Ausgabe 
15.10.1870
 
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Geilage.

Preußen. Berlin, 13. Okt. DieProv. orresp. bemerkt bezüglich der deutschen Frage: Aus den Bündnißverträgen wird ein gemeinsames gutsches Staatswesen hervorgehen. Ueber die Frundlagen der Einigung finden zwischen den vegierungen vertrauliche Verhandlungen statt. Der krnst und der patriotische Geist aller Regierungen ürgt für einen baldigen befriedigenden Abschluß. die Verfassung des norddeutschen Bundes bezeichnet an Weg, auf welchem die Ausdehnung des Bundes uf die südd. Staaten erfolgen kann. Dasselbe glatt sagt weiter:Die wesentlichen Schwierig- ziten bezüglich der Herbeischaffung und Aufstellung er Belagerungsgeschütze vor Paris dürften nun- rehr soweit gehoben sein, daß der Beginn der Operationen in naher Zeit zu erwarten steht. Der Zusammentritt des Landtages soll spätestens ende November erfolgen; vorher findet möglicher veise eine Session des Reichstages statt, welcher sch mit den weiteren Bedürfnissen der Kriegführung ind der Entwickelung der deutschen Verhältnisse u beschäftigen haben würde. Bei den Landtags- zahlen werden die Wahlmännerwahlen voraus- chtlich etwa am 9. k. M., die Abgeordnetenwahlen icht Tage später vollzogen werden.

Der König von Sachsen hat dem Könige on Preußen das Großkreuz des Militär-St. einrichsordens übersandt, welcheszur Erinnerung n Höchstdessen ruhmreiche Führung der deutschen Jtmee im Jahre 1870 mit einem Lorbeerkranze um den Mittelschild geschmückt ist, mit der Be⸗ fimmung, daß diese Verzierung ausschließlich für len Empfänger gestiftet sein und an Niemand Laders verliehen werden soll. Der König von Freußen bedankt sich in einem Telegramm vom Laus Versailles für diese Auszeichnung. Gleich- zitig hat auch der Kronprinz das genannte Groß heuz ohne Lorbeerkranz erhalten.

Wie man derElb. Ztg. aus Berlin meldet, sind die nach Paris und Metz geschickten upp'schen Granaten Riesengeschosse von 3 Fuß känge mit einer Füllung von 70 Pfd. Pulver.

Der Versuch, eine postmäßige Versendung wn Sachen an die mobilen Truppen zu ermög- lchen, kommt vom 15. Okt. ab zur Ausführung. für jetzt werden jedoch zur Postbeförderung nur Krivatpäckereien an die vor Paris und Metz sehenden Armeen zugelassen, mithin an die Truppen dr 1., 2., 3. und der Maasarmee(Kronprinz won Sachsen), so wie auch an die Truppen, welche auf den Etappenstraßen dieser Armeen feste Stand⸗ qnartiere haben, ferner an die Garnison in Straß burg. Die Packete dürfen nicht über 4 Pfund schwer, nicht erbeblich über 13 Zoll lang, 6 Zoll breit und 4 Zoll hoch(etwa die Form einer lünglichen Cigarrenkiste) sein, sie müssen möglichst dauerhaft verpackt sein und es genügt, wenn eine nüt dem Namen des Absenders versehene Feldpost⸗ (orrespondenzkarte mit der Adresse auf das Packet heftet oder geklebt wird. Ein besonderer Begleit- brief wird also nicht angenommen. Dagegen empfiehlt es sich, daß in jedes Packet eine Abschrift der aufgehesteten Correspondenzkarte(ebenfalls iter genauer Angabe des Absenders) hineingelegt nerde, damit, wenn die äußere Adresse durch irgend emen Umstand unkenntlich werden sollte, die Mög⸗ lchkeit einer Ermittelung des Empfängers, resp. Absenders, gegeben sei. Diese Packete sind auf der Correspondenzkarte mit 5 Sgr. Marken ohne Unterschied des Gewichts zu frankiren. Werth augabe oder Postvorschuß sind nicht zulässig. Lom 15. Oktober ab werden Feldpostbriefe nur bs zum Gewichte von 4 Loth excl. zur porto- eien Beförderung an mobile Militärs und Pilitärbeamte zugelassen.

Hamburg. DerHamb. Corresp. meldet s Altona vom 11. Okt.:Die französische Rotte ist 18 Meilen von Helgoland gesehen worden. die Militärbehörden werden benachrichtigt, sich dor Ueberraschung zu sichern und die Entfernung der äußeren Seezeschen vorzubereiten. Gez. v. Ezel.

Oberhessischer Anzeiger.

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Schweiz. Bern, 11. Oct. DerBund sagt in seiner Tagesübersicht: Die Fortsetzung des Krieges bedroht Frankreich mit empfindlichem Ver⸗ lust an Ländergebiet auch in Afrika, indem nach über Tunis und Malta eingelaufenen Nachrichten in Algier der Aufstand in vollem Gange ist. Derselbe brach im Südosten der Provinz Con- stantine aus und hat bereits größere Ausdehnungen angenommen.

Basel. Am 8. d. sind in Großhüningen und St. Louis 1500 Mann preußische Ulanen und Infanterie eingerückt, welche jedoch, nachdem sie Requisitionen an Fleisch, Wein und Cigarren erhoben hatten, wieder nach Blotzheim abzogen. Auf diese Annäherung deutscher Truppen an die schweizerische Gränze wurden von Basel 4 Compag- nien Scharfschützen zur Verstärkung der Grenz- wache abgesandt.

Frankreich. Tours. DieFrangais erzählt, daß man in den Kreisen der propisorischen Regierung daran gedacht habe, Herrn Thiers nach seiner Rückkunft zum Kriegsminister zu ernennen.

DieIndépendance belge vom 10. d. M. theilt unter den ihr vom Tage zuvor aus Tours telegraphisch zugegangenen Nachrichten u. A. mit: Militärischer Bericht vom 5. Abends: Die Recog- noscirung gegen Clamart ist gelungen. Heute früh ist von Mont Valérien auf die bewaldeten Abhänge zwischen St. Cloud und Bougival ge- feuert worden. Die feindlichen Truppen haben versucht, auf letzteren Ort hin sich zu flüchten, sind aber durch eine größere Projectile der Marine Geschütze vertrieben worden. Vor Charenton und rechts Créteil haben wir eine wohlgelungene Recognoscirung ausgeführt. 1200 Metres von Créteil haben unsere Tirailleurs eine vom Feinde stark vertheidigte Barrikade angegriffen, von welcher den letzteren zu vertreiben nicht gelang; zur Rechten jedoch haben wir ihn aus einem Hause gejagt und dann in bester Ordnung unseren Rückzug mit Verlust von nur 2 Todten angetreten. Rapport vom 6. Abends: Starker Nebel. Kein militärischer Vorfall. Bei St. Denis haben wir einen Aus- fall etwa 500 Meter vor die Forts gemacht; 1 Mann wurde verwundet. Der Commandant des Mont Valérien meldet, daß das Feuer von gestern im Park von St. Cloud dem Feinde den größten Schaden gethan hat. Der am 30. Sept. gefallene General Guilhem ist bei den Invaliden bestattet worden. Der General Uhrich ist von der Regierung in Tours zum Großkreuz der Ehrenlegion ernannt worden.

Die Regierung veröffentlicht solgende Nach richten: Chartres, 10. Okt. Der Feind griff heute 1 Uhr Nachmittags das Dorf Cherisy(Dep. Eure und Loire, Arrond. Dreux) an. Ein Theil des Dorses brannte ab. Die Weiler Messanger, Chavaille und Bressan stehen in Flammen. In der Ebene von Beaune(Loiret) nähern sich feind⸗ liche Vortruppen den Dorfschaften Voves und Chartres. Der Feind hat Ablis in Brand ge steckt, die Gemeinderäthe verhaftet und mit Er schießung bedroht. 5

Nach den Berichten englischer Blätter aus Tours stand für den auf den 8. anberaumten Ministerrath die Verlegung der Regierung nach Bordeaux auf der Tagesordnung, welche dadurch begründet wurde, daß Tours für das Zusammen- treten der Constituante nicht die genügenden Räum- lichkeiten biete. Die auswärtigen Gesandten haben bereits Attachés nach Bordeaux gesandt, um die Vorbereitungen für ihre Uebersiedelung dorthin anzuordnen.

Gegen General Uhrich sollen einige seiner Offiziere sehr ernste Anschuldigungen vorgebracht haben. Er habe mit dem General Werder auf freundschaftlichem Fuße gestanden, mit dessen Er- laubniß häufig Briefe an seine Gemahlin geschickt, kurzum etwas gethan, was so ziemlich auf ein heimliches Einverständniß mit den Belagerern hinausläuft.(7) e

Mit dem Muthe der Bevölkerung ist es an vielen Orten schlecht bestellt. So hatte die Stadt Etampes Waffen verlangt und sie bekom- men. Sobald aber die Kunde einlief, daß einige Ulanen in der Nähe seien, warf man 50,000 Patronen ins Wasser und die Waffen wurden auf dem Stadthausplatze im Voraus zusammen⸗ gebracht, um den Preußen die Mühe zu sparen, die Bevölkerung entwaffnen zu müssen. Die Preußen kamen und zerstörten die Waffen. In Artenay gingen zwölf Ulanen drei Tage lang ein und aus und zogen Contributionen ein, ohne daß Jemand daran gedacht hätte, die Stadt zu vertheidigen, und an mehreren Orten ist es sogar vorgekommen, daß die eingeschüchterte Bevölkerung die Freischützen⸗ schaaren ersucht hat, wegzurücken, weil ihre An wesenheit zu sehr die Aufmerksamkeit des Feindes auf sich ziehe. Die Franctireurs haben nämlich so schlechte Disciplin, daß sie der Ordnung im eigenen Lande gefährlicher sind, als dem Feinde, und es kann daher wenig Wunder nehmen, wenn die Regierung von Lyon die Auflösung derselben angeordnet hat.

Belgien. Brüssel. Dem aus Paris eingelangtenJournal des Débats zufolge haben fünf Bataillone Nationalgarde bewaffnet unter Führung Flourens der Regierung ein radikales Programm übergeben.

DasEcho du Parlement veröffentlicht folgende Depesche aus Amiens: Garibaldi's An- kunft ist schlecht aufgenommen worden. Viele Franzosen aus der Vendee und der Bretagne weigern sich wegen seines Verhältnisses zur Kirche an seiner Seite zu kämpfen.

Aus Arlon, 12. Oet., telegraphirt man der Indép.: Man hört eine starke Kanonade in der Richtung von Thionville. Man versichert, daß von der Besatzung Montmédy's Stenay genom⸗ men ist. Chateaudun, 12. Oct.: Der Feind ist bei Dreux zurückgeschlagen. Moreuil, 11. Oct.; Recognoseirung des Feindes gegen Montdidier. Nationalgarden und Franctireurs mit bewunderns⸗ werthem Elan ihm entgegen. Er zieht sich zurück.

Mecheln. Eine zahlreich besuchte Versamm⸗ lung belgischer Bischöfe unter dem Vorsitz des Erzbischofs von Mecheln beschloß einen Protest gegen die Besetzung des Kirchenstaates. Der Protest wurde dem Papste telegraphisch mitgetheilt.

Italien. Florenz. Die Regierung läßt keine Freiwilligen über die französische Grenze, sondern hat deren Verhaftung angeordnet. Die Besatzungen an der französisch-savopischen Grenze werden verstärkt. Die amtliche Zeitung enthält ein Amnestiedecret für diejenigen Personen, welche sich der Dienstpflicht in Armee und Flotte ent⸗ zogen haben, falls sie sich in einer bestimmten Frist stellen.

Rom, 11. Okt. Lamarmora ist heute hier eingetroffen. Derselbe wurde von einer zahlreichen Volksmenge aufs wärmste begrüßt. Der General erließ eine Proklamation an die Römer, welche besagt: Der glänzende Ausfall des Plebiseits krönte das nationale Gebäude. Es sei zu hoffen, daß das Ausland in würdiger Weise über dies große Ereigniß urtheilen werde. Die Regierung wolle, daß der Papst, mit der Würde eines Sou⸗ veräns bekleidet, in voller Freiheit alle Rechte des Kirchenoberhauptes ausübe, doch auch das Nationalgefühl sei etwas heiliges; mit diesem müsse das Gefühl für den Papst in Einklang ge- bracht werden. Die Proclamation fordert schließ⸗ lich zur Ruhe und Ordnung auf

Rußland. Petersburg. DasPeters burger Journal bezeichnet die Proclamation Gambetta's als den 2. Dezember der Republik, denn sie verhindere die selbstständige Berathung der Nation. Das Journal erklört die Wahlen und den Zusammentritt der Nationalversammlung, sowie einen Waffenstillstandsabschluß für unbedingt nothwendig.