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Fesigästen und Turngenossen die freundlichsten Erinnerungen zurücklassen. Die gemeinschaftlichen Turnübungen führten uns recht erfrtuliche, tüchtige Leistungen vor, noch mehr aber befriedigte uns das von Herrn Ravenstein aus Frankfurt geleitete Preigturnen am Reck, Barren und Schwingel, sowie die meist mit viel Geschick und Gewandt⸗ heit ausgeführten Freiübungen. Aus dem Wetikampfe, an welchem sich 25 Turner betheiligten, gingen folgende 13 als Sieger hervor: 1. Wilhelm Schmidt, Friedberg. 2. Melchior Boll, Friedberg. 3. Karl Kalbfleisch, Butz⸗ bach. 3. Heinrich Varisch, Gießen. 5. Phil pp Förster, Lich. 6. Jakob Rumpf, Butzbach. 7. Heinrich Schäfer, Bußbach. 8. Jakob Schmidt Butzbach. 9. Ernst Engel, Friedberg. 10. Friedrich Weckerling, Friedberg. 11. Heintich Pfeffer, Nauheim. 12. Friedrich Winheim, Lich. 13. Karl Vetzberger, Butzbach.
§ Usingen. Die dieejährige Generalversammlung und Preisvertheitung des Vereins Nassauischer Land und Forstwirthe wird nächsten Montag und Dienstag, den 14. mnd 15. Juni, in unserer Stadt abgehalten. Das Pro⸗ gramm besagt: Montag Morpens 10 Uhr beratbende Ver sammlung im Schloßsaale, Nachmittags Festessen und mach demselben Besichtigung der consolidirten Gemarkung Usingen, gesellige Unzerhaltung. Dienstag Morgens 9 Uhr Besichligung der zur Preisbewerbung angemeldeten Thiere, Preis- und Probepflügen, Feuzug, Preisvertheilung, Volke⸗ belustigung. Am 15. Juni wird ein„Vieh- und Krämer⸗ markt“ abgehalten. Die Verloosung don Vieh und land— wirthschaftlichen Geräthen findet am 16. Juni, Mitlags 2 Uhr, auf der Festtribüne statt. Loose hierzu à 18 kr. find während des Festes auf dem Bureau im Rathhause zu haben. Wenn das Welter unserem Feste günstig ist, o dürfen wir, nach den allseitig mit viesem Interesse ge— troffenen Vorbereitungen zu schließen, unseren Gästen und Festbesuchern ein schönes Fest in Aussicht steilen.
Aus Laubach wird gemeldet, daß der Stadtverstand dem dortigen beinahe 50 Dienstjahre zählende Lehrer Schad 50 fl. bewilligt bal zum Besuche der allgemeinen deutschen Lebrerversammlung in Berlin. Wir haben bis jetzt nich! wernommen, daß Gleiches in anderen Gemeinden des Großherzogihums geschehen ist.
Offenbach. Am 6. d. hatte eine Compagnie des hier garnijonirenden Jägerbalaillons Uebungen im Scheiben— schießen. Ein Lieutenant wollte bei dieser Gelegenheit die Büchse eines Jägers untersuchen, welche deim Abfeuern wersagt halte. Anstatt nun sich umzuwenden, oder die Mündung der Büchse in die Luft zu halten, arbeitete er an berselben im Rücken der Mannschaft. Plötzlich ging der Schuß los und traf einen Jäger mitten duich's Bein, die vor demselben Stehenden erhielten glücklicherweise nur kleine Verletzungen ihrer Kleider.
Vom Rhein Ueber den im Eisenbahn-Stations⸗ hause zwischen den Orten Horchheim und Pfaffendorf stati— gehabten Morb berichtet die„Rhein-Zig.“: In dem bezeichneten Gebäude wotznten seit einiger Zeit der Bahn rneister mit dem genannten Assistenten und die Witiwe des vor Kurzem hier verstorbenen Artillerie-Obersten Igel sammt einem Sohne. Zwischen dem Letztern und den beiden Baubeamten war es schon häufig zu Reibereien gekommen, bei welchen sich der Assistent einigemale Thät⸗ lichkeiten erlarbt haben soll. Ob gestern oder heute Morgen Aehnliches vorangegangen und was den zweiten Sohn der Obristenwittwe, der zufällig zu einem Besuche bei seiner Mutter eingetroffen war, zu seiner That veranlaßt hat
ist noch nicht ermittelt; nur soviel sieht fest, baß dieser heute Morgen gegen 7 Uhr in das Zimmer des Assistenten drang und diesen mit einem Degen um's Leben brachte,
In Madrid's Mignlelpunkte, in der Straße Horta leza, befindel sich ein Nonnenkloster; in dem abgelegensten Theile desselben hat der Civilgouverneur, durch einen anonymen Brief davon benachrichtigt, eine kleine Zelle, kaum einen Meter im Geviert, entdeckt, die nur durch eine kleine Oeffnung dicht unter der Decke etwas Licht und Luft u erhielt. In dieser Gruft, so wird erzählt, fand man eine junge Nonne von 28 Jahren, die dort seit 5 Jahren lebendig begraben war. Die Unglückliche, einer reichen Familie Südamerika's angehörend, war jung und schön mit ihrem Gaiten nach Madrid gekommen, der eines Tages, weil er sie mit Unrecht eines Treubruchs schuldig hielt, sich mit dem Almosenier des genannten Klosters verständigte und ihm die Schuldlose zur ewigen Haft überwies. Das Opfer dieser Unthat befindel sich in einem surchibaren Zustande, und man erwartet, daß die Gerichte, welchen die Sache zur Aburtheilung überwesen ist, mehr Licht darüber verbreiten werden.
(Eingesandt.)
Das 16 Feldbergfest am A. Juli 1869. Gleich wie die Bläuler im Walde, so sind die Ge— schlechte der Menschen; Blätter verwehet zur Erde der Wind um, andere treibt dann wieder der knos— pende Wild, wenn neu auflebet der Frühling; so der Menschen Geschlecht, dies kommt und jenes verschwindet. Homer.
Wieder ist der Ruf an das Vaterland ergangen, welcher die Turner, Sänger, Dichter und Schrifisteller einladet zur
Feier des Felobergfestes. Diese herrlichen Feste, welche an
die olympischen und isthmischen Spiele der Griechen erin—⸗
nern, haben den Zweck der Belebung des Gefühls deutscher
Zusammengeßhörigkeit, der siulichen Würde des Volks und
der Förderung der Turneret. Es sind schier 30 Jae,
daß sie von Männern gegründet wurden, welche an die große Zukunft Deutschlands glauben; sie haben wie alles
Gute den Kampf gegen den Unverstand und die Rohheit
einzelner Menschen, welchen Vaterlandsliebe und sittliche
Würde des Volks unbetannte Begriffe sind, zu bestehen
gehabt und sie haben ihn siegreich bestanden; sie haben
sich dermaßen eingelebt in die Sinen des Volks, daß sie so lange bestehen werden, als sie den Grundsätzen teu bleiben, denen sie ihren Ursprung verdanken. Viele der alten Freunde und ersten Begründer sind heimgegangen und vergebens wird das Auge des Freundes das Anllitz eines Schärtiner, eines Bell, eines L. Prätorius, eines
A. May, eines Zais und unsers lieben Arnold Wendel
suchen. Die Reihen der ersten Begründer werden immer
lichter und ein neues Geschlecht tritt in die Schranken.
Möchte diese Jugend im Sinne der Alten fortwirken!
Möchte der Geist der Eintracht und der Sittlichkeit über
dem geste schweben! Möchten sie, wie es ihr Zweck und
ire Bestimmung ist, die Rohheit des Volks mindern und die Bildung fördern durch die Wettkämpfe des Gesanges und der körperlichen Kraft!
* Ein seltsames Kerbholz. Vor einiger Zeit wurde ein Barbier vor das Polizeigericht in Paris citirt, unter der Anklage, lärmende Gäaͤste nach Mitternacht be—
herbergt zu haben. Der Barbier replizirte:„Dieser Herr Merlon, welcher dort als Zeuge sitzk, trägt allein dir Schuld; er behauptet, keine andere Zeit zu haben, um sich rasiren zu lassen.“ Präsibent: Das ist aber kein
Grund, die öffentliche Ruhe zu slören; es ist in Ihrer
Barbierstube nach der Zeugenaussage so geschrie u worden, daß alle, die es hörten, einen Mord befürchteten. Zeuge Merlon: Er rasirte grade, und das ist so ziemlich dasselbe. Präsident: Haben Sie denn selbst, Zeuge Merlon, so furchtbaren Lärm gemacht? Merlon: Nasürlich! der Mensch hat mich fürchterlich geschnitten. Voila!(Er zeigt auf eine bedeutende Schmarre in seinem Gesicht.) Barbier: Das ist wahr; ich that es aus Versehen. Merlon: Wollen Sie etwa damit sagen, daß Sie gar nicht die Ausicht hatten mich zu schneiden? Barbier: Das will ich nicht behaupten; so tief aber wollte ich nicht schneiden, wirklich nicht! Präsident: Aber Sie wollten ihn doch verletzen? Barbier: Selbstverständlich, Herr Präsident! Ich muß doch auf den Vortheil des Geschäftes sehen? Präsident: Sprechen Sie deutlicher! Barbier: Die Geschichte liegt so: Monsieur Merlon ist, was wir so zu sagen pflegen, ein fauler Kunde! Pardon Mr. Merlon, wenn ich hier offen sprechen muß! Mehr als einmal ist es vorgekommen, daß er wich, wenn er endlich zahlte, über's Ohr gehauen hat. Halte ich ihn zwölfmal barbirt, so meinte er, es wären nur sechsmal, und ich halte Verlust an Zeit, Rafirmesser und Seife. Que faire! C'était bien simple! Jedesmal wo ich ihn wieder kasirte, schnitt ich ihm einmal leicht in die Backe. Auf dicse Art zählte ich ihm einfach die Schram⸗ men vor, wenn er zahlen wollte. Das Letztemal aver, — nun Mr le Président, es kommt ja'mal vor, daß man eiwas geirunken hat,— machte ich meinen Kerbstrich zu derb und da brüllte er denn, daß die ganze Nachbar⸗ schaft zusammenkam!— Unter allgemeinem Gelächter wird der Verklagte zur Geloͤstrafe verurteilt und vom Präsi⸗ denten mit der Mahnung entlassen, künftig sich ein anderes Kerbbolz zu erfinden.
Rundgesang. Bei ber nächsten Festfahrt nach Kiel zu singen. So leben wir, so leben wir, so leben wir alle Tage In der allerschönsten Parlamenllerei, Bevor der Reichslag fertig ist, kommt schon die Zöllnerei, Und rückt auch sie kein Geld heraus, die Kammer 1 und 2.
Was treiben sie, was treiben sie, was treiben sie alle Tage?
Ach die alleischönste Steuer macherei!
Des Morgens von dem Branntewein, des Mittags von dem Bier,
Des Abends vom Petroleum im Nachtquartier.
Wofür denn nur, wofür denn nur, wofür denn alle Tage?
Für die allerschönste Solidalerei.
Für Infant⸗, Cavall⸗, Arüllerie, wie männiglich bekannt,
Und für das floite Schießen auf— dem Panzerplatten⸗ stand.
Wer gibt das Geld, wer gibt das Geld, wer gibt es alle Tage?
Allerunterrhänigst sind wir so freih,
Wir sind so frei, wir sind so gut und leben nach dem Spruch:
„Wenn man uns nur den Bentel läßt, so läßt man uns genug!“
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