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Reichs ⸗Kriegsminister Kuhn von der Bewilligung der Gagterböhung sein Verbleiben im Naß ängig macht.

N 7 In Triest haben sich in der Nähe des Kapuzinerklosters Arbeiter zusammengerottet, welche den drohenden RufRieder mit den Mönchen vernehmen ließen. Das Kloster war jedoch durch Polizei und Militär gedeckt, da die Behörden von dem Vorhaben in Kenntniß gesetzt waren.

Krakau. Bei der vorgenommenen gericht⸗ ichen Untersuchung des Carmeliterinnenklosters wurde den Eintretenden der Anblick von Ein- richtungen zu Theil, wie man sie nur im tiefsten Mittelalter zu Gesicht bekommen konnte. Im Refektorium befindet sich auf dem Tisch ein Men⸗ schenschädel zur besonderen Zier und Erbauung der Nonnen angebracht. Rechts von dieser Räum lichkeit ist das Bußzimmer, ein förmliches Museum won Marter⸗ und Folterwerkzeugen. Vor Allem nud da zwei schwere Kreuze, welche die Büßerinnen auf dem Rücken tragen müssen. Die Kreuze sind aus schwerem Holz und wiegen 80 Pfund. Da hängen ferner zwei schwere Marmiorsteine an langen Riemen, welche gegen die Brust der Sünderin geschwungen werden. Hierauf kommen einige Dornenkronen, welche man der Sünderin aufs Haupt drückt. Sämmtliche Dornenkronen sind mit langen, scharfen Nägeln bewaffnet. Der weitere Theil der Folterkammer wies lange und schmale Gürtel auf, welche sämmtlich mit einer Unzahl von Nadeln und Nägeln bewaffnet sind. Diese Güctel müssen in den nackten Leib der Sünderin eingeschnallt werden. Ferner sieht man da é mehrgeschwänzte Knuten, mit welchen die Nonnen im Falle der Widerspenstigkeit gepeitscht werden. In der Klosterkirche selbst befinden sich wier Särge mit eingedörrten Leichen. Die Särge bieten ihren Inhalt Jedermann zur Einsicht dar, ändem sie statt der Deckel Glasscheiben haben. In dem ersten Klostersaal steht wieder ein Sarg, ungeblich mit den Gebeinen des gebenedeiten Michael, des Begründers des Klosters; in dem zweiten Zimmer lagen witder drei eingetrocknete Leichen, von denen zwei noch ganz wohl conser⸗ wirt sind. In den Klosterkellern thürmt sich eine Menge von Särgen von dem Boden bis an das Gewölbe hinauf. In einem dieser Särge, der ich durch seine riesige Größe vor allen andern hervorthut, erblickte man eine ungewöhnlich große männliche Leiche ohne Kopf. Das ist die wesent⸗ lichste Ausbeute der Untersuchungscommission.

Frankreich. Paris. DerRappel ent- hält einen Aufsatz unter dem Titel:Was das persönliche Regiment kostet. Er gibt darin eine Zusammenstellung von Zahlen die nicht uninteressant erscheint. Im Jahre 1850 betrug das Budget aum 1500 Millionen, heute beträgt es etwa 2 Milliarden 400 Millionen, d. h. also neun⸗ hundert Millionen mehr als vor 18 Jahren. Wie vertheilt sich dieser Ueberschuß? Auf das Ministerium des öffentlichen Unterrichts kommt ein Plus von nicht viel mehr als 13 Millionen; auf die öffentlichen Arbeiten ein Plus von nur 6 Mill. Diese nützlichsten Ausgaben nehmen von jenen 900 Millionen kaum 19 Millionen fort. Dagegen bezieht das kaiserliche Haus jetzt über 35 Mill. während es im Jahre 1850 nicht existirte. Hier⸗ chei sind die 40 und einige Millionen Dotationen ffür die kaiserliche Familie und die Prinzen selbst⸗ werständlich nicht mit einbegriffen. Das Mini- sterium des Innern(Kapitol der Präfekten und Feldhüter) kostet jetzt über 232 Millionen, d. h. 96 Millionen mehr als 1850. Das Finanz- Ministerium zeigt ein Mehr von 303 Millionen. Das Kriegsministerium und die Marine verschlin⸗ gen 652 Millionen, d. h. ein Plus von 209 Mill. J. s. w. Solchergestalt, daß das Finanzministe- rium unter dem Kaiserreich z. B. für sich allein mit 997 Millionen) das ganze Budget, wie es dor 40 Jahren bestand, aufwiegt; daß die Finanzen, die Armee und die Marine zusammen 162 Mill. mehr kosten als sämmtliche Ministerien im Jahre 1853 und ungefähr 200 Millionen mehr als ämmtliche Ministerien unter der Republik. Im Jahre 1851 kamen auf den Kopf der Bevölkerung 40 Franken Steuern, unter dem Kaiserreich 60

Franken; die Bevölkerung hat sich, um ½6, das Budget um ½ vermehrt.

Der Inhalt des Senatusconsults ist im Wesentlichen folgender: Der Kaiser und der gesetz gebende Körper haben die Initiative in Bezug auf die Gesetze. Die Minister härgen nur vom Kaiser ab, sind verantworklich, können aber nur durch den Senat in Anklagezustand versetzt werden. Die Minister können sowohl Senatoren als De⸗ putirte sein. Als Minister haben sie das Recht des Zutritts zu jeder Kammer. Die Sitzungen des Senats sind öffentlich. Der Senat kann die Modifikationen andeuten, welche ein Gesetz erfah- ren soll, und dasselbe behufs neuer Berathung dem gesetzgebenden Körper zurückschicken. Derselbe kann durch motivirte Resolution die Promulgation eines Gesetzes hindern. Der gesetzgebende Körper wählt sein Bureau und entwirft sein Reglement Der Senat wie der gesetzgebende Körper haben das Recht, die Regierung zu interpelliren, beide Körper können motivirte Tagesordnungen beschließen. Bevor ein Amendement zur Berathung kommen kann, muß es an eine Commission verwiesen und der Regierung mitgetheilt werden. Wenn die Regierung das Amendement nicht gut heißt, steht dem gesetzgebenden Körper die endgültige Ent scheidung zu. Das Ausgabebudget wird capitel- weise votirt. Veränderungen des Zolltarifs können nur durch ein Gesetz erfolgen. Bei Gelegen- heit der Vorlage dieses Senatusconsults im Senate sagte Roͤuher: Kein Souverän habe es besser verstanden, der öffentlichen Meinung zu folgen, als der Kaiser Napoleon. Rouher machte ferner darauf aufmerksam, wie das Reich der Autorität fortwährend in einer Umwandlung zum liberalen Kaiserreich begriffen sei. Nach den Worten des Kaisers sei das Kaiserreich volksthümlich genug, um sich mit der Freiheit vertragen zu können, und stark genug, um die Freiheit vor der Anarchie zu bewahren.

Großbritannien. London. Gerücht⸗ weise hört man von einem Abkommen zwischen Spanien und Cuba. Danach würde Letzteres gegen eine Entschädigung von 100 Mill. Dollars, wofür die Vereinigten Staaten die Garantie über- nehmen sollen, seine Unabhängigkeit erhalten.

Die Krakauer Klostergeschichte macht in den Leitartikelspalten der Londoner Blätter die Runde. DieTimes erklärt mit Befriedigung, diese Schauergeschichte werde mithelfen, die Ab⸗ schaffung der kirchlichen Privilegien zu bewirken, welche es religiösen Genossenschaften, besonders in Oesterreich, möglich gemacht, sich fast vollständige Unabhängigkeit von der weltlichen Macht zu er⸗ obern. Glücllicherweise eien liberale Ideen in Oesterreich soweit durchgedrungen, daß weder Staatsmänner noch Volk in der Laune stien, sich von der Kirche beherrschen zu lassen, und dieser Vorfall werde wahrscheinlich nicht dazu beitragen, sie in ihrem Entschlusse wankend zu machen. Wenn geistliche Orden beibehalten werden sollen, so müsse man ihre Gebäude der Inspektion des Staates unterwerfen und ihre Regeln und Be- stimmungen denen det Stages anpassen. Diese Lehre habe man sich selbst in. Italien und Spa nien zu Herzen genommen und Oesterreich werde wohl nicht lange aißf sich warten lassen und diesen Beispielen folgen. 4

Spanien. Madrid. Das Gerücht von der Zunahme der carlistischen Bewegung wird offiziell dementirt. DieGazeta sagt in dieser Beziehung: die aufrührerischen Haufen in der Manchg werden lebhaft verfolgt; in der Provinz Llone sind zwei neue Banden signalisirt, ander- wärts herrscht Ruhe. Ein Rundschreiben des Staatsminssters an die diplomalischen Agenten sagt, daß die Regierung die Pflicht habe, den anarchischen Geist zu unterdrücken.

Amerika. Newyork. Hiesige Blätter melden, einflußreiche Congreßmitglieverx bereiteten eine Bill vor, welche die Besteuerung der Coupons von in Europa befindlichen Bonds beantrage.

* Friedberg. Abermals haben wir ein erschültern⸗ des Erelgniß zi verzeichnen, welches sich am 2. de gegen Abend im hiesigen Bahnhose zutrug. Die mit Verladen

von Eisensteinen beschäftigten Arbeiter waren eben im Be⸗ griffe ihr mühevolles Tagewerk zu beschließen und wollen

nut noch die belabenen Wagen aneinanderhängen, als bel diesem Zusammenschieben einer der Arbeiter, Justus Seifert güs Oberwöllstabt, das Unglück hatte, zwischen die Puffer zweier Wagen zu gerathen und so in jämmerlicher Weise zerdrückt und augenblicklich getödtet zu werben. Seine Kameraden merkten erst, was geschehen war, als der Unglückliche zwischen den Wagen heraus zur Erde fiel. Alsbald zur Stelle gerufene ärztliche Hülfe konnte nichts mehr nützen. Seifert, welcher als ein braver fleißiger Mann geschildert wird, hinterläßt ein Weib und zwei Kin⸗ der in dürftigen Verhältnissen. Diese sehen sich ganz un⸗ erwartet ihres Ernährers durch einen plötzlichen und schreck⸗ lichen Tod beraubt und blicken mit Besorgniß in die Zu kunft. Man kann sich leicht denken, welcher Jammer von Weib und Kindern die kleine Wohnung erfüllte, als man ihnen die Schreckensnachricht überbrachte. Wie wir hören, ist von mebreren Menschenfreunden dahier eine Sammlung füt die Hinterbliebenen veraustaltet worden, welcher der beste Erfolg zu wünschen ist.

Aus der Wetterau. Die heftigen Regengüsse am verflossenen Samstag und Sonntag haben auch bei uns, und namentlich in den Niederungen am Hausberge, einigen Schaden angerichtet, so namentlich in den Gemar⸗ kungen von Fauerbach v. d. H. und Hochweisel u, a. O. Doch ist der Schaden nirgends beträchtlich und läßt sich leicht vergessen im Hinblick auf den wohlthäligen lange ersehnten Regen, der unsern Feldern so sehr Noth gethan.

Schlitz. DenHess. Volkotl. wird von hier ge⸗ meldet: Vor circa 14 Tagen ist in der Nähe hiesiger Stadt, in einem kleinen Säckchen von ungebleichtem Leinen, in welchem sich noch drei 22½ Pfd. schwere Sand⸗ steine befanden, die Leiche eines neugeborenen Kindes männlichen Geschlechtes gefunden worden, die eiwa schon 4 Wochen im Wasser gelegen haben konnte. Der Schädel war vollständig zerspliitert und um den Hals ein Stroh⸗ seil fesigeschlungen; der Sack, in welchem sich einige kleine Stückchen Steinkohlen fanden, war ohne jedes Zeichen und mit einem blau linenen Schärzenbändel mit Enden von grauer braun gestreifter Schnur zugebunden. Ueber die Mutter fehlen dis jetzt noch alle weiteren Anhalts⸗ punkie, doch wird es hoffentlich der Behörde gelingen, da hier offendar ein Verbrechen vorliegt, die Urheberin des⸗ selben zu ermitteln.

Mainz. Am 31. Juli, Nachmittags gegen 3 Uhr, zogen aus Westen schwere Gewitterwolken über das Taunusgebirge und zu gleicher Zeit entwickelten sich solche Wolken in SW'ö über det Stadt Mainz. Beide Wetter entleerten sich mit wolkenbruchähr lichem Regen gegen 4 Uyr über Mainz mit nem furchlbaren Hagelschlag. Die Hagelkörner von Zoll Dicke waren die größten, die seit 50 Jahren hier beobachtet wurden. Viele Fenster und Oberlichter, Aleliers von Photographen und Scheiben von Treibbäusern wurden zertrümmert.

Heidelberg. Bei der 25 jährigen Slüftungsfeier des hiesigen Siudenten⸗CorpsRhenania befand sich unter den ehemaligen Corpeburschen auch ein preußischer Offizier d. aus Köln. Während dieser am Ende des Zuges rut

ig in der Reihe dahinschreitet, stürzt sich plötzlich mit cinem

Sprunge ein Mensch auf ihn, versetzt ihm einen tiefen Stich in den Hals und verschwindet unter der Menge, ehe sie nur recht weiß, was geschehen ist. Niemand hat ihn erkannt und dis jetzt weiß Niemand, wohin er ge⸗ kommen ist. Der Verwundete wurde sogleich in das academische Hospital gebracht. Die räthselhafte verbreche⸗ rische That beschäftigt natürlich die ganze Stadt im höoͤchsten Grade, aber dis jetzt hat noch Niemand den geringsten Aufschluß zu geben vermocht.

Baden-Baden. Eine Pariserin, die sich gegen⸗ wärtig hier zur Kur aufhält, macht viel von sich reden. Die Dame ist eine reizende junge Wiuwe und cxecutitt während ihrer häufigen a in der reizenden vichtenthaler Allee tagiäglich die elstaunlichsten Toilette⸗ vatialionen auf der Trauersaile. Man sieht, es ist ihr Einst mit der Trauer. Neulich nun näherte sie sich in Begleitung einer Freundin dem Roulettelische. Sie zog einen Louis und wollte ihn eben auf Roth setzen, ais sie plötzlich, wie von einem schmerzlichen Gewissensbiß gebin⸗ dert, innehielt und sich zu ihrer Genossin wendend, in er⸗ greisendem Tone sagte:Nein, meine Theure, auf Schwarz!... Es ist ja erst so kuize Zeil ber, daß ich Alfced verloren habe.

Basel. Am 31. Juli enilud sich dahier ein Gewitter mit einem großem Hagel untermischt, mit solcher Hestig⸗ keit, daß nach einer Richtung bin fast kein Daus von Zerstörung der Fenserscheiben verschont lieb. Auf den deiden Bahnhöfen sind nach der Wellerseite sämmtliche Fenster, Oberlichter und Gasbedachungen vollständig zer⸗ nümmert worden.

Aus der Schweiz. Einer der tüchtigsten Alpen⸗ elubisten, der Engländer, Pfarrer Elliot, ist, vom Schreck⸗

orn mit zwer Walliser Führern zurückkebrend, verunglückt.

Rach Aussage der Fübrer soll er sich entschieden geweigert haben, das Seil an sich vefestigen zu lassen, und alle Vor⸗ sicht und Mahnung nicht beachtet haben. Er stütze von einer ste len Felswand von meht als 7000 Fuß in die Tiefe und wurde als eine sormlose Masse gefunden und nach Interlaken gebracht.

Jür die Willwe und Kinder des im hiesigen Bahnhöfe verunglückten Justus Seifert von Oberwöllstadt gingen uns solgende Gaben zu: Mina S. 2 fl., aus H's. Sparbüchse 30 kr., zusammen 2 fl. 30 kr. Gerne enisprechen wir der an uns gerichteten Bitte, zur Entgegennahme weiterer Gaben bereit zu sein. Die Expedition.

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