Leitartikel das Abrüstungsthema. Die öffentliche Meinung Europa's, sagt er, ist schon lange pein⸗ lich berührt von der Thatsache, daß in Folge der Ereignisse von 1866 alle Regierungen ohne Aus- nahme sich gewissermaßen für die Rüstungen soli⸗ darisch machten; nun das Bedürfniß des Friedens allgemein anerkannt ist, fragt sich die öffentliche Meinung, ob die Völker nicht, nachdem sie in ihren Rüstungen gewetteifert, auch in der Ab- rüstung solidarisch verfahren wollen. Frankreich ist flark genug, um sich nicht durch Rücksichten der Eitelkeit aufhalten zu lassen, wenn es sich darum handelt, einen Beweis seiner Willfährigkeit für die Meinung des gebildeten Europa's zu geben. — Nachdem nun erwähnt ist, daß die kaiserliche Regierung für 1871 eine Herabsetzung des Jahres- tontingents mit 10,000 Mann vorgeschlagen und damit eine Probe ihres guten Willens gegeben, wird Frankreich, so heißt es weiter, bevor es auf dieser Bahn fortfährt, erwarten dürfen, daß sein Beispiel Nachahmer finde. In erster Reihe steht, wenn es sich um Abrüstung handelt, noch immer Preußen als Präsidialmacht des norddeutschen Bundes.—— Wir sind nicht mehr weit von dem Zeitpunkte, da das preußisch-deutsche Con- tingent von 1872 durch ein neues an Stelle des Artikels 64 der Bundesversassung tretendes Gesetz wird festgestellt werden müssen. Der Augenblick rückt also heran, in welchem Preußen zeigen kann, ob es geneigt ist, die militärischen Kräfte des Bundes mit den friedlichen Wünschen der deutschen Staaten in Einklang zu bringen. Die Ent— schließungen des Berliner Cabinets werden für den Lauf der Ereignisse in Europa ein bedeuten— des Gewicht in die Wage legen.
Amerika. Washington. Herr Revels, der farbige Senator für Mississippi, wurde mit 48 gegen 8 Stimmen in den Senat zugelassen. Er ist der erste Neger, der je in dem Senate saß.
Frankfurt. Der am Fastuachls⸗Dienstag in der landwirthschaftlichen Halle arrangirte närrische Jahrmarkt war von mehr als 12,000 Menschen besucht. Von dem Gedränge und Gewoge in der Halle selbst kann man sich keinen Begriff machen; auch fehlte es nicht an heiteren Scenen, namentlich erregten die Sehenswürdigkeit die Lach⸗ muskeln des männlichen Theiles der Besucher. Das ganze Unternehmen kann als ein sehr gelungenes bezeichnet wer den.— Man ist hier mit Gründung einer Gesellschaft beschäftigt, welche beabsichtigt, ein der alten Mainlust ähnliches, dicht am Mainufer gelegenes Vergnügungs⸗ Elablissement zu errichten. Dasselbe würde auf das linke Mainufer zu liegen kommen und würde das Areal vom eisernen Steg bis über die Mainschanze hinaus umfassen. Von der rechten Mainseite aus gesehen, würde der ganze Vergnügungsgarten terrassenartig angelegt sein.
Oarmstadt. Am 1. d. wurde Dr. med. Schad von Arheiligen auf dem Wege von Arheiligen nach Weiterstadt, in der sogenannten Weiterstädter-Tanne, todt gefunden. Man war anfänglich geneigt, einen abscheulichen Act der Rache zu vermuthen, die gerichtliche Leichenschau soll jedoch nichts ergeben haben, was auf ein an dem Verstorbenen, der allgemein betrauert wird, verübtes Berbrechen schließen ließe, es scheint nur ein beklagenswerther Unglücksfall vorzuliegen.
Mainz. Der„M. Anz.“ schreibt: Den Ruhm, in der hiesigen Octroifrage eine besonders hervorragende Rolle zu spielen, theilen mit den Kohlenhändlern die Wildpret⸗ händler. Wie die Acten der Oectroicommission innerhalb der Octroilinien ein Steinkohlenbergwerk für die Kohlen- besitzer nachwiesen, so weisen dieselben Acten für die Wild⸗
prethändler einen Wlldpark innerhalb der Oetroilinien
nach. Der Wiloöprethändler Rathgeber hat 1423 Hasen unter großem Zudrange von Schülern sich rasch
und 373 Rehe mehr aus- als eingeführt, der Wiloͤprei⸗ händler Veit figurirt mit einer Mehraussuhr von 1180 Hasen und 142 Rehen, Mackeldey und Kühner ditto 1097
Hasen und 110 Rehe. Diesen Herren gelang es auch, ein Wildschwein oder einen Hirsch(der Octroibericht läßt das zweifelhaft) zu züchten. Daun kommt Herr Dichmann, der sich durch seine außerordentlich beschelidene Einfuhr auszeichnet. Er hat in 18 Monaten nur 12 Hasen und 3 Rehe eingeführt, dagegen 451 Hasen und 93 Rehe aus⸗ geführt. Der fünfte der Herren, Herr Bieneseld, hat 6 Hasen und 36 Rehe mehr aus⸗ als eingeführt. Ins⸗ gesammt sind demnach 4147 Hasen und 754 Rehe mehr aus- als eingeführt worden, die also innerhalb der Mauern gezüchtet wurden. Diese Zahl vermehrt sich natürlich noch um alle die Hasen und Rehe, die hier verzehrt wurden. Auch die Welschenzucht ergab ein ähnliches für unsere Viehzucht sehr erfreuliches Resultat. Es wurden 400 Welschen eingeführt und 1499 ausgeführt.
Die Realschule.
Der erste Jahrescurs der neu organisierten sechsclassigen Realschule geht seinem Ende zu, und ein neues Schuljahr(Pfingsten) steht vor der Thüre. Lassen wir darum die Verhältnisse unsrer Anstalt vor den Augen des Publicums sich wie ein Bild aufrollen.— Die Veranlassung zu der Umgestaltung und Erweiterung der Schule war, wie jedermann bekannt, die veränderte Stellung solcher Anstalten zu den im Norddeutschen Bund entfalteten Staatseinrichtungen, beziehungsweise den Militärinstituten. Nur durch diese Reorgani— sation sind die Realschulen unseres Landes in den Kreis der berechtigten Anstalten eingetreten, deren Schüler Anspruch auf den„einjährig freiwilligen Dienst“ erheben können. Bedingung dafür ist der„erfolgreiche“ Besuch der obersten Classe. Haben wir nun auch zur Zeit noch keine Schüler unsrer obersten Classe gehabt, bei welchen dieser Zweck ein ausgesprochener gewesen wäre, und haben auch in diesem Jahre Schüler unsre Anstalt aus den vorhergehenden Classen verlassen, so steht doch zu erwarten, daß in der Folgezeit mehr solcher Schüler, welche jenes Ziel verfolgen, sich in der obersten Classe ansammeln werden. Nicht zu übersehen aber ist dabei, daß, wie vorher ge— sagt, nur der erfolgreiche Besuch der ersten Classe jene Ansprüche gewährt. Es kann demnach nur ein strenges Bersahren bei den Versetzungen, besonders in den oberen Classen, Aussicht auf diesen erfolgreichen Besuch eröffnen. In den früheren Verhältnissen konnte in dieser Beziehung ein milderes Handhaben der Anforderungen bei der Versetzung stattfinden, da das Ziel kein so sireng bezeichnetes war. Um aber den Anfor- derungen der mittleren Classen bei der Versetzung in die oberen genügen zu können, muß auch darin etwas tüchtiges geleistet werden. Zur frühzeitigen Gewöhnung an den Gang und die Ansprüche der Realclassen sollen die Vorbereitungsclassen dienen, wie solche bereits an allen Anstalten unsres Landes sich eingeführt haben. Auch wir hatten im verflossenen Jahre eine solche Vorclasse mit einjährigem Curse, welche ihre Schüler mit dem 9. Lebensjahre aufnahm. Dieselbe war aber in den meisten Fächern noch mit der VI Realclasse vereinigt, und nur in einzelnem erhielten die Schüler getrennten Unterricht, so daß wir weit zurückstanden gegen die anderen Landesanstalten, an denen meist mehrere Vorclassen bestehen, die
zur Blüthe entfalteten. Nun ist es auch uns, Dank unserm um die Schule verdienten Gemeinde⸗ vorstande, ermöglicht, diese Vorclasse unter Be- stellung eines eignen Lehrers selbständig zu machen und dieselbe um den Curs eines weiter, bis zum 8. Lebensjahre, zurückgreifenden Schuljahres zu erweitern. Wir machen darum die verehrten Interessenten auf diese wichtige Einrichtung auf merksam und legen denselben recht sehr ans Herz, ihre Kinder oder Pflegbefohlenen uns rechtzeitig zu übergeben, indem wir hervorheben, daß in der ersten Abtheilung dieser Vorclasse, also mit
dem 9. Lebensjahre, der Unterricht im Französt⸗
schen schon begonnen wird, so daß also mit dem Eintritt in die VI Realclasse gewisse Kenntnisse in dieser Sprache vorausgesetzt werden müssen, während das früher bei der Anmeldang der zehn- jährigen Kinder nicht der Fall war. Wir hatten zwar schon im verflossenen Jahre, vor Reorgani sation unsrer Anstalt, das Publicum darauf hin- gewiesen, leider aber war der Besuch der bisher eingerichteten Vorclasse nicht der Art, wie wir dieß gerne gewünscht hätten; freilich war vielen vie Sache noch zu neu, als daß sie die Folgen für die spätere Zeit hätten bedenken können. Um vieles schon haben sich die Anschauungen in diesem Punkte gebessert. Denn blicken wir nur um 15 bis 20 Jahre zurück, so finden wir, wie die Realschulen entsetzlich gehemmt wurden dadurch, daß so viele Schüler(obwohl ein erfreulicher Beweis von Bedürfniß) erst nach, oder doch nahe an der Confirmation denselben übergeben wurden. Ein stehender Mahnruf der Directionen in den Aufnahmsanzeigen war es:„man möge doch ja die Schüler recht zeitig der Anstalt übergeben und sie nicht erst in die mittleren, oder gar oberen Classen eintreten lassen!“ Das wurde mit der Zeit besser, in je weitere Kreise eine größere Einsicht in diese Dinge drang, und zwar zu einer Zeit, wo die Anforderungen an die Realschulen noch nicht so hoch, und ihre Gliederung noch eine ein fachere war. Hoffen wir darum, daß das Ver- ständniß des betheiligten Publicums seitdem noch zugenommen habe, besonders wenn es bedenkt, welche weit höheren Anforderungen das öffentliche Leben und die weit verwickeltere Organisation der Schule selbst an ihre Zöglinge stellt.— Mögen unsre Worte nicht auf unfruchtbaren Boden gefallen sein. Dr. Möller, Realschuldireetor.
Verloosungen.
Karlsruhe, 28. Februar. In der heutigen Serien⸗ ziehung der badischen 35 fl.-Lodse wurden die folgenden 70 Serien gezogen: 1448 7199 1264 6928 480 7707 1804 4809 2686 1225 7417 7614 2850 1245 7598 7682 6907 6658 1858 2459 1789 6977 78 5152 3283 7594 101 438 449 5350 7084 3323 3223 7000 3398 1556 1222 4372 2397 7453 2279 4496 112 7574 7155 3756 6146 4447 6799 1011 6938 1816 5173 6858 335 7245 5723 685 7038 4514 2811 2251 56813385 897 5766 6073 5885 3762 5565.
Danksagung.
Außer den Gaben für die Hinterbliebenen des ver⸗ unglückten Ludwig Michel zu Steinfurth, für die bereits gedankt worden ist, sind weiter 1 fl. 30 kr. noch eingegangen und mit dem Ausdrucke des herzlichsten Dankes in Empfang genommen worden.
r 618 Montag den 14. d. M., Vormittags 11 Uhr, wird die Lieferung des Brodbedarfs des 1. Jäger- batalllons pro II. Quartal o. auf dem Bürktau der Garnisonverwaltung, woselbst auch die Bedingungen eingesehen werden können, durch Soumission in Accord gegeben. FIrtedberg den 3. März 1870. Ann ssch ü tz, 1 Major und Batatlllons⸗Commandeur.
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