Ausgabe 
18.10.1870
 
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Oesterreich. Wien. Es sind untrügliche Anzeichen neuer Verhandlungen der neutralen Mächte behufs Vermittlung zwischen den Krieg führenden vorhanden.

DerKarlsr. Ztg. schreibt man von hier:Durch eine Kabeldepesche wird ein Wiener großes Bankhaus von dem demnächstigen Erscheinen einer Flotille der Vereinigten Staaten in der Nordsee benachrichtigt. Zu welchem Zweck, ist nicht hinzugefügt. Ich kann die Nachricht nicht bestätigen, sondern sie nur zunächst so wiedergeben, wie sie mir zukommt.

Ein Telegramm derN. fr. Pr. aus London meldet, daß Rußland erneuerte Versuche zur Herbeiführung des Friedensschlusses gemacht und gegen die Beschießung von Paris remonstrirt habe.(2)

Frankreich. Tours. Graf Chambord hat ein Manifest an Frankreich erlassen. Er sei bereit, sich dem Glücke Frankreichs zu weihen, die Fremden werden vertrieben werden, wenn die Opferwilligkeit des Landes alle Kräfte zusammen⸗ faßt.Laßt Euch nicht durch unselige Illusionen verblenden; die republikanischen Einrichtungen werden auf monarchischem Boden nie Wurzel fassen. Mein Ehrgeiz ist, gemeinschaftlich mit Euch eine Regierung zu gründen, deren Grund- lage das Recht, deren Hülfsmittel die Ehrlichkeit und deren Endziel die Moral ist. Menotti Garibaldi wird in Tours erwartet.

Journale aus Tours vom 14. Okt. gehen über den wichtigen Verlust von Orleans hinweg. Gambetta's Siegesbulletin über die letzten Pariser Gefechte werden hoch erhoben. General Lamotte Rouge wird vermißt. Ein Leitartikel derLiberté kommt zu dem Resultate: Frankreich zeige aller- wärts den höchsten Grad von Ohnmacht; mögen endlich wahre Patrioten die Wahrheit sagen. Die gesammte Regierung von Tours sei total unfähig.

Die Regierung veröffentlicht eine Depesche des Chaumont vom 15. d., nach welcher Keratry, der Paris am 11. verlassen, bei Bar⸗le⸗Due per Luftballon eingetroffen sei. Bei der Landung des Ballons wurde Keratry am Kopfe verwundet. Derselbe wird in Tours erwartet. Am 13. fand ein Ausfall aus Paris gegen Bagneux und Chatillon statt, bei welchem sich die Mobilgarde von Cöte d'or und Aube auszeichnete. Dampierre, der Commandant der Mobilgarde aus Aube, ward hierbei getödtet. Die Forts Montrouge, Vauvres und Issy deckten den Rückzug.

Die neuesteGazette de France setzt die Polemik gegen die Regierung fort. Hauptvorwurf ist die Vertagung der Wahlen zur Constituante. Das Blatt beklagt auf's Tiesste die Verhaftungen und Absetzungen verdienstvoller Generale und anderer höherer Offiziere, sowie den Mangel an Energie gegenüber dem Treiben in Lyon.

Der aus Metz in einer bis jetzt noch nicht aufgeklärten Weise entkommene General Bourbaki ist am 14. in Tours angekommen und feierlich empfangen worden. Der General- stab der Nationalgarde hat beschlossen, daß die fünf Bataillone Nationalgarde, welche bisher unter dem Commando Flourens standen, nicht ferner in einer Legion vereinigt bleiben sollen. Die defensive Haltung der deutschen Truppen verursacht lebhafte Unruhe, da man Vorbereitungen eines formitablen Angriffes vermuthet.

Aus Paris liegen jetzt nähre Nach- richten über die socialistischen Unruhen vor, die vom 8. bis 10. dort große Beunruhigung ver ursachten. Die vomJournal officiel veröffent⸗ lichten Decrete waren die Veranlassung. Vor dem Hotel de Ville fanden wiederholt Demonstrationen statt, die sich am 9. fortsetzten. Die Regierung ließ mehrere Redner, die auf den Straßen aufreizende Ansprachen hielten, verhaften. Für den 10. be fürchtete man den Ausbruch eines durch Flourens vorbereiteten Aufstandes. Um diesen unmöglich zu machen, erfolgte die starke militärische Besetzung Belleville's. Der Oberstlieutenant der National- garde, Sapia, wurde, ob in Folge dieser Vor gänge steht nicht fest, vor ein Kriegsgericht gestellt.

Belgien. Brüssel. Der hier eingetroffene Siecle bringt von einem sich nennenden ein

geweihten(Max Pohl) ein sehr detaillirtes Ver- zeichniß aller vom Exkaiser seit 1854 gemachten ausländischen Capitalsanlagen unter der Anführung des Namens aller vermittelnden Bankiers. Der Totalbetrag des Kapitals beläuft sich auf 66 Millionen. DerSiecle enthält ferner eine Mittheilung aus Cherbourg, wonach im dor⸗ tigen Hafen 750 Gewehrkisten aus England ein⸗ getroffen sind und theilt mit, daß demnächst General Ducrot mit dem Luftballon in Südfrankreich ein⸗ zutreffen gedenke.

DieIndependance belge begleitet mit sehr mißtrauischen Bemerkungen die Proklamation Gambetta's vom Freitag, betreffend die totale Zurückwerfung der Belagerungsarmee vor Paris, womit die Nationalregi rung offenbar die bar barische Niederbrennung von St. Cloud be schönigen will.

Großbritannien. London. Staats- sekretär Cardwell hat in Oxford eine Rede über die gegenwärtige Lage gehalten, in welcher er hervorhob, daß England, sobald sich die Gelegen heit darbieten sollte, für den Frieden zu wirken, dieselbe ergreifen werde; vorher aber würde man nur Oel ins Feuer gießen, wenn man eine Ver⸗ mittlung versuchte.

DerStandard hat eine Depesche aus Wien vom 11. Okt., welche sagt: Das Circular Bismarck's wird hier als ein Anzeichen gedeutet, daß Preußen jetzt die Intervention der Mächte wünscht. Die jüngste Erklärung desJournal de St. Petersbourg, der Frieden sei nur vor dem Bombardement von Paris möglich, und andere Anzeichen ermächtigen zu dem Glauben, daß Ruß- land die einzige Macht ist, die mit ihrer Inter⸗ vention Glück haben könnte,

DieTimes macht folgenden Friedens⸗ vorschlag: Nach Schleifung sämmtlicher elsässer und lothringer Festungen sollen England, Ruß⸗ land und Oesterreich mit jedem der beiden Kriegführenden einzeln und collectiv einen Garantievertrag abschließen, dem eventuell An⸗ gegriffenen beizustehen, wofern der Angreifende nicht früher die Vermittelung der Neutralen angerufen habe.

Italien. Florenz. Garibaldi's Abgang nach Frankreich gab Anlaß zu diplomatischen Ver⸗ handlungen. Die Regierung erklärte den Mächten schon vorher, daß Garibaldi seit 1866 der italieni⸗ schen Armee nicht mehr angehört, daß sie ihn, soweit es die Gesetze zuließen, an der Ausführung seines Vorhabens hinderte, und daß derselbe, nach dem er sich der Ueberwachung entzogen, in Frank- reich nur als Privatmann erscheine. Thiers ist in einstündiger Audienz vom Könige empfangen worden. DieRiforma bezeichnet die spanische Throncandidatux des Prinzen Amadeus als ein Glied des reactionären Complotts zwischen Italien und Preußen. Mazzini wurde in Freiheit gesetzt.

» Friedberg, 16. Oct. Mit großem Jubel wurde

gestern Nachmittag die Schließung der wegen der Rindec⸗ est erbauten Räucher⸗Häuschen begrüßt. Seit heute

orgen ist auch die Passage der bisher abgesperrten Straßen wieder frei gegeben und sind somit die Bewohner derselben und der ganzen Stadt überhaupt von einer zwar gebotenen, aber sehr lästigen Maßregel befreit. Wir hoffen, daß der seit mehreren Wochen bestandenen Geschäftsstille, worunter die ganze Stadt, besonders aber die betreffenden Straßen, empfindlich zu leiden hatten, der altgewohnte lebhafte Verkehr rasch wieder folgen wird.

E. Ockstadt. Die Spenden, Deutschlands ruhmbedeckte Kriegerschaar schon reichlich flossen, wurden durch eine neue vermehrt. Es galt dies mal speciell den im Felde stehenden Kämpfern Ockstadt's, und betraf die Sendung 25 wollene Hemden. Zu diesem Zwecke gingen ein von: Herrn Dekan Keller 3 fl. 30 kr., Herrn Oberförster Rumpf 5 fl., Frau Johann Weid mann II. Wittwe 2 fl., von den Herren Jakob Diener 1 fl., Martin Grönniger III. I fl., Johann Mörler II. 1 fl., Andreas Gröninger III. 30 kr., Joseph Dienst I. 1 fl. und von Anna Maria Gröninger ledig 1 fl., zusammen 16 fl. Hierzu flossen aus der Gemeindekasse noch 45 fl. 21 kr. wodurch die Auslage für Stoff und Arbeitslohn(16 Stück fertigten hiesige Wohlthäterinnen unentgeltlich) zusammen mit 61 fl. 21 kr. gedeckt wurde. Recht herzlichen Dank hierfür im Namen der viele Mühsale ertragenden Vaterlandsvertheldiger. Möchte es ihnen bald vergönnt sein, in eigner Person ihren Dank in trauter Heimath abzustaften, oder, was wohl angemessener ist, möchten wit für deren Gut sie Blut, Gesundheit und Leben zu opfern bereit standen und noch stehen, ihnen recht bald unusere Aner-

die von hier für

kennung durch warmen Händedruck und festlichen E npfang

zollen können.

Frankfurt. Nach Meldung der T e 0 f e Noten der Bank für Süddei 1 land.

Ein solches Falsiftkat, welche t

kürzlich in Form eines Zehnguldesscheins zu Gesicht ge⸗ kommen, ist bezeichnet: Fol. 208, Nr. 12,790, H Serie XXIII und gehört zu denjenigen, welche 1868 verurtheilten nassauischen Fälscherbande versertig worden sind. Es sind selbstredend immer noch vereinzelse Exemplare bieser Fälschung, welche alle die Bezeichnung Lit. H. Serie XXIII.(ragen, in Umlauf, nachdem die bis⸗ her vorgekommenen von der Bank zu Gunsten der gul⸗ gläubigen Besitzer eingelöst worden sind. Das Gleiche ist

vezüglich des in der Notiz genannten Scheines geschehen.

Gießen. Von dem Schwurgerichtshof der Proving Oberhessen vom IV. Quartal l. J. wurden in den nach⸗ bemerkten Anklagesachen erkannt: Am 3. October, gegen

Caroline, Johannes Köhler's Wittwe von Gleimenhain,

wegen Kindesmords, eine Zuchthausstrafe von 4 Jahren.

Denselben, gegen Andreas Buchhaupt von Dirlammen und

Conrad Häuser von Frischborn, wegen Meineids, bezw.

Anstiftung hierzu, und zwar: gegen Ersteren eine Correec⸗

lionshausstrafe von Jahr und gegen Letzteren eine solche von 1 Jahr. Den 4. Oct., auf Freisprechung von der gegen den Lehrer Ludwig Göbel von Nieder Erlenbach, wegen Verfühcung zur Unzucht erhobenen An⸗ klage, nachdem die Geschwornen einNichtschuldig aus⸗ gesprochen hatten. Den 5. Oct., gegen Hugo Perger, Photograph aus Elberfeld und Johann Georg Wagner, Schneider zu Gießen, wegen Fälschung von Staatspapieren im Complott, und zwar gegen einen Jeden Zuchthaus⸗ strase von 3 Jahren. Den 6. Oct., gegen Joh. Jacob Knaf aus Büdingen, wegen ausgezeichneten Diebstahls, eine geschärfte Zuchthausstrafe von Jahren. Den 7. Oct., gegen den Gemeinde- und Sparkasse⸗ Rechner Mathäus Oßwald aus Herbstein wegen Veruntreuung im Dienst, Unterschlagung und Schrifstfälschung, neben Dienst⸗ entsetzung, eine Zuchthausstrafe von 3 Jahren. Den 8. Oct., gegen Johanes Alt aus Melbach, wegen Meineids, eine Correctlonshausstrafe von 3 Jahren. Denselben, gegen Hartmann Kick aus Alsfeld, wegen verschiebener Dieb⸗ stähle, eine geschärfte Zuchthausstrafe von 3 Jahren und 6 Monaten. Den 11. Oct., auf Freisprechung von ber gegen Johannes Winkler aus Nieder⸗Eschbach wegen Brandstistung erhobenen Anklage, da das Verbict ber Ge⸗ schworenen aufNichtschultdig lautete.

Groß⸗Gerau, 12. Oct. DieDarmst. Ztg. bringt von hier folgende Nachrichten: Nachdem schon seit einigen Tagen von Einzelnen unterirdische Detonationen vernom⸗ men worden sind, werden wir soeben, 10 Minuten vor 3 Uhr Nachmitlags, unter heftigem Sturm durch eine mehrere Secunden anhaltende Erderschütterung, deren Ge⸗ cäusch den Sturm übertönte, überrascht. An Stärke kam sie den heftigsten, die wir seit Anfang dieses Jahres 1 lebt, gleich. Man hat hier die Bemerkung gemacht, da das Auftreten der Erdbeben gewöhnlich gleichzeitig mit der Veränderung der Witterung ist. 14. Oct. Dem gestern gemeldeten Erdstoß ist heute Morgen um 8 Uhr 47 Minuten ein neuer, von Westen nach Osten gehendet gefolgt, der dem gestrigen an Stärke fast gleichkam, aber von keinem Geräusch begleitet war. Die angegebe des gestrigen ist auf 3 Uhr und einige Minuten richtigen. Der gestrige ist auch im Freien worden. 15. Oct. Dem von mir annon Erdstoß von gestern Morgen ist gestern Mittag um 3 Uhr ein von starkem dumpfen Ton begleiteter Stoß gefolgt, der die Wände erdröhnen und die Fenster klirren machte. Seitdem hat Einsender nichts gespürt. Ich mache darauf aufmerksam, daß Falb auf den 24. d. M. den Wiederkehr der Erdbeben in Aussicht gestellt hat.*

Freiburg. Am 11. d. kündigte sich der kommende Winler durch schneebedeckte Gipfel der Berge des Schwarz⸗

wel E ber die obeten m Erzgebirge waren am 10. October die obet 1 9 dichten Schneedecke

Höhen zum ersten Male mit einer überzogen.

Schweiz. Am 8. d. wurden die ersten maßgebenden Versuche mit dem Personentransporte auf der Rigibahn, angestellt. In weniger als einer halben Stunde wurd der Weg durch den Tunnel und über den malerischen Schurlobel bis nach Freiburg, 2000 Fuß verticale Höhe über dem Vierwaldstädter See, mit überraschender Sicher⸗ heit zurückgelegt. Auch die Fahrt zu Thal ging in gleicher Weise von Statten. Die Eröffnung der ganzen Ba n- strecke wird erst in nüchstem Frühjahre erfolgen können, da durch den Krieg eine Stockung in der Lieferung der aus der Gegend von Metz bezogenen Schienen eingetreten i.

Vor Paris. Aus dem Vorpostendienst erzählt Wachenhusen folgende interessante Episode: Eine Jäger Patrouille vom 5. Bataillon geht diesseits der Seine. Plötzlich ruft es von drüben aus einer französischen Pa⸗ trouille über den Fluß herüber in deutscher Sprache an sächsischen Accent:Seid Ihr nicht Jäger?Jal 10 die Antwort.Ist bel Euch nicht ein Befteiter Klenke; Je wohl! Bei der dritten Compagnie: Das ist mein Bruder! Sagt ihm doch, daß ich gezwungen worden, Soldat zu werden! Könnt Ihr uns nicht herüber holen? Wir sind hier viele Deutsche, die nur darauf warten, da Ihr kommt und uns holt! Zur Erklärung fügt der Er⸗ zähler hinzu, daß dieser vermeintliche Franzose ein beulscher Schlossergeselle ist, der in Paris Arbeik gefunden und zwangsweise eingekleidet wurde. Durch Gefangene sei diese Manier, Fremde zu Soldaten zu pressen, übrigens mehr⸗ fach bestätigt worden..

London. Englische Blätter melden über die neue Erfindung einesRateten-Telegraphen: Der Er⸗

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