treten der auswärtigen Theilnehmer Nork, Ellner und Bell, welche sich für Liebknecht enthustastisch aussprachen, sowie Kölsch, Schneider und Haun⸗ stein, welche für Schweitzer schwärmten, eine ruhige Debatte nicht herbeizuführen. Die ganze Dis · cussion drehte sich sonach lediglich um Persönlich⸗ keiten, und die Ansichten der beiden Parteien standen sich so schroff gegenüber, daß von einer Verständigung nicht die Rede sein konnte. Die Versammlung ging unter dem größten Tumult auseinander.
Preußen. Berlin. Es verlautet, der Handelsminister werde dem Landtage eine Vor lage machen, 1) in Betreff einer Anleihe von drei Millionen zum Bau einer Eisenbahn über den Memelfluß; 2) behufs einer Anleihe von vier Millionen Thalern für Tunnelarbeiten auf der Linie Bebra⸗Arenshausen.
— Die„Correspondenz Stern“ meldet, der Finanzminister v. d. Heydt habe dem Vernehmen nach seine Entlassung vom Könige gefordert und erhalten. Als Nachfolger v d. Heydt's nennt die„Börsenzeitung“ den Seebandlungs⸗Präsidenten Camphausen, die„Stern'sche Correspondenz“ den Oberpräsidenten Graf Königsmark, außerdem wer: den noch der Oberpräsident v. Horn und der Staatsminister v. Patow genannt.
— Die National⸗Liberalen beabsichtigen, bei der Etatsberathung zu beantragen, vie Seehand⸗ lung aufzulösen und das 7 Millionen betragende Vermögen zur Defizitdeckung zu verwenden.
— In der Sitzung des Abgeordnetenhauses vom 26. d. wurde die Interpellation des Ab⸗ geordneten Miquel wegen Niederreißung des Langensalza⸗Denkmals in Celle von dem Kriegs- minister dahin beantwortet: durch die Aufstellung des Denkmals sei das Eigenthumsrecht des Platzes verletzt worden. Die Militärbehörde habe bona lide gehandelt, nachdem die Polizeibehörde ihre Abhülfe verweigert. Das gerichtliche Inhibitorium sei dem commandirenden General jedenfalls zu spät zugegangea, die Garnisonsbehörde aber habe nach Befehl handeln müssen. Ein Bericht über den Vorfall sei eingefordert, liege aber noch nicht vor. Ueber weitere Entschließungen könne die Regierung sich erst nach Einsicht der betreffenden Akten aussprechen. Jedenfalls werde sie das Recht schützen. An der Debatte betheiligten sich die Abgg. Windthorst(Meppen), Ellisen und Schulze (Berlin). Letzterer bedauert die Abwesenheit des Justizministers und erklärt die Angelegenheit für eine Sache des ganzen Landes, nicht bloß der Hannoveraner. Es müsse hier zum Austrage ge bracht werden, ob ein Gericht in Preußen sein Urtheil auch der Militärverwaltung gegenüber aufrecht erhalten könne oder nicht.(S armischer Beifall.)— Nachdem v. Sybel die Anträge betreffs der Prämien Anleihe bekämpft, und Braun und Löwe die von ihnen gestellten Anträge vertheidigt haben, werden dieselben angenommen.
Sachsen. Dresden. Der bayerische Ge⸗ sandte am sächsischen Hofe, Graf Reigerstrg, ist schon vor einiger Zeit Schulden halber von hier durchgebrannt. Die Höhe der Forderungen, welche Bewohner der Stadt Dresden an den Grafen zu stellen haben, beträgt dem Vernehmen nach nahe an 100,000 Thlr., und darunter befinden sich selbst viele niedrig gestellte Leute, welche glücklich zu sein glaubten, ihre Sparpfennige bei einer so hohen Standesperson aulegen zu können. Einzel⸗ gesuche von Gläubigern, welche an das Ministerium des Auswärtigen in München gerichtet worden sind, haben bis jetzt nicht die geringste Antwort zur Folg⸗ gehabt.
HOesterreich. Wien. Die Berufung des Grafen Gondrecourt, Commandant der„eisernen Brigade“ in Schleswig, zum Kaiser nach Pest wird dahin gedeutet, daß Gondrecourt, mit den Verhältnissen in Dalmatien und in der Bocche genau vertraut, bestimmt sei, als Commandirender von Dalmatien wieder in Aktion zu treten. Gon⸗ drecourt ist wegen seiner Strenge und Rücksichts⸗ losigkeit bekannt und für die Dalmatiner dürfte mit seiner Ernennung eine harte Zeit beginnen.
— Der Kaiser von Oesterreich hat am 25. d. seine Orientreise angetreten, nachdem noch vorher
die wegen der Vorgänge in Dalmatien zu er⸗ greifenden Maßregeln in einem Ministerrathe fest⸗
gestellt waren.
Krakau. Wie man der. telegraphirt, hat jetzt der Untersuchungsrichter dem Landgerichte die Acten des Übryk- Processes zur endgültigen Entscheidung übergeben. Das Justizministerium zog die frühere unbegründete Bemänglung der Untersuchung zurück. f Frankreich. Paris Der Polizeipräfekt erinnert in einer Bekanntmachung vom 25. d. an das Gesetz über Zusammenrottungen und kün⸗ digt der Bevölkerung an, daß Maßregeln getroffen seien, um am 26. Okt. die Ruhe mit Nachdruck aufrecht zu erhalten. Gulgestnnte Bürger müßten sich verpflichtet fühlen, vor unbesonnener Neugierde sich zu hüten, um sich nicht der Anwendung des Gesetzes über Zusammenrottungen auszusetzen.
— Man will hier wissen, daß der Kronprinz von Preußen bei seiner letzten Anwesenheit in Wien dem österreichischen Reichskanzler das Groß⸗ kreuz des schwarzen Adler-Ordens angeboten, dieser sich jedoch für diese Auszeichnung in ablehnender Weise bedankt habe— g — Der Kaiser hat dem Sultan nicht allein per Telegraphen seinen Dank für den Empfang der Kaiserin ausgesprochen, sondern auch dieser⸗ halb ein eigenhändiges Schreiben an Se. türkische Majestät gerichtet, welches ein Cabinetscourier nach Konstantinopel überbringt.— Graf Beau mont hatte sein drittes Duell. Sein Gegner war dieses Mal der Herzog von Fitz-James, der, wie es heißt, lebensgefährlich verwundet wurde. Graf Beaumont ist ein Mann von 35 bis 40 Jahren. Er dient als Rittmeister im Regiment der Dra- goßer der Kaiserin.
— Die Befürchtungen vor ernstlichen Ruhe⸗ störungen, welche man für den 26. d. hegte, scheinen nach den sbis jetzt eingelaufenen Nach⸗ richten keine Verwirklichung gefunden zu habe. Vom 25. meldet eine Depesche: Die Stadt ist ruhig und hat ihr gewohntes Aussehen. Die Be⸗ kanntmachung des Polizeipräfecten beunruhigt die Börse in leiner Weise. Die Thatsache, daß das von der Polizeipräfectur angezogene Gesetz aus dem Jahre 1848 seiner Zeit von Arago, Garnier Pages, Marie, Lamartine, Ledru⸗Rollin unter. zeichnet worden ist, beseitigte die Befürchtung, daß neue Aus nahmsmaßregeln im Anzuge seien.
— 26. Oct., 1 Uhr. Der Regen siel den
ganzen Vormittag. Jetzt hat er aufgehört. Aeußzerlich sind keinerlei Vorsichtsmaßregeln be⸗
merkbar, ebensowenig bis jetzt irgend ein Symptom von Kundgebungen. Alles läßt einen ruhigen Verlauf des Tages erwarten.(Vielleicht ist die ungestörte Ruhe nur dem„guten Regen“ zu danken.) — Schon seit mehreren Tagen haben die Commis der großen Modewaarenhandlungen ihre Geschäfte verlassen, weil die Prinzipale nicht in einige Forderungen jener willigen wollten. Die Zahl der Feiernden beträgt 7609, worunter an 500 Frauen und Mädchen. Es scheint, daß die⸗ selben gar nicht mehr darauf halten, in ihre resp. Häuser zurückzukehren, und ernstlich an der Bil⸗ dung einer Gesellschaft mit einem Capital von zehn Millionen arbeiten, um eigene Geschäfte zu grün; den. Englische und französische Fabrikanten unter⸗ stützen sie.
Spanien. Madrid. Die Regierung wei gert sich, den neu ernannten portugiesischen Ge⸗ sandten Corvo anzuerkennen, weil ihr dessen Er⸗ nennung nicht vorher notifizirt worden.
— Es finden im Augenblick Verhandlungen mit der Bank von Spanien und einem Pariser Hause wegen der Aufnahme eines Anlehens von 200 Millionen Realen statt. Die Darleiher sollen Schatzbons empfangen.— Die Meinungsserschie⸗ denheit im Ministerrathe und bei den Cortes Parteien in Bezug auf die Throneandidatur dauert noch fort.* 8
— Der Justizminister Forillahistimmte dem Antrage bei, die Berathurg des Budgets des Kultusministeriums zu verschieben, bis sich die 79 02 über die Wahl eines Königs ausgesprochen
älten.
— Am 24. d. hat ein langer Ministerrath
wetzen des Budgets stattgefunden, ohne daß sich Ordonnaz und Zorilla einigen konnten. Ordonnaz, sowie Silveleda und Topete haben ihre Demission gegeben. Die Lösung der Krisis ist noch un⸗ bekannt. Topete und Ordonnaz haben sich zu Gunsten Montpensiers ausgesprochen.
— Die aus den Parteien der Cortesmajorit! gewählte Fünfzehner⸗Commission ist zusammen getreten und sucht eine Versöhnungsformel betreffs der Monarchiewahlfrage aufzustellen. Es heißt, Serrano drohe die Regentschaft niederzulegen, falls die Parteizerwürfnisse fortdcuern sollten.
Rumänien. Bukarest. Der Minister des Innern hat an den Gemeinderath der Stadt in Betreff der beabsichtigten Prämienanleihe ein Schreiben gerichtet. Es erachtet die in Form einer Lotterie erfolgte Prämienanleihe von zehn Millionen, da das Lotteriespiel im Lande verboten sei, als gesetzlich nicht zulässig und empfiehlt dem Gemeinderath die Revision der Concession.
Frankfurt. Unter unseren localen Nachrichten ist zu lesen: Das Einkeltern der Aepfel zu Aepfelwein ist nun sast vollendet. In Folge der durch schwäbische Händler stattgehabten Massenaufkäufe und die dadurch entstandenen erstaunlich hohen Preise wurde in das Stadtgebiet weniger Obst zum Einkeltern eingeführt als sonst; die versteuerte Einfuhr belief sich auf kaum 45.900 Malier, etwas mehr ale die Hälfte des vorjährigen Quantums. Die Nechnei⸗ kasse erlitt hierdurch einen nich! unbedeutenden Ausfall in ihren Einnahmen, da für jedes zum Einkeltern eingesührte Malter 30 kr. Accise entrichtet werden. Die Aepfelernte in den Gemarkungen von Sprendlingen und Langen fiel heuer so reich aus, daß dieselben für ihre Crescenz co. 210,000 fl. lösten, wovon fast die Hälste auf Sprendlingen kam.
Hanau. Vor einigen Tagen wurde durch den Privat⸗ Jagdaufseher Heinrich Stang dahier in der Nähe hiesiger
ausgespannten Flügeln 8 Schuh mißt. In jeder Hinsicht ein Pracht⸗Exemplar.
Darmstadt. Die hiesige Winter⸗Ackerbauschule des landwirtyschaftlichen Vereins für Starkenburg, welcher nach Ausweis der regelmäßig abgehaltenen, zahlreich be⸗ suchten öffentlichen Prüfungen ein sehe günstiger Erfolg zur Seite steht, scheiut in den Kreisen der Landwirthe im kleineren Besige immer mehr Anerkennung zu finden. Den Freunden des Unternehmens dürfte die Nachricht von-Interesse sein, daß zu dem bevorstehenden am 1. November d. J. beginnenden Winter⸗Cursud— dem 4. seit Bestehen der Anstalt— sich jetzt schon 20 junge Landwirthe angemeldet haben, so daß man die gesammte Zahl unter Anrechnung der der oberen Abtheilung ange⸗ dörenden Schüler auf die seither noch nicht erreichte Stärke von über 30 Besuchern zu bringen hofft. Leipzig. Nach einer Zusammenstellung im Börsen⸗ blatt für den deutschen Buchhandel wurden von Leipzig aus im Jahre 1868 138,200 Centner Bücher versandt: im Jahre 1865 betrugen die Versendungen 124,900 Ctr., im Jahre 1866 116,900 Centner und im Jahre 1867 129,300 Centner.— Die Zahl der im Jahr 1868 er⸗ schienenen Neuigkeiten wird mit 12,936 angegeben, während diese im Jahre 1865 11,719, im Jahre 1866 10,756 und im Jahre 1867 12,074 betrugen. N
Landwirthschaftliches.
Heilverfahren für Kühe, deren Milch 1 outtern will. Dieser Milchfehler befällt nicht selten alle Kühe eines Etablissements, dauert oft Monate lang an und widersteht nicht selten hartnäckig jedem Heilver⸗ fahren, verschwindet aber oft auch zeitweilig, namentlich bei schnellem Wechsel der Witterung, Fütterung c.; er kommt zwar in allen Jahreszeiten, bei gemäßigter Tem⸗ peratur, wie bei hohen Kälte⸗ und Wärmegraden, bei Grün⸗ und Dürrfütterung, bet gut und schiecht genährten Kühen, bei Weidegang und Stallfütterung, bei trächtigen und nicht trächtigen Kühen, bei solchen, die erst kurze odet schon längere Zeit gekalbt haben und unfruchtbac geblieben sind, bei seiten und mageren. gut und schlecht gehaltenen Kühen vor, doch scheint er häufiger bei Kühen aufzutreten, die schon vor längerer Zeit geboren haben und unfruchtbar geblieben sind, und bei zu kärglicher und schlechter, wie zu reichlicher und gehaltreicher Nahrung.
Eine Milch, welche sich nicht buttern lassen will, zeigt unmittelbar nach dem Melken und so lange sie noch warm ist, nichts Auffallendes, siedet man sie aber einige Zeit nachher, so gerinnt sie schnell. Läßt man sie einige Stunden ruhig steben, so hat sich eine weniger dichle Schichle Rahm als sonst und pon geringer Consistenz gebildet, daß sie schon beim Blasen reißt; dieselbe ist durch eine Schichte Serum(Molken) von der bläusich aussehenden Milch getrennt. Später wird der Nahm zwar etwas dicker, aber nicht consistenter, hat ein schmieriges Aussehen und zertheill sich in einzelne Stücke, die in einer reich⸗ lichen Menge Serum schwimmen. Schülfelt man eine kleine Quantität dieses Nahmes, so bedeckt derselbe sich augenblicklich mit Schaum, und stößt man ihn, wie ges wöhnlich, im Rührfaß, so schäumt er so stark, daß das Gefäß bald voll davon wird und überall berausdringt. Nach mehrstündiger Arbeit bilden sich kleine gelbe Küchelchen von der Größe eines Stecknadelkopfes bis zu der einer kleinen Erbse, die sich trotz aller Anstrengungen nicht zu
einer Masse vereinigen. Sammelt man diese Fettkugeln
Stadt(Distrikt Bulau) ein Seeadler geschossen, der mit
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