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fremder Regierungen, zu der Zeit nach Rom ge. richtet, als dort die Canones de ecelesia zur Discussion gelangen sollten. Die Antwortsnote des Cardinal Ankonelli, in deren Ton sich eine gewisse Gereiztheit bemerklich macht, hält den bis⸗ der von der römischen Regierung eingenommenen Standpunkt unverändert fest.
Frankreich. Paris, 9. Mai, 2 Uhr Morgens. Das amtlich festgestellte Resultat der Abstimmung über das Plebiscit weist nach: Stadt Paris 111,363 Stimmen mit„Ja“; 156,377 Stimmen mit„Nein“; das Gesammtergebniß der Abstimmung im Departement der Seine beziffert sich auf 139,538 Stimmen mit„Ja“; 184,946 Stimmen mit„Nein.“— 6 Uhr Vorm. Von 160 Arrondissements sind die Resultate der Ab⸗ stimmung bekannt, sie liefern folgendes Ergebniß: Von 3,671,000 Abstimmenden stimmten 2,614,000 mit Ja, 432,000 mit Nein; 625,000 enthielten sich der Abstimmung.— 7 Uhr Vorm. In der Hauptstadt wurden 177,000 Nein und 143,000 Ja abgegeben. Die Enthaltungen betragen 100,000. Von der Besatzung stimmte ein Viertel mit Nein. In der Prinz Eugene⸗Caserne herrschte Stimmen⸗ gleichheit.— Heute Mittag hatte man, mit Aus⸗ nahme von Algerien, der Marine und 18 Arron⸗ diffements, folgende Gesammiresultate: 6,526,316 Ja, 1,368,000 Nein. Hierzu kommen noch die Stimmen der Armee, die sich auf 188,000 Ja und 32,000 Nein belaufen.— Abends. Berichte über die Volksabstimmung sind aus weiteren zehn Arrondissements eingetroffen. Die Zahl der„Ja“ beläuft sich darnach bis jetzt auf 7,105,000, die Zahl der„Nein“ auf 1,415,000. Nur von acht Arrondissements ist das Resultat der Abstimmung noch unbekannt.— In unterrichteten Kreisen wird versichert, das„Journal officiel“ werde morgen die Demission des Gesammteabinets melden. Die Neubildung des Cabinets würde unverzüglich erfolgen und Olivier in seiner bisherigen Stellung verbleiben.
— 10. Mai, Morgens. Vor der Caserne des Chateau d' Eau und im Faubourg du Temple ist es gestern Abend zu unerheblichen Ruhestörungen gekommen. Drei Barrikaden wurden aus um⸗ gestürzten Omnibus errichtet, jedoch ohne Wider⸗ stand beseitigt. Das Resultat der Volksabstimmung ist nun beinahe vollständig und ergibt 7,160,000 „Ja“ und 1,523,000„Nein“.
— In der Stadt Straßburg wurden bei dem Plebiscit 6322 Ja und 5501 Nein, im ganzen Arrondissement 36,110 Ja und 11,605 Nein, im Departement Niederrhein 97,022 Ja und 20,596 Nein, ungültige Stimmzettel 2546 ab- gegeben. — Die Plebiscitaffaire ist nach den bis jetzt vorliegenden telegraphischen Nachrichten in aller Ruhe verlaufen. Von Bedeutung ist das Ergeb⸗ niß der Abstimmung in der Hauptstadt, das neben der thatsächlichen Niederlage des Gouvernements vor Allem durch das Verhalten der militärischen Wähler ins Gewicht fällt. Daß in den Pariser Casernen ein Geist weht, der trotz aller Pression es möglich machte, ein Viertel der Votanten mit einem Nein zu inspiriren, wird voraussichtlich seines Eindrucks in den Tuilerien nicht verfehlen. Auch ist die starke Betheiligung an dem Acte hervorzuheben. Kaum 25 Prozent der Bevölkerung haben sich der Abstimmung enthalten, zum guten Theil überdies aus prinzipiellen Motiven.
— In den Casernen wurde die Abstimmung, wie es heißt, schon in aller Frühe, um 6 ½ Uhr, und bei verschlossenen Thüren vollzogen. Man berichtet, daß der Abgeordnete Jules Ferry sich
nach der Caserne der Rue de la Pepinidre be · geben und dort den Wunsch ausgesprochen hätte, dem Scrutinium beizuwohnen; er wurde sehr höflich bedeutet, daß vom Obercommando der Befehl ergangen sei, keinem Civilisten den Zutritt in die Caserne zu verstatten, und daß man auch für einen Abgeordneten keine Ausnahme machen könne.— Der„Presse“ entnehmen wir, daß auch in einigen anderen Casernen, Bürger, welche dort vorsprachen, um der Abstimmung beizuwohnen, mit dem Bemerken abgewiesen wurden, daß die⸗ selbe auch ohne sie genügend übermacht sei.
Italien. Florenz, 8. Mai. In der Provinz Catanzaro haben sich einige Banden in der Gesammtstärke von etwa 300 Mann gezeigt. Dieselben waren roth unisormirt. Man glaubt an eine republikanische Bewegung. Die bewaff⸗ nete Macht ist aufgeboten. Die Bevölkerung unterstützt die Behörden. Weitere Truppen sind Vorsichts halber nach der genannten Provinz ab⸗ gegangen und werden daselbst diesen Abend eintreffen.
— Die Militärbudget⸗Commission hat der Kammer einen Bericht vorgelegt, worin Ersparungen von 15 Mill. vorgeschlagen werden, welche durch Herabminderung des Armee ⸗Effectivstandes auf 146,000 Mann und 13,000 Pferde, ohne daß dadurch die Cadres beeinträchtigt würden, erzielt werden sollen.
— In der Kammer bestätigte der Minister⸗ präsident Lanza, daß bei Catanzaro sich eine In⸗ surgentenbande gezeigt hätte. An 300 Bürger, darunter Menotti Garibaldi, hätten sich der Be⸗ hörde zur Bekämpfung der Bande angeboten. Dieselbe sei nach kurzem Kampfe den Truppen unterlegen und in der Richtung der Landschaft Reggio geflohen, wo die Bevölkerung fest ent- schlossen sei, die Flüchtigen zu bekämpfen.
Rumänien. Bukarest. Durch fürstliches Dekret werden die Kammern bereits zum 22. Mai einberufen. Der Fürst erließ eine Amnestie für alle politischen und Preß⸗Vergehen.
Rußland. Petersburg. Der Militär- Attache bei der hiesigen österreichisch-ungarischen Gesandtschast, Major Prinz Ludwig v. Arenberg, wurde am 7. d. früh in seiner Wohnung ermor⸗ det gefunden. Wer das Verbrechen begangen, ist noch unbekannt.— Das Journal de St. Petersburg sagt, es sei ein ehemaliger Diener des Prinzen von Arenberg, der kürzlich aus dem Ge⸗ fängnisse entlassen wurde, als des Mordes ver⸗ dächtig verhaftet worden; er läugne jedoch, ob⸗ gleich die Indicien sehr beschwerend seien. Er heißt Gery Chischkow. Der Kaiser hat gegen den österreichischen Botschafter, Grafen Choteck, sein tiefes Bedauern ausgesprochen.
— Der des Mordes an dem Prinzen Aren- berg verdächtige und deßhalb verhaftete Chischkow soll bereits Geständnisse abgelegt haben. Den- selben zufolge soll schon in der den Morde vor⸗ angegangenen Nacht der Versuch, den Prinzen zu bestehlen, gemacht worden sein. Den Mord selbst habe ein gewisser Grebmenikow verübt, er, Chisch⸗ kow, habe blos vor dem Hause Wache gehalten. Grebmenikow wurde auf diese Aussage hin ver⸗ haftet, und es wurde die Uhr des Prinzen Aren⸗ berg bei ihm vorgefunden. Aus dem ärztlichen Leichenbefunde geht hervor, daß der Tod des Prinzen durch Erdrosselung erfolgte; der Druck auf den Hals war so heftig, daß der Tod sofort erfolgt sein muß.
Büdingen. Am Morgen des 8. ereignete sich beim hiesigen Eisenbahnbau ein Unglücks all. Ein auf der Rollbahn beschäftigter Arbeiter wurde von einem aus den
Schienen gesprungenen Rollwagen unter denselben geworfen und erlitt derselbe außer verschiedenen Wunden am Kopfe noch einen Beinbruch. Er wurde in das hiesige Mathilden⸗ hospital gebracht.
Frankfurt. Für den Maschinenmarkt sind so viele Anmeldungen eingelaufen, daß nicht allein der große Bleichgarten selbst und die landwirthschaftliche Halle, sondern auch die Vereinssiallungen, deren Seitenwände herausgenommen werden, sowie die Hälfte der Halle Ago⸗ ston's(die andere Hälfte ist Hrn. Bierbrauet Stein zu Restaurationszwecken überlassen) erforderlich sind, um alle zum Markt gesandten Maschinen unterzubringen. Der Absatz der Loose ist ein recht erfreulicher.— Vor einigen Tagen farb ein bejahrter hiesiger Bürger mit Hinter⸗ lassung einer Wittwe und Kindern. Daß ein ansehnliches Vermögen vorhanden sei, wußten Letztere. Doch wie er⸗ staunten sie, als sie nach dem erfolgten Tod des Vaters auch nicht einen Kreuzer fanden. Um den versteckten Schatz zu heben, fanden bis jetzt leider vergebliche Nach⸗ forschungen und Ausgrabungen im Hause selbst stalt.
Offenbach. Ende verflossener Woche schwebte der Neunuhrzug der Offenbacher Eisenbabn in Gefahr, zu entgleisen. Ein 18 Fuß langer Grenzpfahl wurde näm⸗ lich durch unbekannte Hände quer über die Schienen ge⸗ legt. Nur dem Umstande, daß derselbe schräg lag, ist es zu verdanken, daß das Hinderniß ohne Schaden für den Zug zur Seite geschoben wurde.
In Berlin spielte sich ein schauerliches Familien drama in der Nacht zum Freitag im Hause Sebastian? straße 6 ab. Dort wohnte der frühere Schmiedegesell jetzige Handelsmann Huth, der ein nicht unbedeutendes sog. Rͤckkzufsgeschäft mit Pfandscheinen, Kleidern, Werlh⸗ sachen ꝛc. betrieb, und dadurch seiner Familie, zweien Söhnen im Alter von 18 und 15 Jahren und zweien Töchtern von 13 und 10 Jahren, eine anscheinend sorg⸗ lose Existenz bereitete. Am Freitag Morgen gegen 8 Uhr erhielt ein Anverwandter der Familie miitelst der Post einen Brief des äliesten Sohnes, worin dieser in dunklen Ausdrücken Abschied nahm und auf eine bevorstehende Katastrophe in der Familie hindeutete. Schnell entschlossen eilte dieser zu dem betreffenden Polizeilieutenant, und als auf dessen Geheiß die Thür zur Hut'schen Wohnung ge⸗ waltsam geöffnet wurde, fand man— sämmtliche sechs Familienglieber todt. Der Vater hatte sich an die Thürhaspe erhängt, die Frau und die Kinder lagen in den Betten mit deutlichen Strangulationsmarken am Halse. Auch das Kohlenoxyoͤgas scheint eine Rolle in dem Orama gespielt zu haben oder ihm doch eine solche zu⸗ gedacht gewesen zu sein, denn bie beiden Oefen der Wohnung waren ganz heiß, in dieser Jahreszeit eine mindestens ungewöhnliche Erscheinung. Die That muß Morgens gegen 5 Uhr nach ärztlichem Ausspruch vollfübrt sein, wofür auch der Umstand spricht, daß die Petroleumlampe augenscheinlich ausgelöscht worden ist. Daß Huth in vollem Einverständniß mit seiner Famitie war, als er sie umbrachte, geht sowohl aus dem Befund, wie aus dem Inhalt des oben gedachten Briefes hervor; die leitenden Motive sind aber ganz unerfindlich. Was Huth, einen fleißigen, waikcäftigen Menschen, der sich anscheinend eines gewissen Wohlstandes erfreue, bei dem fürchterlichen Ent⸗ schlusse leitete, ist vorläufig noch ein Räthsel.
Verloosung dis Gustav-Adolf-Frautnverkins.
Der unterzeichnete Vorstand beabsichtigt wie schon in frühern Jahren auch in diesem wieder eine Verloosung für die Zwecke des von ihm ver⸗ tretenen Vereins, Unterstützung von Confirmanden⸗ häusern und Schulen, von Wittwen und Waisen, Ausschmückung von Kirchen, Anschaffung von Altargefäßen, Glocken u. dergl., zu veranstalten und wendet sich deßhalb an alle Freundinnen des Vereins mit der vertrauensvollen Bitte, denselben
zu diesem Behufe mit weiblichen Arbeiten freund⸗
lichst unterstützen zu wollen. Zur Empfangnahme derselben sowit anderweitiger Gaben, welche bis Ende August d. J. erbeten werden, erbieten sich folgende Mitglieder des Vorstandes: Frau Bin⸗ dernagel, Frau Fertsch, Frau Huber, Frau Köbler, Frau Meyer, Frau Schwabe, bei welchen auch Loose à 6 kr. für die in nächstem Herbste beabsichtigte Verloosung zu haben sind. Friedberg, den 11. Mai 1870.
Der Vorstand des Gustav-Adolf⸗Frauenvereins.
Bekanntmachung.
1316 Die am 5. d. M. in den Domanialwalddistricten „mittlerer und hinterer Köppel“ abgehaltene Holz- Versteigerung ist genehmigt worden.— Die Ab⸗ fuhischeine können vom 17. d. M. an bei Großherzog lichem Rentamt Friedberg in Empfang genommen werden.— Der erste Fahrtag wurde auf den 20. d. M. und das Ende des Abfahrtermins auf den 1. Jult d. J. sefigesetzt. Die Holzabfuhr ist nur bei trockner Witterung gefaltet. Butzbach den 9. Mai 1870 Großberzogliche Oberförsterei Hoch- Weisel Dittmar.
Möbel Transport G. L. JANSEN Trankfurtz M.
Frankfurt a. M
Vollständige Umzüge
140 per Bahn oper auf der Landstraße, einzelne Möbelfuhren über Land, sowie das Abholen von Möbeln aus den Eisenbahnwaggons in Frankfurt a. M. besorge bei Garantie prompt und dilligst mittelst großen ge⸗ schlossenen Federwagen. Bestellungen oder Frachtbriefe erbitte Brönnerstraße 17.
Ein Logis
1229 für eine kleine Familie ist in meinem neu erbauten
Dause noch zu vermiethen und im Mai beziehbar.
Geübte Kleidermacherinnen
1188 finden dauernde Beschäftigung bei 1 Frau Lehrer J. Heß.
Lang. vehrmädchen werden jederzeit angenommen.
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