verbreitet, daß Frankreich in einen Krieg mit seinem östlichen Nachbarn verwickelt und daß der Marschall Mae-Mahon am Rhein zurückgehalten, die Gelegenheit zu einer Schilderhebung also günstig wäre u. s. w.
— Das„Journal offleiel“ meldet aus Algier vom 4. Februar, daß die Insurgenten auf ihrer Flucht nach dem Süden sich aufgelöst hätten. Dieselden würden fortgesetzt verfolgt und sei die Hoffnung vorhanden, sie gänzlich unschädlich zu machen.
— Der Griechenland gewährte Aufschub ist Sonntag Nacht zu Ende gegangen. Der„Con- stitutionnel“ sagt: Wenn bis dahin keine Antwort Walewski's abginge, so würde die Conferenz das negative Resultat constatiren, die Türkei die Freiheit ihrer Action wieder gewinnen, aber sie würde eine zuwartende und desensive Haltung einnehmen.— Der„Public“ theilt mit, daß die zu London lebenden Griechen be räcktliche Capi⸗ talien ansammelten, um eine republikanische Be— wegung in Griechenland zu begünstigen.
— Marquis de Moustier, Exminister der aus- wärtigen Angelegenheiten, ist gestorben.
— Ein Manifest Isabella's fordert die Spanier auf, mit ihr das Werk der Wiedergeburt Spaniens, der Duldsamkeit und der Freiheit zu unternehmen.
Spanien. Madrid. Die„Madrider Zeitung“ veröffentlicht ein Dekret des Ministers des Innern, nach welchem der Wittwe des Gou- verneurs von Burgos eine Pension von 1500 Thlrn. ausgesetzt wird.
— Wie die„Reforma“ meldet, wäre in Burgos die Entwendung eines auf hunderttausend Francs geschätzten Diamanten und einer werth— vollen Magdalena, beide aus der Kathedrale, entdeckt worden. Eine große Anzahl kostbarer Gegenstände, die aus einem hiesigen Nonnenkloster verschwunden waren, wurden, nach der„Corre— spondencia“, in Folge einer von der Sicherheits- behörde vorgenommenen Haussuchung bei dem Priester(Presbitero) desselben Klosters vorgefun⸗ den und derselbe in Einzelhaft gebracht.
— Wie berichtet wird, werden die fünf In- dividuen, welche an der Ermordung des Gouver neurs von Burgos betheiligt sind, diese Woche hingerichtet werden.— Die Regierung hat die Erlaubniß zum Bau einer Synagoge gegeben.
— Die Situation klärt sich allmählich insofern, als man nach den nun bekannten Wahlresultaten auf die Zusammensetzung der Cortes schließen kann. Darnach steht nunmehr fest: die Monarchisten werden über dreimal so viel Stimmen gebieten, als die Republikaner. Somit wäre gegründete Hoffnung auf baldige völlig geordnete Zustände, wenn nur Eins nicht wäre: der Mangel an einem Kronprätendenten, der allen Parteien genehm wäre. Das ist's, was die„Iberia“ drückt, wenn sie sagt:„In der That, die Frage, ob zwischen den verschiedenen liberalen Parteien Harmonie oder Versöhnlichkeit herrschen werde, ist für die spanischen Freiheiten eine Lebens- oder Todesfrage.“ Daß man dies auch anderwärts fühlt, davon zeugt das Gerücht, es bereite sich im Schooß der beiden Hauptparteien eine Art Compromiß vor, über den man im Publikum allerlei Vermuthungen hegt.
Italien. Rom. Die über das Befinden des Papstes verbreiteten ungünstigen Gerüchte sind durchweg erfunden. Der Papst celebrirte am Tage„Mariä Lichtmeß“ persönlich.
Griechenland. Aus Athen wird vom 2. d. gemeldet: Die Minister wollen ihre Porte- feuilles unter der Bedingung behalten, daß das Protokoll der Conferenz verworfen werde. Der König hat verschiedene politische Notabilitäten über die Aufregung des Volkes befragt.
— Die Demission des Cabinets Bulgaris ist eine Thatsache. Der König ist entschlossen, die Deklaration der Paxiser Conferenz anzunehmen. Volks aufläufe finden statt, dieselben bezwecken, den König in seinem Entschlusse wankend zu machen und ihn zu der Wiedereinsetzung des Ministeriums Bulgaris zu bewegen.
— Eine neuere Depesche vom 3. lautet: Der König nahm die Demission des Ministeriums an
und beauftragte den Deputirten Jaimis, ein neues Cabinet zu bilden. Dasselbe ward folgendermaßen zusammengesetzt: Jaimis Präsident und Inneres, Sontros Krieg, Trigetas Marine, Petrali Finanzen, Avierino Cultus, Sarava Justiz, Delyannis Aeußeres. Das neue Ministerium stimmt der Deklaration zu. 5
— Spätere Nachrichten besagen, das Mini- sterium Jaimis sei schließlich gescheitert. Der König berief von Neuem Bulgaris.— Valeritis wurde vom König beauftragt ein neues Ministerium zu bilden, ist jedoch ebenfalls an dieser Aufgabe gescheitert. Dem Minister des Aeußeren wurde ein neuer Aufschub von acht Tagen gewährt, innerhalb welcher Antwoct zu ertheilen ist, ob das Protokoll angenommen wird oder nicht.
— Nach Depeschen aus Athen vom C. d. ist noch kein Ministerium zu Stande gekommen, die Aufregung dauert fort. Der König soll ein Manifest an das Volk vorbereiten, worin es heiße, daß Griechenland, von allen Mächten verlassen, für den Augenblick nachgeben müsse, und die Griechen aufgefordert werden, sich ruhig zu ver—
halten. Türkei. Die„Turquie“ veröff ntlicht das Nationalitätengesetz. Nach demselben könnten
türkische Unterthanen sich nur mit Ermächtigung des Sultans im Auslande naturalisiren lassen; ohne diese Ermächtigung werden die im Auslande naturalisirten, aber in der Türkei wohnenden türkischen Unterthanen nach wie vor als solche angesehen.
Donaufürstenthümer. Bukarest. Das ganze Ministerium hat seine Demission eingereicht, welche der Fürst angenommen hat. Ein neues Ministerium ist noch nicht ernannt; man erwartet aber folgende Combination des Cabinets: Joan Bratiano, Ghila, Cogolnitscheano.
Amerika. Newyork. Baron Gerolt, der norddeutsche Bundesgesandte, und Herr Seward arbeiten einen neuen Vertrag zwischen den Vereinigten Staaten und dem norddeutschen Bunde aus. Es wird bceabsichtigt, einen nord— deutschen Bundesbeamten in Newyork zu stationiren,
der in Verbindung mit einem zu diesem Behufe“
ernannten Beamten der Vereinigten Staaten und unterstützt von einem Commissärcollegium die In⸗ teressen nordd. Auswanderer wahrzunehmen hat.
— Nachrichten aus Havanna bestätigen die Meldung von der Niederlage der Insurgenten in Bayamo und ihrer Flucht in die Berge. Wit es heißt, plünderten sie vor ihrem Abzuge die Stadt und steckten sie darauf in Brand.
h. Friedberg, 8. Februar. Wie seit vielen Jahren. so auch in diesem Winter bereitet der Gesangverein Lieder⸗ kranz den Mitgliedern durch seine Abendunterhaltungen viel Freude und heiteren Genuß. Mit besonderem Humor aber waren die gelungenen Aufführungen des gestrigen Abends durchwebt, wollte man doch die Faschingszeit nich! ganz ohne Huldigung verstreichen lassen. Durch die hier⸗ durch erzeugte vergnügte Summung, sowie durch die tüchtige Musik unseres Jäger⸗ Bataillons fühlte man sich zahlreich dazu animict, sich in wogendem Tanze zu dreh'n bis in die späte Nacht hinein.
Friedberg. Vor einigen Nächten fand in der hie⸗ sigen Gasfabrik eine kleine Explosion statt, welche einigen, jedoch nicht erheblichen Schaden anrich tete.
Friedberg. Der Knecht eines hiesigen Oekonomen ist gestern in tragischer Weise ums Leben gekommen. Mil dem Füttern der Pferde beschäftigt, wollte derselbe ein ihn bedrohendes bissiges Pferd züchtigen, stürzte ader in dem selben Augenblicke todt zu Boden, wahrscheinlich in Folge eines Herzschlages. Der Fall erregt um so lebhaftere Theilnahme, da der Bursche als sehr zuverlässig und brav belobt wird, der seine hülfsbedürftigen Angehörigen, einen lahmen Vater, eine alte Mutter und eine ltaubstumme Schwester, mit seinen sauer verdienten Ersparnissen nach Kräften unterstützte.
Mainz. Die gefälschten Makulaturscheine des Gr. Hess. Papiergeldes neuester Emission scheinen noch nicht ganz aus der Circulation verschwunden zu sein, da dieser Tage ein solcher ohne Trockenstempel und mit nachge⸗ mach ter Unterschrift des controlirenden Beamien dahier an⸗ gehalten wurde. Diese Falsifikate lassen sich bei einiger Aufmerksamkeit leicht erkennen: 1. auf der Vorderseite: an dem Fehlen des Trockenstempels unten links; 2. auf der Rückseite an der nachgemachten Unterschrift des controlirenden Beamten. Diese nachgemachten Namen können lauten: Bader, Beck, Uebelshäuser, Guntrum oder Winter. Die falschen Scheine sind(als Makylaturscheine und gleich den ächten von einer Platte stammend) den letzteren narür⸗ lich im Drucke vollkommen gleich.
In Guntersblum ist eine Frauensperson auf schreck⸗
liche Weise ums Leben gekommen. Die Arme hatte im Keller Petroleum geholt und sich dabei die Kleider be— schüttet. Sobald sie nun in der Küche an das Feuer trat, entzündeten sich die Kleider und die Unglückliche lief in l wo sie jämmerlich verbrannte.
karburg. Dic gauf Amöneburg wahrgenommene Erscheinung hat solgende Ursache: Amöneburg besteht aus einem Basalikegel. Zwischen den Säulen dieses Basalts befinden sich Lufträume, deren wärmere Temperatur bei der stattgehabten Kälte bemerkbar war und deren Aus— strömen eben nur bei Kälte beobachtet werden kann. Auf— fallend hierbei ist allerdings der hohe Wärmegrad, der sich an diesen Stellen zeigtz er ist wahrscheinlich noch eine Folge des heißen Sommers.(2)
er Mannheim, 5. Febr. Der Absatz der Loose zur hiesigen Pferdemarkt-Lotterie nimmt guten Fort- gangz durch Erlaß des Großh. Hessischen Ministeriums des Innern vom 30. Januar d. J. Nr. 1165 ist der Verkauf dieser Loose im ganzen Umfange des Großherzog— thums Hessen erlaubt worden. Die Anmeldungen don Pferden zu dem am 4., 5. und 6. April 1869 stattfinden⸗ den 1. Frühjahrs⸗Haupt⸗Pferdemarkt sind bereits namhaft, ebenso macht der Zugang von Mitgliedern zu dem neu gegründeten pfälzischen Rennverein erfreuliche Fortschritte. Das dlesjäbrige Pferderennen findet am 2. Mai statt.
Würzburg. Kürzlich machte ein Knabe eine sehr gefährliche Spaziersahrt auf dem Main. Derselbe stellte sich auf eine lose Eisscholle, die mit ihm in die Strömung lib, wo er beim Durchfahren durch's Loch herunterfiel. Man warf ihm eine lange Stange zu, allein er verschwand in den Wellen. Weiter unterhalb sah mau die Stange gegen das Ufer zutreiben, erwischte sie, zog sie heraus und mit ihr— den daran krampfhaft sich klammernden, bereits bewußilosen Knaben. Durch rasche, zweckmäßige Hülfe wurde er aber glücklicher Weise wieder ins Leben gerufen.
Weimar. Vor einigen Nächten ist dem hiesigen Postamie der sogenannte Fahrpostbeutel entkommen, welcher eine Summe baaren Geldes von nahe an 3500 Thlr. und gegen 62000 Thlr. in Wechseln enthielt.
Berlin. Die Geschichte mit dem Kinderraub in hiesiger Stadt klärt sich nachträglich dahin auf, daß es die eigene, mit dem Vater in Ehezerwürfnissen befindliche Mutter war, die sich des Kindes auf offener Straße be⸗ mächtigte.
In Amerika sucht man die Schrecken der Todes⸗ strafe in humanster Weise zu mildern. Zu Rom, im Staate Newyork, wurde kürzlich ein Mörder nach einer gänzlich neuen Methode durch den Strang hingerichlet. Nan ließ den Delinquenten am Galgen Chloroform ein⸗ albmen und als Besinnungslosigkeit eintrat, riß ihm der Scharfrichter den Boden unser den Füßen fort, so daß der Tod ohne die mindesten Anzeichen von Schmerz ein⸗ trat und der Puls nach Verlauf von 12 Minuten zu ichlagen aufpöcle.
„„ Folgendes Eisenbahnunglück erzählen eng⸗ lische Blätter: Die indischen Eisenbahnen baben gegen eigenthümliche Hindernisse zu kämpfen. In Europa ver⸗ irrt sich zwar auch manchmal eine Kuh oder in Schaaf auf die Schienen, doch selten wird dadurch die Loco motive aus dem Geleise geschleudert. Bei Sahibgunge aber ver⸗ unglückte im Dezember ein Güterzug dadurch, daß ein Elephant sich ihm in den Weg stellte. Das Thier wurde von der Lokomotive zwar arg mitgenommen, behauptete aber doch das Schlachifeld insoferne,(I) als die Locomotive mit einem Dutzend Güterwagen über den Damm geschleu⸗ dert und zerschmenert wurden.(11)(Wir haben's hier wohl eher mit einem fürchterlichen Bären, als mit einem Elephanten⸗Ungethüm zu thun.)
Kür die unglücklichen dem Hungertode preisgegebenen Juden in Westrußland
sind folgende Gaben eingegangen: Bei Herrn L. Adlee von Herrn J. A. Nauheim 5 fl. 15 kr.; L. Fürth 5 fl.; L. Oppenheim 1 fl. 30 kr.; Jakob May 5 fl.; A. Maaß 1 fl.; Elias Mayer 1 fl. 30 kr.; Geschwister Schloß 1 fl.; L. Adler 30 kr.; Elise Hanau und E. G. 1 fl. 30 kr.; A. Löser 1 fl.; Mayer Schwarz 1 fl. 45 kr.; Davit Mayer 1 fl. 10 kr; Mos. Stern 24 kr.; R. Reichen⸗ berg 30 kr.; Liebmann Stern 30 kr.; Witt. Hanau 24 kr.; im Ganzen 27 fl. 58 kr.— Bei Herrn Jacob Goldbeck von Gebe. Löb 2 fl. 30 kr.; Stahl Wiliwe 2 fl.; M. Meyer l fl. 10 kr.; Löb Strauß 3 fl. 30 kr.; M. Reiß 3 fl. 30 kr.; B. Stern 1 fl.; M. Löser 1 fl.; Hirsch Grödel 2 fl.: Jos. Strauß 1 fl.; J. Butzbach 30 kr.; J. Goldbeck 1 fl.; Mayer Hirsch 2 fl.; Ung. 1 fl. 45 kr.; Ung. 1 fl.; Ed. Hirsch 1 fl.; L. Arnstein 1 fl.; M. Arnstein 1 fl.; Ed. Grödel 36 kr.; Samuels Witiwe 24 kr.; L. Leopold 36 kr.; Gebrüder Bendheim 3 fl. 30 kr.; J. Nußbaum zu Nau⸗ beim 3 fl. 30 kr.; K. Nruhof 36 kr.; Becker und Engel 5 fl.; im Ganzen 41 fl. 7 kr.— Bei Herrn L. Herz von Herrn Philipp Garde 1 fl.; S. Lindheimer 7 fl.; G. Schulhof 5 fl.; L. Herz 5 fl.; M. Nußbaum 3 fl.; H. G. zu Nauheim 1 fl. 35 kr.; S. Strauß 36 kr.; M. Garde 30 kr.; S. Garde 18 kr.; E. Ehrmann 1 fl.; im Ganzen 24 fl. 59 kr.
Den edlen Gebern unsern Dank aussprechend, können wir nicht umhin, obgleich wir gewöhnt sind, bei allen Gelegenheiten, wo es gilt Unglückliche zu unterstützen, ohne zu fragen welcher Confession sie angehören, sie in den Esten Reihen zu finden, hier ihre Bereitwillig⸗ keit besonders anzuerkennen, da wir bereits schon einmal in der Lage waren, ihre Mildthätigkeit für diesen Zweck in Anspruch zu nehmen.
Zur Entgegennahme weiterer Beiträge erklärt sich be⸗ reit Das Comité.
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