Ausgabe 
1.10.1870
 
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Bevölkerung gegen die deutschen Truppen veranlassen mich, Nachstehendes zu verordnen: In jeder Stadt oder in jedem Dorfe, in welchem die deutschen Truppen einziehen, sind die sämmtlichen Be- wohner desselben mit Gut und Leben ver⸗ antwortlich, wenn auch nur einem Mann der verbündeten Truppen durch Verrath oder Tücke ein Unfall geschieht. Die Commandanten der einzelnen Truppenkörper der deutschen Armee sind ferner beauftragt, die strengsten Repressalien zu gebrauchen, wenn das Völkerrecht in irgend einer Weise von Seiten der französischen Bevölkerung nochmals verletzt wird. Meaux, den 17. Sept. 1870. Friedrich Wilhelm, Kronprinz von Preußen.

Nach derKr. Ztg. schwanken die in aufgefangenen Briefen französischer Soldaten ent haltenen Angaben über die bewaffnete Macht in Paris zwischen 200,000 und 500,000 Mann. Noch sind indeß nicht Alle bewaffnet. Mißtrauen gegen die gegenwärtige Regierung blickt hier und da schon jetzt durch. Man wittert schon wieder Verrath. Viele glauben den entthronten Kaiser mit uns im Bunde. In manchen Briefen heißt es sogar, er führe unsere Heere, um denselben die schwachen Stellen der Pariser Befestigungen zu zeigen. Das Lügensystem dauert fort. Viele Soldatenbriefe sprechen von einer siegreichen Schlacht am 18. d. vor Paris, 1015,000 Gefangenen u. dgl. m. Man muß diese Mittheilung doch officiell den Leuten gemacht haben, die Angaben wären sonst nicht so übereinstimmend. Daß kein wahres Wort an der Sache ist, braucht nicht erst besonders gesagt zu werden. An Lebensmitteln scheint in Paris kein Mangel. Die Fleischpreise sind sogar zunächst gesunken, in Folge einer von der Präfektur eingeführten Tarisirung.

f Ars sur Moselle, 25. Sept. Aus dem Hauptquartier des Prinzen Friedrich Karl gehen mir folgende Nachrichten über die französische Armee in und um Metz zu.Nach Aussage von französischen Civilisten, welche gefangen wurden, so wie aus aufgefischten Flaschen, welche die Mosel auf Arganch heruntertreiben und aus Briefen, welche an aus Metz aufgelassenen Luftballons be festigt waren, läßt sich Folgendes über die fran⸗ zösische Armee in und um Metz resumiren: Die Stadt Metz hat nur Garde-Mobil als Garnison, d die Linientruppen um Metz herum can tonniren und aus Regimentern der Garde, des 2., 3., 4., 5. und 7. Armeecorps bestehen. Was die Verpflegung anbetrifft, so wird fast durchgängig seit etwa 14 Tagen nur Pferdefleisch verabreicht; Salz soll fast gar nicht mehr vorhanden sein. Alle Nachrichten sprechen sich aber darüber ein- stimmig aus, daß an Brod, Reis und getrocknetem Gemüse Ueberfluß ist. Zucker fängt an zu man⸗

eln und wird durch Syrup ersetzt. Fourage für

die Pferde soll nicht mehr existiren. Die Pferde erhalten theils Gerste, theils Grünfutter, aber beides in sehr geringen Quantitäten. In Metz selbst sollen zwischen 15,000 und 30,000 kranke und verwundete Soldaten liegen. Obgleich in einzelnen Briefen von Dissenterie gesprochen wird, scheinen keine epidemischen Kranktzeiten unter den französischen Truppen zu herrschen. Außer den 7 in der Stadt befindlichen Lazarethen ist ein temporäres Lazareth in Eisenbahnwagen bei Devant les Pontes etablirt. Die Proklamation der fran zösischen Republik und des provisorischen Mini⸗ steriums ist in der Stadt Metz affichirt; die Sol daten außerhalb der Stadt erfahren von der Ca pitulation von Sedan und dem Regierungswechsel nur von Hörensagen und halten diese Gerüchte zum Theil für gemacht und falsch. Diese neuesten offiziellen Nachrichten beweisen, daß es in Metz noch gar nicht so schlecht aussieht. Die noth⸗ wendigsten Lebensmittel sind noch im Ueberflußz vorhanden und wenn auch bald Fleisch fehlen dürfte, so bietet der Reis doch immerhin noch ein recht gutes Aequivalent dafür.

Der Präfekt des Mosel- Departements, Graf Henckel von Donnersmarck, erklärt die Nach; richt von Unort nungen und Excessen, welche in S. Avold und Forbach stattgefunden härten, für vollständig aus der Luft gegriffen.

Mezieres soll nach demEtoile belge schon am 28. Sept. bombardirt worden sein.

Nach aus Mühlhausen eingegangenen Ge- rüchten(die jedoch der Bestätigung bedürfen) wäre der Commandant und Adjutant in Belfort vom Militär erschossen und ein anderer in der Person eines bei Sedan entronnenen Offiziers bestellt worden.

Der amerikanische General Ripley, welcher gegenwärtig die Fortificationen von Paris armirt, vertheidigte während des amerikanischen Bürger- kriegs die Stadt Charleston(Süd- Carolina) über anderthalb Jahre gegen die Armee und Flotte der Nordstaaten ob ihm dies mit Paris eben so lange gelingen wird?

DerStagts-Anzeiger sagt über die Kapi⸗ tulation von Straßburg: Eine Vergleichung der Telegramme über die Kapitulation von Straß⸗ burg läßt voraussetzen, daß die bezüglichen Ver⸗ handlungen am 27. Nachmittags, etwa um 5 Uhr, begonnen haben und bereits um 9 Uhr so weit gediehen waren, daß General v. Werder in Folge der von seinem Generalstabschef ihm gemachten Meldungen an Se. Majestät den König die Ka pitulation telegraphisch melden konnte. Der Ab⸗ schluß der Kapitulations-Urkunde ist in der zweiten Morgenstunde des 28. vollzogen worden, und früh um 8 Uhr sind die deutschen Truppen zur Be setzung des Platzes durch die Thore Straßburgs eingerückt. Der Uebergabe gingen übrigens noch heftige Kämpfe voraus. Die französische Besatzung versuchte nämlich in der Nacht vom 25. auf den 26. die Belagerungsarbeiten zu zerstören oder wenigstens ihren Weitergang durch verzweifelte Ausfallsversuche zu hemmen. Es gelang ihr aber nicht, obgleich die Franzosen in vierstündigem hartnäckigen Gefechte von den verschiedensten Punkten ausfielen. Die Belagerer, Preußen und Badener, kämpften mit großer Bravour und be⸗ finden sich nach demMannh. Journ. unter den Gefallenen und Verwundeten auch Offiziere, dabei ein Offizier vom Geniecorps.

Karlsruhe, 29. Sept. Der Special⸗ correspondent derKarlsruher Zeitung meldet aus Mundolsheim vom gestrigen Tage: Heute findet die Uebergabe der Festung Strasburg statt. Die Besatzung ist kriegsgefangen und kommt demnächst nach Rastatt, 400 Offiziere und 17000 Mann. Folgendes ist für die Ueber⸗ gabe festgesetzt: Um 8 Uhr Besetzung der Thore und der Cit delle; Pioniere stellen die Brücke wieder her. Um 9 Uhr kommen der Maire und der Municipalrath hierher. Um 10 Uhr rückt die Besatzung an, um 10½ Uhr Nieder⸗ legung der Waffen und Ausmarsch. Um 11 Uhr Rückkehr der gefangenen Offiziere, wobei zugleich drei deutsche Regimenter, darunter ein badisches, in die Stadt einrücken. Besetzung aller Stadttheile, Posten und öffentlichen Ge⸗ bäude. Drei Batterien stellen sich auf dem Kleberplatz auf. Die Generalität geht heute nach Strasburg.

Die jetzt hier eintreffenden Truppen von der zweiten Reservearmee werden sich, wie es heißt, in und bei Freiburg sammeln und nach ihrem Uebergang über den Rhein die dauernde Occupation von Ober-Elsaß in's Werk setzen. Sie führen 6 Batterien bei sich. Es ist wieder die Rede davon, daß die 1. badische Infanterie Brigade unter Generalmajor von Degenfeld, 1 Dragoner-Regiment und 4 Batterien Artillerie zu der Armee vor Paris stoßen sollen.

Trier. DieTr. Z. schreibt:In der Nacht vom 24. auf den 25. d. M. gegen 2 Uhr sollen vom Bahnhofe Luxemburg 100 Waggons Proviant durch vier Locomotiven nach Thionville ge⸗ bracht worden sein, unter Führung eines Bahn; Ingenieurs, der die aufgebrochenen Geleise ver⸗ mittelst der zu diesem Zwecke mitgenommenen Schienen wiederherstellen ließ.

Hessen. Friedberg. Die bei ihren Familitnangehörigen dahier in Pflege befindlichen Verwundeten, Oberlieutenant Hauß und Zugs⸗ feldwebel Groß, beide vom 1. Jäg.⸗Bat., sind

dieser Tage durch Verleihung des eisernen Kreuzes

ausgezeichnet wor den. Wie man 0 N lun eitzen

auch noch die Sergeanten Röder und von demselben Bataillon in gleicher Weise derorirt worden sein. Der Erstere befindet sich, f verwundet an beiden Augen, im Lazarethe 1 Habonville. 418

Von Herrn

blätter folgende Zuschrift: Von einem mehr⸗

tägigen Aufenthalt bei unserer Division zu Ars,

sur⸗Moselle zurückgekehrt, halte ich mich zu der öffentlichen Mittheilung verpflichtet, daß dem Nothstand unserer Truppen, unter welchem dieselben bei dem schlimmsten Wetter in den

Bivouaks bei Rezonville schwer gelitten hatten,

nunmehr genügend abgeholfen ist. Ich hatte Gelegenheit einen großen Theil der Divisson bei einem Feldgottes dienst zusammen zu sehen und war erstaunt über den guten Zustand, in

welchem sich die Kleidungsstuͤcke noch befinden.

Dem Bedürfniß nach wollenen Unterkleidungs⸗ stücken ist durch die freiwillige Hilfsthätigkeit für den Augenblick schon ziemlich Genüge ge⸗ leistet, und die von den Landständen bewillig⸗ ten Anschaffungen werden das Fehlende noch ergänzen und voraussichtlich selbst bei einer noch Monate fortdauernden Cernirung von Metz den jeweiligen Bedarf decken. Die Ver⸗ pflegung ist nach mir gewordenen vielfachen Ver⸗ sicherungen von Officieren und Soldaten der⸗ malen durchaus geregelt und gut, ja an manchen Gegenständen z. B. Cigarren ꝛc. ist zeitweise solcher Ueberfluß, daß die herbeigereisten Specu⸗ lanten ihre Waare nicht los werden können. In Ars selbst schaffen die Kaufleute, Metzger, Bäcker und Wirthe, nachdem sie gesehen, daß Alles baar bezahlt wird, genügende Vorraäthe herbei, so daß man einen großen Theil des Bedarfs dort kaufen kaun. Die dermalige Lage unserer Division, von welcher stets ein Theil in Quartieren liegt, gibt also in Ansehung ihres Standortes und der Verpflegung dermalen zu

keinerlei Besorgnissen mehr Veranlassung, scheint

vielmehr so gut zu sein, als dies unter den gegebenen Verhältnissen überhaupt möglich ist. Ich gebe deßhalb allen Angehörigen und Freunden von Soldaten den Rath, in weiteren Sen dungen an dieselben nicht voreilig zu sein, viel⸗ mehr die durch den raschen Postverkehr sehr erleichterte Anforderung abzuwarten, und sich bei Sendungen jedenfalls auf nothwendige oder zweckmäßige und dem Verderb nicht ausgesetzte Gegenstände zu beschränken. Durch diesen Rath entspreche ich vielfachen Wünschen von Sol daten und Officieren.

Belgien. Brüssel. Nach derIndepen⸗

dance würde ein verschan tes Lager in Nevers gebildet. DasJournal de Charleroi meldet,

daß der General Trochu das erste Zuaven Regiment N

decimiren ließ. Diese Execution wäre die Ursache des Gewehrfeuers, welches die Preußen für einen Straßenkampf in Paris gehalten hätten. N 28. Sept. DerSchwäb. Merk. hal folgende Telegramme: Der eben aus Tours ein. treffendeConstitutionnel vom Samstag fahl: Nach dem Scheitern aller Versöhnungsversuchk unsererseits setzen wir den Kampf fort, stark dur unser gutes Recht und Europas moralische Unter. stützung. Wir vernehmen, Bazaine und Admiral Fourichon seien liberal demokratische Candidaten in der Dordogne, Trochu für Nantes. Die hannoversche Legion entpuppte sich angeblich durch aus als preußische Spione. Eine deutsche Heeres abtheilung, bemächtigte, sich mittelst Handssreich der Besatzung der französischen Festung Montmedp. Großbritannien. London. Die Königin hat ein Beileidsschreiben an die Kaisetin Eugenie gerichtet. Gladstone hat zahlreiche Arbeiter Depytationen empfangen, welche die Friedensber⸗ mittelung und die Anerkennung der französischen Republik befürworteten. DerMorning Ad⸗ vertsser ist in der Lage versichern zu können, d ein schließlicher Protest der norddeutschen Bundes⸗ regierung gegen die Waffen Ausfuhr nach Frank-

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Hofgerichtsadvocat Ohly, welcher die letzte Sendung der für unsere Trup, pen bestimmten Liebesgaben auf den Kriegs, schauplatz geleitete, erhalten die Hess.Volks-

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