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Hessen. Darmstadt. Die 2. Kammer der Stände wird zur alsbaldigen Berathung des von der Regierung vorgelegten Militärpensions- gesetzes in 14 Tagen wieder zusammentreten. Boraussichtlich werden nur wenige Sitzungen stattfinden und die Kammer sich dann abermals vertagen.

Die mehrseitig verbreitete Nachricht, das hessische Papiergeld aus den Jahren 1848 und 1855 verliere mit diesem Jahre seine Gültigkeit, ist irrig. Bis jetzt ist der Termin noch nicht bestimmt, an welchem die Einlösung bei großh. Staats- schulden-Tilgungscasse erlöschen soll.

DasFrankf. Journ. bezeichnet die Mit⸗ theilung mehrerer Blätter, daß die Anlegung des Bahnhofs der Ludwigsbahn-Gesellschaft für deren bestehende und im Bau begriffene Linien in einer vergleichsweise beträchtlichen Entfernung von dem Main⸗Necker⸗Bahnbof dahier beschlossene Sache sei, als unrichtig. Die Frage sei nochmals dem Mini- sterium des Innern zur Berathung und Bericht⸗ erstattung in das Cabinet üderwiesen worden.

Durch Aller höchstes Dekret vom 23. Dec. wurde Chemiker Dr. Wilhelm Hallwachs von hier zum außerordentlichen pharmaceutischen Mit⸗ gliede bei Gr. Obermedicinal⸗ Direktion, unter Verleihung des Titels alsOber- Medicinal Assessor, ernannt und demselben die Stelle eines ständigen Commissärs für die Visitationen der Apotheken, Materalien- und Spezereihandlungen, der Essigsiedereien und Weinfabriken übertragen. Am 29. Dec. fand unter außerordentlichem Zudrang des Publikums die Verhandlung gegen Joh. Glöckner und Genossen von Nieder-Ramstadt, wegen Beleidigung des Kirchenraths Vogel durch die Presse, statt. Der Beweis der von den Be⸗ schuldigten behaupteten Thatsache, daß Vogel in der Kirche und Schule massenhaste Prügel, auch im Ornat, ausgetheilt, wurde durch eine Menge Zeugen vollständig erbracht, und es erfolgte völlige Freisprechung der Angeklagten.

» Friedberg. Der hiesige Correspondent desWett. Boten hat sich auch zum Beginne den neuen Jahres bemüßigt gefunden, uns ein Zeichen seiner liebenswürdigen Nachbar⸗Existenz zu geben. Wir sind es bereits gewohnt, von Zeit zu Zeit in vieser Weise von ihm beehrt wir wollten sagen bedacht zu werden, werden uns aber auch im neuen Jahre nicht entschließen können, bis zu dem Ton herabzusteigen, in welchem derselbe imWett. Boten verkehrt und sich so recht wohl dabei zu fühlen scheint. Wir wollen ihm seine Behaglichkeit nicht weiter stören, es wäre wahrlich auch jammerschade für Zeit und Mühe, sich auf derartige Aislassungen näher einzulassen, wenn auch mehr als anderthalb Dutzend Exem⸗ plare seines Blattes, incl Freiexemplaren, in Friedberg und nächster Umgebung gehalten werden sollten. Man merkt die Absicht des Corre spondenten und wird nicht verstimmt, sondern hat bei gut conservirtem Humor für ihn noch ein heiteres Prost Neujahr!

Preußen. Berlin. DieProv.⸗Corresp. meldet vom 30. Dec.: Frankreich hat an alle Mächte, welche den Pariser Vertrag unterzeichnet haben, auch an die Türkei und Itakien, die Ein⸗ ladung zur Conferenz erlassen, deren allseitige Annahme zweifellos i'. Die Conferenz soll sich Rausschließlich damit befassen, den gegenwärtigen

Zwist zwischen der Türkei und Griechenland zu lösen, und die sonstigen orientalischen Angeletzen⸗ deiten bei Seite lassen.

DerStaatsanzeiger publicirt ei ze Ver; ordnung vom 22. d. auf Grund des Art. 61 der Bundesacte, wonach die in Preußen über die Heranziehung der activen und nicht activen Militärpersonen und der Hinterbliebenen derselben, sowie der Militär⸗Speiseeinrichtungen und ähnlicher Anstalten zu den Communalauflagen geltenden Vorschriften im ganzen Bundesgebiete, soweit sie in demselben noch nicht Geltung haben, hiermit eingeführt werden sollen.

Oberlahnstein. Nach wiederholten Be richten, die von bier aus demRh. K. zukamen, hat der hiesige Gesellenverein mit dem kathol. Kaplan an der Spitze eine Art Schreckensherr⸗

schaft en miniature etablirt. Namentlich sind es die Mitglieder des Gewerbevereins, die seiner Fehme verfallen scheinen. Falls die Einzelheiten, die über das Treiben dieses Vereins verlauten, auf Wahrheit beruhen, ist es kaum begreiflich, wie von Seiten der Sicherheitsbehörde demselben bis jetzt kein Ziel gesetzt worden ist.

Elberfeld. Die dahier ins Leben gerufene Agitation für Beibehaltung der confessionellen Schulen hat eine Gegendemonstration hervor- gerufen, indem nun eine Adressefür confessions⸗ lose Schulen cireulirt.

Wiesbaden. Der Kursaal ist nuamehr geschlossen und damit auch demGlücksrad auf dem grünen Tische auf drei Monate Halt geboten. Bis zur letzten Stunde sind die Tische von s. g Geschaäftsspielern besetzt und man glaubt bemerkt zu haben, daß nie eine so große Anzahl dieser ständigen Kunden hier gesehen wurde, als in diesem Jahre.

Die k. Regierung hat dem Verwaltungs- rath der Hessischen Ludwigsbahn zu Mainz ge stattet, zu dem projektirten Baue einer Eisen bahn von Mainz über Wiesbaden, Schwalbach und Diez nach Betzdorf die nothigen Vorarbeiten innerhalb des hiesigen Regierungsbezirks aus- zuführen.

Oesterreich. Wien. Während aus Bukarest die Nachricht kommt, daß die rumänische Regierung die Forderung der Pforte, dem Ver treter Griechenlands in Bukarest die Pässe zuzu stellen, entschieden zurückgewiesen habe(diese Nach richt bringen die Pester Blätter), vernimmt man aus Belgrad, daß die serbische Regierung sich auf den Krieg vorbereite. Man spricht von einem Manifeste an die Stammesgenossen in Bulgarien, Bosnien, Montenegro und der Herzegowina.

Nach hiesigen Blättern sprachen sich in Belgrad wie in Bukarest die offiziösen Organe immer deutlicher für die Unterstützung der Griechen aus. DerRomanul sagt:Was gischehen soll, wird geschehen, trotz aller Beschwichtigungs versuche der Diplomatie, und wer dabei zertrüm⸗ mert werden wird, daruber kann gar kein Zweifel sein. N

Frankreich. Paris. Das Organ der kaiserlichen Regierung, der altbekannteMonteur trägt nun den Titel:Journal officiel deEmpire frangais.

DieFrance sagt in Betreff der aggres⸗ siven Sprache der preußischen und russischen Journale gegen Oesterreich: Solche Gereiziheiten gehen schnurstracks wider die gesammte Lage der Dinge und die friedlichen Absichten der Groß mächte und erscheinen folglich ebenso unzeitgemaß als unpolitisch.

DerConstitutionnel hält seine Behaup⸗ tung, daß das türkische Ultimatum auf Andringen Englands das einzige Programm der Conferenz bilden würde, aufrecht. Die Einladungen an die Türkei und Griechenland seien bereits am 29. Dezember abgegangen.

DieLiberte veröffentlicht ein aus Paris, 21. December, datirtes, an die spanische Regierung gerichtetes Schreiben des Bruders des Gemahls der Königin von Spanien, Jufanten Heinrich von Bourbon, woria er den Ehrgeiz des Herzogs von Montpensier lebhaft bekämpft, den Ruhm Washington's höher erklärt als den Cäsar's, und verlangt, als einfacher Bürger nach Spanien zurückzukehren und in die Marine wieder eingetheilt zu werden.

DasJournal officiel bestätigt, daß die Conferenz am 9. Januar zusammentreten wird.

Der Kaiser sagte am 1. Jan. in seiner Ansprache an das diplomatische Corps: Ich empfange mit Vergnügen Ihre Glückwünsche und konstatire den Geist der Versöhnlichkeit, welcher die Mächte beseelt und erlaubt, die Schwierig keiten zu ebnen, so oft sie auftauchen. Das Jahr 1869 wird, so hoffe ich, wie das Jahr 1868, die Befürchtungen beschwichtigen und den Frieden befestigen können, welcher den civilisicten Völkern

so nothwendig ist. DieAgence Havas meldet aus Madrid vom 2. d.: Gestern Morgen hat Caballero, unter-

stützt von Kriegsfahrzeugen, die Insurgenten Malaga angegriffen und Maas ge

Unter den Truppen herrscht großer Enthustasmus;

dieselben haben durch den Kampf wenig gelitten, während die Verluste der Insurgenten beträcht⸗ lich sind.

Großbritannien. London. DieTimes nimmt in ihrem Citpyartikel Veranlassung, der Nachricht zu erwähnen, daß die griechische Legis⸗ latur bedeutende Summen zu Kriegszwecken votirt. Sollte der Krieg abgewendet werden so sagt sieund die beabsichtigten enormen Ausgaben nicht erforderlich sein, wäre es wünschenswerth, daß die griechische Regierung die fraglichen Fonds zu einer Dividendenzahlung an die Besitzer ihrer Bonds verwende, die seit etwa 40 Jahren auch nicht einen Schilling erhalten haben.

Das stürmische Wetter, welches in den letzten Tagen des Jahres viel Unheil an den Küsten und auf dem flachen Lande anrichtete, dort eine lange Reibe von Schiffbrüchigen veranlaßte, hier Pflanzungen verwüstete und Gelände arg beschädigte, war schließlich in einen förmlichen Orkan umge schlagen, der die Straßen Londons beinahe un⸗ wegsam machte.

Spauien. Madrid. Im Laufe des Monats Januar werden von Cadix 10,000 Sol- daten zur Verstärkung der Garnisonen von Cuba und Portorico abgehen. 8

Es kommt die Nachricht vom 1. Januar, daß, nachdem in Malaga in den Straßen ge kämpft worden, Caballero die Ordnung wieder hergestellt bat. Zwei Bataillone Nationalgarde sind treu geblieben. Die neue Gemeindevertretung von Madrid hat Senor Ribero zum Alcalden gewählt.

DasSieele berichtet über das republi⸗ kanische Meeting, das am 28. Dec. in Madrid abgehalten wurde. Die von 6000 Personen be⸗ suchte Bersammiung sprach sich mit der ganzen Gluth spanischer Begeisterung und spanischen Hasses für die Republik und gegen die Monarchie, gleichviel für welchen Prätendenten, aus, und bekräftigte ihre Abstimmung bei jeder Frage durch die Formel:Wir schwören! Zuletzt sahen sich die die Masse aufregenden Red er veranlaßt, die Menge zu beruhigen, um zu verhindern, daß nicht gleich zu den Waffen gegriffen wurde.

Donaufürstenthümer. Die Uebersied⸗ lung von Griechen nach Odessa hat begonnen. Aus Constantinopel find 60 Personen angekommen. Ein griechisckes Handlungshaus, dessen Chef russischer Unterthan ist, hat 300 griechische Schiffe angeszuft. r

Türkei. Konstantinopel. Nachrichten vom 29. Dec. melden, Petropolaki habe sich mit seinen Freiwilligen den türkischen Behörden unter⸗ worfen. Die lürkische Armee in Thessalien wird

bis zu 50,000 Mann vermehrt werden. Vom

30. Dec. Mittags wird telegraphisch gemeldet, daß nach authentischen Nachrichten die sogenannte provisorische Insurgenten⸗Regierung und alle In⸗ surgenten auf Kreta ihre Unterwerfung der Pforle angezeigt haben.

Die Pforte hat die Einladung zur Confe⸗ renz erhalten. Sicherem Vernehmen nach soll Fuad Pascha die Pforte repräsentiren. Der Tag des Zusammentritts der Conferenz ist noch nicht bestimmt. 8

DieTurquie meldet: 1200 Freiwillige, die sich unterwarfen, wurden auf türkischen Schiffen von Kreta nach Griechenland transportirt. Der amerikanische Gesandte Morry erhielt von seiner Regierung Befehl, die griechischen Unter- thanen nicht unter seinen Schutz zu nehmen.

Griechenland. Athen. Die Pforte wird die, den hellenischen Unterthanen gewährte Frist,

um die Türkei zu verlassen, ua um drei Wochen

verlängern.

Der griechische Gesandte ist aus Konstan⸗ tinopel angekommen. Im Piräus ist eine grie⸗ chische Fregatte eingelaufen. Die griechische Re⸗ gierung verlangt in einer Proklamatton die Unterstützung des Volkes. N

Ueber das Ende des Aufstandes auf Kreta schreibt man derAllg. Zig. aus Syra