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1. Mai 1866 ausgegebenen Actien und Obliga⸗ tionen von der Steuer befreit bleiben.

DieKreuzzeitung sucht dem Begehren der Regierung nach mehr Geld in jeder Weise zu Hülfe zu eilen. In einer ihrer letzten Nummern machte sie bekanntlich allen Ernstes und in breite⸗ ster Ausführlichkeit den Vorschlag, die Raucher zu besteuern. Nun wird auch die Besteuerung der Katzen(11) von derselben Zeitung vorgeschlagen.

Abermals eine neue Steuer und zwar eine Stempelsteuer von Quittungen(42) soll in Aussicht stehen. Ein Berliner Blatt sagt darüber: Aeußerem Vernehmen nach soll jede im Bundesgebiete ausgestellte Quittung über einen Betrag von 5 Thlrn. oder mehr bis 10 Thlr. einer zur Bundescasse fließenden Stempelabgabe von ½ Sgr., jede Quittung über Beträge von mehr als 10 Thlr. einer Abgabe von 1 Sgr. unterliegen. Der Entwurf enthält 15 Fälle, wo Quittungen von der Abgabe befreit sind; darunter befinden sich Steuerquittungen, Postanweisungen, Sparcassen-Quittungen, Sterbecassen-Quittungen, Quittungen der Executoren u. s. w. Das Gesetz soll am 1. Juli 1869 schon in Kraft treten. Nach ungefährer Schätzung rechnet man auf eine Einnahme von ein bis anderthalb Millionen Thaler Brutto. 120

Hannover. Professor Ewald in Göttingen, bekannt durch sein Auftreten gegen die preußische Regierung ist kürzlich zum Reichstagsabgeordneten gewählt worden.

Marburg. Wie derO. Z. aus zuver⸗ lässiger Quelle mitgetheilt wird, ist die Einfüh⸗ rung einer Presbyterial- und Synodalverfassung für die Provinz Hessen, wie sie schon zur Zeit der Reformation für den vormaligen Kurstaat beabsichtigt war, höheren Orts beschlossen worden und wird mit den Einleitungen dazu schon inner⸗ halb weniger Wochen begonnen werden. Marburg ist dabei als Synodalort in Aussicht genommen.

Wiesbaden. DerRhein. Kur. meldet, daß der Regierungspräsident von Diest nach Danzig versetzt werde und Graf v. Eulenburg definitiv zum Präsidenten des Regierungsbezirks Wies baden ernannt sei.

Bayern München. DieCorrespondenz Hoffmann meldet, daß ein großes Lager unter dem Oberbefehl des Generals Hartmann vom 1. bis 17. September bei Schweinfurt errichtet werde.

Nach derSüdd. Post hat die bayerische Regierung die Anregung gegeben zu einer Ver⸗ ständigung unter den an den eventuellen Beschlüssen des immer näher rückenden römischen Concils interessirten Staaten, welche diese Frage nun auch in ihrer politischen Bedeutung aufzufassen scheinen. Es soll sich bei diesen Regierungen die Ansicht geltend machen, daß etwaige Beschlüsse dieser Ende dieses Jahres in Rom zusammentretenden Ver⸗ sammlung keineswegs für die inneren Zustände der vollständig oder zum Theil von Katholiken bevölkerten Staaten gleichgiltig sein dürsten.

Oesterreich. Wien. Die diesjährige Session des Reichsraths wurde am 15. d. durch den Kaiser mit einer Thronrede geschlossen, von der mehrere Stellen, insbesondere diejenigen, welche sich auf die Erhaltung des Friedens, das Zustande⸗ kommen des Volksschulgesetzes, die Einigkeit und Zusammengehörigkeit aller österreichischen Völker beziehen, mit der lebhaftesten Zustimmung begrüßt wurden.

Frankreich. Paris. Am Abend des 13. d. fand im Circus Napoleon eine Wahlver⸗ sammlung für den Candidaten Raspail statt. Bei dieser Gelegenheit vorgefallene Zusammenrottungen wurden durch die Polizei zerstreut. Man sang die Marscillaise und es kam zu Fhätlichkeiten,

wobei ein Polizei⸗Inspektor am Kopfe schwer ver⸗ letzt wurde. Auch im Sorbonne⸗Quartier herrschte eine lebhafte Aufregung. Man hörte dort eben- falls die Marseillaise und vielfach den Ruf:Es lebe Rochefort! undEs lebe die Republik! Bei den in diesem Quartier stattgefundenen Straßentumulten wurden der Polizei-Inspektor und mehrere Agenten verwundet. Ein Erlaß des Polizeipräfekten verbietet alle Zusammenrottungen auf öffentlicher Straße vor den Eingängen der Wahllokale. Auch am 14. d. wiederholten sich Tumulte gelegentlich einer Versammlung, wobei die Marseillaise gesungen und RufeEs lebe Rochefort! ausgestoßen wurden. Fensterscheiben und Straßenlaternen wurden eingeworfen. Im Quartier Latin wurde gerufen:Es lebe Rochefort und dieLanterne! Nieder mit dem Kaiser, nieder mit der Polizei! Andere Gruppen riefen: Es lebe die Republik! und sangen die Marseillaise. Polizeiagenten wurden verwundet.

Dem so populären Jules Favre ist es dieser Tage in einer Versammlung der Wähler des 7. Bezirkes, in welcher für die Candidatur Henri Rochefort's plaidirt wurde, schlecht ergangen. J. Fayre erschien nämlich daselbst ganz unerwartet auf der Tribüne, um für seine eigene Candidatur zu sprechen.Wir haben Sie nicht aufgefordert, hier als Candidat aufzutreten, schallte es ihm von allen Seiten entgegen und nun bestieg ein Hr. Humbert die Tribüne und hielt dem bisherigen Führer der Linken ein langes ausführliches Sündenregister vor. Stürmische Beifallsrufe begleiteten diese Standrede. Herr J. Favre erbleichte; nur mit größter Mühe ge langte er zum Worte und sprach:Ich bin nicht hierher gekommen, um Ihnen meine Haltung zu erklären; wenn Sie vermeinen, mir eine Recht fertigung abfordern zu können, so wird Ihnen dies nicht gelingen. Diese Worte trieben den Unmuth der Versammlung auf's Aeußerste, und unter den Rufen:Es lebe Henri Rochefort! mußte Hr. J. Favre den Saal verlassen.

Mit dem 16. ds. waren die Tage der Wahlversammlungen zu Ende und mit den Fest tagen scheint wieder mehr Ruhe in die aufgeregten Gemüther eingekehrt zu sein; es fanden wenigstens nirgends Ruhestörungen wie an den vorhergegan genen Tagen statt.

DieFrance glaubt melden zu können, daß die Reise der Kaiserin nach Aegypten für den nächsten Herbst eine beschlossene Sache ist, um der Einweihung des Suez⸗Canals beizuwoh- nen. DerPatrie zufolge werden Frankreich, England, Oesterreich, Italien und Türkei bei dieser Feierlichkeit durch Flottendivisionen ver- treten sein.

Spanien. Madrid. Ein Amendement, welches vorschlug, die Frage der künftigen Regie- rungsform und eventuell die Wahl eines Monarchen einer Volksabstimmung zu unterbreiten, wurde von den Cortes mit 156 gegen 73 Stimmen verwor⸗ fen. Dagegen wurde Art. 32 des Verfassungs⸗ entwurfes angenommen. Derselbe sagt: Die Souveränetät wohnt der Nation inne, von welcher alle Macht ihren Ausfluß nimmt. Der Antrag, daß der Monarch ein geborener Spanier sein müsse, wurde verworfen.

Der Finanzminister legte den Cortes das Ausgabebudget in der Höhe von 2987 Millionen vor. Das Desicit beträgt 800 Millionen.

» Friedberg. In einem Frankfurter Blatte wird darauf aufmerksam gemacht, daß auch die Tarifbestimmun⸗ gen der Main⸗Weserbahn größeren Gesellschaften bei Benutzung der Bahn bedeutende Ermäßigungen gestalten, was unseres Wissens bisher nicht der Fall war. Bei Fahrten größerer Gesellschasten, sei es nun in einem Extra

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zuge oder mit den gewöhnlichen Personenzügen, soll nämlich der tarifmäßige Fahrpreis nach dem Ermessen der Eisenbahnverwaltung bis zu 50 Prozent, je nach der Anzahl der Personen und der Länge der zu durchfahrenden Bahnstrecken ermäßigt werden können..

Aus dem Kreise Vilbel. Bei der gerichtlichen Section des Kindes einer ledigen Person zu Kloppenheim fanden sich zu. A. bedeutende Eindrücke von Nägeln am Halse, sodann war der Schädel eingedrückt und ist hiernach wahrscheinlich, daß das Kind, welches, wie constatirt, bei der Geburt noch gelebt hatte, von der unnatürlichen Mutter umgebracht worden.

In Londorf(Kr. Grünberg) hat sich ein seltener Fall ereignet. Eine arme Dienstmagd ist mit Vierlingen niedergekommen. Von den vier Kindern, sämmtlich Mädchen, wurde eines todt geboren, die andern drei sind am Leben. Die unglückliche Mutter, ohnehin kaum im Stande ihren Unterhalt zu verdienen, wurde von dem unehelichen Vater schnöde verlassen und befindet sich mit ihren Kindern in der größten Noth.

Offenbach. Ein hiesiger Flurschütze, ein noch junger lediger Mann, erhängte sich voriges Jahr und waren die Gründe unbekannt, welche denselben zu dem Selbstmord veranlaßt hatten. Es hat sich nun das Gerücht hier verbreitet, baß seine Mutter, welche schwer erkrankt ist, ausgesagt, ihr Sohn habe einen jungen Mann von hier erschlagen, welchen man in einem Weiher außerhalb der Stadt damals aufgefunden hatte. Die Reue üder diese wahrscheinlich im Affect verübte That habe ihn so sehr gefollert, daß er sich deßhalb umgebracht habe.

Darmstadt. Dieser Tage machte ein aus Heppen⸗ heim a. d. B. gebürtiger Soldat des 3. Infanterie⸗Regi⸗ menis seinem Leben in einem liesen Wasserloch der Stein⸗ brüche durch Ertränken ein Ende. Das Motiv des Selbst⸗ mords ist darin zu suchen, daß der Mann wegen einer zum Nachtheil des Aerars begangenen Veruntreuung von zwei Kreuzern in Untersuchung stand und harte Strafe zu erwarten hatte.

Von der Bergstraße bringen dieHess. Volksbl. folgende Mittheilung, deren Beherzigung auch manchen unserer Leser vor Prellerei schützen kann:Außer den Industrierittern von Profession, deren einzige Erwerbsquelle in geschäftsmäßiger Beitelei und Gaunerei besteht, gibt es in unserer Zeit auch noch eine gewisse Sorte von Menschen, welche zwar ein ganz achtbares Gewerbe zu treiben scheinen, sich thalsächlich aber mit Schwindelei und Beutelschneiderei abgeben. Zu dieser Sorte zählen auch gewisse Individuen, welche Stadt und Land durchreisen und allerlei Zeitschriften und Erbauungsbücher zum Verkaufe ausbieten. Unlängst passirte ein solcher Industrieritter mit Patent und polizei⸗ lichem Erlaubnißschein auch unsere Gegend und bot neben einigen guten Büchern ganz abgeschmacktes Zeug feil. Aber selbst die Käufer seinerfrommen Waare wurden angeschmiert; denn er setzte z. B. die bekannte Hauspostille von Goffine zu 2 fl. 24 kr. ab, während man dieselbe von jeder Buchhandlung, sogar hübsch eingebunden, zu 1 fl. 24 kr. beziehen kann.

Mainz. Das unter der FirmaMoritz'sche Brauerei bestehende Geschäft wird sich in Kürze auflösen und in eine Actiengesellschaft unter der FirmaRheinische Bier brauerei in Mainz aufgehen. Das Grundcapital der Gesellschaft wird aus 700,000 fl. bestehen, welches in Actien à 350 fl. vertheilt wird. Herr Dr. J. B. Moritz ist vorläufig auf 20 Jahren zum Director erwählt.

Aus Rheinhessen. Nach übereinstimmenden Nach⸗ richten aus verschiedenen Weingegenden zeichnet sich dieses Jahr der Weinstock durch ungemein frühe Entwickelung aus und darf bei fortschreitender guter Witterung etwas ganz Vorzügliches erwartet werden. Die ältesten Leute erinnern sich, daß nur 1822 der Weinstock so weit voran gewesen.

Schiffs nachrichten.

Mitgetheilt von Chr. Hecht in Friedberg, Spec.⸗Agent.

Das Hamburger Postdampfschiff Hammonia, Capitain Meier, ging, expedirt von Herrn August Bolten, William Miller's Nachf., am 5. Mai von Hamburg via Hzore nach New-VYork ab. Außer einer starken Brief- und Packetpost hatte dasselbe 125 Passagiere in der Cajüte und 659 Passagiere im Zwischendeck, so wie 350 Tons Ladung.

Das Hamburg⸗New⸗Yorker Post-Dampsschiff Cimbria, Capt. Haack, welches am 21. April von hier und am 24. April von Häore abgegangen, ist nach einer sehr schnellen Reise von 10 Tagen 8 Stunden am 4. d. 11 Uhr Abends wohlbehalten in New-York angekommen.

Verloosungen. Ansbach⸗Gunzenhausener Eisenbahn⸗An⸗ leihe. Serien⸗Ziehung am 15. Mai. Serie: 14 586 712 742 927 1092 1155 1157 1172 1266 1455 1458 2116 2367 2471 2829 2866 2999 3017 3523 3655 3844 3942 4176 4308 4667 4742 4773 4833 und 4975. Die Gewinnziehung findet am 15. Juni d. J. statt.

Die Holzversteigerung

1519 im Domanialwald der Oberförsteret Ortenberg vom 14. d. M. wird hiermit genehmigt. Die Ueber⸗ welsung des Holzes und der erste Fahrtag ist auf Montag den 24. d. M., Vormtttags 7 Uhr, anberaumt worden und können die Abfuhrscheine vom 22. d. M. an bei Groß herzoglichem Rentamt Nidda erhoben werden. Ortenberg am 15. Mal 1869. Großherzogliche Ortenberg a re y.

Kraft- Caffee

(von F. Heuer in Braunschweig.)

1370 Zur Bereitung eines gesunden, wohlschmeckenden, billigen Caffee's als Zusatz. Preis per Packet 4 kr. bei J. A. Windecker in Friedberg.

Schlosserlehrling

gesucht. Frohnhofstr.

11 Frankfurt a. M. 1517 0

Gold und Silber, Kupfer, Zinn u. s. w.

1451 kaufe beständig und bezahle beflens

MN. Rosenbaum, Alerheiligenstraße 63 in Frankfurt a. M.

Ein Lehrling

wird angenommen von 5 Eduard v. Göbel,

1529

Hof⸗Tapezter.

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