Ausgabe 
4.1.1870
 
Einzelbild herunterladen

Oesterreich. Wien. DieN. fr. Pr. bringt folgende Mittheilung: Der Kaiser hat von der Majorität des Ministeriums eine mündliche Replik auf das Memorandum der Minorität ver- langt. Der Handelsminister v. Plener ist mit der Replik beauftragt und, wie es heißt, wird derselbe den Antrag der Minorität auf Einberufung eines Reichsraths, der die Ausgleichung vermitteln solle, sowie jeden andern Vermittlungsversuch zurückweisen.

Dasselbe Blatt meldet ferner: Der Kaiser empfing Freitag Herrn v. Plener, welcher, dem Wunsche des Kaisers entsprechend, die Ansicht der Majorilät des Ministeriums über das Memoran- dum der Minorität überbrachte. Die Majorität erklärte, sich den Plänen der Minorität nicht an⸗ schließen zu können; der Gegensatz sei unversöhn⸗ lich. Der Kaiser äußerte den Wunsch, die Minister möchten die Geschäfte einstweilen fortführen. DerWanderer will wissen, daß der Kaiser demnächst eine Reise nach Rom antreten werde.

Cattaro. Wiener Zlättern telegraphirt man von bier: In Folge des Amnestieactes fand am 29. Dez. eine freiwillige Stadtbeleuchtung statt. Soeben ist eine Deputation aus der Zupa hier angelangt, um bei dem Commandirenden General Graf Auersperg, den Dank der Zupaner für die Amnestie auszudrücken. Derselben Depu tation hat sich auch eine Deputation der Cattareser angeschlossen. 5

Frankreich. Paris. Ein Herr C. F. Gambon, früher Richter und nach dem 2. Dee. deportirt, einer der radikalsten Redner der öffent lichen Versammlungen, hat auf eine an ihn er⸗ gangene Vorladung ein in den Annalen der Justiz gewiß beispiellos dastehendes Schreiben erlassen, dem wir folgende Stellen entnehmen: Ich werde ebenso wenig Ihrer Vorladung Folge leisten, als dem vorangegangenen nicht molivirten Befehl des Untersuchungsrichters, Herrn v. Lucry. Ich liebe weder die geheimen Untersuchungen, noch die Debatten bei verschlossener Thür. Als Republikaner stelle ich mich niemals freiwillig den Richtern Louis Bonaparte's, des Meineidigen vom December, des Aufreizers vom 20. Juni, des Meuchelmörders von Ricamarie und Aubin. So viel Ehrfurcht ich vor den Richtern Frankreichs habe, ebenso wenig neige ich mich vor den Richtern eines Menschen und eines solchen Menschen! Als Bürger erkenne ich Sie nicht als meine Richter an. Gegenwärtig haben Sie nicht mehr das Recht, Urtheile zu sprechen. Ihre Verfassung hat, nachdem sie von den ergebenen Dienern des Senats verändert, von Ihrem Herrn aber am 26. October zerrissen worden, zu bestehen aufgehört.

Türkei. Konstantinopel. Die Pforte hat den Vicekönig von Aegypten per Telegraph aufgefordert, die Panzerfregatten auszuliefern.

J Friedberg. Am 1. ds. Mis. Abends 11 Uhr wurde hier ein prachtvolles Nordlicht beobachtet, welches etwa 10 Minuten lang, bald stärker, bald schwächer, den nördlichen Himmel in dunkelem Roth beleuchtete; einmal, fast mit dem Glockenschlage eilf, sah man, jedoch nur auf einen Moment, gleich einer entfernten riesigen Rakete, eine helle Lich garbe aus dem dunkeln Roth des Nord lichtes hoch in den Nachthimmel emporstrahlen.

Schiffsnachrichten.

Das Hamburg⸗New⸗Yorker Post⸗Dampfschiff Hammonia, Capitän Meier, welches am 15, d. von hier und am 19. d. von Havre abgegangen, ist nach einer Reise von 10 Tagen 16 Stunden am 30. d. 6 Uhr Morgens wohlbe halten in New⸗York angekommen.

Was fressen die Tauben und sind sie nützlich oder schädlich?

daran knüpfenden:Ob es gut sei, die Tauben zur Saatzeit einzusperren, wiederholt ventilirt worden, und zwar hat Herr Pfarrer Snell zu Reichelsheim i. d. W. das Verdienst, diese Angelegen⸗ heit so kräftig angeregt zu haben, daß endlich die Staatsregierung auf Abhülfe der betreffenden Uebelstände sinnt, und sowohl auf die Stimmen der Wissenschaft, als auch auf diejenigen der praktischen Landwirthe, für welche die Sache doch am meisten Interesse hat, zu hören geneigt ist. Es wird deßhalb nicht zur Unzeit sein, dieser Angelegenheit ein paar Worte zu widmen, um den Interessenten Gelegenheit zu bieten, sich ein genaues Urtheil in der Sache zu bilden.

Die Nahrung der Tauben besteht in verschie⸗ denen Jahreszeiten aus den verschiedensten Futter- stoffen. Ihre Hauptnahrung aber sind Sämereien, namentlich aber die Samen der Unkräuter; neben diesen verzehren sie aber auch kleine Schnecken, Regenwürmchen u. dergl. Zur Beförderung der Verdauung nehmen sie auch noch Sand, Kiesel⸗ steinchen u. s. w. zu sich; ebenso Kochsalz und salpetersaure Salze von Wänden, Mauern ꝛc. weg.

Die Hauptnahrung besteht also aus Sämereien und zwar aus Samen von Unkräutern und Samen solcher Kulturpflanzen, deren Körner ohne die Tauben verloren gehen würden. In erster Reihe der zur Taubennahrung dienenden Unkrautsamen stehen die Vogelwicken, eine sehr schädliche Pflanze, deren Ranken die Getraidehalmen umschlingen, sie niederbeugen und dadurch die Entwicklung der Aebhren behindern. Diese Samen verzehren die Tauben in fast unglaublicher Anzahl, wie dies nachfolgendes Beispiel beweisen wird. Pfarrer Snell fand im Kropfe einer am Abend geschlach teten Taube 3582 Vogelwickensamen. Er rechnet nun folgendermaßen: Unter den am Abend ge zählten Körnern konnten unmöglich noch solche sein, die am Morgen schon verschluckt worden waren, da bis zum Abend die Morgens gefressenen doch wohl verdaut werden; also wären dies nur die vom Mittag etwa an verschluckten Körner; für den ganzen Tag müßte also ungefähr das Doppelte, demnach 7164 Körner der Vogelwicke angenommen werden. Da nun Beobachtungen zufolge sich die Tauben etwa die Hälfte des Jahres von diesem Samen nähren, so würde ein solcher Vogel in 150 Tagen cirea 1,174,600 Wickenkörner verktilgen.

Zahlen beweisen und man kann einen Vogel, der so ungeheure Mengen Samen eines so schäd⸗ lichen Unkrautes verzehrt, nur zu den nützlichen rechnen.) Außer von diesem Unkraut werden aber unsere Felder noch von einer ganzen Unzahl

*) Die Vogelwicken können von den Menschen gar nicht ausgerottet werden, wenn die Tauben nicht helfen und zwar aus zwei Gründen. Erstens reifen die Samen derselben vor der Ernte, fallen aus und werden also nicht mit eingeheimst(wie dies bei der Ackerrade der Fall ist). Das Säubern des Säegetraides, wodurch viele andere Unkräuter entfernt werden, hilft gegen Vogelwicken also gar nichts. Zweitens keimen die Samen dieses Unkrautes sehr schwer und liegen oft lange in der Erde. Läßt man auch einmal einen solchen an Unkraut reichen Acker brach liegen und pflügt ihn um, wenn die Unkrautpflänzchen elwas emporgewachsen sind, so bleiben immer noch genug Körnchen ungekeimt in der Erde und auf derselben liegen, so daß man im nächsten Jahre gerade wieder dasselbe Verhällniß bat. Die Tauben aber verzehren nicht nur die frisch ausgefallenen, sondern auch die durch das Ackern wieder auf die Oberfläche geförderten Unkrautkörnchen weg.

Neuerdings ist obige Frage nebst der sich

solcher Schmarotzer ausgesogen, an denen aber ebenfalls durch die Tauben wacker das Vertilgungs⸗ geschäft betrieben wird.

Ein Vorwurf, der den Tauben von jeher ge macht wurde, ist der, daß sie in der Saatzeit da⸗ durch schadeten, daß sie die ausgesäeten Körner

wegfräßen. Dies ist eine durchaus unwahre, auf schlechter Beobachtung beruhende Behauptung.

Hafer z. B. fressen die Tauben, da sie von den spitzen Graunen dieser Fruchtkörner im Kropfe zerstochen werden nur, wenn sie kein anderes Futter erlangen können und da immer noch sehr ungern, wie dies jeder Taubenzüchter weiß. Sie könnten sich also etwa an Korn, Waizen, Gerste, Erbsen, Wicken ꝛc. vergreifen. Daß sie dies thun, hat seine Richtigkeit; aber sie deßhalb einzusperren ist rein unnöthig, da man die Beobachtung gemacht hat, daß sie nur die oben auf der Erde liegenden, nicht untergeeggten Körner verzehren, die doch verloren gingen, auch wenn sie keimten,(da solche Keime beim ersten Sonnenstrahl gelb werden und verwelken), wenn sie nicht von den Tauben benutzt und nutzbar gemacht würden. Daß unsere Vögel aber nur die oben auf liegenden Körner fressen können, das läßt sich leicht beweisen. Es wird noch Niemand gesehen haben, daß Tauben, gleich den Hühnern, im Boden gescharrt hätten; auch ist es nie denkbar, daß sie mit ihrem weichen, biegsamen Schnabel Körner aus dem Boden heraus hacken könnten, wie die Krähen. Da nun durch das Eggen die Samen wenigstens 1 Zoll tief in die Erde gebracht werden, so sind sie für die Tauben unerreichbar.

Mit diesen wenigen Worten wollte ich eine Angelegenheit berühren, für die ich schon immer ein reges Interesse fühlte, und dadurch zur ge⸗ nauen Beobachtung der Tauben ermuntern, da mit sich Jeder von der Wahrheit obiger Behguptungen überzeugen mögef.

Verloosungen.

Mailand, 16. December. Bei der heute stattgebabten

Ziehung der 10.⸗Fr.⸗Loose wurden gezogen Serie 5362,

5036, 5125, 2805, 4910. Der Haupttreffer von 50,000 Fr. fiel auf Serie 4940 Nr. 75.. Karlsruhe, 29. Dec. Bei der heutigen Prämien⸗ ziehung der badischen 35 fl.⸗Loose gewannen folgende Nummern je 1000 fl.: 389700 177589 234505 200392 52377 309360 234521 309397 87801 119954. Braunschweig, 31. December. Bei der heutigen Prämienziehung der Braunschweiger 20 Thaler⸗Loose fielen 20000 Thaler auf Serie 6574 Nr. 34; 6000 Thaler auf Serie 9497 Nr. 7; 5000 Thaler auf Serie 4005 Nr. 14; 2000 Thaler auf Serie 1925 Nr. 46. 3

Victoria, illustrirte Muster- und Modezeitung. Monatlich 4 reich illustrirte Nummern in Groß ⸗Folio. Als Beilagen: Jährlich 24 colorirte Modekupfer und zahl⸗ reiche Schnitimodelle für Toilette und Handarbeiten ꝛc. Preis vierteljährlich 1 fl. 12 kr. Neunzehn Jahrgänge bat dieVictoria mit stets wachsendem Erfolge vollendet. Ihr Bestreben, ein Familienblatt in der vollsten Bedeutung des Wortes zu sein, hat tausendfache Anerkennung gefun⸗ den und ihr eine tonangebende Stimme unter den Zei⸗ tungen dieser Art gesicherk. DieVictoria beschränkt sich nicht allein darauf, ihren Leserinnen nützlich zu sein, sie macht sich auch zur Aufgabe, nach vollbrachter Arbeit eine gewählle Unterhaltung zu bieten. Der technische Theil umfaßt das ganze Gebiet der Damen- und Kindergarde⸗ robe. Künstler ersten Ranges haben die bildliche Dar⸗ stellung der Modegegenstände und Handarbeiten übernom⸗ men, während die Auswahl und Beschreibung sachkundigen Damen anvertraut ist. Zur Selsstanfertigung aller Toi⸗ leitenartikel und Handarbeiten wird ausführliche und genaue Anleitung gegeben. Der unterhaltende Theil bringt Er- zählungen, Novellen, Biographien, Kulturgeschichtliches, Musikpiecen, Räthsel, Rösselsprünge, Rebus, Kochrecepte und viele andere praktische Notizen. Jährliche Preis- Concurrenzen kommen sowohl dem kechnischen wie belletristischen Theil zu Gute. Probenummern und Be⸗ stellungen bei allen Buchhandlungen und Postämtern.

Faselochs-Versteigerung. 48 Mittwoch den 12. Januar d. J., Mittags 12 Uhr, soll ein der Gemeinde Obbornhofen zustehender Faselochs, zum Schlachten geeignet, bel Wirth Heinrich Ruppel VI. daselbst öffentlich meistbletend versteigert werden.

Obbornhofen am 1. Januar 1870.

Großherzogliche Bürgermeisteret Obbornhofen Leschhorn.

Ed de ta dun g 51 Forderungen an Franz Schmitt II. von Rockenberg find sogewiß innerhalb 14 Tagen bei dem unterzeichneten Gericht anzumelden, als dieselben sonst bei der bevorstehenden Regultrung der Vermögens- verhältnisse desselben unberücksichtigt bletben müssen. Butzbach den 30. Dezember 1869. Großherzogliches Landgericht Butzbach Dr. Gilmer, Königer, Landrichter. Landgerichts-Assessor.

Sag' Einer was er will!

Ein Knecht,

55 der mlt guten Zeugnsssen versehen ist, wird gegen hohen Lohn auf Pettritag gesucht. Näheres zu erfragen bet der Exped, d. Zl.

54 Der lustige Kalender und beste Wetterprophet bleibt halt doch wieder der Herriedener Laubfrosch Kalender, der bei allen Buchhändlern und Buch

bindern für 11 kr. zu haben.

Bekanntmachung.

60 Die Reparatur der Thurmuhr zu Afsen heim, veranschlagt zu 160 fl., soll Donnerstag den 13. Januar, Vormittags 10 Uhr, auf dem Rathhause zu Assenheim an den Wenigstnehmenden in Accord gegeben werden. Zum Mitbieten können nur Großubrmacher zugelassen werden, welche über ihre Lelstungsfähigkeiten gute Zeug⸗ nisse vorlegen können. Frledberg den 3. Januar 1870. Der Bezirks⸗Bauaufseher Schneider.

Cotseten& Crinolines

3204 billig bei K. Friedrich neben der Post.

belun ben! zum bandt Gläu

9