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Kriegs nachrichten. Officielle militärische Nachrichten. Hauptquartier Meaux den 15. Sept. Der Feind hat auf den Chausseen und Eisen bahnen sämmtliche bedeutende Kunstbauten unnöthig gesprengt, da der Marsch diesseitiger Colonnen

dadurch nicht eine Stunde aufgehalten wird.

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v. Podbielsky. Mundolsheim, 15. Sept. Nachdem die dritte Parallele am 13. und 14. vollendet, ist die Glacis-Krönung Vorwerk 53 heute Nacht aus- geführt. Breschbatterie wirkt mit gutem Erfolg. In Straßburg am 13. die Republik erklärt. Das des General Keller vertrieb 200

Franctireurs bei Bischheim und Colmar. v. Werder.

Immer enger wird der Kreis, den die deut-

schen Truppen um Paris ziehen. Die letzten Depeschen melden aus der französischen Haupt-

stadt selbst, daß sie östlich Me aux und Créey

erreicht baben und auf Noisy heranrücken, einen

kleinen Ort südlich der Marne zwischen Lagny

und Charenton, kaum 3 4 Stunden von Paris

entfernt. Im Norden, auf dem Wege von Laon nach Compiegne, ist Carlepont, ein Ort zwischen Chauny und Compiegne besetzt; im Süden sind sie schon aus Melun annoncirt, noch weiter südöstlich aus Laval(etwas nördlich der Seine, bei Montereau) und aus Provins, einer Stadt im Osten des Departements Seine-Marne. Auch Nogent, Troyes, Vaucouleurs sind weit östlich. Wie groß die Reitermassen sind, welche Paris von allen Seiten einzuschließen die Aufgabe haben, möge man aus folgender Uebersicht ersehen. Zu der Armee des Kronprinzen von Preußen gehören: Die 4. Cavalerie- Diviston unter Prinz Albrecht von Preußen(5. Kürasstere, 5. Dragoner, 2. Husaren, 1., 6. und 10. Ulanen); die 5. Ca- valerie⸗Diviston unter General v. Rbeinbaben (6. Kürasstere, 3. und 15. Ulanen, 13. Dra⸗ goner, 3., 10. und 16. Husaren); die 6. Ca- valerie⸗Diviston unter dem Herzog von Mecklen- burg(4. und 7. Kürassiere, 13. und 16. Ulanen, 19. Dragoner, 11. und 17. Husaren); die 6 dem 5., 6. und 11. Armee-Corps als Divisions- Cavalerie zugetheilten Regimenter; endlich 4 würt⸗ tembergische und 10 bayrrische im Ganzen über- gaupt 40 Regimenter. Unter dem Kronprinzen don Sachsen stehen die Garde Cavalerie, die 2. Tavalerie⸗Division unter Graf Stolberg und die ächsische Reiterei, im Ganzen 20 Regimenter, so daß also nicht weniger als sechszig deutsche Reiter⸗ Regimenter sich um Paris herumtummeln, 36,000 Reiter, die wohl hinreichen, der französi⸗ schen Hauptstadt alle Verbindung mit der Außen- welt abzuschneiden.

Vor Toul, 10. Sept. Die Beschießung don Toul hat heute Morgen 4 Uhr nachdrück⸗ ichst begonnen. Unsere Bomben trafen sehr gut, venn schon um 9 Uhr Morgens konnte man das Feuer an drei verschiedenen Stellen der Stadt zuflodern sehen. Da unsere Batterien von den Höhen das tief unten im Thale liegende Toul ehr beherrschen, so wird sich kaum die Festung ange zu halten im Stande sein. Der Comman- ant von Toul hat auf die Aufforderung zur lebergabe erklärt, er werde die Festung verthei gigen, bis ihm der Befehl zur Uebergabe ein- sehändigt sei oder ihm das Hemd am Leibe brenne.

Aus Ancy vor Metz wird vom 9. d. Nachts 1 Uhr über den Beginn des Bombardements seschrieben: Schon vorher wäre die Geschäftigkeit der Artillerie und die Zufuhr des Belagerungs

-hains und der nöthigen Munition aufgefallen.

zn Jouß sei Nachmittags Kriegsrath gewesen ind ein Brigarebefehl habe die Marschbereitschaft zer Brigade, der sich der Correspondent ange schlossen, auf 7 Uhr Abends angesetzt. Einige Minuten nach sieben waren vorbei, da leuchteten i ber Ferne blasse, zuckende Lichtschimmer durch ine Wolken.

wie Leuchtkugeln die Granaten und das längst erwartete ernste Feuerwerk unserer Belagerungs geschütze feierte bei Nacht und stürmischem Regen seine Triumphe. Dieses schauerliche Schauspiel des Granatenschleuderns, Tod und Verderben säend in den Zielpunkten ihrer Bogenbahnen, hielt noch fast eine Stunde an. Man bemerkte deutlich, wie aus den Bastionen St. Quentin und Plappe⸗ ville die Feuerschlünde des Feindes flammend und laut stöhnend ihre Geschosse erfolglos in die Ge schütz⸗Remplacements unserer Artillerie hinein zu werfen versuchten. Deutscherseits sollen diesen Abend über 1000 Granaten nach Metz und seinen Forts hinein geschossen sein.

Unter den bei Sedan in Kriegsgefangen schaft gerathenen Offizieren befindet sich auch der frühere französische Militärbevollmächtigte Oberst Stoffel. Marschall Bazaine hat in Metz neuerdings die Auswechslung von 800 deutschen Gefangenen angebotey. Das Anerbieten ist an genommen worden. Die nach Metz zurückgeschickten französischen Gefangenen sind aus den sämmtlichen, bei der Capitulation von Sedan betheiligten Re gimentern ausgewählt worden, so daß Marschall Bazaine sich über die dortigen Vorgänge aus bester Quelle unterrichten kann. Ueber die Ab sichten Bazaine's fehlt es nicht an Vermuthungen. Es hat den Anschein, als ob das Bestreben des- selben, sich so lange als möglich zu halten, haupt- sächlich auf politische Motive zurückgeführt werden müsse.

Zweibrücken, 13. Sept. Seit Sonntag wird die Festung Bit sch mit Bomben beworfen, wozu auch noch 16 Zwölspfünder abwechselnd ihre schauerliche Musik ertönen lassen. Gestern soll abermals schweres Belagerungsgeschütz vor der Festung angekommen sein. Personen, die gestern Abend aus der Nähe der Festung hierher kamen, behaupten, daß Bitsch an verschiedenen Stellen brenne. Ein hiesiger Bürger, der sich zu nahe in den Bereich der Kugeln wagte, wurde von einer Granate getödtet.

Vor Straßburg, 9. Sept. Nach Mitter⸗ nacht machten wir uns, schreibt man demSchw. M., gegen Straßburg auf den Weg, ein starker Brand beleuchtete die Umgebung und das Münster war auf mehrstündige Entfernung dem bloßen Auge sichtbar. Die Batterien feuerten in der Minute etwa vier Schüsse auf die Festung ab. Es waren namentlich die gegen zwei Centner schweren Projeetile, welche von Zeit zu Zeit aus den 170 Centner schweren Mörsern geworfen wurden, und die mit ihren Zündern wie feurige Kugeln die Luft durchschwirrten, um auf eine Höhe von 900 bis 1000 Fuß aufsteigend und einen weiten Bogen beschreibend, etwa 15 Seeunden nach dem Abfeuern in der Citadelle einzuschlagen. Das Platzen derselben ließ sich auf eine Ent fernung von mehr als zwei Stunden deutlich ver nehmen. Oft verfolgten wir ängstlich um das Münster die Flugbahn dieser Geschosse, die hoch über dessen Spitze ihr Ziel verfolgten. Im Laufe des Morgens entwickelte sich das Feuer der Batterien um Straßburg zur furchtbaren Kanonade, wir zählten in der Minute bis zu 21 Schüsse. Gegen 400 Geschütze, theilweise sehr schweren Kalibers, spieen ihre Kugeln auf die Citadelle, vas Sausen jeder einzelnen Kugel läßt sich genau verfolgen. Wie wir in der Nacht die schweren Geschosse an ihrem Zünder, erkannten wir sie bei Tag an einem blauen Dunste, namentlich aber an dem genau vernehmlichen Platzen in der Festung. Jeden Tag werden neue Erfolge durch die Be schießung erzielt, welche mit bewunderungswürdiger Präcision und Energie betrieben wird. Denke man sich per Tag etwa 7000 Schüsse auf einen verhältnißmäßig kleinen Raum. Die Stadt wird möglichst geschont, seit heute früh 4 Uhr zeigt sich keine Spur eines Brandes, freilich aber brennt es in der Regel jede Nacht.

. N geilage. Hberhessischer Anzeiger.

Ergebnisse g 0 Witlwen Der Münsterthurm denägt

In der Richtung des Forts platzten zeigt bis heute nur einige ganz geringe Verletzungen. 57,113 fl. Winwen

110.

Mundolsheim. Unverbürgte Gerüchte wollen wissen, daß General Ührich sich weigere, die Republik anzuerkennen. Thatsache ist übrigens, daß er sich bisher stets als eifriger Bonapartist ausgesprochen hat. Es scheint inzwischen mehr und mehr, als ob die Vertheidigung an Energie abnehme.

12. Sept. Vom Specialcorrespondenten derKarlsr. Ztg. liegt folgender Bericht vor: Nachdem heute Morgen der Geschützkampf bei Straßburg wieder einmal außerordentlich heftig gewesen und auch wieder ein Ausfall versucht worden, war es den Tag über sehr stille. Immer noch scheint es in der Citadelle zu brennen, während im Uebrigen von Bränden in der Stadt nichts wahrnehmbar ist. Gestern sind auf An- suchen der schweizerischen internationalen Hülfs gesellschaft 600 Frauen und Kinder aus der Stadt gelassen worden. Die schweizerische Deputation wird sich noch einmal in die Stadt begeben, und auch anderen Straßburgern ist es bei dieser Ge legenheit gestattet worden, die Stadt zu verlassen und dann wieder in dieselbe zurückzugehen. Man darf somit jetzt annehmen, daß die in Betreff der stattgehabten Ereignisse dort herrschende Unwissen⸗ heit ihr Ende erreicht hat oder doch von Stunde zu Stunde mehr ihr Ende erreichen wird.

Karlsruhe. Eine eigenthüwliche Feldpost ist dieser Tage vom Kriegsschauplatze abgegangen und zu Oberwittstadt, Amt Boxberg, angekommen, Es war ein kleiner Luftballon, stark 3 Fuß hoch, aus wasserdichtem leichtem Stoff gefertigt und mit der Inschrift versehen:Post astrosta- tique. Ballon de pharmacien. Ville de Meta, 9. Septembre. 7m Ballon. Ferner war in französischer Sprache ungefähr Folgendes zu lesen: Man bittet den Finder dieses Ballo es, die an dem Ballon angehefteten Briefe auf nächsten Post aufzugeben. Der Ballon war also ein Luftpostillon, der aus der Festung Metz kam und der auf deutscher, statt auf französischer Erde an⸗ gelangt ist. Die Briefe, welche die Luftreise von der Mosel bis zur Tauber gemacht haben, sollen im Wesentlichen Privatbriefe sein.

Altbreisach, 14. Sept. Seit heute früh stehen die deutschen Truppen auf französischer Seite bis Arzen beim und Biesheim, ohngefähr eine Stunde von hier, und haben vermuthlich den Rhein bei Kappel überschritten. Die Besatzung von Neubreisach hat diesen Mittag in Folge davon die Brücke beim Zollhaus in die Luft gesprengt. Soviel man hört, werden sämmtliche am badischen Oberrhein stehende Truppen nächstens über den Rhein setzen, zu welchem Zwecke seit einigen Tagen mittels Eisenbahn vieles Brücken- material landauf geführt wurde.

Aus Altbreisach wird derMannh. Abdz. geschrieben:Heute(12. Sept.) ist von Neu- breisach auf das Fort Mortier, das für uns so unheimlich ist, eine Telegraphenleitung gelegt worden. Gestern Nachmittags wurde von fran zösischer Seite auf das Sponeck- Wirthshaus ge schossen; die Kugeln schlugen in das Dach und die Fensterläden.

Hessen. Darmstad t. Das Groß berzogliche Regierungsblatt Nr. 43 enthält: I. Bekanntmachung Großh. Ministeriums des Innern:

S. K. H. der Großherzog haben der Mathilden⸗Stiftung

zur Rellung verwahrloster Kinder im Kreise Friedberg in den Jahren 1867, 1868, 1869 und 1870 den jährlichen Betrag von Einhundert Gulden Allergnädigst zu schenken geruht.

II. Summarische Uebersicht der Rechnung der Groß⸗ herzoglichen Landeswassenanstalt zu Darmstadt für 1869.

Das Gr. Regterungsblatt Nr. 44 enthält;

J. Bekanntmachung Großh. Ministeriums des Großh⸗ Hauses und des Aeußern, den Abschluß eines Auslieferunge⸗ vertrags mit Belgien bemessend.

II. Bekanntmachung Großbh. Oberconsistoriums, die der Verwaltung der allgemeinen geistlichen kasse vom Jahre 1868 betressend. Die Einnahme 152.609 fl. 36% ke., die Ausgabe(darunter und 1200 fl. Waisenpensionen)