geständniß
ergibt Bewilligung von 40,000 fl. statt der gefor- derten 40,000 fl.„
— Für Errichtung eines landwirihschaftlichen Lehrstuhles auf der Landesuniversität fordert die Regierung 2800 fl. und will die Majorität des Finanzausschusses diese Summe auch bewilligen, die Moritat dagegen, aus den Abgeordneten Dumont, Kraft und Wernher bestehend, hält einen derartigen Lehrstuhl, wenn er nicht mit einer Gutswirthschaft verbunden sei, für zweck⸗ los und beantragt Ablehnung.“
* Friedberg. Unsere Stadt hat, wie uns mitgetheilt wird, für den 19. und 20. d. M. die Einquartierung des 11. preußischen Artillerie⸗ Regiments zu erwarten. Dasselbe trifft von Hungen kommend am 19. hier ein, hat am 20. Ruhetag und setzt am 21. seinen Marsch nach Homburg fort. Auch mehrere Orte der Umgegend wie Södel, Dorheim und Oberrosbach sowie auf einer andern Marschroute Ostheim und Obermörlen werden gleichzeitig Einquartierung erhalten.
„ Nauheim. S. K. H. der Großherzog besuchte am 3. d. unseren Badeort. Derselbe sprach sich sehr befriedigt über die zweckmäßige und schöne Einrichtung des neuen Vadehauses und besonders beifällig über unsere reizenden, in herrlichster Blüthe stehenden Parkanlagen aus. Sichtlich erfreut schien der Landesfürst zu sein, als sokort nach dessen ganz unerwarteter Ankunft die Häuser des neuen Stadttheiles sich mit den hessischen Farben schmücklen. Nauheim soll über⸗ haupt einen so freundlichen Eindruck auf S. K. H. gemacht haben, daß wir hoffen dürfen, unseren Wunsch eines öfteren und längeren Besuchs in Erfüllung gehen zu sehen.
Mainz. Mit der im August hier stattfin⸗ denden Generalversammlung des Landesgewerbe⸗ Vereins wird eine Ausstellung hiesiger Gewerbs⸗ produkte veranstaltet werden, wozu der zahlreichen Betheiligung wegen die Fruchthalle benutzt werden soll. Ob auch Produkte unselbständiger Arbeiter zugelassen werden sollen, scheint noch in Frage zu sein. Erfolg⸗ und lehrreich wäre ein solches Zu⸗ an die produecirenden Kräfte Ein- zelner gewiß.
Preußen. Berlin, 1. Juni. Der Reichs- tag hat die Gesetzesvorlage über die Braumalz— steuer mit 152 gegen 48 Stimmen abgelehnt und den Bericht der Bundesschuldencommission erledigt.
— 2. Juni. In der heutigen Reichstags- sitzung wurde der Antrag von Wiggers, die Gleichberechtigung der Confessionen in bürgerlicher und staatsbürgerlicher Beziehung betreffend, an⸗ genommen. Der Bundescommissär erklärte, der Ausschuß des Bundesraths habe einen mit dem Antrage im Wesentlichen übereinstimmenden Bericht erstattet. In der zweiten Berathung des Gesetz⸗ entwurfs, die Berichtigung des Staatshaushalt etats des norddeutschen Bundes für 1868 betr., wird der Commissionsantrag, wonach die Matri⸗ cularbeiträge für 1868 auf 22,483,431 Thlr. festgestellt und Rechnungsbelegung vorbehalten wird, von der Versammlung genehmigt. In der zweiten Berathung des Antrags von Kratz wegen Ent⸗ schädigung für die durch die Festungsrayonbestim mungen hervorgerufenen Beschränkungen des Grundeigenthums wird derselbe abgelehnt. Ein Commissionsantrag, welcher den Bundeskanzler aufforderte, in nächster Session eine diesen Gegen⸗ stand betreffende Gesetzvorlage zu machen, wird angenommen. Ein Antrag Braun's(Hersfeld) wegen Erlasses von Normativbestimmungen über die Ausgabe von Staatscassenscheinen der nord- deutschen Bundesstaaten wird angenommen. Bei der zweiten Berathun, über die Abschnitte 2 und 3 des Gesetzentwurfs, die Gewährung von Rechts- hülfe betreffend, werden die Vorschläge der Com⸗ mission mit unwesentlichen Modificationen an⸗ genommen. Eben so wird der Antrag Hacke's, den Bundeskanzler aufzufordern, geeignete Schritte zur Herbtiführung des Abschlusses von Jurisdiec⸗ tionsverträgen mit den süddeutschen Staaten zu thun, genehmigt.
— 3. Juni. Der Reichstag nahm trotz des Einspruchs des hessischen Bundestommissärs Hoff. mann den Antrag Solms-Laubach auf Einführung
1
des Braumalzsteuergesetzes vom 4. Juni 1868 in
dem großh. hessischen Bundesgebiete vom 1. Oct.
1869 ab, an. Ferner wurde ohne Debatte in 7 7 und zweiter Lesung der Militärfreizügegkeits⸗ antrag mit Baden angenommen. Bennigsen be⸗
grüßte denselben als ein Zeichen der nationalen
Gesinnung Badens, die sich auch in der Zuschrift des Großherzogs an seinen Minister anläßlich der Offenburger Adresse kundgethan habe. Bennigsen hofft, daß das entschlossene Vorgehen Badens dazu dienen werde, auch in den übrigen Südstaaten die nationalen Elemente zu stärken.
— Die zweite Session des Zollparlaments wurde im Auftrage des Königs und im Namen der verbündeten Regierungen am 3. Juni in An- wesenheit von etwa 150 Abgeordneten durch den Präsidenten Dellbrück mit Verlesen einer Thronrede von rein geschäftlichem Inhalte eröffnet.
— Das neuliche Auftreten des hess. Bundes⸗ Bevollmächtigten Hoffmann bei Berathung des Gesetzes über Befreiung des Militärs von Com- munalsteuern hal in den regierungsfreundlichen Kreisen eine gewisse Mißstimmung hervorgerufen, welcher verschiedene Blätter und namentlich die „Spener'sche Zeitung“ Ausdruck gegeben haben. Auf den Artikel der genannten Zeitung antwor⸗ tet nun der Bundesbevollmächtigte in einer län⸗ geren Auseinandersetzung, in welcher es heißt: „Der erwähnte Artikel legt meinem Verhalten Absichten und Beweggründe unter, die mir voll. kommen fremd sind. Der Beifall, mit welchem meine Bemerkungen theilweise von einzelnen Ab- geordneten auf der linken Seite des Hauses auf⸗ genommen worden sind, was von mir nicht gesucht; er war mir nicht einmal erwünscht.(1?) Die Vermuthung, daß mein Auftreten der Anfang eines systematischen Zusammengehens der hessischen Regierung mit oppositionellen Elementen des Reichs⸗ tags sei, entbehrt allet und jeder Begründung.“
— Die Organe der Regierung sind unter dem Eindrucke der Vorgänge im Reichstage gar nicht gut auf diesen zu sprechen.„Kreuzzeitung“ und „Norddeutsche Allgemeine“ geben ihrer üblen Laune unverhohlen Ausdruck, die erstere, indem sie nicht bloß gegen die Majorität des Reichstags, sondern gegen die norddeutsche Bundesverfassung selbst polemisirt. Sie sieht darin ein„Versuchs- feld für alle möglichen liberalen Tendenzen“, gegen die Preußen durch die conservativen Cautelen in seiner Verfassung gesichert sei, und fürchtet bereits die aus der Bundesgesetzgebung hervorbrechende Sündfluth, welche die conservativen Grundlagen des preußischen Staates wegschwemmen werde. Das schroffe Verhalten des Reichstags in Steuer⸗ fragen zeige deutlich das Streben nach parlamen⸗ tarischer Machterweiterung. Auch über das Ge⸗ werbegesetz ist das feudale Blatt sehr ungehalten. In der„nivellirenden“ Grundrichtung drsselben sieht die„Kreuzzeitung“ die„Auflösung fast jeden geordneten Autoritäts- und Pietätsverhältnisses“ auf dem gewerblichen Gebiete— den Uebergang zu amerikanischen Zuständen; dies verdanke man dem„Wetteifer der liberalen Ideen“ bei den Reichstagsverhandlungen(1) u. s. w.
Bremen. Aus dem Jahresbericht des Ausschusses der deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger vom Jahre 1868 ist zu entnehmen, daß die Ausgaben im Ganzen 46,115 Thaler beirugen, während die Einnahmen sich beliefen: einmalige Gaben 12,082 Thlr., Jahresbeiträge und Zinsen 21,601 Thlr. Die Bilanz balancirt mit 94,522 Thlr.
Baden. Karlsruhe. Der„Karlsr. Z.“ zufolge hat der Großherzog beschlossen, der in den Adressen der ulttamontanen Partei gestellten Bitte um Auflösung der Ständeversammlung und Ein- berufung eines außerordentlichen Landtags keine Folge zu geben.
Frankreich. Paris. Der Kampf bei den zweiten Wahlen wird in Paris nicht minder leb⸗ haft werden, als bei den ersten. Die Aussichten haben sich für Jules Favre gebessert. Die Arbeiter stehen nach wie vor auf Seiten Rochefort's, und es ist nicht unwahrscheinlich, daß dieser schließlich doch den Sieg davonträgt. Ein Gleiches gilt von Raspail, der Granier-Pages auch diesmal
überflügeln dürfte. Dagegen hat Hert d Alon l off iu. seiner. Wahl
nur
durchzudringen, und jene von gesichert me Die Wahlversa un geschof 1 8
— die Regierung soll entse
Rochefort, falls derselbe in 8 zum Noa nach ankreich
3 würde, sowie er den französischen Boden betritt, auf Grund der gegen ihn vorliegenden 11 kräftigen Verurtheilungen zu verhaften, da sie der Ansicht ist, daß die verfassungsmäßige Unverletz lichkeit der Abgeordneten sich lediglich auf die⸗ jenigen slrasbaren Handlungen erstrecke, welche sie während der Dauer ihres Mandats begehen könnten. Die Verhaftung des unter so merk⸗
würdigen Umständen zurückkehrenden Flüchtlings
würde indeß, wie man meint, die Möglichkeit nicht ausschließen, daß der Kaiser ihn einige Tage später begnadigte; die Regierung legt nur Gewicht darauf, dem ersten Falle eines Conflikts mit den „Unversöhnlichen“ nicht aus dem Wege zu gehen.
— Der„Figaro“ spricht die Vermuthun aus, daß Gambetta, Bancel, Raspail und die anderen„Unversöhnlichen“, da sie alle seit dem 2. Dezember 1851 erfolgten Regierungsakte und
namentlich auch das Budget für ungesetzlich halten, ö
folgerichtig die 12,500 Fres., welche jährlich jedem Abgeordneten als Diäten zugewiesen sind, ablehnen werden. 9
— Die Regierung gibt selbst 26 entschiedene Oppositions-⸗Wahlen zu. In 58 Bezirken finden am 6. Juni Nachwahlen statt. Da aber die Re⸗ gierung meist nur durch einen Candidaten vertreten war und die Zersplitterung zwischen der Oppo⸗ sition statt hatte, so werden die meisten Nachwahlen zu Gunsten dieser letzteren ausfallen. Man rechnet auf mindestens 45 Stimmen,— macht schon 71. — Eine allgemeine Zusammenstellung aller in ganz Frankreich abgegebenen Stimmen ergibt bis jetzt nur 4,477,720 Regierungs- gegen 3.258,777 Oppositions⸗Stimmen. Dies Ergebniß ist ziemlich weit entfernt von den 10 Millionen ehemaliger Stimmen für's Kaiserreich.
Spauien. Madrid. Cortes. Die Ver fassung wurde in ihrer Gesammtheit mit 214 gegen 55 Stimmen angenommen. Die Republi⸗ kaner hatten vor der Absßimmung das Versprechen gegeben, den Beschluß zu respektiren. Die der absolutistischen Partei angehörigen Abgeordneten enthielten sich der Abstimmung.— Man versichert, daß die Einsetzung einer Regentschaft schleunigst statifinden werde. f 8 8
— Der„Imparcial“ gibt unter allem Vor⸗ behalt, nach der„Politica“, folgende Liste des neuen Cabinets als die wahrscheinlichste: General Prim, Ministerpräsident und Kriegsminister; Hr. Salustians de Olozaga oder Hr. Vega-Armijo, Staatsminister; Admiral Toptte, Marine; Herr Rios Rosas, Justiz; Hr. Santa- Cruz oder Hr. Madoz, Finanzen; Hr. Rivero, Inneres; Herr Echegaroy, Fomento; Hr. Ulloa, Colonialminister.
Amerika. Von Newyork scheeibt man über die Ereignisse in Paraguay, Lopez stehe allerdings wieder mit 9000 Mann und 40 Ka⸗ nonen in fester Stellung verschanzt und sehe dem Angriffe der Brasilianer entgegen. Dabei sollen die Paraguiten wieder bei mehreren Gelegenheiten die Offensive ergriffen und die frühere glänzende Tapferkeit bewiesen haben.
» Frankfurt. Kommenden Montag wird sich der land wirihschaftliche Monatsefub im„Hotel Drexel“ zur Besprechung sachlicher Gegeustände, und zwar über den Ersatz des phosphorsauren Kalkes im Feldbau durch Düngung mit rohen Knochenerden, versammeln.
Frankfurt. Bei der von der hiesigen Strafkammer erfolgten Verurtheilung eines fliegenden Buchhändlers aus Ems, welcher einem anderen Buchhändler aus Bockenheim 20 fl. unterschlug, machte derselbe eine schreckliche Schilderung von dem Leben eines Colporteurs, die sich in die Worte gipfelte:„Herr Gerichtsrath! Wenn es so fortgeht, so werden Sie noch mehr Colporteurs bekommen, denn unsere Lage hat nur die einzige Alternative:„entweder betteln oder stehlen!“
Frankfurt. Am Abend des 2. d. stieß der um 10 Uhr 20 Min. Abends von Hanau hier eintreffende Zug bei der Einfahrt in hiesigen Bahnhof auf einen im Ran⸗ gieren begriffenen Güterzug. Ein Postbeamter und drei Eisenbahnbedienstete erhielten leichte Beschädigungen.
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