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und ich danke Gott, daß es mir nicht beschieden ist, sie mitzuerleben. Die Verwirrung der socialen und politischen, der innern und internationalen

Probleme ist gegenwärtig eine solche, daß die

Völker verhängnißvoller Weise gezwungen sind, Alles zu entscheiden, indem sie Alles abschaffen. Aber gewaltsame Abschaffung und Lösung sind zweierlei und wenn sie von ihrem Platze gerückt werden, so bleiben die Fragen darum nicht minder drohend aufrecht. Erst wenn die neue Welt, welche Europa in seinem Schooße trägt, Mann: barkeit und Reife genug erlangt haben wird, um zu stegen und zu lösen, erst dann wird die öko nomische Republik Ordnung und Frieden in unsere Gesellschaft zurückführen. Sie sind jung, meine Herren, aber auch wenn Sie das höchste Lebens alter erreichen sollten, werden Sie nur dem Prolog der Civilisation der Zukunft beiwohnen können!

r Paris. Die Wahlen neigen sich ihrem Ende zu. Einige der letzten sind etwas gemäßigter ausgefallen. Thiers, Garnier⸗Pages, Jules Ferry gingen aus der Wahlurne hervor; Henri Rochefort, der Laternenmann, ist gegen Jules Favre unter- legen. Damit wäre der Unversöhnlichste unter den Unversöhnlichen vorläufig für die Tailerien beseitigt. Einige weitere Straßenunruhen, die dessen Verhaftung würde zur Folge gehabt haben, und die Veranlassung zu dem für das Regime immerhin peinlichen Schritt seiner Begnadigung find damit umgangen. Wird das kaiserliche Hof lager einen besonderen Trost dacaus schöpfen? Das Wahlresultat bleibt im Ganzen zicmlich dasselbe: ein Absagebr'ef der Stadt Paris an den Napoleoniden, und die Arbeiterbevölkerung der größeren Städte schließt sich dem an. Bedeutet dies das nahe Ende der gegenwärtigen Regierung? Mit nichten. Die Landbevölkerung, die Armee, das haben die Wahlen ebenfalls wieder bewiesen, sind auf ihrer Seite. Zwar vollziebt sich dir Sturz einer Monarchie in Frankreich in den Straßen von Paris, und das Volk von Paris ist heute nicht weniger verzweifelt entschlossen wie sonst zu gewissen Zeiten; allein abgesehen davon, daß bei Weitem noch nicht ganz Paris auf Seiten derUnvecsöhnlichen steht, ist ein Straßenkampf in Frankreichs Hauptstadt nunmehr ungleich schwie riger als ehedem. Die militärische Taktik hat darin Forischritte gemacht, und Herr Haus mann hat für die nöthige Lichtung gesorgt. Die Schlupfwinkel der Revolution sind meist durch⸗ brochen; lichte, breite Straßen durchziehen das Häusermeer. Da können Kanonen aufgefahren und die Massen mit Kartätschen niedergeschmettert werden, daß es eine Art hat. Paris und Napoleon werden fortan auf dem Kriegsfuß leben. Was kümmert das Deutschland? Sehr viel. Ein mal hat dasselbe ein gewaltiges Interesse daran, wie die sociale Frage sich dort entwickelt und dann: so lange die Wogen des gegenseitigen Hasses in Frankreich hoch gehen, so lange ist die Kriegsgesahr eine permanente. Von Seiten der Herrschenden wird man den Krieg mit Deutschland immer als einen Blitzableiter, von Seiten der Revolution als eine Fallgrube für die Dinastie in Sicht behalten, und der ächte Chauvinismus braucht gar keinen besonderen Grund, um für denselben zu schüren. Deutschland aber mit seinen wirren, provisorischen Zuständen lockt und reizi dazu an. Wann dieselben einem heilbringenden Definttivum weichen werden, ist schwer abzusehen. Der Norobund existirt, und weder der Hof von Hietzing, noch der Ultramontanismus werden ihm sein Grablied singen. Dagegen scheinen leider die mancherlei preußischen Eigenthümlichkeiten, die in dem mit verhängnißvoller Ueppigkeit empor⸗ wuchernden Defizit und einerwahren Leporello Rolle von Steuerprojekten gipfeln, manchem ehrlichen Süddeutschen den Geschmack daran mehr und mehr zu verderben. Einstweilen aber blüht in Curopa geradt nicht Handel und Wandel, aber der Militarismus, und des Bürgers erste Pflicht ist Ruhe und Steuerzahlen.

Das Gesammtresultat der Wahlen in ganz Frankreich stellt sich folgendermaßen: Compacte Regierungsmajoritat 213, Mittelpartei und Unab⸗ hängige 42, Radikale 35. Eine vom Minister

des Innern an die Präfekturen gesandte Depesche zeigt letzteren an, daß von 59 Rachwahlen 30

gierung gestützt wurden oder bei denen sie sich veutral verhielt. Am Abend des 7. d. war es außer auf der Place de la Sorbonne und im Faubourg Montmartre auch auf dem Platze vor dem Stadthause zu einem Auflauf und in Folge der Absingung der Marseillaise zu Arrestationen gekommen, die nicht ohne Widerstand und Rei⸗ bungen zwischen der Polizei und dem Civil be wirkt wurden. Mehrere Polizei-Agenten wurden verwundet; Verhaftungen fanden etwa 70 statt, von denen wohl die Hälfte im Laufe des folgenden Tages wieder auf freien Fuß gesetzt wurde. Am Abend des 9. war der Boulevard Mont martre abermals der Schauplatz von Unruhen. Die Menge riefVive Rochefort. Die Mar- seillaise wurde gesungen und erst gegen 1 Uhr war die Ruhe hergestellt, nachdem einige Verhaf⸗ fungen vorgenommen worden waren. Ein anderer von Belleville herkommender Volks haufe zerschlug die Gascandelaber, und beging andtre Unord nungen, so daß er von Stadisergeanten zerstreut werden mußte. Auch hier fanden mehrfache Ver⸗ haftungen statt.

Gelegentlich der Nachwahlen sind auch in den Departements tumultoöse Scenen vorgekommen. In Nantes beruhigten sich die Volkshaufen, ohne daß die bewaffnete Macht einzuschreiten brauchte. In Bordeaux dagegen mußte die Gendarmerie die Ordnung herstellen und es wurden einige fünfzig Personen verhaftet. In Nantes wieder holten sich am Abend des 9. die Unruhen. Die städtischen Arbeiter wollten nicht zugeben, daß der Regierungscandidat Gaudin durch die Stimmen ber ländlichen Wähler die Majorität erhalten habe; sie plünderten die Waffenläden, es kam zu Zusammenstößen mit den Truppen und mehrere Verhaftungen wurden vorgenommen.

DasJournal offiziell veröffentlicht ein kaiserliches Decret, welches in der Erwägung, daß ein Zusammentreten des Gesetzgebenden Körpers zur Prüfung der Wahlen angemessen erscheint, den Gesetzgebenden Körper zu einer außerordentlichen Session auf den 28. d. M beruft.

Großbritannien. 1 London. Die Alabamafrage macht wieder ein ernsteres Gesicht. Sie besteht darin, daß während des nordameri kanischen Krieges die Südstaaten von England als kriegführende Macht anerkannt wurden und englische Kreuzer, namentlich derAlabama, nord amerikanische Interessen schädigten, wofür jetzt Entschädigungsansprüche an England gemacht werden. Nachdem eine Zeitlang, insbesondere durch die Bemühungen des vorigen amerikanischen Ge- sandten in England, auf beiden Seiten in ent gegenkommendster Weise eine geeignete Ausgleichung gesucht wurde, ist nunmehr in Folge der Summer⸗ schen Rede in Washington und der Gegenerklärung im englischen Parlament die Stimmung wieder eine gereiztere. Damit im Zusammenhang stehen abenteuerliche Allianzgerüchte zwischen Frankreich, Rußland und den vereinigten Staaten, deren Spitze sich gegen England zu kehren hätte. Sind dieselben auch durch die Bezeichnungabenteuerlich hinlänglich charakterisirt, so wäre doch im In⸗ teresse des Weltfriedens eine baldige Ausgleichung dieser Angelegenheit angelegentlichst zu wünschen. Beachtenswerth sind die Aeußerungen des alten amerikanischen Senators Ben Wade in dieser Angelegenheit. Er meint, der Schaden, den enaglische Piratenschiffe der amerik. Schifffahrt zu⸗ gefügt, solle durch eine Regierungs- Commission festgestellt und dann England notificirt werden mit dem Bedeuten, daß bei der nächsten Gelegenheit Amerika dieselbe Handlungsweise einhalten würde, zu der sich Großbritannien durch Anerkennung des Südens als kriegführende Macht habe hinreißen lassen. Dieses Verfahren würde England mit Einem Schlage zu einer Macht dritten Ranges herabdrücken, es würde nicht im Stande sein, selbst nur in Neu Zealand eine Rebellion zu unterdrücken, ohne daß Amerika'sYrivateers

Candidaten fielen, welche entweder durch die Re⸗

kanischem Uebermuth gesprochen, aber doch darin. Spanien. Madrid. Di ist am 6. d. unter dem enthusiastischen Jubel d zahlreich versammelten Volkes feierlich und von den Inhabern der vollziehenden 91% beschworen worden. Deputationen aus allen Provinzen, die hiesigen Corporationen, so wie dit Vertreter der fremden Mächte wohnten der Feier⸗ lichkeit bei. Die Nationalgarde und die Truppen defilirtten unter dem begeisterten Rufe:Es lebe die Verfassung! vor dem Palaste der Cortes. Auch in den Provinzen hat die Verkündigung der Verfassung, so weil die bisher eingegangenen Nachrichten melden, unter großem Jubel und ohne Störung der Ordnung Statt gefunden. Amerika. Von der Gränze von Kansas

werden fortwährend Metzeleien Seitens der In dianer gemeldet. In zwei Wochen wurden 30 Ansiedler getödtet, in Folge dessen ist eine Panik ausgebrochen und die Ansiedler fliehen nach Osten.

Friedberg. Am letzten Sonntag feierte der Wellerauer Zweigverein der Gustav-Adolf⸗ Stiftung sein Jahresjest in Niederros bach. Die Bewohner dieses Dorfes halten zu Ehren des Tages fleißig geschmückt und fanden sich sehr zablreich zum Goftesdienste ein. Die kleine Kirche faßte kaum die ganze Schaar der einheimischen und aus⸗ wärtigen Festbesucher. Pfarrer Breitenstein aus Södel bielt die Predigt, wobei er den Text Joh. 21, 16:Simon Johanna hast du mich lieb? zu Grunde legte. Nach Schluß dieser Predigt sang der Gesangverein des Ortes die Motette:Hoch thut euch auf ihr Thore der Welt. Aus dem Jahresbericht, welchen Pfarrer Meyer aus Friedberg vorlrug, entnehmen wir folgende Notizen. Nach Aussage des auf der vorjährigen Hauptversammlung zu Hal berstadt erstatteten Berichts hat der Centralvorstind im letzten Rechnungsjahr verwandt: 306,594 fl. Mit dieser Summe sind 783 Gemeinden unterstützt worden. In demselben Jahre wurden 22 Kirchen, Kapellen und Bet⸗ häu er eingeweiht, 13 Schulen und mehrere Pfarrhäuser vollendet, zu 6 Kirchen wurde der Grundstein gelegt. Noch im Bau begriffen sind 59 Kirchen, 15 Pfarrhäuser und 30 Schulen. Dieser bereits gelristeten und ganz ansehnlich erscheinenden Hilfe steht aber freilich noch ein viel größeres Bedürfniß gegenüber. Nach den bereits vorliegenden Ge⸗ suchen erscheint gegenwärtig als nolhwendig die Erbauung von 149 Kirchen, 146 Schulhäusern und 64 Pfarrhäusern. Dazu kommen die absolut unentbehrlichen Dolationen, Reparaturen, Anschaffungen und Unterstützungen; 283 überschuldete Gemeinden bedürfen der Erleichterung. Von den 812 Gemeinden, weiche im vorletzten Jahre die Unter⸗ stützung des Vereins erbeten hatien, sind nur 3 aus der Pflege des Vereins entlassen worden, weil sie mit Hilse des Vereins das erwünschte Ziel erreicht hatten; dagegen sind 69 der Unterstüßung bedürftige Gemeinden zu der von früher gebliebenen Zahl neu hinzugekommen. Der Wetterauer Zweigverein hat im verflossenen Jahre 472 fl. 20 kr. eingenommen; zu dieser Summe steuerte Friedberg 160 fl. 8 kr. an Jahresbeiträgen und 8 fl. 45 kr. an Collekte. Der Friedberger Frauenverein konnte im vorigen Sommer der Gemeinde in Karlsbad 70 fl. zur Gründung einec Schule überweisen. Diese Gabe wurde von Frau Regierungsrath Trapp persönlich an Ort und Stelle über⸗ reicht. Derselbe Verein hat im letzten Jahre 47 fl. 43 kr. eingenommen. Nach dem Gottesdienst fand eine freie Vereinigung in einem Wirthsgarten staft. Hier theille Herr Direckor Schwabe mit, daß die in der Kirche ge⸗ sammelie Collecte von 35 fl. darunter eine Gabe des Niederrosbacher Gemeinderaths von 10 fl. der Ge⸗ meinde Tost in Oberschlesien zugewiesen worden sei, und schloß an diese Mittheilung eine Darstellung der Verhält⸗ nisse in jener Gemeinde und einen geschichtlichen Rückblick auf die seitherigen Schickeale der evangelischen Kirche Schlesiens. Herr Dircctor Steinberger wies in seiner Rede die allerdings niederschlagenden aber auch erbebenden und zumal erwecklichen Eindrücke nach, welche ein solches Vereinefest wie das gegenwärtige auf uns mache. Die Ansprache des Herrn Pfarrer Meyer betonte dagegen die Bedeutung des fortwährenden Protestes, welchen der Verein durch sein Wirken thatsächlich erhebe gegen die ultramon⸗ tanen Anmaßungen und Zumuthungen. Zum Schlusse wandie sich Hert Seminarlehrer Wahl mit einer sehr frisch und volksthümlich gehaltenen Rede an die versam⸗ melte ländliche Bevölkerung und schilderte die Schönheit des religiösen Sinnes und evangelisch⸗ kirchlicher Sitie, wie sie in einer rechten Landgemeinde sich finden oder finden sollten. Diese Ansprachen wechselten ab mit Vorträgen des Niederrosbacher Gesangvereins, und es verflossen der Ver⸗ sammlung die wenigen Stunden des Nachmittags rasch, bis der hereinbrechende Abend sie nach verschiedenen Rich⸗ tungen hin auseinander führte. Endlich sei daran erinnert, daß am 23. d. M. das Jahresfest des Landes⸗ vereins in Gießen staltfinden wird. Der Wetterauer Zweigverein wird dort durch seinen Rechner, den Herrn Kaufmann Ferlisch von hier, vertreien sein. Wir hoffen und wünschen, daß diese Versammlung von hier aus zahl⸗ reich besucht werden möge.

Butzbach. Das am letzten Sonntag dahier ab⸗

nicht losgelassen würden und Revanche für frühere Verluste nähmen. Das heißt freilich mit ameri-

gehaltene Turnfsest ist, von dem herrlichsten Weiler begünstigt, in schönster Weise verlaufen und wird sowohl bei den Einwohnern unserer Stadt, als auch bei unseren lieben

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fte, Vesch reiß; l. belufshun Mattl at wirlöscesl 2 Uhr, al 10 wähtt 0 haben. 0 bcasen srofsenen Festpesuch Aus dem dorf 90 fl. b. Lebrerber vero pin Goßherze ff hier gaen schießen. Büchse versagt Mündun an betse der Schr die vor lleine V Vo! hause zu gehabten bezeichnet meister dis vor sammt beiden gekomm lichkeiten Aehnlich Obristen Mutler