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Publikums eine so würdige, daß die Aufstellung ganzer Geschwader von Polizeisergeanten und einer Abtheilung Pariser Garden zu Fuß an den Eingängen des Friedhofs eine müßige Vorsichts⸗ maßregel schien. Das Grab Cavaignac's ver⸗ schwand buchstäblich unter einem Berg bon Kränzen, auch auf Baudin's Grab wurden viele Kränze niedergelegt. Eine Manifestation fand nicht statt. Es herrschte überall die größte Ordnung.

Rochefort ist unbehelligt hier. Cremieux hat voraussichtlich die meisten Wahlchancen im vierten Wahlbezirke. Der Kaiser ist soweit wohl, daß er sich an der Jagd in Compiegne am 4. d. zu Wagen betbeiligt.

Spanien. Madrid. Der Marineminister Topete gab dreimal seine Entlassung ein. Der Regent verweigerte sie jedoch. Prim erklärte, wenn Topete auf seinem Austritt aus dem Mini- sterium bestanden hätte, so würde er ebenfalls ausgetreten sein. Die Einigkeit der drei Parteien sei, in Anbetracht der Schwierigkeit der zu lösen⸗ den Probleme, unerläßlich. Der Belagerungs- zustand wird wahrscheinlich noch vor der Wahl eines Königs aufgeboben werden. Die Candi datur des Herzogs von Genua hat weitere 4 Stimmen gewonnen, im Ganzen sind jetzt 132 Stimmen grsichert.

Cortes. Prim erklärt, das Motiv der Krisis sei die Candidaturftage. Alle Anstrengungen, die Sache zu regeln, seien ohne Erfolg gewesen. Die Fortsetzung der Sitzungen sei vertagt.

Da Topete auf dem Verlangen nach De mission verharrt, so wird eine Cabinetsauflösung die wahrscheinliche Folge sein. Prim würde als⸗ dann mit der Bildung eines neuen Ministeriums beauftragt werden.

Italien. DerOpinione zufolge wird die Zusammenkunft des Königs von Italien mit dem Kaiser von Oesterreich am 27. oder 28. Nov. in Brindisi stattfinden. Der Ministerpräsident und die Spitzen des Militärs werden den König begleiten.

Türkei. Der Sultan hat auf Verwendung des Kronprinzen von Preußen das ganze Terrain der alten Kirche der Johanniter-Ritter in Jeru⸗ salem dem Könige von Preußen als Eigenthum abgetreten. Die betreffenden Befehle sind bereits nach Jerusalem abgegangen.

8. Friedberg. Vergangenen Sonntag den 31. Okt. veranstaltete der biesige Turnverein ein Schau- und Preis⸗ turnen seiner Mitglieder und der seit diesem Jahre be stehenden Turn⸗Vorschule. Eine Abtheilung der Musik des Jägerbataillons eröffnete mit einem heiteren Marsche die Festlichkeit. Nach vorhergegangenen Ordnungs- und Freiübungen begann das Preisturnen der Mitglieder, das im Ganzen recht befriebigend ausfiel. Die ausgesetzten drei Preise wurden den Herren C. Bangel, J. Weiffert und W. Bechstein zuerkannt. Ueberraschendere Leistungen boten die Uebungen der genannten Vorschule und staunens⸗ werth waren die Kraft, Gewandtheit und Präcision, die bei dieser Gelegenheit von den kaum den Knabenjahren entwachsenen jungen Leuten entfaltet wurden. Es bleibt nur zu bedauern, daß dieses Unternehmen, die Jugend zu kräfligen und zu stärken, nicht häufiger von den Eltern durch Zulassung ihrer Söhne unterstützt wird. Die Leilung desselben ist einem sehr zuverlässigen, erfahrenen Mitgliede, dem Herrn Mutb, anvertraut und der beste Beweis für das gute gesunde Gedeihen dieser Schule war das erwähnte

Preisturnen. Die dafür bestimmten Prämien drei prachtwolle Bücher wurden an die Sieger: Jockel,

Baur und Löb ausgegeben. Hoffentlich bedarf es nur einer öffentlichen Anregung, um dieses junge Institut auch für die Zukunft sicher zu stellen und in erwünschter Weise zu fördeen.

* Friedberg, 5. Nov. Gestern Abend gegen 7 Uhr halten wir dahier ein Gewitter unter ziemlich heftigem Donnern und mit rasch aufeinander folgenden Blitzen, auch gewaltigen Sturm und Regen während der ganzen Nacht und am heutigen Morgen.

Friedberg. Die am Abend des 2. d. bei uns wahrgenommenen Erdstöße haben nach den vorliegenden Berichten eine größere Ausdehnung gehabt, als die an den vorhergegangenen Tagen beobachteten Erdbeben, doch scheint die Erschütterung am 2. Abends Uhr die bei weitem stärkste von allen stattgehabten gewesen zu sein. Ein Bericht aus Wiesbaden sagt darüber: Die Er regung, in welcher sich unsere Bevölkerung seit einigen Tagen befindet, erhielt gestern Abend genau 9 Uhr 30 Minuten neue Nahrung durch einen wiederbolten(siebenten) heftigen Erdstoß. Derselbe war von eiger, einem Kanonen⸗ schlag ähnlichen Detonation begleitet. Unmittelbar nach dem 34 Secunden andauernden Stoß, welcher von Westen kam und dann in eine schaukelnde Bewegung überging, erhob sich ein starker Sturm, welcher die ganze

Nacht über anhielt. In einigen Häusern sind Oefen und sonslige Gegenstände umgefallen, nicht ganz dicht geschlossene Thüren und Fenster aufgesprengt worden zc. Von Darmstadt kommt folgende Nachricht: Am 2. Nov. Abends Uhr und den 3. November früh Uhr fanden wiederum ziemlich heftige Stöße staft. Die Be⸗ rölkerung ist natürlich in hohem Grade auafgeregt, zumal stündlich aus dem 3 Stunden von hier, nach Malnz zu entfernten Großgerau sehr beäugstigende Nachrichten ein neffen. Dort scheinen die Erschütterungen die größte Kraft und Dauer entwickelt zu haben. Jedoch ist, abge⸗ sehen von mehreren eingesürzten Schornsteinen und ge borstenen Wänden bis jetzt kein namhafter Schaden ge⸗ schehen. Gleichwohl sind viele Familien hierher geflüchtet. Großgerau und Umgegend liegt auf einer Diluvial- und Alluvialschichte von sehr bedeutender Mächtigkeit.

Frankfurt. DasFrankf. Journal meldet vom 3. d., daß am Abend des 2. d. 9 Uhr 27 M. abermals ein vehementer Erdstoß wahrgenommen wurde, dem Mor⸗ geus 3 Uhr 48 M. ein minder heftiger folgte. Ersterer war, so schreibt das Blatt der stärkste von allen noch beobachleien und don einer solchen Intensität, daß Thüren aufprangen und die Häuser wahrhaft geschüttelt wurden. Nach unserer genauen Berechnung dauerten die Siöße 25 30 Secunden. Die lokale Ausdehnung der Erd bewegungen war vom 28. Oklober an bis heute in pro⸗ gressivem Wachsen, genau gleich ihrer Stärke, und heute erhalten wir schon Berichte, daß der Stoß vom 2. Nov. 11 Uhr 45 M. südlich in Heilbeonn und Stuttgart, nördlich in Frohnhausen bei Kassel gespürt wurde. Der Focus(Herd) der Bewegung ist von Anfang an Groß⸗ gerau und Umgegend gewesen und von hier aus ist sie in strahlenfsörmiger Verbreitung am ganzen Muütelrhein bemerkt worden. DerFr. Beob. berichtet v. 3. d.: Gestern Abend wurde hier einige Minuten vor Uhr wieder ein ziemlich starker Erdstoß verspürt. Derselbe unterbrach u. A. die Vorstellung im hiesigen Thaliathealer, wo Alles voll Schreck und Verwirrung plötzlich den Zuschauerraum verließ und zu den Eingängen slürzte, sowie das Concert der Manoseldt'schen Capelle im großen Saalbau, wo die Glocken der Lüstres aneinanderschlugen und das massive Gebäude erzitterte. Fast aus allen benachbarten Städten und Orien werden gleichzeitg heftige Erderschürterungen gemeldet.

Frankfurt. Viele Einwohner blieben in der Nacht vom 3. zum 4. Nov. bis gegen 2 Uhr in Erwartung von Erdbeben außerhalb des Beites. Andere zogen es vor auf der Straße spazieren zu gehen. Die Nacht ging jedoch vollständig ruhig vorüber.

Darmstadt. Am Abend des 2. Nov. 9 Uhr 25 M. und am folgenden Mortzen 4 Uhr fanden wieder heftige Erostöße stalt. Aus Großgerau wird gemeldet, daß dort starke Erderschütterungen immer noch sortdauern. Viele Einwohner verlassen ihre Wohnungen und suchen ander wärts ein Unierkommen.

Aus Großgerau kommen Miltheilungen über die dort verspürten Erderschütterungen, nach welchen die Nacht von Dienstag auf Miliwoch eine wahre Schreckensnacht für die dorügen Bewohner gewesen, indem die Erdstöße so stark waren, daß Niemand die Nacht im Hause zuzu bringen wagte. Von dort kommenden Augenzeugen schildern die Lage als eine grausenerregende, so daß selbst die besonnen sten und ernstesten Männer sich nicht zu rathen wußten. Die Bewohner Großgeraus, von denen schon zuver Viele nach Darmstadt und Moinz geflüchtet waren, brachten diese Nacht trotz des orkanartigen Sturmes, theils auf dem Felde, theils auf offenen Plätzen zu, wo man sich durch Tücher und Stroh einigermaßen zu schützen suchte. Die Erderschütterungen wurden zu jeder Tageszeit und bei der verschiedenarligsten Witierung verspürt und will man in Großgerau sast 400 Erdstöße beobachtet haben.

Dresden. Infolge des Sturmes, den wir seit dem 2. d. bier haben, ist ein großer, dem Museum zugewen deter Mauertheil der Hosftheaterruine zusammengestürzt.

Auszug aus dem Sitzungsprotokoll des Lokalgewerb- vertins für Friedberg und die Umgegend vom 30. October 1869.

Der zweite und weitaus wichligste Gegenstand der Tagesordnung, die Frage über die Fortdauer der von dem Verein gegründeten Schulen, wurde einer eingehenden Be rathung unterzogen, welche zu folgendem Resultale führte:

In Erwägung, daß Bildung der Grund ist, worauf die Existenz und das Glück des Einzelnen, wie der Ge sammtheit beruht, und darum das Streben nach derselben alle Schichten der menschlichen Gesellschaft durchdringt; in Erwägung, daß der größte Theil der in der Schule ee langten Kenntnisse ohne Fortbildung verloren geh, und das Lernen für die geschäftliche Thätigkeit erst nach der elementaren Grundlegung und mit dem rechten Erwachen des Verstandes beginnen kann; in Erwägung, daß eine andere Gelegenheit zu diesem Zweck neben praktischer Eu lernung des Gewerbes für hiesige Stadt und Umgegend nicht gebolen ist, in Etzvägung ferner, daß die für das männliche Geschlecht errichtete Schule während ihres zwei undzwanzis jährigen Bestehens ihrer Bestimmung in einem Grade entsprochen hat, daß ihrer Wirksamkeit von der Centralstelle des Gewerbvereins zu Darmstadt infolge der eingesandten Arbeiten siets Anerkennung und Lob zu Theil wurde, und diejenigen ihrer entlassenen Schüler, welche dieselbe längere Zeit besucht haben, tüchtige Arbeiter nicht nur, sondern auch solche Geschäftsführer und(Bau-) Auf seher, wie auch selbstständige Geschäftsleute von mittlerem und böherem Gade wurden, ohne anderes Kapital als ihre persönliche Tüchtigkeit besessen zu haben, und endlich mehrere beim Militär vor andern, sogar solchen, welche

höhere Bildungsanstalten besucht hatten, bevorzugt werben; in Erwägung alles dessen wird beschlossen, mit allen ben Verein sich darbietenden Minieln dahin zu wirken, daß diese Schule in ihrem Forlibestehen keine Unterbrechung erleide, eine Gefahr, welche ihr dadurch droht, daß di Zahl der Schüler und ihre Tüchtigkett, welche aus an, dauerrdem Schulbesuch hervorgeht, durch die Abschasfung der Meisterprüfungen in den letzten Jahren bedeuten! abgenommen hat, und demzufolge die Unterstützung vom Laudesgewerbverein sich verringern, ja ganz zurückgezogen werden könnte.

In Berücksichtigung aller dieser Punkte beschließt h Versammlung weiter: Eltern und Lehrmeister in ihren, eigenen Inleresse und dem ihrer Kinder und Lehrling, darauf aufmerksam zu machen, wie wichtig und vo welch unberechenbaren Folgen der rechtzeitigz regelmäßige und ausdauernde Besuch eine sich bewährenden Anstalt für den Handwerker nicht nur, sondern für jeden sei, welcher sein erlangte Schulbilduung erhalten und erwei⸗ tern will, um ausgerüstet zu sein für die Wechselfäll, des Lebens, die, wir wissen nicht wann und wie, kom men können.

Auch die Schule für erwachsene Mädchen, deren Leistungen während ihres kurzen Bestehens recht anerkennenswatz sind soll hierbei nicht ausgeschlossen sein. 5

Enelich wird beschlossen, eine Aufforderung zum Cin tritt in den Gewerbverein an die Bewohner Friedbergs und der Umgegend ergehen zu lassen, um dadurch den Haupizweck des Vereins, Unterhaltung der beiden Schulen zu fördern; indem von dem jährlichen Beitrag von 1 f. 36 kr., nur die 36 kr. für den Bezug des Gewerbeblasteg an die Centralstelle entrichtet werden, der 1 fl. aber dem Lokalverein verbleibt, welcher dadurch in den Stand gesetzl wird, die Schulen zu unterstützen.

Sagen aus der Wetterau. Von Heinrich Hensler.

6. Sage von der Hunenburg bei Putzbach.

Bald bei dem Austritte aus dem nördlichen Lahnthore von Butzbach, geht ein schmaler Weg von der nach Gießen führenden Chaussee links ab, welche der Heunen- oder Hunenburg⸗ pfad heißt, und führt, nach etlichen hundert Schritten, zu einem flachen von Westen nach Osten sich neigenden Felde, welches den Namen Hunen; burgfeld führt, von welchem ein Theil die Heun⸗ oder Hunenburg genannt wird. Ez waren da noch vor hundert Jahren die Mauer reste der Burg zu sehen.

Dort finden sich noch viele Schätze unter der Erde und seit vielen, tausend Jahren liegt Weln in den Kellern in seiner eigenen Haut. In be- stimmten Nächten sieht man Feuer oder einzelge Flämmchen und das ist der Ort, wo die Schätze vergraben liegen, noch bis zur Stunde hörn man von keinem Versuche, der gemacht worden. ist, diese Schätze zu heben, jedenfalls ist groß, Vorsicht dabei nöthig, und es darf kein Won dabei gesprochen werden. ü

Da wo noch Spuren des Mauerwerks gefun den werden, an dem Distrikte, welcher Harther heißt, winkte einst bei hellem Tage eine weiß gekleidete Frau einem Mädchen, welches in dei. Nähe arbeitete; das erschrack aber und liess nach Hause. Ihr Bruder eilte dann zur Stellt: wo das geschehen, er sah aber die Frau nicht mehr.

Etwa 600 Schritte von dem oben erwähntem Wege entfernt ist ein unterirdisches Gemach im einer ziemlichen Tiefe mit einem Eingange zu sehen. Da stieg einmal vor Jahren ein Knecht hinunter um seine Mütze zu holen, welche ein Windstof hinabgejagt hatte. Er sah auf der hinteren Wand eine eiserne Thüre geöffnet und sah durch dieselbt in ein hell erleuchtetes Gemach, wo mehrere Kisten standen und allerlei schöne Sachen auf der Erde lagen. Es war ihm sofort klar, daß dieses Ge mach von Geistern bewohnt sei, er hatte nicht den Muth hinein zu gehen, denn es übersiel ihn eine große Angst. In größter Eile stieg er wiedet binauf in das Freie, schnitt seinen Pferden die Stränge ab, sprengte nach Hause und erzählte seinem Herrn, was er gesehen hatte. Es überfiel ihn ein heftiger Fieberschauer und er mußte mehrere Wochen zu Bette liegen.

Einige beherzte Männer gingen noch an dem selben Tage an die bezeichnete Stelle und stiegen in das Gemach hinab; sie sahen aber die eisern. Thüre nicht, und vergebens schlugen sie mit Hacken und Spaten, die sie mitgebracht hatten, ringsum an die Wand, die aus hartem Gesteine bestebl und nirgends hohl klingt.

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