Kriegsminister von Suckow:„Am 9. Nach⸗ mittags ist die Vogesen-⸗Veste Lichtenberg bei Ing · weiler durch das 1. und 3. Jägerbataillon, die 1. Feldartillerieabtheilung und 2 Compagnien des 2. Infanterieregiments unter General Hügel be schossen und in Brand gesteckt worden. Verwundet und gestern gestorben Oberstlieutenant Steiger, leicht verwundet Hauptmann Borst, todt 6 Mann, ver⸗ wundet 11 Mann. Gestern früh hat Lichtenberg capitulirt. 280 Gefangene, worunter 3 Offfiere. Bei General Obernitz nichts Neues. Major Steinheil.“
Karlsruhe, 12. August. Eine von dem General v. Beyer an die Elsässer gerichtete Ansprache lautet wörtlich: i
„Ein Mahnruf und ein Warnungsruf an die Be⸗ wohner des Elsasses! Ich muß ein ernstes Wort an Euch richten. Wir sind Nachbarn. Wir haben in friedlichen Zeiten traulich mit einander verkehrt. Wir sprechen die⸗ selbe Sprache. Ich rufe Euch an: laßt die Sprache des Herzens, die Stimme der Menschlichkeit in Euch zu Worte kommen. Deutschland ist im Krieg mit Frankreich, in einem von Deutschland nicht gewollten Kriege. Wir mußten in Euer Land eindringen. Aber jedes Menschen⸗ leben, jedes Eigenthum, das geschont werden kann, be⸗ trachten wir als einen Gewinn, den die Religion, die menschliche Gesittung segnet. Wir stehen im Kriege. Bewaffnete kämpfen mit Bewaffneten in ehrlicher, offener Feldschlacht. Den unbewaffneten Bürger, den Bewohner der Städte und Dorfer wollen wir schonen. Wir halten strenge Mannszucht. Dafür aber müssen wir erwarten — und ich fordere es hiermit strengstens— daß die Einwohner dieses Landes sich jeder offenen und geheimen Feindseligkeit enthalten. Zu unserem tiefsten Schmerze haben Aufreizungen, Grausamkeiten und Rohheiten uns genöthigt, strenge Sühne eintreten zu lassen. Ich erwarte daher, daß die Ortsvorsteher, die Geistlichen, die Lehrer ihre Gemeinden, die Familienhäupter ihre Angehörigen und Untergebenen dazu anhalten, daß keinerlei Feindselig⸗ keit gegen meine Soldaten geübt werde. Jedes Elend, das vermieden werden kann, ist eine Gutthat vor dem Auge des höchsten Richters, das über alle Menschen wacht. Ich ermahne Euch. Ich warne Euch. Seid dessen eingedenk. Der Commandirende der großh. bad. Diviston: General-Lieutenant v. Beyer. Nachschrift. Ich befehle, daß diese Mahnung an die Rathhaͤuser aller Städte und Dörfer angeheftet werde, und es wird wohl⸗ gethan sein, wenn Ihr dieselbe auch in die Nachbar⸗ gebiete schicket.“
— Die„Karlsr. Ztg.“ schreibt officiell: Am 8. d. M., Abends 6 Uhr, war die Cavallerie- brigade vor den Thoren Straßburgs und versetzte dessen Bewohner in nicht geringen Schreck. Generalmajor Frhr. v. La Roche ritt bis an das Glacis vor und ließ durch einen Parlamentär, Major v. Amerongen, den Commandanten zur Uebergabe auffordern. Wie vorauszusehen, wurde dieser Aufforderung nicht entsprochen. Im ruhigen Schritt zog sich die Brigade wieder zurück. Festungswälle und geschlossene Thore werden für Cavallerie immer ein unübersteigliches Hinderniß sein. Immerhin baben die badischen Dragoner die ersten Schüsse in die Festung abgefeuert.
Hessen Darmstadt. Das Bundeskanzler⸗ Amt des Norddeutschen Bundes hat, den Wünschen der Großherzoglichen Regierung mit dankbar anerkannter Bereitwilligkeit entgegenkom⸗ mend, Anordnungen getroffen, wonach die in Frankfurt a. M. errichtete Darlehenskasse des Nord⸗ deutschen Bundes ermächtigt worden ist, gegen Verpfändung geeigneter Waaren und Effekten auch an Personen, welche ia Mainz, Offenbach und anderen südhessischen Plätzen wohnen, Darlehen zu ertheilen, wenn die Unterpfänder innerhalb des Gebiets des Norddeutschen Bandes sich befinden. Außerdem ist die Frankfurter Darlehenskasse von dem Bundeskanzler-Amt auf den Wunsch der Großherzoglichen Regierung wegen Errichtung einer Agentur in Gießen mit den erforderlichen Ein- richtungen brauftragt worden.
— Auf Anordnung des Vorsitzenden des Bundesraths des Zollvereins werden zur Regelung des Landverkehrs mit Frankreich folgende Maß⸗ nahmen in Kraft treten: 1) An der Grenze gegen die besetzten Theile Frankreichs bleibt allein die deutsche Zolllinie. 2) Alle im freien Verkehr des Zollpereins befindlichen Waaren werden über diese Grenze zollfrei nach Frankreich eingelassen. 3) Ab- fertigungen unter Zollcontrole stehender Waaren zur Ausfuhr nach Frankreich über die deutsch⸗
Gegenstände mit dem Anspruch auf Zoll- oder Steuervergütung nicht mehr abgefertigt. 5) Für den Waaren⸗Eingang aus Frankreich wird Nichts geändert.
Mainz. Eine Bekanntmachung des General- Gouverneurs fordert die Gasthofsbesitzer auf, nur solche Fremde aufzunehmen, welche sofort nach ihrer Ankunft sich mittelst einer Legitimation aus ⸗ zuweisen im Stande sind. Fremde, welche Mainz zu besuchen haben, mögen sich daher mit Paß oder Paßkarte versehen.
— Auf dem Rheine sind gegenwärtig zehn Dampfboote als ambulante Kriegslazarethe im Dienst. Sie befördern von Mannheim bis Düssel⸗ dorf die Opfer der Schlachten. Manchmal liegen die Schiffe tagelang still, bis sie die betrübende Fracht voll haben, und dann segelt ein halbes Dutzend auf einmal ab. Am Topmast aber weht die Genfer Flagge. Uebrigens sind in diesen schwimmenden Heilstätten die Verwundeten besser gebettet als sie es vorher je waren. Nur der Mangel an Aerzten ist auf ihnen fühlbar; die wenigsten Transporte sind von solchen begleitet. Bingen. Ueber die Bestialität der Turcos wird der„Elb. Ztg.“ von hier geschrieben:„Heute Morgen brachte man einen Kerl, scharf geschlossen an Händen und Füßen, hier durch, der ein Gewerbe daraus machte, auf dem Schlachtfelde den Todten und Verwundeten die Finger abzuschneiden, um auf diese Weise leichter die goldenen Ringe ab⸗ streifen zu können. Auch mit den Ohren Derer, welche Ohrringe trugen, that er deßgleichen.“ Worms. Abermals sind dier Markedenter (aus Wiesbaden) von bayerischen Gendarmen hierher verbracht worden. Dieselben wurden im Besitze verschiedener Militäreffekten, Munition, Waffen, Offizierskleider, Stiefel, eines Pferdes, sowie vielem Gelde betroffen, welche Gegenstände diese Gauner auf dem Schlachtfelde geraubt und den Todten und Verwundeten abgenommen haben sollen; sie werden an das Gouvernement der Festung Mainz abgeliefert.
Preußen. Berlin. Die Nachricht vom Siege bei Wörth bat einen enthusiastischen Jubel erregt. Sobald sich die Kunde verbreitete, füllten sich die Linden und die in der Nähe gelegenen Straßen mit einer zahllosen Menschenmenge. Die Häuser verstärkten den wegen des Sieges bei Weißenburg angelegten Fahnenschmuck; stellenweise wurden Lichter an die Fenster gestellt, bengalische Flammen abgebrannt, Leuchtkugeln und Raketen geworfen; Musikrorps spielten vaterländische Weisen. Um 11 Uhr Nachts warf die Nachricht von der Wiedereinnahme Saarbrücken's einen neuen Funken in die erregten Massen.
— Das„Wiener Tageblatt“ veröffentlichte eine Auseinandersetzung des mit dem Prinzen Napoleon in nahen Beziehungen stehenden Genkrals Türr, welche aus den Unterredungen Bismarck's mit Türr im Jahre 1866 die angebliche Bereit⸗ willigkeit des Ersteren, Frankreich Belgien und Luxemburg zu überlassen, darzuthun persucht. Daraufhin hat Graf Bismarck folgende Erklärung in der Köln. Ztg. veröffentlicht:„Der Bundes kanzler hat seiner Zeit Türr auf Wunsch des Kaisers Napoleon empfangen, von ihm mündliche, von besser accreditirten Agenten schriftliche Mit⸗ theilungen, die zur Veröffentlichung bereit stehen, entgegen genommen, aber niemals, weder schriftlich noch mündlich, eine Antwort gegeben. Türr wurde von französischer Seite von Hause aus als politisch unzuverlässig und nur militärisch ver— wendbar bezeichnet.“
— J. M. die Königin hat an den General Herwarth v. Bittenfeld folgendes Telegramm ge— richtet:„In freudigster, dankbarer Bewegung über die Siege unserer Armee, übersende Ich Ihnen heute zwei goldene Medaillen für den Dichter und den Componisten des Liedes:„Die Wacht am Rhein“, in welchem die begeisterte Vaterlands⸗ liebe bei Bürgern und Soldaten in dieser Zeit den schönsteg Ausdruck gefunden hat, und welches zu einem wahren deutschen Nationallied geworden ist.“ Die Medaille zeigt auf der Vorderseite das
französische Grenze finden nicht mehr Statt. 4) Zur Ausfuhr über diese Grenze werden
Brustbild des Königs und auf der Rückseite einen die Jahreszahl„1870“ umgebenden Lorbeerkranz.
— Der General⸗Gouverneur in den Bezirken des I., II., IX. und X. Armeecorps, General der Infanterie Vogel v. Falckenstein, hat die Organi⸗ sation von besonderen Beobachtungs⸗Abtheilungen an unseren, durch den Feind bedrohten Küsten angeordnet und es ist demgemäß die Küste der Provinz Preußen von der russischen Gränze bis westlich von Putzig in 10 Districte getheilt.
— Ueber die Namen v. Hahnenfeldt und v. Verdy, die sich bei den amtlichen militärischen Depeschen finden, gibt die„Krztg.“ folgende Aus- kunft: General v. Hahnenfeldt, bereits zur Dis- position Sr. Maj. gestellt, ist zur Zeit der hiesige Stellvertreter des Generals v. Moltke als Chef des großen Generalstabs. Oberstlieutenant v. Verdy du Vernois, ein berühmter Militärschriftsteller, ist im großen Hauptquartier Sr. Maj. des Königs Einer der Gehülfen des Generals v. Moltke. (Neulich war auch ein Telegramm an Herrn v. Hahnenfeldt unterzeichnet:„v. Podbielski.“ Dieser General, Director des Allgemeinen Kriegs-Departe⸗ ments, befindet sich auch im Hauptquartier.)
— Auf Grund einer königlichen Ordre soll während des gegenwärtigen Krieges in Betreff der Gewährung von Beute- resp. Douceurgeldern für bezügliche Eroberungen nach den 1866 dafür vor- gesehenen gleichen Festsetzungen verfahren werden. Die Prämien sind hiernach für Eroberung in offener Feldschlacht bei feindlicher Gegenwehr für jedes Geschütz mit 60 Ducaten, für jede feindliche Fahne mit 40 Ducaten bemessen worden.
— Der ehemalige hannover'sche Staatsminister v. Münchhausen ist gefänglich in Königsberg ein⸗ gebracht worden.
— Die im Dienst der Johanniter in das Feld rückenden Personen mehren sich mit jedem Tage. Der Orden ist, wie die„N. Pr. Ztg.“ meldet, vorbereitet, 18,000 Personen in seinen Dienst zu nehmen.
— Der Geh. Oberregierungsrath Olberg von Berlin hat sich nach dem großen Hauptquartier begeben. Derselbe wird ungesäumt in den occupitten französischen Gebietstheilen als könig⸗
licher Commissarius für die Regelung und Erhebung
der indirekten Steuern fungiren.
— Der amerikanische General Sheridan wird dem Feldzuge im preußischen Hauptquartier bei⸗ wohnen.
— Das Consistorium der Provinz Branden- burg soll, wie die„Volksztg.“ aus sicherster Quelle hört, gegen mehrere Prediger, welche an dem vom König angeordneten außerordentlichen Buß- und Bettag in ihten Predigten sich soweit vergaßen, daß sie den von Frankreich in so frivoler Weise angezettelten Krieg als ein„Strafgericht Gottes ob unserer Sünden“ bezeichneten, eine Disziplinar⸗Untersuchung eingeleitet haben.
Köln. In der Nacht vom 11. auf den 12. d. passirten hier circa 400 deutsche Familien, welche in Paris seither wohnhaft und in Folge des Belagerungszustandes von dort ausgewiesen worden waren.
Marburg. Der Profeffor der Chirurgie und Leiter der chirurgischen Klinik an der Universität Marburg, Herr Geheimerath Roser hat sich als Generalarzt auf die Schlachtfelder begeben.
Wiesbaden. Der Herzog von Nassau hat für die Hinterlassenen der im Felde stehenden und für die verwundeten Soldaten aus Nassau 3000 Thaler angewiesen, die zu gleichen Theilen an die Vereine zu Wiesbaden, Biebrich und Weilburg vertheilt wurden.
— Die hier vom Kriegsschauplatze gefänglich
eingebrachten Fuhrleute sind sämmtlich freigelassen
worden, weil sich keinerlei Beweis ihrer Schuld beibringen ließ.
Bayern. In der Festung Ingolstadt sind 500 französische Gefangene, worunter 16 Offiziere, ein Oberst und mehrere Tureos angekommen.
Würtemberg. Stuttgart. Der König hat folgendes Telegramm an den Generallieutenant v. Obernitz gerichtet:„Nachrichten von der Division gestern Abend erhalten. Danke Gott für den siegreichen Erfolg, danke Ihnen, danke den Truppen, die sich so tapfer geschlagen. Ehre dem Andenken
der für das Vaterland Gefallenen.“
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