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Beilage.
Oberhessischer Anzeiger.
112.
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Sagen aus der Wetterau. Von Heinrich Hensler.
Als der heilige Sturmi von seinem Lehrer Bonifacius im Jahre 736 nach Christi Geburt ausgegangen war nach der Gegend von Fulda, wo damals noch überall Wildniß herrschte, war r eines Abends im Begriffe, sich ein Lager und inen Schutz gegen die wilden Thiere zu bereiten Da vernahm er im Wasser ein Geräusch. Un. gewiß von wem dasselbe herrühre, schlug er mit nem Beile an einen Baum, und nun näherte sich hm ein Mensch, der ihm auf die Frage, wo er erkomme, antwortete: er komme aus der Weder⸗ iba und führe das Roß seines Herrn Ortes. Vita S. Sturmi in Pertz mon. Germ. II. 369.)
Dieses ist die bekannte älteste Erwähnung des Damens der Gegend, welche heut zu Tage im Runde des Volkes Wetterau heißt. Das was er Mund des Volkes aus uralter Zeit über⸗ rachte, sind die Sagen, welche ich nachstehend nittheile. Ihr Fundament ist etwas Festes und Froßartiges, nämlich Geschichte und Religion,— re Form aber nimmt sie aus dem mehr oder ninder reichen Geiste des Volkes, die Phantasie tes Erzählers schmückt sie noch weiter und die zahrhunderte der Zeit übten an ihr ebenfalls re gewaltige Macht aus. Ohne jenes Funda⸗ rent hört sie auf Sage zu sein und wird zum Rärchen. Genau genommen gibt es demnach ine„ersonnene“ Sage, denn eine Erzählung, velcher das Alter abgeht, ist keine Sage. Um n ihr zu gelangen, muß die Jugend des Forschers nit der des Volkes, dessen Sagen er erzählen will, arschmolzen gewesen, seine frühere Bildung muß arch den Kern des Volkes bewirkt worden sein. haben sein Vater, oder seine Mutter, oder seine umme, oder seine Großeltern sie ihm in stiller bendstunde so oft erzählt, daß sie ganz sein bigenthum wurden, so vermag er sie auch mit lenselben Worten rein wieder zu geben, wie er 5 erhielt. Das ist bei mir nicht der Fall, darum linn ich sie auch nur aus zweiter Hand mit— eilen.—
Wedereiba ist also der alte Namen, der mit er Zeit sich in Wetterau verwandelte. Durch den wähnten District fließt die„Wetter“ und es sud in Deutschland zwei Gauen, welche in alter git„Eiba“ hießen(Grimm deutsche Rechts- merthümer 496—) Wingarteiba heißt der andere (au. Daher der Name„Wetter⸗Eiba— Wetter⸗ au— Wetterau.“
Der jetzige Sprachgebrauch bezeichnet unter Vetterau ein engeres und ein weiteres Gebiet. In engeren Sinne versteht man darunter den um etliche Stunden breiten fruchtbaren Land⸗ ch zwischen Echzell und Friedberg und allen⸗ as von Friedberg bis Butzbach, im düteren Sinne bildet die„Berger Wart“ die üelichste Grenze, der Theil des Taunusgebirges, ollcher„die Höhe genannt wird, die westliche, „Hausberg“ bei Hoch⸗Weisel die nördliche 1 der„Vogelsberg“ die östliche Grenze der Letterau.
4. Sagt von dtt Altenburg bei Jautruhtim.
Nahe bei dem Dorfe Dauernbeim liegt ein org, der zwar nicht sehr hoch, aber auf der Süd⸗ ie ziemlich steil ist. Auf diesem Berge stand % uralten Zeiten eine Burg, welche nach und nuch verflil, und von dem umher wohnenden Volke It„alte Burg“ genannt wurde. Die Trümmer ter alten Burg verschwanden nach und nach lange schon ist keine Spur davon mehr vor⸗ hunden und der Berg heißt immer noch Altenburg. Innern des Berges soll noch ein Schatz ver⸗ daven liegen. ö
Ein Bauer, Namens Rösel, der vor mehr als hudert Jahren in Dauernheim lebte, ging eines des auf die Altenburg und sammelse Kräuter de denen Arzneimittel bereitet wurden. Auf dem Biege dabin fand er eine überaus schöne Blume;
er wollte sie mit nach Hause nehmen, brach sie ab und steckte sie auf seinen Hut um sie nicht zu ver⸗ lieren. Er war noch nicht weit gegangen, da fühlte er etwas besonders Schweres an seinem Hute, er nahm denselben von dem Kopfe und erstaunte, als er sah, daß die schöne Blume sich in einen Schlüssel verwandelt hatte, aber noch mehr erstaunte er, als er sah, daß der Schlüssel von Gold war.
Das war ihm gaaz unbegreiflich;— über dieses Wunder nachsinnend ging er weiter, aber schou nach wenigen Schritten bemerkte er zur Sxite eine Thüre, welche in den Berg ging. Er pro- birte den goldenen Schlüssel, und siehe da, er paßte genau in das Schloß; ohne die geringste Mühe konnte er aufschließen und die Thüre ging allein auf. Neugierig, aber ängstlich trat er in einen Gang, der in das Innere des Berges führte, und bald kam er in ein hohes und weites Gemach, in dem ringsum eine Menge Kisten standen, an— gefüllt mit allerlei Schätzen.
Rösel legte den goldenen Schlüssel den er mit genommen hatte neben hin, wühlte begierig in den Kostbarkeiten, suchte sich aus, was ihm gestel und steckte die Taschen voll. Als er im Be⸗ griffe war das Gemach wieder zu verlassen, hörte er plötzlich kine Stimme aus dem Innern des Berges und er vernahm deutlich die Worte:
„Vergesse das Beste nicht!“
Er ging nun noch einmal an den Kisten herum, suchte sich einige Sachen heraus und hakte Mühe, da seine Taschen bereits angefüllt waren, Alles unterzubringen. Nun wollte er wieder weggehen, da hörte er lauter wie das erstemal rufen:
„Vergesse das Beste nicht!“
Noch einmal suchte er sich Allerlei aus und füllte zuletzt seinen Hut damit an. Aber jetzt rief es zum drittenmal ganz in der Nähe und sehr laut:
„Vergesse das Beste nicht!“
Da bemächtigte sich seiner eine solche Angst, daß er hastig nach dem Eingange lief und zur Thür hinaus eilte, welche aber so schnell und heftig hinter ihm zuschlug, daß ihm die beiden Fersen schwer verwundet wurden, so daß er sein ganzes Leben lang hinken mußte.
Den goldenen Schlüssel hatte er in dem Ge— mache liegen lassen.
Mühsam schleppte er sich mit seinen blutenden Füßen nach Hause, doch der Gedanke an die Schätze, die er bei sich trug, ließ ihn die argen Schmerzen geduldig ertragen.
Er ließ einen berühmten Wunderdoktor kommen, der sich viele Mühe mit ihm gab und endlich nach einigen Monaten war er geheilt,— doch blieb er lahm; die Kur hatte ihn aber viel Geld gekostet.
Jetzt lebte er herrlich und in Freuden; er hatte nicht mehr nöthig zu arbeiten, aber nach einigen Jahren sah er wie seine Schätze ein Ende nahmen. Da dachte er zuerst daran wieder in den Berg zu gehen und andere Schätze zu holen. Er hatte aber den Schlüssel nicht mitgenommen und nun erst wurde ibm klar, was jene Stimme unter dem„Besten“ verstanden hatte.
Er ging noch oft nach der Altenburg und sah sich überall um, aber er fand weder die schöne Blume wieder, noch die Thüre, welche in das Junere des Berges zu den Schätzen führte. Da fühlte er sich sehr unglücklich und starb nach einigen Jahren in großer Armuth.
Auch in der„Burg“ einem Berge zwischen Unterwiddersheim und dem Schwalbeimer Hofe sollen noch Schätze vergraben liegen. Im Anfange dieses Jahrhunderts versuchte ein Landmann die⸗ selben mittelst eines Erdspiegels und eines Sonutags⸗ kindes zu heben, doch ist es ihm nicht gelungen.
Lich. Bei einer Anzahl Bewohner unserer Stadt sind schon seit längerer Zeit über hundert Waisenkinder aus Franksurt in Pflege gegeben. Um sich von dem Wohlbefinden dieser Kinder zu überzeugen, trafen dieser Tage sämmtliche Mitglieder des Pfleg-Amts des Frank- surter Waisendauses dahier ein. Der Besuch war vorher
nicht bekannt geworben und gerabe dadurch um so besser Gelegenheit geboten, die Kinder in ihrem Alltagsleben zu beobachten. Sauber und reinlich waren sämmtliche Kinder gekleidet und ließ ihre Gesund heit nichts zu wünschen übrig. Daß diese Inspektion den Knaben und Mäbchen alsbald einen Feiertag brachte, ist selbstverständlich. Den Nach⸗ mittag verbrachten die Mitglieder des Pfleg- Amts in Gesellschaft der Waisen, deren Lehrer und eines großen Theils der Pllegeltern und wurde zum Schlusse jedem Kinde ein kleines Geschenk überreicht.
Frankfurt. Der landwirthschaftliche Verein hat b⸗⸗ schlossen, bei Gelegenheit des Pferdemarktes eine große Ausstellung von verkäuflichen Wagen, Schlitten, Pferde⸗ geschirten, Stallrequisiten ꝛc. in' der großen Halle des Vereins zu veranstalten. Das Markt⸗Comite glaubt, daß die einzelnen Aussteller umsomehr ihre Rechnung finden werden, als die gratis zu überlassenden brillanten Aus⸗ dellungeräume inmitten des Marktverkehrs gelegen sind und hierdurch gewiß vielfach Gelegenheit zum Verkauf der ausgesteklten Gegenstände geboten wird. Die vem Gartenbauverein veranstaltete Herbstausstellung wird nächsten Samstag eröffnet. Die große Halle des landwirthschaftlichen Vereins wird in einen wirklichen Garten umgestaltet. Fast reicht der Raum nicht aus, um die angemeldeten Aus⸗ stellungsgegenstände unterzubringen und mußte eine Re⸗ duktion der anzubringenden Fontaine eintreten und sonstige noch projektirte Anlagen unterbleiben. Der Verein, welcher bei früheren Aufstellungen in beschränkten Räumen Schönes geleistet hat, wird voraussichtlich in der großen Halle den Freunden des Gartenbaues Großartiges bieten.
Darmstadt. Durch eine amtliche Mittheilung sieht man sich veranlaßt, das handeltreibende Publikum vor Geschäftsverbindungen, die durch einen zewissen Moritz Adlec aus Belgrad vermittelt sind, aufs Ernstlichste zu warnen. Derselbe tritt in der Regel als Agent für serbische Häuser auf, ist mit guten Empfehlungen versehen und weiß durch die gestellten anständigen Bedingungen für seine Offerten einzunehmen. Nichtsdeftoweniger sind die von ihm vertretenen Firmen keine reellen und soliden, so daß bereits einige norddeutsche Geschästshäuser, die sein Anerbieten acceplirten, empfindliche Verluste erlitten haben.
Bingen. Die XV. Wander versammlung süddeutscher Wein⸗ und Obstproduzenten, verbunden mit einer Aus⸗ stellung von Obst, Trauben und Wein, sowie Geräthen zum Obst⸗ und Weinbau, wird vom 4. bis 7. Oktober dahier tagen. Besucher der Ausstellung erhalten auf allen bettef⸗ fenden Slationen der Hessischen Ludwigsbahn bei gleich⸗ zeitiger Lösung einer Eintrittskarte à 12 kr. freie Rück⸗ fahrt für je einen Tag.
Worms. Der Präsident des landwirtöschaftlichen Vereins für Rheinhessen bringt die Düngerfabriken und Düngerhandlungen, die sich unter die Controle des landw. Vereins gestellt haben, zur Kenntniß der Herren Landwitthe. Es sind dies die Fabriken von H. und E. Albert in Biebrich, die Fabrik Hermann Karlebach Ehefrau in Worms, d' Avis und Klein in Ober⸗Ingelheim, die chemische Fabrik Griesheim zu Frankfurt a. M., die Düngerfabrik Kaiserslautern, Köhler und Koch zu Mannheim, Dr. Michel und Lederle in Ludwigshasen, Pfarrius und Cie. in Kreuznach, Schott und Cie, in Elsheim und die chemische Fabrik von Carl Zimmer in Mannheim.
Aus Mheinbessen wird gemeldet, daß die Herbst⸗ aussichten für den Wein nicht sehr glänzend sind. In Oppenheim und in der Umgegend kann man kaum auf einen halben Herbst rechnen, im Oppenheimer Berg sogar stellenweise nur auf einen viertel Herbst. Was aber die Qualität anbelangt, so wird der Wein sehr gut werden. Durch den Regen sind die Trauben sämmtlich zur Reise gelangt. Nach altem Wein ist gegenwärtig wenig Nachfrage.
Alzey. Die„Alz. Ztg.“ bringt folgende Warnung für einzeln reisende Damen. Eine bürgerlich gut gekleidete Frau reiste mit der Eisenbayn von Mainz nach Alzey in III. Wagenklasse, woselbst auch eine nobel gekleidete Dame neben ihr Platz nahm; während der Fahrt, noch vor der Station Worms, wurde Erstere schlaͤfrig und nickte ein wenig, welches die Letztere bemerkte, und in einem Nu einen kleinen Besuch in der Ersteren Tasche zu machen versuchte. Ein Mitreisender stieß die Schlafende an und ein Geld— Börsen⸗Diebstahl wurde dadurch vereitelt. Die noble Dame wurde alsbald etwas unnobel an die Luft gesetzt.
Aus Herrieden, 20. Sept., wird der„Flänt. Ztg.“ berichtet:„Mit Ausnahme von Italten und Südfrankreich steht noch ganz Europa unter dem Einfluß der raschen Wiiterungswechsel bringenden Aequatortal-Lufiströmung. Im Laufe der letzten Woche war das Luftmeer so unruhig, daß der seltene Fall eintrat, daß drei Luftwellen zu gleicher Zeit über Europa zogen. Obwohl sie sich gegenwärtig in eine große Woge vereinigt haben, so waren die Luftdruck⸗ Differenzen vorgestern doch 27. 7mm, 739.9 Haparanda und 767.6 Bern, was noch keine Aussichten auf ein Ende des wechselvollen Wetters ergibt. In Nordamertka ist das Luftmeer gleichfalls sehr unruhig.
Sitzung des Lohalgewerbvereins
den 25. September, Abends 8 Uhr, Behufs der Theil⸗ nahme an einer Commission zur Bestimmung der Unter⸗ stützungen für die Gewerbschulen aus der Landesgewerd— vereinskasse mittelst der Wahl von 3 Vertretern aus der
Provinz.


