Ausgabe 
6.9.1870
 
Einzelbild herunterladen

a geila ge.

Oherhessischer Ameiger.

105

05 f. 4 0 lng, Preußen. B erlin. Zur Frage der gebracht, ohne daß sich aber die betr. Behörde er- heute durch Belgien passiren und nach Deutsch 2 Sen von Elsaß und Lothringen schreibt weichen ließ, den armen hülflosen Kinvern die ihnen land gebracht werden. Die Gräfin Walewska den nge ane die officibseNordd. Allg. Zig.:Das abgenommenen Effecten und Papiere berauszugeben.(Ehrendame der Kaiserin Eugenie), die gestern 1

Nindeste, was wir sortern müssen, das Mindeste, Namutenusse vomit die deutsche Nation in allen ihren Theilen, vor che en glich aber unscre Namens- und Kampfgenossen * u fefeits des Mains sich befriedigt erklären können, 8 ade t die Abtretung der Ausfallspforten Frankreichs dender g de ab der deutschen Seite hin, die Erwerbung von *. Shaßburg und Metz für Deutschland. Von der Sqchleifung dieser Festungen einen dauernden Frie 0 gen zu erwarten, wäre eine auf Kurzsichtigkeit bee embende Illusion von derselben Art, wie die . befnung, daß es möglich sein werde, die Fran- osen durch Schonung zu gewinnen, und im (ebrigen ist nicht zu vergessen, daß, wenn wir ese Abtretungen verlangen, es sich um ursprüng

45 deutsches und zum guten Theil deutsch ge (Hlibenes Gebiet handelt, dessen Bewohner mit

her Zeit vielleicht lernen werden, sich wieder als

* Sezug 4 5 8 4. d sedr untege Jätsche zu fühlen.

ant genöthig

Dynastiewechsel kann uns lleichgültig sein, Kriegskosten sind nur vorüber zehnde finanzielle Schwächung Frankreichs, ge

1 91 nähren keine Erhöhung der Sicherheit deutscher egunzen. Letztere ist nur erreichbar durch Ver- besteben da 8 6.

wafdlung der beiden uns bedrohenden Festungen

beit, n Bellwerke unserer Sicherheit. Straßburg und Nez müssen aus französischen Agressionsfestungen

deussche Defensivplätze werden. * Das General- Postamt bat eine Bekannt- Sen mac ung erlassen um das Publikum über die sehr bea veischiedenen und zahlreichen Ursachen der Ver⸗ 1280 shatungen in den Versendungen der Feldpost 5 enstalten aufzuklären. Wir entnehmen ihr, daß crenet de silder Mobilmachung bis 22. August 10 Millionen i en(lotrespondenzkarten durch die Feldpost befördert 1 gik müden. Es gibt 71 mobile Felvppostanstalten. * Dieselben befördern nach einem approximativen Anschlage von und nach der Armee täglich 200 000 bernagzt, Amfe und außerdem ca 40,000 Thlr. meist in en geragt Ghelobriefen von 1 2 Thaler. Beilin allein e blesirdert täglich 238 geschlossene Brief- und Fahr⸗ n gesch postdeutel zur Armee. Die ungemein zahlreichen tadtt dierstlichen Geld- und Packetsendungen sind hier

ei xnoch nicht mitgezählt.

n ee DerNat. Ztg. wird aus Baden, 20. August ein Vorfall mitgetheilt, von dem sich ronussetzen läßt, daß derselbe von den Franzosen hell mitker gegen uns ausgebeutet werden dürste, während ö er guf's Neue zeigt, wie leichtfertig und sorglos pronif i sast allen Beziehungen das Kriegshandwerk von 7 dun Herren Franzosen ausgeübt wird. Zwei

ffatzösische Offiziere aus Straßburg hatten sich in das deutsche Hauptquartier als Parlamentäre blegeben, zu welchem Zwecke ist uns nicht bekannt. Von General v. Werther auf's Freundlichste ent- lüssen, waren sie auf der Rückkehr begriffen, als sie soreilig die Parlamentärflagge zusammenrollen und einstecken zu sollen glaubten. Sie befanden sich abnn noch keineswegs außer dem Bereiche unserer Pahouillen. Eine solche, die natürlich nichts von im Eigenschaft wußte und wissen konnte, stieß auf sie und gab Feuer. Ein Offizier wurde tödt lach getroffen, dem andern das Pferd erschossen.

Eu e. In der Bischofsversammlung war du Unfehlbarkeitsdogma einziger Gegenstand der Digussion. Nach zuverlässigen Mittheilungen be sihlosen die Bischöfe, in dem zu Klassenden Hütenbriefe die Gläubigen zur Unterwerfung uli das Dogma aufzufordern.

Bayern München. Graf Luxburg, der wut Präfect des Departements Bas-Rhin, ist am 28. und Graf Tauffeirchen, der Präfect des Dwartemente Meusse, ist am 30. August auf sülnen Posten abgereist. Die franz Regierung wess selbst Kinder in dem Alter von 11 bis 15 Jahen aus, wenn deren Wiege jenseits des

hein forte 0 1 K

ia.

gang!

Pheins gestanden hat. So wurden jüngst fünf Meitchen, welche in der klösterlichen Anstalt einer * Matame Collin in Toul erzogen wurden, aus-

gewsesen und über die Grenze des Departemente

Kaiserslautern. Die Rinderpest nimmt leider die größten Dimensionen an. Die treff lichsten Vorsichtsmaßregeln haben leider nicht ver bindern können, daß die Seuche auch andere Ortschaften ergriffen hat, so Winnweiler, Höringen, Otterbach und Umgebung. In Zweibrücken ist unter dem Rindvieh der Milzbrand ausgebrochen.

Oesterreich. Wien. Nach demNürn- berger K. ist der hiesige Vertreter des nord deutschen Bundes von seinem Cabinet angewiesen, der kak. Regierung Eröffnungen zu machen,die durch wohlwollende und sehr erfreuliche Tendenz und Tragweite sich auszeichnen. Gleichwohl werden diese Eröffnungen nur als vorläufige und eventuelle bezeichnet.

Frankreich. Paris. 1. Sept. Die Aufregung, welche sich aller Köpfe bemächtigt hat, ist grenzenlos, man schwebt fortwährend in fieber hafter Erwartung und wiegt sich in den unge messensten Hoffnungen. Man begrüßt die Aus geburten einer krarkhaft angespannten Phantasie als zweifellose Thatsachen und verzehrt sich in wahnsinnigen Wünschen. Man triumphirt in ver blendetem Jubel, wäbrend man dem Abgrunde entgegeneilt. Wie fürchterlich wird das Erwachen aus diesem Rausche sein, wenn die schreckliche Wahrheit zugleich mit dem Feinde ibren Einzug in die Weltstadt an der Seine hält! Selbst im Gesetzgebendem Körper war man förmlich im Taumel über die Siegesgerüchte, welche im Kriegs- Mjnisterium eingegangen sein sollten, man gab sogar auf's Haar die Zahl der Feinde an, welche kampfunfähig gemacht waren, man fügte hinzu, daß ein Theil der preußischen Armee aufgelöst und von Mac-⸗Mahon umzingelt sei. Das Kriegs- Ministerium beobachtete diesen Angaben gegen über ein vorsichtiges Schweigen, man ließ jedoch am 1. Sept. noch genaue Mittheilungen boffen. Die Minister waren um Uhr noch nicht auf ihren Bänken erschienen. Man baute um so mehr auf Sieg, als man versicherte, daß das am 29. Aug. von Paris abgeschickte Armeecorps bereits am Orte seiner Bestimmung eingetroffen sei. Dies die letzten Nachrichten der France aus der Kammer von 4 Uhr Nachmittags. Wie es sich mit dem letztgenannten mysteriösenArmeecorps verhält, werden die nächsten Tage lehren.

3. Sept. DasJournal officiel meldet: Das Kriegsministerium hat gestern über das Re sultat des Kampfes am 1. Sept. noch keine offi cielle Depesche erhalten, anderweitige hier einge- laufene Nachrichten sind zu widersprechender Art, um berücksichtigt zu werden.

Belgien. Brüssel, 1. Sept., Abends. 250 Franzosen sind heute an der belgischen Grenze bei Bouillon(Provinz Luxemberg, an der Semoy) gefangen und entwaffnet worden, dabei 50 Pferde.

2. Sept. Aus Bouillon vom 1. Sept.

wird gemeldet: Die heutige Schlacht bewegt sich zwischen Douzy und Sedan. Die Preußen rücken entschieden vor und haben schon La Chapelle und Givonne genommen. Die Ortschaften Bageilles, Ballan und Remilly stehen in Flammen. e 2 September. Heute Abend werden hier 2000 französische Soldaten(1500 Infanteristen und 500 Cavpaleristen) erwartet, welche über Namur hierher transportirt und im Lager von Beverloo internirt werden sollen.

4. Sept. Der Kaiser mit einem Gefolge von ungefähr 100 Personen, Pferden und Equipagen ist in Begleitung eines preußischen Generals gestern Nachmittag in Bouillon(in Luxemburg) eingetroffen und begibt sich über Lüttich nach Deutschland. Der König von Preußen und der Kaiser haben in Ueberein stimmung die belgische Regierung um Gestattung der Reise durch Belgien ersucht.

4. Sept. Der Kaiser Napoleon wird

hier angekommen ist, hat die Vermuthung aus gesprochen, daß die Kaiserin sich zur Abreise von Paris rüstet. Ueber den Tod Failly's hört man, daß der Herzog von Magenta, auf gebracht über die Unfähigkeit Fally's, denselben habe erschießen lassen. Man sagt, Mac Mahon sei verwundet worden, als er sich baarhäuptig und mit offener Brust in das Handgemenge gestürzt habe, um den Tod zu suchen.

Großbritannien. London.Daily News erklären es für notorisch, daß nicht Zehn⸗ tausende, sondern Hunderttausende von Chaffepots augenblicklich in einigen der ersten englischen Fabriken in Arbeit sind und zu sofortiger Aus- fuhr vorbereitet werden.

Unsere Hoffnung beruht, nächst der Hülfe des allmächtigen Gottes, auf unserer bis dahin sieg⸗ reichen, unermüdlich vorwärts dringenden Armee und deswegen gerade auf ihrer Erbaltung. Diese wird aber nicht blos vom feindlichen Kriegsheer bedroht, sondern fast mehr noch von dem tückischen Feinde der Kriegs-Epidemien und Krankheiten, besonders dann, wenn(wie jetzt) üble Witterung durch Nässe und frühzeitige Kälte die Gesundheit des Soldaten aufreiben und er unter freiem Himmel oder an schlechter Aufenthaltsstätte sich so oft sein unwirthliches Nachlager bereiten und dabei einer hinreichend kräftigenden Nahrung und hinreichend wärmenden Bedeckung eben so oft entbehren muß. Die traurig reiche Erfabrung vergangener Kriege hat unwiderruflich erwiesen, daß auch die ruhm reichsten Siege des gehofften Erfolges völlig ver lustig gingen, wenn der Bestand des Heeres durch Nothstände solcher Beschaffenheit allmählich ver ringert und schließlich aufgerieben wurde. Eine ernste, bedeutsame Erinnerung lag deswegen in dem Anruf des Herrn Dr. Wix vom Kriegsschau platze her(in Nr. 232 der Darmstaͤdter Zeitung), welcher über diesen Gegenstand sich genauer ver breitet, als in vorstehenden Zeilen möglich ist und von dem man wünschen muß, daß er in allen Zeitungen des Vaterlandes aufgenommen werde. Er räth dringend, im Interesse unserer braven Truppen und für den glücklichen Ausgang des Kriegs, zur Mit wirkung der Anschaffung betr. Präservative gegen die erwähnte nahe rückende und schon bestehende Ge sahr(der Ruhr, Cholera u. dergl. Krankbeiten) sein Scherflein auf den Altar dee Vaterlandes niederzulegen. Man hat gestrebt in unserer Ge meinde diesem Anruf gerecht zu werden. Nach geschehener vorläufiger Anzeige auf dem Rathhause und warmer, begeisterter Ansprache in der bezüg lichen Predigt des vergangenen Sonntags wurde besonders für genannten Zweck eine Sammlung an hiesigem Orte veranstaltet, welche 130 Gulden eintrug, von denen 100 Gulden nach Darmstadt und 30 Gulden nach Friedberg(an letzterem Orte für die durchpassirenden Truppen) gesendet worden. Der pflichtmäßigen Sorge für die ver wundeten Krieger, für welche früher vorerst 188 fl. 53 kr. nach Friedberg und Sammlung von Leinen und Verbandzeug für das Lazareth in Hungen, gespendet wurden, soll dadurch kein Abtrag ge schehen und ist, nachdem auch eine Privatsammlung speciell die Soldaten hiesigen Orts mit Gaben bedacht hat, die Vorkehrung getroffen, weitere 100 Gulden aus hiesigem Kurchenfonds(nach er folgter Genehmigung der Behörde) alsbald zu weiterer Unterstützung für unsre Truppen abgehen zu lassen. Möchten diese Zeilen, um ihren Zweck zu erfüllen, die Wirkung haben, daß an recht vielen Orten rasche Entschließungen zur sofortigen heilsamen Mitwirkung für die Erhaltung der Ge sundheit der in Feindesland mehrfach bedrohten deutschen Krieger, von deren Aufrechterhaltung unsre Hoffnung abhängig ist, freudig gefaßt werden.

Wohnbach, den 29. August 1870.