Frankreich. Paris. Die Aussichten für Ollisier zur Erlangung eines Ministerporte⸗ feuilles sind wieder in weitere Ferne gerückt. Der Kaiser hat sich nämlich von dem durch Olliviers Anregung veröffentlichten Programm des rechten Centrums empfindlich betroffen gefühlt und beson⸗ ders Anstoß an der Zuversicht genommen, womit in diesem Manifeste von dem„parlamentarischen Regimente“ gesprochen werde. Noch mehr aber tritt ihm der Einfluß der Kaiserin entgegen, welche sich gegen Vertraute geäußert haben e werde nie ihre Zustimmung zu einem Ministerium Ollivier geben“, wie sie überhaupt aus ihrem Mißmuth über die Wendung, welche die Politik seit ihrer Abreise genommen habe, kein Hehl machen soll.
— Im gesetzgebenden Körper protestirte Rochefort gegen die Bezeichnung„nait“, welche Tags zuvor der Minister Forcade auf den von ihm(Rochefort) eingebrachten Gesetzentwurf angewandt hatte. Er bezeichnet die Bemerkungen des Ministers als ein Seitenstück zu der Ironie, mit welcher„der Herr, der an der Spitze des Staates steht“ seinen, Rochefort's, Namen aufgenemmen hätte, als dieser in der feierlichen Sitzung vom 29. November aufgerufen wurde.(Ungeheurer Lärm.) Gleich- wohl, fährt Herr Rochefort fort, habe ich mich niemals so lächerlich gemacht, wie Derjenige, welcher auf der Küste von Boulogne mit einem Adler auf den Schultern und mit Speck im Hute spazieren ging.(Diese Worte Rochefort's erregten großen Tumult.)
— In dem gesetzgebenden Körper wurden diplomatische Dokumente vertheilt, welche das Concil, das ottomanische Nationalitätsgesetz, die ägyptischen Capitulationen, die europäische Donau. commission, die tunesischen Angelegenheiten und Japan umfassen. Bezüglich Deutschlands sagt das Expose:„Die Lage des norddeutschen Bundes und der Südstaaten hat keine merkliche Aenderung erfahren. Die Fragen, welche die deutschen Ca; binette seit einigen Jahren beschäfligen, haben uns keine Ursachen gegeben, aus der Reserve heraus-
zutreten, welcht wir während der Umgestaltung der Dinge jenseits des Rheins beobachtet haben. Unsere Beziehungen zu Deutschland sind stets freundlicher Natur gewesen.“ ägyptischen Capitulationen sagt das Expose:„Im Einverständniß mit dem Cabinet von London haben wir in Konstantinopel eröffnet, daß die Zustimmung zu der von dem Khedive vorgtschla⸗ genen Enquete keineswegs die Absicht einschließe, irgend ein Abkommen ohne die türkische Regierung oder im Gegensatz zu den Rechten des Sultans
zu treffen.“
—„Figaro“ sagt, eine an den Gesandten
Frankreichs in Rom, Marquis v. Banncrille
gerichtete Note des Justizministers erkläre, daß es
schon vom religiösen Standpunkte aus nicht zeit gemäß erscheine, die Frage der päpstlichen Unfehl
barkeit aufzuwerfen; in politischer Hinsicht aber heiße es nichts anderes, als Frankreich von den
Verpflichtungen entbinden, die es durch das Con cordat übernommen habe.
In Betreff der
Entlassung der Minister oder irgend eine Modi⸗ fikation im Ministerium.. Marseille. Am Jahrestag der unbefleckten Empfängniß Mariä und am Tage der Eröffnung des Concils in Rom fand hier eine Illumination statt, welche eine Bande von 1000— 1500 Mann zu stören versuchte. Die Schaar durchzog unter Lärm und Absingen der Marseillaise die Straßen und zertrümmerte vor dem Palais des Bischofs und vor der Präfektur die Gascandelaber. Die Schildwache vor dem ersteren Gebäude wurde leicht verwundet. Es fanden etwa sechszig Ver⸗ haftungen statt.
Spanien. Madrid. In den Cortes stellte Marschall Prim jede Absicht eines Staals⸗ streiches in Abrede. Er erklärte, die Candidatur des Herzogs von Genua sei von einer überaus starken Majorität der Bevölkerung gebilligt worden. Die Richtigkeit der Nachricht, daß die Herzogin von Genua gegen die Candidatur ihres Sohnes sei, bestreitet der Ministerpräsident und fügt hinzu, die Proklamation werde nächstens erfolgen. Der Deputirte Castelar hielt eine heftige Rede gegen die Regierung, das Haus Savoyen und den Kaiser von Frankreich.
Italien. Rom. In seiner Allocution an die„Väter des Concils“ drückt der Papst seine Freude aus über die Ankunft der Bischöfe, welche nach Rom gekommen seien, um allen Menschen den Weg Gottes zu lehren und mit dem Papste unter den Auspicien des heiligen Geistes die salsche menschliche Wissenschaft zu richten. Es sei nothwendig, daß die Kirche gegen die gottlose Verschwörung kämpfe, aber sie habe nichts zu fürchten, denn sie sei stärker als selbst der Himmel(d). — Nach einer Depesche der„Correspondenz Italienne“ aus Neapel wurde das dort tagende Concil der Freidenker wegen beleidigender Kund⸗ gebungen gegen den Kaiser von Frankteich von den Behörden aufgelöst.
Amerika. Newyork. Die spanischen Kanonenbooie, welche mit Beschlag belegt waren, sind freigegeben und gehen nach Cuba ab. Aegpten. Cairo. Jede Befürchtung, daß die türkisch⸗ägpptische Differenz Anlaß zu einem Conflikt geben könne, darf als beseitigt be- trachtet werden. Der Ferman des Sultans ist unter Beobachtung der vorgeschriebenen Gebräuche und unter dem Donner der Geschütze der Citadelle verlesen worden, ein Zeichen daß der Khedive sich sämmtlichen Bestimmungen des Fermans fügt.
* Bad⸗ Nauheim. Dieser Tage ist die Ernennung des Herrn Stadischreiber H. Schutt zum Bürgermeifler unserer Stadt dahier eingetroffen; der bisherige Beigeord⸗ nete Herr Gebringer wurde als solcher neu bestäligt.
Frankfurt. Das gute deutsche Wort„Köchin“ scheint vor den Augen der Dienstboten keine Gnade mehr „zu haben. In dem Inseratentheile eines hiesigen Blattes sucht eine„anständig gesetzle Kochdemoiselle“ eine Stelle.
Frankfurt. In der chirurgischen Klinik des Herrn Dr. Bockenheimer wurden im abgelaufenen Jahr nicht „weniger als 1125 Personen, von Verpflegungstagen, behandelt, befanden sich 740 männliche und 385
.
weibliche.
denen 26 mit über 600 Unter den Behandelten Aus „Frankfurt und dessen Ortschaften waren 294, Kurhessen 141, Nassau 163, Homburg 18, Großherzogthum Hessen
3
16 kr. weiterung der Frankfurt. Bei dem Bau der Palmgärten ist ein bebauernswerthes Unglück passirt, indem der Ingenieur, welcher mit der Anlage der Heizung beschäftigt war, durch das Herabrutschen eines Stück Mauerwerks erschlagen wurde. Zwei andere Arbeiter, welche in demselben Ge⸗ wölbe sich befanden, kamen unversehrt davon.
Berlin. Die Verhaftung eines hiesigen Wirthes, des Pächters des Colosseums, erregt hier großes Aufsehen. Derselbe steht im Verdacht mit Hülfe seiner Schwester deren Mann, seine eigene Frau und seine eigene Mulker mittelst Arsenik vergiftet zu haben. Die Untersuchung der Leiche des erst kürzlich eines plotzlichen Todes verstorbenen Schwagers des Verhafteten hal Arsenikvergistung ergeben. Die Ausgrabung der Leichen der beiden Frauen ist bereits angeordnet und wird deren Obduktion noch in dieser Woche stattfinden. Wenn auch die furchibaren Verbrechen noch nicht als erwiesen zu betrachten sind, so sollen doch die Verdachtsgründe erheblicher Natur sein.
ee it noch, daß eine räumliche
Verloosungen. f Brüssel, 1. December.(100-Fr.⸗Loose von 1856.) Bei der heute stattgefundenen Zlehunßz fielen auf folgende Nummern höhere Gewinne: auf Nr. 54095 25,000 Frs.; auf Nr. 38666 10,000 Frs.; auf Nr. 10603, 13443, 22660, 25407, 34983, 44478, 51140, 56984, 67685 und 68882 je 900 Fr.; auf 1602, 2555, 6433, 7469, 15163, 23313, 28278, 32451, 36110 und 52767 je 500 Fr.; auf Nr. 15177, 53406 und 62861 je 300 Fr.; auf Nr. 1500, 11156, 11734, 15831, 17807, 23235. 26833, 27393, 28074, 32335, 32931, 41496, 50899, 53558 und 60508 je 200 Fr. Die Zahlung erfolgt am 1. März k. J.
„Wir glauben,
3429 daß dieser Kalender“) den Katholiken keinerlei Gefahr bringt, wohl aber, daß er zum Nachdenken anregt, und das ist es, was man in ultramontanen Kreisen fürchtet, man fürchtet das freie Wort und den freien Gedanken.“ „) Der„Lahrer pinkende Bote für 1870. Zu haben dei allen Buchhändlern und Buch⸗
Bitte!
In der Nacht vom 7. auf den 8. d. M. ist dem Joh. Weis dahier sein Wohnhaus mit Stall und Scheuer auf den Grund niedergebrannt. Fast Nichts rettete die unglückliche Familie als das nackte Leben und das Vieh aus dem Stall, keinen Halm von Heu, Stroh ꝛc., was bei dem in unserer Gegend ohnehin hereschenden Futtermangel doppelt drückend ist. Wie will der Mann seine Familie und sein Vieh den Winter durchbringen und nächstes Frühjahr die Aussaat bestellen?! Wer die Ver⸗ hältnisse der geringeren Bauersleute auf dem Lande kennt, der weiß, was das sagen will. Die Brandkassenentschädigung kann nur zum Wiederaufbau der Hofraithe verwandt werden und wird da nicht ausreichen, und die Wohlthat anderweitiger Feuerversicherung ist leider, ohne daß dem Einzelnen villigerweise daraus ein Vorwurf gemacht werden könnte, noch nicht durchgreisend in unsere entlegenen Dorf⸗ schasten gebrungen.— Das Feuer ist von ruchloser Hand angelegt. Der Thäter ist bereits ergriffen und überführt. An der trostlosen Lage des armen Abgebrannten ändert das leider nichts; das Bubensück seines Feindes, ihn an den Bettelstab zu bringen, ist gelungen, wenn dem Manne keine Hülfe wird. Darum ergeht an gute Menschen die dringende Bitte um Unterstützung. Helft, daß die ohne Schuld in's Elend gestürzte Familie sich aufraffe und durcharbeite! Ueber Empfangnahme und Verwendung Eurer milden Gaben wird demnächst Rechen⸗ schaft erfolgen.
Wingershausen im Vogelsberg, am 9. Dec. 1869.
F. Briegleb, Pfarrer.
Auf das an uns ergangene Ersuchen erklären wir uns gerne zur Eutgetennahme milder Gaben bereit und be⸗ scheinigen gleichzeitig den Empfang solgender Beträge:
— Der„Public“ dementirt categorisch di
e! Württemberg 18, Frankreich 11 ꝛc.
282, Bayern 75, altpreußische Provinzen 3 /, Schweiz, An Geschenken und
N. B I fl, H. S. I ff. Die Expedition.
Faselochs ⸗Versteigerung. 3431 Freitag den 17. d. M.,
Rathhause verkauft werden. Wölfersheim den 10. Dezember 1869. Großherzogliche Bürgermeisteret Wölfersheim Heye r.
Vormittags 11 Ubr, soll ein der Gemeinde Wölfersheim gehörender, zu schwer gewordener, rolhgescheckterßaselochs, zum Schlachten geeignet, meistbietend gegen baare Zahlung auf dem
Waaren⸗Versteigerung.
10 Uhr anfangend, Waaren⸗Verfteigerung der Frau S. Witwe fortgesetzt und kommen zum Ausgebot:
und baumwollene Strümpfe, Socken, a wollene und baumwollene Aermel, sowie sonstig Gegengände.
Faselochs ⸗Versteigerung.
3430 Donnerstag den 16. d. M., Mittags Uhr, wird ein der Gemeinde dahier gehöriger Faselochs, zur Zucht im Gemeindehaus öffentiich meistbietend
untauglich, verstetgert. Ober Rosbach am 11. December 1869. Großherzogliche Vürgermeisteret Ober⸗Ros bach Blecher.
Eine freundliche Wohnun
3406 bei der Exped. d. Bl.
in der besten Lage der Stadt, zum Betriebe eines jeden Ladengeschäftes geeignet, ist zu vermiethen. Näheres
Auch kommen einige Möbel zur Versteigerung. Friedberg den 10. Dezember 1869. 5 Großherzogliches Ortsgericht Friedberg 8
3379 liegen in der Kirchenkasse zu Reichelsheim gege
gerichtliche Hypothek zum Ausleihen bereit,
Für den Kirchen-Vorstand Schneider,
3417 Mittwoch den 15. Dezember l. J., Vormittags wird in hlesigem Rathhause die G. Katzensteins
wollene Herren- und Damenjacken, Uunterhosen, wollene Badehosen,
Bek agnt machung
3426 Die seit November 1867 dahter bestandene Firma „Ehrmann& Comp.“ ist nach Anzeige der Gesellschafter erloschen, was heute im Firmen Register eingetragen worden ist. Friedberg am 2. November 1869. . eee Friedberg
e i tz.
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3291 Reichhaltig assortirtes Lager in Herren- und Knabenanzügen, Ueberzieher, Jacquets, Schlaf⸗ röcke, Hosen und We sten für die Wintersatson. Anzüge nach Maß. Billige Preise, reelle Be⸗ 1 dienung. 2 Fischer, g
Hauptwache 1, Frankfurt. M
Ein Billard,
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2% bei K. Friedrich neben der Post in Friedberg,
3404 vollständig noch in gutem Zustande, hat in Auf⸗ trag billig zu verkaufen S. Garde, Ju den g a
Mittelrhein. Zeitung.
nstalt durch Neubau beabsichtigt wird.
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