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übersandt zur Vertheilung an die durch den Krieg schwerbetroffenen Gränzbezirke des gemeinsamen Vaterlandes.

Bayern. München. In Bayern sind bereits über 8000 Gefangene, die meisten in den Festungen Ingolstadt, Oberhaus(bei Passau), Marienberg(bei Würzburg) und Wülzburg in Mittelfranken, sodann eine Abtheilung auf dem Lechfelde, die dort unter Zelten campirt. Ein Theil der Gefangenen in Ingolstadt wird zu Schanzarbtiten verwendet, wofür der Mann 12 kr. den Tag bekommt; aber es findet sich lange nicht für Alle Arbeit.

Würzburg. Der kgl. Regierungspräsident Graf Luxburg wurde von dem König telegraphisch nach München berufen und begab sich sofort dahin. Seine Ernennung zum Gouverneur von Lothringen scheint bevorzustehen.

Oesterreich. Wien. Die Meldung hie⸗ siger Blätter, daß die Aufstellung einer Reserve- Armee bei Glogau Gegenstand von Auseinander- setzungen zwischen dem Grafen Beust und dem preußischen Gesandten in Wien, General ev Schwei nitz, gewesen sei, ist vollständig unbegründet; hier⸗ zu ist keinerseits Anlaß gegeben.

Frankreich. Paris. Seit vorgestern wird Paris polizeilich, wie es heißt auf Veranlassung des Generals Trochu, von allen schädlichen Ele menten: abgestraften Verbrechern, Vagabunden, Prostituirten u. s. w. gesäubert. Die Polizeiorgane, Gaulois undFigaro, behaupten, daß man bei dieser Gelegenheit wieder mehreren preußischen Spionen auf die Spur gekommen sei, darunter einem Individuum aus dem Großberzogthum Posen, bei welchem man 10,500 Frs. in eng- lischem und deutschem Gelde gefunden hätte. Das ganze Gesindel ist einstweilen in der Conciergerie und den Polizeigefängnissen untergebracht, von wo des nach Provinzial⸗Strafanstalten abgeführt wer lden soll.

DemMonde wird aus Rheims, 24. Aug., geschrieben:Um 12 Uhr Mittags brachen die zwei noch in der Stadt Chalons casernirten Regimenter plötzlich auf und ließen die Stadt gänzlich ohne Vertheidigung. Um 2 Uhr erschienen 80, sage achtzig Ulanen, in Chalons und zeigten ein kleines Corps an, das um Uhr folgen werde. Die Preußen zogen ins Hotel der Militärdivision, wo ihr Chef sich festsetzte. Die Eisenbahnverwaltung ieß eilends ihr Material, das mit dem der Armee beladen ist, auf Mourmelon, das noch Anser ist, schaffen. Indeß 88 beladene Waggons Fonnten aus Mangel an Locomotiven nicht Fortgebracht werden und die erste Sorge der Preußen war nun, die Eisenbahn vor dem Ausgange aus dem Bahnhofe zu zerstören, um sich das Material zu sichern! Die letzten Truppen aus dem Lager von Chalons waren gestern(23. Aug.) abgezogen. Die Preußen haben sich beeilt, diese Position zu besetzen; ihre Plänkler trafen im Laufe des Tages, ihre ersten Truppen um 5 Uhr Abends ein.

Der Correspondent desFigaro bestätigt, was derTemps bereits früher berichtet hatte, am 22. August von 6 Uhr der Hüterbahnhof zu Rheims von 3400 Nach⸗ üglern des Corps von de Failly geplündert wurde. Diese Soldaten gehörten verschiedenen Waffengattungen und besonders der Artillerie n. Sie hatten sich vor Beginn der Plünderung mit einem halben Hundert Aufkäufern verständigt; sie brachen nahe an 150 Waggons auf, warfen le Wein- und Pulverfässer, die Patronen und Zwiebackkisten, die Kugeln und Montirungs üffecten, sowie einen großen Theil der Bagage zes Kaisers auf's Pflaster. Die Aufkäufer amen nun herzu und zahlten 20 Centimes für as Stück kaiserlichen Tuches, 1 Fr. 9 Cent. ür den Ballen Kaffee, 50 Cent. für den Hut zucker. Auch die Bagagen der Offiziere eines Narine-Jufanterieregiments wurden verhandelt. Die Bahnhofbeamten machten einen Angriff euf die Plünderer, diese aber leisteten tapferen iderstand. Endlich wurden etwa 50 von

zen Plünderern ergriffen, darunter 40 Soldaten.

Pfalzburg leistet, wie die Correspondance Havas versichert, einen heroischen Widerstand; die Kirche und 51 Häuser seien bereits zerstört, doch die Stadt sei gut verproviantirt und habe bereits vier Mal die Aufforderung zur Uebergabe abgewiesen.

27. Aug., Abends. Gesetzgebender Körper. Arago verlangt Aufklärung über die Situation der preußischen Armeen. Palikao weigert sich, hierauf eine Antwort zu geben.

28. August. Der Minister des Innern theilt unter Reserve mit, die preußischen Truppen scheinen im Marsch auf die Aube aufgehalten, sie repliiren sich gegen St. Diziers. Der Feind steht vor den Thoren von Reims. Man stignalisirt, preußische Materialeolonnen marschiren durch Lune ville und Bazan.

29. Aug. Der Minister des Innern theilt unter Reserve mit, daß aus sämmtlichen einge laufenen Depeschen bervorgehe, daß die Truppen ihren Marsch auf Rethel und Vouziers fortsetzen. Bei beiden Städten seien feindliche Plänkler be⸗ merkt. 20,000 Mann passirten heute Chalons und haben den Marsch gegen Epernay fortgesetzt. Straßburg und Pfalzburg setzen ihren Widerstand energisch fort. Ein Erlaß Trochu's vom 28 August ordnet an, daß Diejenigen, welche mit Frankreich im Krieg befindlichen Staaten ange hören, das Seinedepartement zu räumen und binnen drei Tagen Frankreich entweder zu verlassen oder sich in das Loire-Departement zurückzuziehen haben. Zuwiderhandelnde werden vor die Kriegsgerichte gestellt. Die Municipalbehörde fordert die Ein wohner zur Verproviantirung für die Belagerung auf. Die Personen, welche außer Stande sind, dem Feinde Widerstand zu leisten, sollen Paris verlassen.

Der Kaiser hat, wie diePresse erfährt, die Nacht vom 24. zum 25. in Rethel verbracht, wo er mittelst der Ardennenbahn angekommen war. Das Gefolge des Kaisers und seines Sohnes be standnur noch aus den Generälen de Beville und Lepie, den Ordonnanz-Offizieren Gusmann und Avril, dem Dr. Conneau und den Herren Bathon, Franceschini und Pietri. Der General de Failly, welcher des Oberbefehls enthoben wor den, tritt wieder in seine Funetionen als Adjutant des Kaisers. Seitdem die Verbindungen durch den Feind gestört sind, geht täglich der Dr. Conneau oder ein Ordonnanz⸗Offizier selbst nach Paris, um der Kaiserin Nachrichten von ihrem Gemahl zu überbringen.

29. August. DasJournal offiziell veröffentlicht die Absetzung des Maire von Eper nay, welcher anempfohlen batte, den Preußen keinen Widerstand zu leisten. Eine Depesche aus Schlettstadt meldet, daß ein sehr lebhaftes Feuer seit 2 Tagen gegen Straßburg eröffnet wurde.

Im Laufe des Tages wurde noch folgendes amtliche Bulletinunter allem Vorbehalt ausge geben: Die preußischen Truppen, welche unter dem Befehl des Kronprinzen Chalons besetzt hatten, scheinen sich gegen Suippes zu wenden. Die in dem Departement der Aube zerstreuten Steitkräfte haben ihr Lager verlassen und mar schiren auf Sommepuis. 25,000 Mann ungefähr und Transporte sind in Joinville eingetroffen, in⸗ dem sie sich nach Vassy und Montir- en- Der wandten. Der Feind rückt über Monthois, Grand- und Croix-aux⸗Bois gegen Rethel und Vouziers vor.

DieFrance gibt folgende neue Einzel heiten über die Verproviantirung von Paris:Ab gesehen davon, daß alle Bäcker mit Vorräthen für vierzehn Tage versorgt sind, hat der Handelsminister hach Paris kommen lassen: 350,000 Centner Mehl, 150,000 Centner Reis, einen ungeheuren Vorrath von Erdäpseln und frischen Gemüsen aller Gattungen, 100,000 Ochsen und 500,000 Hämmel sind mit dem für ihre Fütterung nöthigen Heu und Getreide im Innern von Paris unter gebracht. An Salz, Gewürzen, Kaffee, Zucker und anderen Colonialwaaren ist Paris auf 3 Monate versorgt. Mehr als 60 Millionen Ra- tionen eingelegtes Rind- und Hammelfleisch oder

den Entrepots. Man ist eben im Begriff, das für die Pferde der Armee und der Bevölkerung nöthige Stroh und Futter einzuführen. Was endlich den Wein und die Spirituosen betrifft, so ist Paris bekanntlich auch in gewöhnlicher Zeit damit stets auf 6 Monate versehen. a

Belgien. Brüssel, 28. August.Etoile belge meldet: Wegen der an der Grenze bei Longupon signalisirten Anwesenheit von Truppen der kriegführenden Mächte haben die belgischen Truppen den Befehl erhalten, näher an die Grenze heranzurücken. In den benachbarten Ortschaften wurde belgische Einquartierung angesagt.

Metz ist überfüllt von Verwundeten, deren Hülflosigkeit außerordentlich ist. Der Mangel an Lebensmitteln erzeugt schreckliches Elend. Die Pariser Journale fordern die Minister auf, die preußischen Generale anzugehen, den Transport Verwundeter in das Innere Frankreichs zu ge⸗ statten. Der Kaiser Napoleon zeigt sich fast gar nicht mehr, desto mehr sein Sohn. Das belgische Observationscorps concentrirt sich mehr und mehr nach der äußersten Grenze hin. Der größte Theil der Brüsseler Garnison wird einen Bestandtheil des Observationscorps ausmachen. Die ersten Truppenabtheilungen sind schon ab⸗ gerückt. DerIndependance belge zufolge ist das Hauptquartier Mae Mahon's zu Sedan (befestigte Stadt im Departement Ardennes, nahe der belgschen Grenze), woselbst auch Napoleon mit seinem Sohne sich befinden soll. Die preußischen Ulanen zeigten sich bei Mouzon, drei französische Meilen von Sedan. Ein am Pgriser Bahnhofe angeschlagenes Placat kündigt an, daß bis auf weitere Ordre seit dem 30. August 7 Uhr Morgens die Personenzüge nach Belgien eingestellt sind. Es geht das Gerücht, daß man sich heute längs der ganzen Gränze zwischen Sedan und Montmedy schlägt.

Großbritannien. London. Die im

gesetzgebenden Körper zu Paris besprochene Be⸗ stellung von Gewehren für die französische Armee in englischen Fabriken bringt die Times wieder auf die Frage von den Rechten und Pflichten der Neutralen, und während sie auf der einen Seite auseinandersetzt, daß die Lieferung von Waffen nicht verboten sei, und daß man sich in der Union auch in diesem Punkt freie Hand gehalten habe, bedauert sie doch, daß das Parlament nicht be züglich der Waffenaussuhr die bestehen den Be⸗ stimmungen geändert und verschärft habe. Observer will Folgendes von den Friedensbedingungen Frankreichs für den Fall des Sieges erfahren haben: namentlich Abtretung des Kohlen-Reviers von Saarbrücken und Saar- louis an Frankreich, Zahlung der Kriegskosten durch Preußen, Reducirung Preußens auf die Grenzen vom Jahre 1848, Wiederherstellung des Rheinbundes. Spanien. Madrid. Die Carlisten haben die Eisenbahn von Pampeluna nach Aldasna(2) durchschnitten. Neue Banden unter dem General Imaquiro sind erschienen Infanterie, und Gebirgs- artillerie ist nach Navarra geschickt worden.

Neu e st e 8.

Angekommen: Friedberg, den 31. August, 4 Uhr 40 Nachmittags.

Varennes, 30. Aug., 2 Uhr 30 Nachm. Die Avantgarde des 12. Armeecorps hatte heute Nachmittag ein glückliches Gefecht bei Nouart mit Truppen des französischen 5. Armeecorps. Die die Verbindung von Thionville nach Paris vermittelnde Eisenbahn ist zwischen Thionville und Mezidres an zwei verschiedenen Stellen durch diesseitige Detachements unterbrochen. Zwei Preußi⸗ sche Husaren-Escadrons stürmten abgesessen Cy (L undeutlich) machten daselbst viele gefangene Turcos, Infanterie, Pompiers ꝛc.

Frankfurt. Von einem unserer bei Wörth ver wundeten Frankfurter, welcher sich jetzt hier in elterlicher Pflege befindet, erfahren wir folgendes. Der Tapfere lag unverbunden bei 20 Stunden auf dem Schlachiseldz seine Lippen brannten vor Durst, da kam ein Zuave, be⸗

eingesalzenes Schweinefleisch und Fische liegen in

merkte den jungen Mann, welcher mit seinem Kopfe auf