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Ausführung einer Eisenbahn-⸗Berbindung zwischen Homburg und Friedberg vorhanden.
Preußen. Berlin. Die zur Vorberathung des Regierungs- Antrags auf Vertagung der Kammern vom Herrenhause niedergesetzte Com- mission berieth in Gegenwart des Ministers des Innern und beschloß nach längerer Diskussion einstimmig, den Antrag abzulehnen.
— Wie die„Staatsb.-3tg.“ mittheilt, ist die Frist für die Anmeldung der Richtigkeitsbeschwerde Seitens des Oberconsistorialraths Dr. Fournier gegen das kammergerichtliche Erkenntuiß abgelaufen, ohne daß Dr. Fournier von dem Recht, dieselbe anzumelden, Gebrauch gemacht hat, so daß nun- mehr das ibn zu 300 Thlr. Geldbuße verurtheilende Erkenntniß in jeder Beziehung rechtskräftig ge- worden ist.
— Die angekündigte Versammlung von Ver⸗ trauensmännern der national-liberalen Partei aus fast allen norddeutschen Bundesländern hat am Sonntag unter dem Vorsitze v. Bennigsen's stattgefunden. Gegenstand der Verhandlungen war die Organisation der Partei und das Verhältniß zu den übrigen liberalen Partkien. Für den Parteifonds sollen 4000 Thaler gezeichnet wor- den sein.
— Der„Staatsanzeiger“ enthält eine Prä⸗ sidialverordnung, durch welche der Reichstag des norddeutschen Bundes auf den 14. d. M. ein- berufen wird.
— In der Nacht vom 22. zum 23. Januar wurde die cslossale Büste auf dem Grabe Diester⸗ wegs in Berlin zertrümmert, ohne daß die Thäter entdeckt wurden. Die Verehrer des großen Pä— dagogen haben zur Herstellung des Denkmals eine Sammlung eingeleitet.
Sachsen. Nach Berichten aus Dresden hat Paster Dr. Baur in Hamburg, fräher Pro- fessor in Gießen, einen Ruf an die Universität Leipzig erhalten an Stelle des nach Berlin ab⸗ gegangenen Professors der Theologie und Univer- sitätspredigers Dr. Brückner.
Würtemberg. Die Militär- Agitation nimmt im ganzen Lande in großen Verhältnissen ihren Fortgang. Versammlung drängt sich auf Bersammlung, und überall ist die Stimmung gegen den Militärdruck eine so ungetheilte, so energische, daß die Führer und Redner sie nur zu formuliren brauchen. Einen Aufschwung und eine Betheiligung, wie bei dieser Agitation, wollen Landeskundite bisher noch nie wahrgenommen haben.
Oesterreich. Wien. Das Abgeordneten ⸗ haus wies die Anträge des Abg. Rechbanuer, betreffend das Religionsgesetz, Civilehegesetz und die Aufhebung des Concordats, einem aus 15 Mitgliedern bestehenden Ausschusst zu.
— Die Sorge wegen eines Lokals von ge⸗ nügender Größe für die allgemeine dentsche Lehrer⸗ versammlung, welche während der Pfingsttage in Wien stattfinden soll, ist gehoben. Die k. k. Reit⸗ schule wird zu diesem Zwecke dem Comite über; lassen. Auch haben sowohl die Minister, wie der Bürgermeister von Wien ihre Unterstützung zugesagt.
Frankreich. Paris. Rochefort gibt in der„Marseillaise“ eine Erklärung ab, nach der er sich weigert, der Aufforderung des Gerichts, sich zur Abbüßung der gegen ihn erkannten Haft zu stellen, nachzukommen und es darauf ankommen lassen will, daß die Macht ihn zwinge. Das Ministerium soll dagegen, wie berichtet wird, die Verhaftung Rochefort's für den Fall beschlossen haben, daß derselbe sich nicht selbst stelle und die ihm zuerkannte Gefängnißstrafe antrete.
— Die offtziösen Blätter wissen von einem vertraulichen Rund schreiben zu melden, welches Minister Ollivier an die Spitzen der Gerichts— behörden erlassen hätte und das da anordne, daß kein richterlicher Beamter ohne Urlaub und etwa unter dem Vorwande, daß er nach Parts gehe, um seine Avancements⸗Ansprüche geltend zu machen, seinen amtlichen Wohnsig verlassen dürfe; für alle
Fälle würden Zuwiderhandelade die Thüren des
Ministers unweigerlich verschlossen finden.
bauen.
— Rochefort wurde am 7. d. Abends 8 Uhr
zu Villette verhaftet, als derselbe im Begriffe war,
sich in eine öffentliche Versammlung zu begeben. Die Verhaftung erfolgte ohne Widerstand von Seiten Rochefort's, der nach dem Gefängnisse St. Pelagie abgeführt wurde. G. Flourens zog einen Revolver mit dem Rufe:„Wir müssen Rochefort befreien!“ Man versichert, daß G. Flourens und drei Andere ihre Revolver abfeuerten, ohne jedoch Jemand zu verwunden. Gegen 10 Ubr Abends wurden in den Faubourgs du Temple und Belleville Versuche gemacht, Barrikaden zu Um 1 Uhr Nachts marschirten Truppen nach dem Faubourg Belleville. Die Boulevards waren belebt, doch kam es nirgends zu Unordnungen. Nach den dom„Figaro“ gegebenen Mittheilungen über diese Vorfälle waren Barrikaden an dem Ein- gange der Rue de Paris und Rue de Belleoille gebaut. Fünfzehn von den Personen, welche die Barrikeden vertheidigten, wurden festgenommen. Ein Friedens- ossizier erhielt einen Bajonnetstich in die linke Brull. Etwas weiter entfernt, in der Rue de Paris, wurde ein Stadt- Sergeant durch einen Revolverschuß erschossen. Gegen halb 1 Uhr Morgens plünderte eine Bande die Fabrik von Lesaucheux in der Rue Lafayette und nahm 40 Gewehre und 300 Revolver mit. Die Verhaftungen wurden sehr zahlreich. Der Transport von 200 Gefangenen wurde auf die Präfektur gebracht. Am Mittag des 8. herrschte in allen Theilen der Stadt wieder Ruhe.
Friedberg. Der Gemeinderath unserer Stadt hat beschlossen, den sämmtlichen Lehrern der hiesigen Volks- schulen durch Verleihung persönlicher Zulagen eine Ver— besserung ihres Einkommens, theils mit 50 und theils mit 25 Gulden, zu gewähren. Das ist ein Beschluß der dem Gemeinderath der Stadt alle Ehre macht und den die Bürgerschaft freudig gutheißen wird.— Auch das benachbarte Ossenheim hat vor Kurzem den Gehalt, seines Lehrers um 25 fl. aufgebessert.— Solche Beispiele verdienen Nachahmung und deßhalb öffentliche Erwähnung.
r Vom Lande. Wie in andern Gegenden unseres Landes, so hat sich im Laufe dieses Winiers auch in der nordwestlichen Wellerau ein landwirthschaftliches Kränzchen gebildet, an welchem sich bis jetzt die Orte Gambach, Griedel, Rockenberg und Eberstadt betheiligen. Es ist Aussicht vorhanden, daß noch andere Nachbarorse hinzutreten werden. Etwa alle 14 Tage ver⸗ sammelt man sich des Abends in den Octen abwechselnd, das Präsidium wechselt ebenfalls. Die Tagesordnung wird bei der vorhergehenden Versammlung festgestellt. Die Gegenstände der Berathung sind theils solche, welche auch in andern Kränzchen oder in den Versammlungen des landw. Dezirksvereins zur Sprache kamen, theils solche, welche wohl als neu bezeichnet werden können. Zur letzteren Katechorie gehören z. B. die Fragen: 1. Welchen Erfolg hat das Pfublen im Saatfeld auf dem Frost und dem festgefrorenen Schnee? 2. Wie kann dem Betielunwesen gesteuert werden? 3. Ist das„Krautengehen“ zu gestatten oder zu verbieten?— An den Verhendlungen betheiligen sich auch die Herren Lehrer. Auf diese Weise ist ihnen Gelegenheit geboten, die praklische Seite der Landwirthschaft noch eingehender kennen zu lernen, als dies durch bloße Beobachtungen allein geschehen kann, wie auch wiederum nicht zu bezweifeln ist, daß unsere kleineren Landwirthe gerade durch die Lehrer auf die wissenschaftliche Seite ihres Berufes hingewiesen und für dieselbe empfäng⸗ lich gemacht werden können. Nach geschlossener Diskussion überläßt man sich der geselligen Unterhaltung und kehrt dann wieder in heiterer Stimmung in die häuslichen Verhältnisse zurück.
Frankfurt. Der hiesige internationale Maschinen⸗ markt findet vom 19. bis 23. Mai in der neu erbauten Halle des landwirthschaftlichen Vereins und dessen Um⸗ gebung stait. Mit demselben ist eine Verloosung verbunden, die den Zweck hat, neue Maschinen und Gerätbe einzu— bürgern und Verbesserungen in Haus- und Landwirthschaft in weiteren Kreisen bekannt zu machen. Zugleich soll dieselbe die Aussteller eintgermaßen für gehabte Unkosten eutschädigen. Die Anmeldungoefrist dauert bis 31. März. Von den meisten Eisenbahnen ist bereits Frachtermäßigung, bezw. freie Rückfracht zugesichert. Ein Szandgeld wird für die ausgestellten Gegenstände nicht berechnet. Das Justitut der Maschinenmärkte hat wegen der großen Vor⸗ theile, die es vor Austellungen bielet, rasch Anklang ge— funden und scheint sich gerade für die Landwirthschaf', welche erst anfängt, zum Maschinenbetrieb überzugehen, sehe gut zu bewähren.
Frankfurt. Nach statistischen Ermittelungen betrug am 3. October 1867(der letzten Volkszäblung) die Be völkerung von Frankfurt 78.277, von Kassel 41,587, ven Wiesbaden 30085. Man zählte Anstalten für Beherbergung in Fransurt 65, in Wiesbaden 57, in Kassel 37. Vol sieher und Beamte von Kauf- und Wursicherungsgesell⸗ schast n in Franfurt 3027 in Kassel 644, in Wiesbaden 633. Lehrer beiderlei Geschlechts in Frankfurt 578, in Wiesbaden 355, in Kassel 231. Medseinalpersonen, ein⸗ schlͤßlich; Hebammen, Krankenwärier, Djacouissen, in Frankfuct 698, in Kassel 186, in Wiesbaden 155.
Rechtsanwälte, Notare, Justizbeamte nebst Hilfspersonal⸗ in Kassel 151, Wiesbaden 135, Frankfurt- 133. Staats:
beamten in Kassel 502, Wiesbaden 350, Frankfurt 317.
Dagegen Gemeindebeamten in Frankfurt 288, Kassel 82, Wiesbaden 58. Endlich in Frankfurt 12,795, in Kassel 4591, in Wiesbaden 4041 Diensiboten, Tagelöhner 4 Diensimänner. Es kommt also ein Dienstbote in Fran
furt auf 6, in Wiesbaden auf 7, in Kassel auf 9 Einwohner.
Frankfurt. Hiesige Blätter melden, daß die schwe⸗
dischen Arbeiter bereits in hiesiger Gegend Concurrenz bekommen haben. Die Fabrik in Griesbeim vorschrieb sich nämlich 20 Arbeiter aus Ostpreußen und sind weitere Industrielle und Landwirthe gewillt, sich von ebendaselbst Arbeiter kommen zu lassen.— Durch den in der land⸗ wirthschaftlichen Halle ftattgehabten ersten Volks-Masken⸗ ball ist die hiesige Einwohnerschaft in das gemüthliche süddeutsche Faschingsleben versetzt worden. Die schön ge⸗ schmückten Räume der Halle waren gedrängt voll Menschen und bewegten sich zwischen 11 und 12 Uhr Nachts wohl
4000 Menschen in denselben. 2. Darmstadt. Die Industrie schreitet immer vorwärts.
Man hat nicht allein Kragen und Manschetten, sowie Servielten ꝛc. von Papier, sondern es gibt, jetzt auch Papierhüte. Diese neue Industrie wird in unserer Valerstadt, und zwar von Herrn Kaufmann Georg Hof bier betrieben, der auf dem Chausseehaus eine Fabrik von Papierhüten für Herren etablirt hat, und die, den bedeu⸗ tenden auswärtigen Bestellungen nach zu urtheilen, allem Anscheine nach eine große Ausdehnung gewinnen dürfte. Die Hüte sind sehr elegant, den Filzbüten täuschend ähn—⸗ lich, sehr billig und als wasserdicht patentirt
Mittheilungen aus dem Perein der Gustay-Adolf⸗Stistung.
4.
Ju meiner letzten Mittheilung habe ich den freund⸗ lichen Lesern einige Nachrichlen uͤber einen evangelischen Prediger in Spanien gegeben; heute bitte ich sie mit meer einem evangelischen Gottesdienst in Madrid beizuwobnen. Durch allerlei enge Gäßchen gelangen wir nach der Straße von Madera. Volksschaaren, die sich vor einem Gebäude zusammendrängen, zeigen uns den Weg zur evangelischen Kirche. Durch eine große Thüre tritt man in ein bretsernes Vorhaus; rechts und links ist der Eingang in die Kapelle, einen großen Saal, in welchen das Licht von oben hinein⸗ fällt, und der 700 bis 800 Sitzplätze zählt. Schon ist er ganz gefüllt. Die Mitglieder des Vorstandes der evangel. Gemeinde, Deulsche, Eugländer, Spanier schaffen so viel Platz als nur möglich; aber der Zudrang ist größer, als daß sie sür alle sorgen können. Nach einem kurzem Gesang tritt Carrasco vor, ein schöner, statilicher Mann mit ausdrucksvollem Gesicht und klangvoller Stimme, und liest die 10 Gebote. Zum zweitenmal wird gesungen und dann besteigt Buet die Kanzel. liest er erst, als am Charfreitag, ein ganzes Kapitel aus der Leidensgeschichte. Dann hielt er seine Predigt über das Wort: es ist vollbracht.„Den Eindruck seiner Worte, erzählt ein deutscher Reisender, dann man nicht beschreiben; jedes Auge hing an seinem Mund; man fühlte spürbar die Wirkung seiner Rede; als er geredet, sagte hinter mir eine Frau mit ächt süodlicher Lebenkigkeit: Gesegnet sei sein Mund!“ Und was ist der Inhalt? Eine Dar⸗ legung dessen, was Christus für uns vollbracht, was wir für ihn vollbringen sollen. Nachdem er das Werk Cbristi, sein Leiden und seinen Tod geschildert hatte, ruft er am Ende aus:„Wenn wir also glauben und halten, Jesus Christus ist unser Verséhner, Christus unser Mitiler und
Fürsprecher, Christus ist unser Erlöser, unser Retter und
Heiland, Jesus Christus unser König, unser Leden, unser Ein und Alles— haben wir dann ein Recht, uns Christen zu nennen? Sind wir dann Christen oder nicht?“ Durch die Versammlung ging's da mächtig wie eine laut⸗ lose Bejahung. Zum besseren Verständniß des Schlusses füge ich noch bei, daß das katholische Volk in Spanien belehrt wud, die evangelischen Christen dienten nicht Gott, sondern dem Teufel. Man belegt sie um sie zu verspotten, mit dem Namen Juden.„Willst du auch für die Juden arbeiten? sragte ein Freund einen Zimmermann, der Bänke für die evangel. Kapelle verfertigt hatte.„Was Juden?“ antworiete dieser.„Ich kenne keine Juden, dieß sind wohl bessere Christen, als wir sind.“—
eee eee eee Die billigste und beste Moden-Zeitung
ist unstreitig
Die Modenwelt.
Preis für das ganze Vierteljahr 36 kr. 3556 in Deutschland hat die Modenwelt an Ruf und
Verbreitung allen anderen Moden-Zeitungen den Raug
abgelaufen, was sie ihrem vortrefflichen luhalte, ihrer grossen Reichhaltigkeit und ihrem billigen Preise u ver- danken hat— Vornehmlich nimmt die Modenwelt Rücksicht auf die Bedürtnisse in der Familie, weniger auf die der grossen Welt, Sie empfleladt sich deshalb vofzug- weise allen Müttern und Töchteen, die Getallen daran flnden, ihre eigene und der Kinder Toilette, wie die“ gesammte Leibwäsche selbst herzustellen.—
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