesecht statt, bei welchem die Franzosen derb zurückgewiesen wurden; 150 Gefangene. Details folgen. Von Tag zu Tag glaubt man, daß ein ernsthafter Angriff bevorstehe.

DerMainzeitung kommen von einem am 20. d. von Kork bei Straßburg zurückgekehr⸗ ten höchst achtbaren Manne folgende Mittheilungen zu: Gestern Morgen um ¼7 Uhr eröffneten die während der Nacht südlich und nördlich von Kehl fertig gestellten badischen Batterien das Bombar dement auf Straßburg. Alsbald danach wurde das Feuer von den Festungswällen erwiedert, das weniger den deutschen Geschützen gegolten zu haben scheint, als der badischen Stadt Kehl. Der am Eingang der Stadt am Bahnhof gelegene hübsche Gasthof zum Salmen gerieth durch Brandkugeln alsbald in Brand. Ebenso die nicht weit davon entfernte Bierbrauerei von Fingado, das Haus des Kaufmanns Wagemann und das Speditions haus von Hummel und Comp. Die Bahn von Appenweier nach Kehl fuhr seit gestern Morgen nur bis Neumühl. Stadt und Dorf Kehl, letzteres bis zu meiner Abreise, 1 Uhr Mittags, noch nicht in Brand gerathen, waren von der Kinzigbrücke bei Neumühl aus gesehen in eine langgedehnte starke Rauchsäule gehüllt, durch welche man das östlich liegende Straßburg mit Ausnahme des Münsterthurms nicht bemerken konnte. Nach Mittheilungen von Kehler Bürgern, die ihr Hab und Gut in die östlich von Kehl gelegenen Orte geflüchtet, brannte es auch in Straßburg an drei Stellen. Bis gegen 10 Uhr war das Feuern beiderseits überaus heftig, von da ab schwächer.

Hessen. Friedberg. Von der aus⸗ gerückten Friedberger Sanitätsmannschaft ist am Sonntag per Feldcorrespondenzkarte Nachricht an das Hülfscomité eingelaufen. Die Karte trägt das Datum von Mannheim, den 18. August, Abends 10 Uhr, das Postzeichen vom 20. Aug. Ihr hauptsächlicher Inhalt ist folgender:Soeben erst in Mannheim angekommen. In Darmstadt Stuaden Aufenthalt. Fahren heute Nacht durch bis Neustadt, wenn möglich. Haltung der Mannschaft gut. Aufnahme und Willkomm über all herzlich. Nachträglich muß die Liste der ausgerückten Mitglieder des Sanitätscorps noch dahin ergänzt werden, daß außer den schon genannten auch die Herren Siegmund Löb und Christian Brack nach dem Kriegsschauplatz geeilt sind.

Friedberg, 22. Aug. Heute Vormittag trafen wiederum 21 meist Leichtoerwundete aus dem Kampfe für die Vertheidigung unseres theueren Vaterlandes bei uns ein. Ein großer Theil der selben konnte ihrer leichten Verwundungen wegen auf ausgesprochenen Wunsch hin in ihre Heimath entlassen werden. Unter den Neuangekommenen befinden sich hessische, sächsische und preußische Soldaten. Aus den Lazarethen wurde bereits eine größere Zahl Verwundeter von hiesigen Familien in Privatpflege genommen, wozu sich alsbald viele Einwohner der Stadt bereitwilligst erboten haben.

Preußen. Berlin. DieProv.⸗Corr. sagt in einem größeren Artikel über die innere Fäulniß und Zerrüttung Frankreichs: Die Lage der kaiserlichen Regierung in Frankreich ist in diesem Augenblick schwer zu bezeichnen: man ver mag nicht zu sagen, ob der Kaiser in Wahrheit noch regiert oder nicht. Das Obercommando der Armee(in welchem die Führung von drei Divi sionen gegen drei preußische Compagnieen bei Saarbrücken seine ruhmrcichste That war) hat er niederlegen müssen. In Paris leitet zwar ein Ministerium von persönlich ergebenen Anhängern des Kaisers die Geschäfte, aber die Zügel der Regierung scheinen ihm mehr und mehr zu ent⸗ fallen. Wenn trotzdem die kaiserliche Regierung noch bestehen bleibt, so mag es vornehmlich daran liegen, daß keine Partei, weder die republikanische, noch die orleanistische, die jetzige Erbschaft des Kaiserthums anzutreten geneigt ist, oder die Hoff nung hegen könnte, den Verhältnissen jetzt noch eine bessere Wendung zu geben.

Um noch einmal auf die angebliche Ueber⸗

macht der deutschen Truppen über die französischen in den bisherigen Kämpfen zurückzukommen, so ergibt sich aus den Berichten desStaatsanz. über die Schlacht bei Saarbrücken am 6., daß dort 27 preußische Regimenter gegen 42 fran⸗ zösische kämpften.

Zur Reorganisation des Postdienstes nach preußischem Muster begibt sich der Generalpost director Stephan nach den von den Deutschen besetzten französischen Gebietstheilen.

Als die 130 französischen Offiziere in Königsberg ihr Tractament ausgezahlt erhielten und nun Jeder über den Empfang quittiren sollte, stellte es sich heraus, daß 17 von ihnen nicht einmal ihren Namen schreiben können. Das nennt man: au der Spitze der Civilisation marschiren!

Görlitz. Das Comite zur Unterstützung der Landwehrmänner- und Reservisten-Frauen hat beschlossen, dem 5. Jägerbataillon, das bekannt lich die erste französische Kanone erobert hat, bei seinem Einzuge in Görlitz einen silbernen Pokal in Form einer Kanone als Ehrengeschenk zu überreichen.

Königsberg. Wie derWestpr. Ztg. gemeldet wird, ist der Befehl hier eingegangen, wonach die Ersatzbataillone sich bereit halten sollen, in Kurzem nach dem Kriegsschauplatze aufzubrechen Auch wurde am Sonnabend der Parolebefehl ertheilt, daß unsere Militärs vom Feldwebel ab wärts den französischen Offizieren die Honneurs zu machen haben. Andererseits sind die Letzteren angewiesen worden, ansere Offiziere zuerst zu grüßen. Wie im Jahre 1866 die gefangenen österreichischen Offiziere, so erhalten nun auch die französischen bis zum Hauptmann einschließlich 15 Sgr., die Stabsoffiziere ohne Uaterschied 25 Sgr. tägliches Tractament.

Frankfurt. Von Seiten des k. Commis⸗ sars und Militärinspecteurs für die freiwillige Krankenpflege, Fürsten von Pleß, ist für die Stadt Frankfurt a. M. mit Umgebung, als einen der wichtigsten Plätze für die Lazarethe im Rücken der Armee, neuerdings ein besonderer Delegirter in der Person des Grafen Otto zu Solms-Rödel heim, Rechtsritters des Johanniterordens und K. Majors ernannt worden. Derselbe ist bereits hier eingetroffen und hat seine Wohnung im Cron stettischen Stift am Roßmarkt genommen, nachdem ihm die Administration des genannten Stiftes die nöthigen Räumlichkeiten daselbst auf das Zuvor kommendste zur Disposttion gestellt hat.

Bayern. München. Starke Abtheilungen Ersatzmannschaften des Leibinfanterie-Regiments, des 1. und 2. Infanterie-Regiments sind von hier nach Frankreich abgegangen, um die Lücken auszufüllen, welche die Kämpfe vom 4. und 6. d. in die Reihen unserer Truppen gerissen haben.

Durch unangenehme Vorkommnisse ver anlaßt, hat unsere Regierung befohlen, daß gefangene Turkos auf den Eisenbahnen fortan nur in geschlossenen Güterwagen(mit Vor richtung von Luftzug) transportirt werden dürfen.

Baden. Aus Bretten wird gemeldet: In einem dahier angekommenen Zug von Ver wundeten befanden sich auch sechs Franzosen, die sich zwar ebenfalls als verwundet ausgaben, bei der Untersuchung aber als solche nicht erfun den wurden. Dagegen waren sie mit Dolchen und Messern wohl bewaffnet. Sie wurden sofort als Gefangene behandelt.

Mannheim. Am 18. d. bewegte sich ein großer Leichenzug durch die Straßen unserer Stadt. Galt es doch einem der Kämpfer für das Vaterland, dem in der Schlacht bei Wörth schwer verwundeten und hier seinen Wunden erlegenen Obersten und Commandeur des preußi schen 46. Infanterie-Regiments, Maximilian von Stosch, das letzte Geleite zu geben. Die hiesigen Einwohner gaben mit der Theil nahme am Trauerzuge dem Danke Ausdruck, welcher sie gegen das deutsche Heer, das im Dienste des Vaterlandes Blut und Leben ein setzt, beseelt.

Oesterreich. Wien. DieWiener Abend post erklärt: Die Meldung derAugeb. Allg.

Ztg.,Frankreich habe Oesterreich als Allianz⸗ preis Preußisch-Schlesien und Theile Bayerns gegen die Abtretung Süddalmatiens und Wälsch⸗ tyrols an Italien angeboten, gehört in den Bereich der heute üblichen Erfindungen. Gleich zeitig erklärt sich dieWiener Abendpost ermäch⸗ tigt, die Meldung von Allianzanerbietungen, welche Graf Beust in Berlin zur Sicherstellung der österreichischen Gebietsintegrität gegenüber Ruß land gemacht habe, mit Entschiedenheit zurück zuweisen.

Schweiz. Der schweizerische Gesandte in Paris hat dem Bundesrathe in Bern bezüglich der Massenausweisung der Deutschen aus Frank reich nachträglich die Erläuterung zugehen lassen, es seien von der Maßregel ausgenommen diejenigen Deutschen, die förmlich niedergelassen seien, ferner diejenigen, die über genügende Unterhaltsmittel sich auszuweisen vermögen, oder von bekannten Personen empfohlen seien, endlich Frauen und Kinder. Indessen dürfte die Lage der zurück⸗ bleibenden Deutschen in Paris kaum beneidens⸗ werther sein, als diejenige der ausgewiesenen.

Frankreich. Paris. General Palikao hat in der geheimen Sitzung des gesetzgebenden Körpers vom 13. d. M. offen erklärt, daß die Ursache, weßhalb ein großer Theil der Mobilgarde und der Nationalgarde nicht verwendet werden könne, keineswegs Mißtrauen gegen diese Truppen sei, sondern weil es an Gewehren für dieselben fehlt! In den Archiven und Rechnungen des Kriegs ministeriums waren 2 Millionen Chassepots als geliefert und bezahlt verzeichnet. Mindestens drei Viertheile sind nicht geliefert, das Geld dafür unterschlagen worden!

Im gesetzgebenden Körper theilt Palikao die Ernennung Trochu's mit und fügt hinzu, die⸗ selbe habe zum Motiv die Nothwendigkeit der Ernennung eines thätigen und energischen Mannes; ein anderes Motiv existire nicht.

Obgleich der Verlust eines Gewehres in Kriegszeiten eine Strafe von ein oder zwei Jahren nach sich zieht, so ist es doch vielfach vorgekommen, daß französische Soldaten ohne Gewehre ange halten wurden, indem sie solche weggeworfen und lieber im Gefängnisse sitzen, als ihre Haut wagen wollten. Der General Decaen hat nun, um diese Berechnungen zu Schanden zu machen, folgenden Tagesbefehl erlassen:Jeder Soldat, der sein Gewehr verloren hat, wird zu den Vor posten geschickt werden. Es soll ihm ein neues Gewehr erst geliefert werden, wenn er einem feind lichen Soldaten eine vollständige Ausrüstung ab genommen hat.

Eine von General Trochu erlassene Proclamation sagt: In der Gefahr, in der ich zum Commandanten en chef der mit der Ver theidigung der Hauptstadt betrauten Streitkräfte ernannt bin, nimmt Paris die Rolle ein, welche ihm zukommt. Es will der Mittelpunkt der großen Anstrengungen, der großen Opfer, der großen Beispiele sein. Ich glaube, daß der Erfolg unter der gebieterischen Bedingung guter Ordnung, Ruhe und Kaltblütigkeit unser sein wird. Ich werde die Ordnung aufrechterhalten, nicht durch die Befugnisse, welche mir aus dem Belagerungs⸗ zustand erwachsen, sondern durch euren Patriotis mus und euer Vertrauen. Ich appellire an alle Parteien, um durch moralische Autorität die Hitz⸗ köpfe und die Leute, welche aus dem öffentlichen Unglück Nutzen ziehen wollen, im Zaume zu halten.

20. August. Sitzung des gesetzgebenden Körpers. Palikao erklärt, darauf aufmerksam machen zu müssen, daß die Preußen verbreitet hätten, sie hätten am 18. August große Vortheile über unsere Truppen errungen. Dem gegenüber constatire er, daß die Preußen, welche Bazaine angriffen, hätten zurückweichen müssen.(2) Palikao erklärt weiter, das Vertheidigungscomite für Paris arbeitet thätig. Die Regierung habe nicht die geringste Furcht, und baldigst werde Alles in bestem Stande sein. Der Minister des Innern constatirt die richtig fortschreitende Bewaffnung der Pariser Nationalgarde, von welcher am 26, August 80,000 Mann unter Waffen sein würden. DerTemps schreibt: Herr und Frau

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