— Mit dem Bundesgesetze über die Quartier-
leistung für die bewaffnete Macht ist auch ein für
die Friedensverhälinisse geltendes,„die Quartier bedürfnisse“ umfassendes Regulativ erschienen. Danach bestebt das Garnisonquartier für Feld- webel, Wachimeister, Oberfeuerwerker, Wallmeister, Zeugfeldwebel, etatsmäßige Schreiber und Regi⸗ stratoren bei den General- Commandos u. s. w., Unterärzte, Militär- Pharmaceuten, Militärküster, Stabs-Roß und Roßärzte in je einer Stube von etwa 225 Quadratfuß, für Portepee-Fähnriche und die diesen gleichstehenden Cbargen in je einer Stube von 150 bis 180 Qu adratfuß; für Unteroffiziere, Unter Roßärzte und gleichstehende Cbargen in einer Stube von mindestens 180 Quad ralfuß für je zwei Personen dieses Grades; für alle übrigen Chargen in Schlafkammern. Wird das Raumerforderniß der zu eigenen Stuben berechtigten Personen duech die überwiesenen Zimmer nicht erfüllt, so können zur Ergänzung auch Schlafkammern beigegeben werden. Die Stuhen sind bis 10 Ubr Abends zu erleuchten und im Winter zu heizen. Die Schlaskaͤmmern müssen mit„verputzten“ oder dicht schließenden Wänden und Decken, einer ordnungsmäßigen Dielung, mit zu öffnenden und zu schließenden Fenstern und, wenn die Kammern im oberen Stockwerke liegen, auch mit einer gangbaren Treppe verseben, trocken und gegen Einfluß der Witterung gesichert sein. Die Quartierausslattung ist gleichfalls genau vorgeschrieben. Dazu gehört auch die Benutzung des Kochfeuers und der Koch-, Eß- und Waschgerätbe des Quartiergebers. Bei Cantonnirungen, Märschen, Commandos sind beispielsweise für Generale drei Zimmer und eine Gesindestube; außerdem aber„Bureau, Wacht. und Arresträume“ zu gewähren.„Stadttheile, die allgemein als der Gesundheit nachtheilig an erkannt sind, in Bau begriffene Häuser, feuchte Kellerwohnungen und andere ungeeignete oder nicht gebörig geschützte Räumlichkeuen dürsen mit Militärpersonen nicht belegt werden.“
— Dem„Hamb. Corr.“ wird von Berlin gemeldet:„Der König emefing am Neujahr die Minister und die Generalität. An der Spitze der Letzteren verlas der General- Feld marschall Wrangel ein kurze Ansprache, in welcher er die Glückwünsche der Generale darbrachte; es möge dem Könige vergönnt sein, die Ziele zu erreichen, welche er sich vorgesteckt habe. Der König ant wortete in läagerer Rede, in welcher er auf die friecliche Situation bei Beginn des neuen Jahres hinwies und betonte, wie er mit Grund die Er⸗ haltung des Friedens und unter dessen Auspicien die Erreichung seiner Zwecke zum Heile des Vaterlandes erhoffe, wobei er der Mitwirkung des unter den Generalen anwesenden Grafen Bismarck gedachte.“
— Von bestunterrichteter Seite wird die von einigen Journalen mitgetbeilte Nachricht, daß eine Anzahl preußischer Offiziere unter Vorbehalt ibres Wiedertintritts in die preußische Armer Erlaubniß erhalten habe, in rumänische Militärdienste zu treten, als durchaue unwahr erklärt.
— Wie verschiedene Blätter melden, sind von
eingenommene„Hess. Morgenztg.“ schreibt; Am Ende des Jahres 1868 sind die Zustände in Preußen in Folge des noch immer herrschenden illiberalen Systems recht unerquicklich und trübe Noch vor wenigen Wochen hatte man geglaubt ein wenig Abhülfe werde endlich wenigstens durch ein entschiedeneres Vorgehen des wieder zusammen⸗ getretenen Abgeordnetenhauses verschafft werden; diese Hoffnung bat sich aber nicht im Geringsten erfüllt, und so ist die Stimmung der liberalen Parteien eine recht übele. Die Lage erscheint so, daß, wenn Graf Bismarck nicht bald eine Wen tung zum Besseren her beifübrt, ein gutes Theil von Vertrauen und Zuversicht der Liberalen in seine weitere Leitung der nationalen Sache ver— loren gehen kann.
— Die„Hessische Velkezeitung“, welche zur Erinnerung an die Verfassung vom Jahre 183ʃ, tie damals am 5. Januar vom Kurfürsten unter— schrieben wurde, in rothem Drucke erschien, ist ohne Angabe des Grundes confiscirt worden.
Frankfurt. Nach der„Correspondenz Hoffmann“ hat die preußische Staatsregierung die Erhebung von Permissions gebühren und die Stellung der Caution für die Angehörigen süd ceatscher Staaten, welche ihren Wohnsitz in Frankfurt nehmen wollen, mit der größten Bereit— willigkeit abgeschaͤfft.
Wiesbaden. Die hiesige Bezirksregierung hat als„Weihnachtsbescheerung“ für die Nassauer eine Erhöhung des Verpfleggeldes für die in die Jiren⸗Heil- und Pflegeanstalt zu Eichberg auf— genommenen Kranken verordnet. Die sehr bedeu— tende Er öbung des Verpfleggeldes wird die Ver— bringung manches Kranken in die Anstalt unmöglich machen jedenfalls aber sehr erschweren.
Bayern Munchen. Der Auswand auf die Vulksschulen Bayerns aus Staals, Kreie— und Gemeindemi teln betrug bisher die Summe von 1,913,089 fl.; der den Kammern vorliegende Schulgesetzenwurf involvirt einen Mehrbedarf von 1,182,213 fl
Oesterreich. Wien. In einem Neu jahrsschreiben an Dr. Giskra ermahnt die von Preßprozessen heimgesuchte„Sonntagszeitung“ den Bürgerminister, endlich die Versprechungen der neuen Aera zu erfüllen.„Ein volles Jahr hat die Decemberverfassung geherischt und in allen Theilen Cisleithantens hat sich eine Mißstimmung eine Gleichgültigkeit gegen das politische Leben eingenistet, die den Vaterlendsfreund mit Bangen für die Zukunft erfüllen muß. Noch ein selches Jahr, und das Wort der Feinde wird wahr: Der Liberalismus in Oesterreich hat abgewirth— schaftet.“ In dieser Schilderung des Oppositions- blaites liegt etwas Wabres. Der Liberallemus des sogenannten Bürgerministers bat in den letzten Monaten des Jahres 1868 eine bedenkliche Aehn⸗ lichteit mit dem Liberalismus des Ritters von Schmerling entwickelt. Es ist die höchste Zeit, daß der österreichische Forischriit ein rascheres Tempo annimmt.
— Graf Trautmanns dorff, welcher die Weih⸗ nachtsfeiertage in Wien zabrachte, bat sich mit seiner Familic wieder nach Rom begeben. Er
Seiten Braunschweigs neue Verhandlungen uͤber
den Abschluß einer Militärtonvention mit Preußen
eingtleitet oder in Aussicht genommen worden. Stettin. Von dem hiesigen Stadtbaurath Hobrecht und dem Bürgermeister Francke zu Strolsund ist die Anregung zu einer Besprechung allet Festungecommunen des norddeutschen Bundes ausgegangen und verspricht vieselbe eine rege Theunahme. Außer den Communen Stettin, Danzig und Maiaz werden, so weit bis jetzt be kannt geworden, noch folgende auf der Conferenz vertreten sein: Küstrin, Wittenberg, Köln, Thorn, Ersurt, Glogau, Posen, Wesel, Koblenz und
Spandau. Weiteren Anmeldungen wird noch entg gengesehen Köln. Für den Fortbau des Domes kam
in 1868 die erhebliche Summe von 185,639 Thlr. zur Verwendung, woraus man schließen kann, wie sehr man bestrebt ist, den Ausbau baldmög— lichst zu vollenden,
Kassel. Die keintswegs gegen Preußen
soll geduldig abwarten, bis man, im Vatican sich herbeilaßt, Vorschläge zu einer Verständigung zwischen Rom und Wien zu machen. Zum Glück für den österreichischen Botschafter lebt sich's mit 54,000 fl. Gehalt und 20,000 fl Logesgeld in der ewigen Stadt gar nicht übel, auch wenn man keine Depeschen zu schreiben hat.
— Dem„Fr J.“ wird aus Wien gemeldet: Die Neujahrsconferenz der beiten Grafen und Minister Beust und Andrassy soll zu einer voll ständigen Aus söhnung gefuhr: haben. Die Fama erzählt, daß der Reichekanzler durch die ungarischen Kundgebungen gegen seine„deutsche Polinik“ aufs äußerste gereizt, dem Kaiser erklärt habe, er müss— sein Amt niederlegen, wenn ihm von Pest aus entgegengearbeitet werde. Hierauf habe Franz Joseph J. den Grafen Andrassy nach Wien be⸗ schieden und demselben ein harmonisches Zasam⸗ mengehen mit dem Reichskanzler anempfohlen. Graf Beust soll dem ungarischen Ministerpräsidenten die bestimmte Versicherung gegeben haben, daß
er etwaige französische Reklamationen wegen Nord⸗
schleewigs oder wegen der preußischen Verträge mit den füdpeutschen Staaten in keiner Weise unterstützen werbe. 5 N.
— Die„Wiener Zeitung“ veröffentlicht im amtlichen Theil die sanctionirten Gesetze, betreffend die Versöbnungeversuche bei Ehescheidungen und die Eheschließung unter verschiebenen christlichen Confessionen.
— Ein Telegramm der Wiener Abendpost, datirt Konstantinopel, 4. Imuar, meldet: Die Pforte ist entschlossen, wesentlich mildernde Modi— ficationen in den angedrohten Au sweisungsmaß— regeln gegen die griechischen Unterthanen eintreien zu lassen. s
Luxemburg. Bei den stattgehabten Nach— wahlen zur Kammer sind sämmtliche Candiraten der französischen Partei trotz vieler Anstrengungen Seitens derselben unterlegen, dagegen die ent- schiedensten und für Preußen eingenommenen Gegner Frankreichs mit ungeheurer Majorität gewählt worden..
Frankreich. Paris. Die„Presse“ er⸗ zählt aus Madrid: Vor einigen Tagen empfing die Gräfin Reus als Weihnachisgeschenk für ihren Gemahl ein prächtiges, reichgeschmücktes, mit einem silbernen Schlüssel versehenes Kästchen. Es war an diesem Toge gerade großes Diner bei dem Marschall Prim und seine Frau ließ zum Dessert das schöne Kästchen herbeibringen: man öffnet es und findet einen Galgen in Miniatur, an welchem Prim in Uniform und wohl getroffen aufgehängt war, daneben eine Guillotine, unter welcher er hingestreckt war, und auf dem Boden des Kästchens in silbernen Buchstaben die Worte:„Eines oder das Andere“. Ein ähnliches Geschenk war der Frau des Marschalls Serrano zugegangen. Der General Prim soll ausgerufen haben:„Jetzt be— greije ich Don Pedro den Grausamen!“
— Verschiedene Blätter, der„Gaulois“ an
der Spitze, schlagen seit einigen Tagen Lärm über
mannichfache Verschleppung ven Kunstgegenständen aus dem Louvre, die sie als Nationaleigenthum dahin zurückfordern. Das„Journal officiel“ antwortet endlich darauf, indem es von„ander- weitiger Unterbringung und Hinterlegung“ spricht,
veranlaßt durch die Schließung eines Saales im
Louvre-Museum, und von den betreffenden Blättern eine Besprechung diescs Gegenstandes ohne„den Vorsatz der Auschwärzung und Verdächtigung“ verlangt.
— Der„Gaulois“ bringt ein ihm von den Dardanellen am 1. Januar zugegangenes Tele— gramm folgenden Inhalts:„Der kretische Chef Peiropolakt, mit 1200 Mann gefangen genommen, ist von der türkischen Flotte hierher gebracht und zur Verfügung der Mächte gestellt worden. Die Griechen sind in großer Aufregung.“
— Die Conferenz tritt, aller Wahrscheinlich⸗ keit nach, am 9. Januar zusammen. An der ersten Sitzung sollen nur die Vertreter der Ver tragsmächte von 1856 Theil nehmen.
— Der„Gaulois“ vernimmt, daß die Königin Isabella einen Brief an Espartero geschrie ben hätte, in welchem sie die Candidatur ibres Sohnes, des Prinzen von Asturien, unter die Protection des Herzogs von Vittoria stellt.
— Die„France“ und der„Etendard“ demen⸗ tiren den„Nord“, der versichert hatte, daß die französische Regierung die Candidatur des Prinzen von Asturien unterstütze. Die französische Regie⸗ rung verharre bei der Nicht⸗Intervention.
Großbritannien. London. Der Eisen⸗ bahnverkehr im Innern der Hauptstadt ist mit dem neuen Jahre bedeutend ausgedehnt worden. Ueber 300 Zuge laufen täglich mehr, als noch am Donnerstage. 1
— Den Besitzern von 5.20 Bonds gibt der Londoner„Daily Telegraph“ in seinem City- Artikel die beruhigende Versicherung, die ziemlich weit verbreitete Ansicht, daß der Amerikaner durch die große Anzahl in England und auf dem europäischen Continente untergebrachten Bonds in dem Repudiationssysteme verhältnißmäßig wenig interessirt sei, sei eine vollkommen unrichtige, da jensetts des Oceans alle Classen, von Handwerker
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