Ausgabe 
8.4.1869
 
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erreichte Gebiete durchforscht und war am 18. Oct. zu Inpati angekommen. Von hier wollte er diesen April im Innern Afrika's nach Norden und bis zum Alquator vorzudringen suchen.

Oesterreich. Wien. Der Kaiser von Oesterreich hat die ihm von Dr. Petermann in Gotha als Erinnerung an die erste deutsche Nord fahrt überreichte Eisbärendeckebuldvollst entgegen⸗ genommen. Zugleich hat der Kaiser Herrn Dr. Petermann in Würdigung seinter hervorragen- den Verdienste um die Wissenschaft im Allgemeinen und insbesondere um das Zustandekommen eines der deutschen Nation zur Ehre gereichenden Unter- nehmens als Zeichen der Anerkennung den Orden der eisernen Krone 3. Classe und den Capitän K. Koldewey, dem verdienten Führer der Expe⸗ dition, das Ritterkreuz des Franz⸗Joseph⸗Ordens verliehen. Der Kaifer hat ferner einen zweiten Beitrag von 1000 fl. Silber für das Unternehmen angewiesen.

DieWiener Zeitung meldet, daß die Frage wegen Ernennung eines definitiven Minister⸗ Präsidenten an Stelle des abgetretenen Fürsten Carlos Auersperg seit Monaten nicht mehr Gegen- stand der Verhandlungen des Ministerraths ge⸗ wesen ist. Dasselbe Blatt erklärt alle Gerüchte über Differenzen zwischen dem Grafen Beust und dem Ministerium für vollständig erfunden.

Es erhält und befestigt sich die Meinung, daß der zurückgekehrte preußische Gesandte Baron v. Werther hier Eröffnungen zu machen den Auf trag habe, welche den Interessen des Friedens eine neue verstärkte Bürgschaft zu geben geeignet und eben deßhalb des bereitwilligsten Entgegen kommens in Wien versichert sind. Die Thatsache steht fest, daß der Verkehr zwischen der Gesandt schaft und dem Ministerium des Auswärtigen ein ungewöhnlich reger ist.

Wie derN. fr. Pr. aus Madrid be richtet wird, sind dort alle monarchischen Parteien darüber einig, für den König Dom Fernando von Portugal zu stimmen; im Falle einer Ab⸗ lehnung der spanischen Krone seinerseits sollen aber die Progressisten nicht auf den Herzog von Montpensier, sondern auf den Prinzen von Sa vohen reflektiren.

Eine Deputation des Clerus der Dibzesen von Olmütz und Brünn wird dem Papste zu seinem Priesterjubiläum eine Gabe von 2500 Napoleons d'or überbringen. In Pest ist gegenwärtig das mit Edelsteinen geschmückte goldene Kreuz aus gestellt, welches Pius IX. von ungarischen Ka tholiken erhält; es hat 13,000 fl. gekostet und auf dem Etui steht:Dem heil. Vater Pius IX., dem Jubilarpriester, widmet dies die treue Heerde der Gläubigen aus der ungarischen Nation. Im Bezirke Gottschen(Krain) treibt sich ein Schwindler herum, welcher den Mädchen und Frauen ihre langen Zöpfe, das Stück zu einem Gulden, ab schwatzt, unter dem Vorgeben, die österreichischen Bischöfe ließen aus den Haaren der gläubigen Töchter der Kirche dem Papst zu seiner Secundiz ein Meßgewand anfertigen.

Frankreich. Paris. DasJournal officiel meldet, daß die über den Rücktritt des Finanzministers verbreiteten Gerüchte völlig grund⸗ los seien. 5

Der indische Nabob, Sydud Munsoor Ali, det seit acht Tagen hier verweilt, hat dem Jardin des Plantes einen Besuch abgestattet, und sich beim Anblick der Bärenzwinger ꝛc. einem fast kindlichen Ausbruche der Freude hingegeben.

DerPublic meldet, Nigra habe mit französischen und ausländischen Finanzmännern einen Vertrag über ein italienisches Anlehen von 300 Millionen, garantirt durch die Kirchengüter, unterzeichnet.

Belgien. Brüssel. Die Mittheilungen, welche Frére Orban von Paris aus an das bel gische Cabinet hat gelangen lassen, constatiren den günstigen Eindruck, welchen der Chef des belgischen Cabinets von den Verhandlungen in Paris hat und lassen die Uebereinstimmung der beiden Re⸗ gierungen auf der diplomatisch festgestellten Basts voraussehen.

Spanien. Madrid. In der Sitzung der

Cortes verliest General Prim einen Gesetzentwurf, welcher die Zahl der stehenden Armee für den Dienst von 1869 70 auf 80,000 Mann fest⸗ setzt. Auf eine Interpellation antwortend, erklärt Herr Sagosta, daß Geschmeide, deren Totalwerth sich auf 14 Millionen Realen beläuft, aus der Domkirche von Toledo verschwunden sind. Er fügt hinzu, daß gewisse Anzeichen vermuthen lassen, daß die Vollführer dieses Raubes sich unter den Personen befinden, die für die Ueberwachung des Geschmeides zu sorgen hatten.

Amerika. Washington. Die von beiden Congreßhäusern votirten Modificationen, betreffend die Aemterbesetzungsacte, sind vom Präsidenten unterzeichnet und somit zum Gesetz erhoben.

Afrika. Nachrichten vom Cap der guten Hoffnung bringen die Kunde von einem Brand- unglück, welches am Cap einen Landstrich von 400 Meilen Länge und 15150 Meilen Breite verwüstete. Nachdem die Witterung seit sechs Wochen ungewöhnlich heiß und trocken gewesen war, hob die Temparatur sich am 9. Februar zu einer bisher unbekannten Hitze. Während des ganzen Vormittags strichen heiße Nordostwinde über das Land, und Nachmittags brach an mehreren Stellen zu gleicher Zeit Feuer aus, welchem Aecker, Farmgebäude, Zuchtvieh und Wälder mit den in ihnen befindlichen wilden Thieren zum Opfer fielen. In wenigen Stunden war Eigenthum von enormem Werthe zerstört; Viele, Eingeborene wie Europäer, vermochten nur das nackte Leben zu retten, und Manche nicht einmal dieses.

Frankfurt. Ein in hiesiger Stadt bestehendes Etavlisse men, dessen bis jetzt öffentlich noch nicht erwähnt wurde, ver dient schon deßhaßb alle Anerkennung, weil es namentlich auf die Unterhaltung und Unterweisung des reisenden Publikums, und zwar in der unzigennützigsten Weise berechnet ist. Es befindet sich nämlich in dem Gebäude Nr. 19 große Gallusstraße, in welchem sich die Kanzleien der groß britanischen und hessen-darmstädtischen Consulate befinden, neden den Comptoirs der Herren Koch, Lauteren und Comp., von welchen Hr. Lauteren der hiesige Vertreter der großh. hessischen Regierung ist, ein Lesezimmer das für Einheimische und Fremde den ganzen Tag über geöffnet und auf's Reichhaltigste mit Zeilschriften und Journalen ausgestattet ist. Außer den gelesensten deutschen Zeitungen, sämmtlichen Badeblättern und Kurlisten liegen englische, amerikanische, französische, russische, italienische und Schweizer Zeilschriften in buntester Auswahl vor. Auch ein Fremdenbuch ist aufgelegt mit besonderen Rubriken für Namen, Wohnort und Reisebestimmung der Besucher, resp. der Fremden, so daß letzlere sich dadurch oft in an genehmster Weise über den Aufenthalt von Bekannten und Freunden orientiren können. Namentlich im Sommer ist das Local von durchreisenden Engländern, Amerikanern, Russen u. s. w. stark frequentirt. Die liberalen Unter nehmer verdienen gewiß für diesen uneigennützigen Beitrag zur Hebung des Frankfurter Verkehrslebens öffentlich An erkenung und Dank.

* Frankfurt. In der unter dem Vorsitze des Hrn. v. Rabenau am 5. d. dahier abgehaltenen Versammlung von Landwirthen aus Hessen-Nassau, Hessen-Darmstadt, Frankfurt und den Rheinlanden, welche sehr zahlreich besucht wat, stand auf der Tagesordnung die an den Ieichstag zu richtende Pelition in Betreff der Besteuerung des Branntweins. Nach einer laugen und eingehenden Verhandlung wurde die im Entwurf vorgelegte Petition genebmigt und unterzeichnet. Die Anträze der dersam⸗ melten Landwirthe geben dahin: 1. Der Reichstag wolle unter geneigter Berücksichtigung einer früher von derselben Versammlung ergangenen Pelition, betreffend die Einführung der Spirilusfabrikatssteuer, die zu erwartende Gesetzes⸗ vorlage, soweit solche eine Erhöhung der Branntweinsteuer begründet, ablehnen, 2. der Reichstag wolle weiter be⸗ schließen die Fabrikatssteuer in keinem höheren Satze zu⸗ zulassen als demjenigen, welcher eine durchschnittliche Aus⸗ beute von mindestens% Quart per Maisch rein entspricht d. i. höchstens 1 Sgr. pro preußisch Quart Branntwein, 50% Tralles. An diese Versammlung schloß sich diejenige des landwirthschaftlichen Clubs und war die selbe äußerst animirt.

Darmstadt. Vor einigen Tagen wurde im Bessunger Walde in der Nähe der Klippensteins⸗Eiche durch zwei anständig gekleidete junge Leute Feuer angelegt. Nur durch die glückliche Hinzukunft des Försters Fritz wurde das Feuer, welches sich schon 68 Klafter ausgebreitet, durch denselben mittelst Draufschlägen mit Reisich erstickt. Die Thäler konnte er leider nicht mehr erreichen

Mainz. Am 5. 5. fand in der Nähe des Fischthors der Zusammenstoß einer Lokomotive, welche mit voller Dampfkraft, fuhr, mit einem Gülerzuge statt. Beide Maschinen erlitten bedeutende Beschädigungen, Menschen⸗ leben sind indessen glücklicherweise nicht zu beklagen.

Meißen. Auch dahier ist es vor einigen Tagen vorgekommen, daß bei den Produktionen einer Seillänzer⸗ Gesellschaft ein Mitglied vom hohen Seile stürzte, indem bei dem Reißen einer der Leinen, durch welche das hohe Seil auf beiben Seiten gehalten wird, ein heftiger Ruck

erfolgte, welcher den Künstler zum Stlaucheln brachte.

Dieser ließ die Balancirstange fallen, fiel selbst, umfaßte

aber behend das Laufseil mit einem Arme und ließ sich

dann an einer der erwähnten Halleleinen, ohne Schaden genommen zu haben, herab. Durch die Balaucirstange wurde aber ein 9 jähriger Knabe nicht unbedeutend am Kopfe verletzt. Das Zuschauer-Publikum war in nicht geringen Schreck versetzt worden.

In Königsberg i. Pr. constatirt das Polizeiprä⸗ sidium in nachstehender Warnung wieder einige Fälle von Trichinose:Vor einiger Zeit brachten die Lokalblätter die Notiz, daß mehrere Mitglieder einer Fleischer Familie, bei welcher von Seiten des Polizeipräsidiums trichinen⸗ halliges Fleisch confiscirt worden war, von diesem Fleische in rohem Zustande absichtlich gegessen hätten, um ihren eigenen Glauben an die Unschädlichkeit der Trichinen zu beweisen und auch das Publikum davon zu überzeugen. Angeblich waren die Personen, wie sie wähnten, auch gesund geblieben. Nach amtlicher Feststellung sind wirklich sechs Personen einer hiesigen Fleischer-Familie so thöricht gewesen, diesen Versuch zu wagen; aber alle diese Personen erkrankten mehr oder weniger erheblich in der vierten Woche nach dem Genusse mit allen Zeichen der Trichinose, obwohl sie nur wenig von dem Fleische gegessen hatten, und obgleich dieses, wie amtlich festgestellt war, verhält⸗ nißmäßig nur sehr wenig Trichinen enthielt. Einige dieser Personen sind bereits genesen, zwei aber noch ziemlich heflig leidend. Das Polizeipräsidium theilt dies zur Warnung und Belehrung des Publikums mit und mahnt aufs Neue zur größten Vorsicht.

Danzig. Die hiesige Zeitung erzählt nachstehende erbauliche Schulgeschichte:Wie heißt die Stute, welche König Withelm am Tage der Schlacht bei Königgratz gerilien hat? so lautete die Frage eines Schulraths im Reg.-Bez. Bromberg an die Kinder einer Elementarschule bei Gelegenheit der Revision derselben. Da diese Frage die Kinder nicht zu beantworten wußten, selbst der Lehrer damit unbekannt war, so beantwortete der Herr Schulrath seine Frage selbst dahin, daß diese Stute, wie bekannt Sadowa heiße, sein Erstaunen nicht unterdrückend über die Unwissenheit der Schulkinder in der neuesten vater⸗ ländischen Geschichte.

Paris. Man kennt jetzt die Ziffer des Vermögens, welches der kürzlich verstorbene James v. Rothschild hinterlassen hat. Es beträgt ungefähr 1700 Millionen. Bei der Schätzung wurde jedoch immer die niedrigste Summe angenommen.

Landwirthschaftliches

* Der Staar als Malkäfervertilger. Bald wird der Maikäfer, der im vorigen Jahre in so ungeheuren Massen bei uns aufirat, wieder seinen Frühlingsbesuch erneuern, um, abgesehen von dem Schaden, den er selbst an den Pflanzen anzurichten vermag, nach kurzem Aufent⸗ halte zum Zwecke seiner Fortpflanzung sein dreijähriges Leben zu beschließen und durch das Weibchen dem Erd boden die Eier anzuvertrauen, denen die noch schädlicheren gefräßigen Engerlinge entschlüpfen. Werden wir auch heuer kein eigentliches Flugjahr haben, so mag es immer⸗ hin nicht zu früh sein, auf eine Vertilgung der Engerlinge hinzuweisen, die, wenn auch eine unmittelbare, doch eine der wirksamsten ist. Der bekannte Hamburger Handels⸗ gärtner John Bott schreibt der Dr Koch'schen Wochen⸗ schrift für Gärtnerei und Pflapzenkunde:In Ihrem Blatte sehe ich einige Mittel zur Vertilgung der Enger⸗ linge angegeben. Es wundert mich dabei, gar nichts von dem Miitel, das ich hler anwende, zu finden, um dem Maikäfer gründlich den Garaus zu machen. Vor un⸗ gefähr 10 Jahren wurden wir auf das allerempfindlichste von dem Engerlingsfraß heimgesucht, ganze Rhododendron⸗ und Coniferen-Anpflanzungen gingen verloren, ebenso litten die Kornfelder. Bei solchen Verwüstungen hören alle künstlichen Mittel mehr oder weniger auf zu wirken. Wir griffen zu dem sehr einfachen, den Staar zu cultiviren. Wir ließen gegen 100 Brutkästen von der allereinsachsten Construction machen, und siehe da, im Frühjahre waren sie alle besetzt. In welch kolossalem Maße die Staare alles Ungeziefer fressen, darüber finden Sie Specielles in Lang's Nalurgeschichte. Wenn der Maikäfer aus der Erde kommt, oder vielmehr kommen will, so ist der Staar da; er holt ihn förmlich heraus, pickt mit seinem Schnabel auf dem Erdboden herum und findet so den Maikäser. Fast bei jedem Loch, aus dem ein Malkäfer enischlüpft, findet man zugleich die Flügel und das sonst nicht Genießbare, Beweis genug, daß der Maikäfer sich keine Minute seines Lebens freut. Wir ließen die Brut⸗ kästen vermehren und mögen jetzt gegen 175200 Stück haben. Maikäferjahre haben wir in den letzten 10 Jahren seit Einführung der Nistkästen genug gehabt. Der Enger⸗ lingofraß, wie wir ihn wiederholt hier gehabt haben, ist aber nicht wieder vorgekommen und im Verhältniß zu fraher ist das Auffinden der Engerlinge bei tiefer Bear⸗ beitung des Bodens weit geringer.

672 Vier wenig gebrauchte 5 Caleéchen mit Glasverdeck

in gutem Stande, billig abzugeben. Frankfurt a. M. gr. Eschenheimerstraße 54.

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Ein grauer Palatin

1091 wurde auf dem Wege von Friedberg nach

dem Johannisberg verloren, um dessen Rückgabe an die Exped. v. Bl. gebeten wird. N 5

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