die Ordnung stehe ich ein. Helfen Sie mir die Freiheit retten. Um dies Ziel zu erreichen, lassen Sie uns gleich weit von Reaktion und von revo ö lutionären Theorien fern bleiben. Zwischen Denen, die Alles ohne Veränderung beibehalten wollen, und Denen, die Alles umstürzen wollen, ist ein ruhmreicher Platz auszufüllen. Als ich das Senatusconsult vom letzten September als logische Folge vorausgegangener Reformen und der in meinem Namen durch den Staatsminister am 28. Juni gemachten Erklärung veranlaßt habe, wollte ich damit entschlossen eine neue Aera der Versöhnung und des Forlschritts einweihen.—— Neben einer Reihe von Reformen auf politischem und administratibem Gebiete verheißt die Rede legislative Maßregeln und zwar: Schnellere Ent⸗ wickelung des unentgeltlichen Elementarunterrichts. Herabsetzung der Gerichtskosten. Leichtern Zugang der Sparkassen von Seiten der Landbevölkerung. Humanere Regulirung der Kinderarbeit in den Fabriken. Erhöhung der kleinen Besoldungen. Andere wichtige Fragen, deren Lösung noch nicht bereit ist, werden eifrig studirt.——— Das Expose über die Lage des Kaiserreichs bietet be⸗ friedigende Resultate dar. Es ist kein Stillstand in den Geschäften eingetreten. Das indirekte Ein: kommen, dessen natürliches Wachsthum ein Zeichen der Wohlfahrt und des Zutrauens ist, weist bis heute 30 Millionen mehr aus, als vergangenes Jahr. Die laufenden Budgets weisen bemerkens⸗ werthe Ueberschüsse nach.—— Wenn ich meine Blicke über unsere Grenze schweifen lasse, wünsche ich mir Glück dazu, wenn ich sehe, wie die fremden Mächte mit uns freundschaftliche Be⸗ ziehungen unterhalten. Die Fürsten und die Völker wünschen den Frieden und beschäftigen sich mit den Fortschritten der Civilisation. Was man auch unserer Epoche vorwerfen mag, wir haben doch guten Grund, stolz auf sie zu sein.—— Sie werden, meine Herren, die außerordentliche Sitzung, welche durch den Senatusconsult unter- krochen wurde, wieder aufnehmen. Nach der Verification der Mandate wird die ordentliche Sitzung des gesetzgebenden Körpers sofort begin⸗ nen. Ich zweifle nicht daran, daß sie glückliche Resultate herbeiführen wird.—— Die Rede schließt: Mögen die Meinungsverschiedenheiten vor dem allgemeinen Interesse zurücktreten! Mögen die Kammern durch ihre Einsicht, wie durch ihren Patriotismus beweisen, daß Frankreich fähig ist, freie Institutionen, welche civilisirten Völkern zur Ehre gereichen, zu ertragen, ohne in bedauerliche Excesse zurückzufallen. — Pariser Blätter berichten: Die Rede des Kaisers wurde mit lebhaftem Beifall aufgenommen, namentlich die Stelle:„Ich stehe für die Ord⸗ nung“.— Nach der„Patrie“ ist die Pforte entschlosen, ein Ultimatum an Egypten zu richten, aber vorerst keine Flotte hinzusenden. Mehrere Journale melden, daß die Großmächte bemüht sind, den Streit beizulegen. — Vom Suez⸗Canal wird telegraphirt: „Ismaila, 27. Nov., 1 Uhr 45 Min. Nachm. Heute sind von Ismaila, aus dem rothen Meer kommend, nach Port⸗Said abgegangen: Das Paketboot„Peluse“, eine holländische Corvette, das preußische Canonenboot„Delphin“, die ita⸗ lienischen Dampfer„Odone“ und„Amadeo“, die ägyptischen Corvetten„Latif“ und„Assiont“. Von Jemaila gingen, aus dem Mittelmeer kommend, nach dem rothen Meer ab: ein Dampfer der französischen Messagerien und die österreichische Corvette„Naresta“, beide mit Bestimmung nach Indien. Ein französischer Handelsdampfer von 854 Tonnen, welcher mit Ladung nach Aden und Bombay geht, hat in Ismaila 150 Collis für Bombay mitgenommen.“
Spanien. Madrid. Die der republi⸗
kanischen Partei angehörenden Deputirten sind
wieber in die Cortes eingetreten.
— Die Cortes verwarsen mit Dreiviertel⸗ Majorität den Antrag, über das Benehmen der Regierung wähtend des Belagerungezustandes ihr
Bedauern auszusprechen.
— Wie die„Correspondencia“ versichert, hal
rung davon benachrichtigt, daß Viktor Emanuel das Mißverständniß in Betreff der Candidatur des Herzogs von Genua bedaure. Er wolle sich nicht dem Willen der Herzogin Elisabeth, der Mutter des jungen Herzogs, die dem Projekt ab⸗ geneigt sei, entgegensetzen, werde jedoch versuchen, so viel als möglich auf die Herzogin einzuwirken. Italien. Florenz. Die„Opinione“ theilt mit, daß der Deputirte Castagnola und General Gorone, die Lanza in das neue Cabinet berufen hat, in Florenz angekommen sind. Nußland. Petersburg. Aus Bessarabien wird gemeldet: Auf Grund eines verjährten Ge⸗ setzes, wonach Juden mindestens fünfzig Werst von der Grenze entsernt wohnen müssen, sind plötzlich 20,000 Judenfamilien aus Kischinew und Umgegend ins Innere transportirt worden. Kischinew liegt erst in Folge des Krimkrieges weniger als 50 Werst von der Grenze entfernt.
Friedberg. Das am vorigen Sonntag von unserer trefflichen Jäger-Kapelle im Saale zu den drei Schwertern veranstaltete Sireichconcert war für die Theil⸗ nehmer eine sehr angenehme Sonntag ⸗Nachmittags⸗Unter⸗ haltung, die, wie wir hoffen, bei zukünfligen Wieder⸗ volungen, sowohl im Interesse der obengenannten Kapelle, als auch in dem des Publikums, eine recht zahlreiche Be⸗ theiligung finden wird.
oo Nidda. Unsere Stadt stand am letzten Sonntage in Folge heftiger Regengüsse und eines bei Schotten ge⸗ fallenen Wolkenbruches unerwartet schnell theilweise unter Wasser, so daß die Bewobner sich becilten, ihr Vieh in benachbarle Orte in Sicherheit zu bringen. Die mächtige Fluth, welche von Morgens 10 bis Abends 7 Uhr sehr bedrohlich war, brachte Baumstämme, Bretter und Balken von Brücken und Stegen mi. sich und soll in mehreren Gemarkungen sehr bedeutenden Schaden angerichtet vaben.
E. Schotten Am litzten Sonnlage fiel oberhalb Schotten eine Art Wolkenbruch, der unsere Straßen der tieferltegenden Stadt mebrere Fuß boch überschwemmte. Mit furchtbarem Brausen strömken die Wasserwogen durch die Straßen, Baumstämme, Holz, Fässer ꝛc. mit sich führend. Viele Gärten, Grabstücke ꝛc. wurden weggerissen oder mit Schlamm und Schutt überdeckt und die steinerne Brücke bei der Gänsmühle zusammengerissen, sodaß die Passage nach Rudinshain unterbrochen ist. In Obererlenbach ist vor Kurzem die Leiche eines noch nicht ausgetragenen, ungefähr 5 Monate alten Kindes aufgefunden worden. Ueber die Thäterin hat man bis jetzt nichte ausfindig machen können. Oberursel. Der hiesige kathol. Pfarrer v. Lin de hat wiederholt auf der Kanzel erklärt, er bleibe dabei, daß die Erdbeben von Gott kämen, der durch dieselben die Menschen aufrütteln und zum Insichgehen auffordern wolle. Beweis dafür sei, daß die Erdstöße besonders in protestantischen(11) Gegenden und in Groß⸗Gerau verspürt worden seien, wo es, wie er aus eigener Anschauung wisse, um die Gottesfurcht sehr schlecht bestellt sei. Frankfurt. Am Samstag find ein nicht von Glücksgütern gesegneter hi siger Bürger vor seinem Laden eln Portefeuille mit 20,000 fl. Der redliche Finder war so glücklich, den Verlierer zu ermitteln und diesen vor Verlust zu wahren.— In der Nacht vom Sonntag auf Montag wurden um 11 Uhr, um 1 Uhr und 4 Uhr auch hier wieder Erderschütterungen wahrgenommen.— Der Main ist am Sonnlag um 4 Fuß gestiegen, innerhalb zwei Stunden erfolgte eine Zunahme von 9 Zoll. Es trieb viel Holz, namentlich Flößbolz, an der Stadt vorüber, welches theilweise gelandet wurde. 5 Frankfurt. Der landwirthschaftliche Monats- Club entfaltet mit dem Beginn seines zweiten Vereinsjahres eine große Regsamkeit und wird in der nächsten Woche wieder mit der Agilasion für Einführung der Branniwein⸗ sabrikationssteuer beginnen. diese für die Landwirihschaft so hochwichtige Frage jetzt in allen größeren landwirthschaftlichen Vereinen auf das Lebhafteste verhandelt und erwartet man in der nächsten Reichslagssesston eine ernslich; Wiederaufnahme der in der vorigen Session zur Seite gelegten Gesetzesvorlage über Einführung einer sacultativen Branntweinfabrikatsteuer. Aus dem Kreise Offenbach. Die durch Unter⸗ stützung des Gustav-Adolf⸗ Vereins erbaute evangelische Kapelle in dem nahen Bieber wird künftigen Sonntag den 5. Dezbr. eingeweiht werden. Die Gemeinde hat seit dem Jahre 1861 ihren Gottesdienst in einem ge— miethelen Lokale gehalten. Darmstadt. Am Sonntag Nachmittag 4½ Uhr und Abends gegen 11 Uhr wurden dahier wieder mehrere Erdstöße verspürt. Von Erbach wird das Austreten der Mümmling in Folge starker Regengüsse und raschen Schmelzens des in den Vergen gelegenen Schnees gemeldet. Die An⸗ wohner des Baches mußten mit ihrem Vieh ihre Hofraltbe räumen. Mainz. Die Erderschütterungen haben auch bei uns nicht ganz aufgehört. Hestigere Stöße sanden am 24. 6 Uhr 25 Min. Abends und am 25. 3 Uhr 36 Min. Nachmittags statt. Sie machten sich durch die gewöhn— lichen Erscheinungen des Klitrens der Fenster, Zittern der Möbel und Wände bemerkbar.
eine Depesche des Grafen Montemar die Regie—
Wie wir vernehmen, wird
Stiaße zwischen Ingelfingen und Ebertsthal auf bem Höhenübergang nach Mergentheim eine Oeffnung der Erbe, und hente ist dieselbe auf ca. 5 Fuß im Durchschnitt er⸗
weitert, eine senkrechte Spalte öffnete sich dem Auge, ssie
ist mit Schranken abgesperrt. Man berechnet nach Ab⸗
senkeln und Hineinwerfen von Steinen bie Tiefe für sehr
bedeutend. Manche schätzen stie zu 400 Fuß. Ob diese Erdöffnung wohl eine Folge der jüngsten Erderschütterung ist, wir wissen es nicht.
Paris. Traupmann hat, wie der„Figaro“ berschlet, und zwar allem Anschein nach auf den Rath seines Ver⸗ theibigers Lachaud, umfassende Geständnisse abgelegt,, Kinck, den Vater, will er mit Blausäure vergiftet haben, die er sich selbst sabricirt hätte(doch soll man an der Leiche zwei Wunden auf dec Brust und auf der Wange, constatirt haben). Gustav Kink hätte er zwei Tage früher als die übrigen Mitglieder der Familie getödtet, nachdem er ibn unter dem Vorwandbe, sein Vater habe in Pantin ein kleines Häuschen gekauft, dort hingelockt hätte. Was die andern Opfer betrifft, so hätte er in einer ersten Fahrt die Mutter und die beiden jüngsten Kinder auf den Schau⸗ platz der That gebracht, wo er zuvor Schaufel und Hacke an einer ihm genau bekannten Stelle vergraben halle. Hier hätte er zuerst die Mutter angegriffen und kampfun⸗ sähig gemacht, dann die beiden Kleinen getötet und ber Mutler den Gnadenstoß gegeben, hierauf die andern Opfer herbeigeholt und diese erstickt. Er brauchte dann dreiviertel Stunden, um sämmtliche Leichen unter die Erde zu bringen. Es scheint gewiß, daß er ohne Mil schuldige gehandelt hat. Unter den zahlreichen Leuten, welche zu dem Ausgraben der Leiche nach dem Walde ge⸗ kemmen, befanden sich auch die Verwandten Kinck's. Die⸗ selben brachen, als sie die Leiche erkannt hatten, in lautes Wehklagen aus. Es war eine herzzerreißende Scene. Alle Welt weinte mit. Nachdem die Justizbehörden an der Leiche die nöthigen Formalitäten erfüllt, irug man dieselbe fort. Die Verwandten und die ganze Menge solgten dem Zuge.
„ Mit den österreichischen Sechskreuzer⸗
srücken vom Jahr 1848 und 1849 werden wir in Kurzem
eine Kalamitäl erleben wie im Jahr 1837 mit den Ko⸗
burger Drei- und Sechskreuzerstücken, denn es ist posttive
Thalsache, daß das k. k. österreichische Finanzministerium
angeordnet hat, daß die in dieser Ueberschrift genannten Scheidemünzen bei allen öffentlichen Kassen und Percep⸗ llonsämlern nur mehr bis Ende des Jahres 1869 und
bei den k. k. Landeshauptkassen und dem Steuer und Sammelamt Krakau nur bis zum 31, März 1870 an Zahlungsstatt und im Wege der Verwechselung angenom⸗ men und vom 1. April 1870 anfangend nur mehr bei der k. k. Slaats⸗Centralkasse in Wien eingelöst werden dürfen. Bekenntlich haben diese Münzen weder bei uns, noch in den andern süddeutschen Staaten einen gesetzlichen Cours und ebensowenig befindet sich in einem derselben eine Einlösungsstelle. Was werden nun die Besitzer dieser geringhaltigen Scheidemünze nach dem 1. Januar damit anfangen? Es ißt einleuchtend, daß die großen Geld- und Industrie-Institute, wie es thellweise jetzt schon geschiehl, die Annahme verweigern und sich somit vor Schaden be⸗ wahren werden. Anders verhält es sich mit den kleinen Geschäftsleuten und den Arbeitern, welche aus vielen Gründen oft nicht in der Lage sind, die Annahme dieser Sechskreuzerstücke zurückweisen zu können, und welchen dann nichts anderes übrig bleibt, als sich ihrer mit großem Verlust zu entledigen, denn dle Einsendung nach Wien behufs Umwechslung ist natürlich mit großen Kosten ver⸗ knüpft und läßt sich nur im Großen ausführen; die Ver⸗ mittelung von Geldwechslern ist bierzu unentbehrlich und diese Herren werden eine reichliche Provision für die Be⸗ sorgung eines solchen Geschäftes in Anspruch nehmen. Bekanntlich hat unsere Regierung auch verfügt, daß die Großh. Münze ermächtigt ist, die fraglichen Scheidemünzen nach Gewicht und Silberwerth anzunehmen. Daß auch auf diesem Wege der Entäußerung für die Besitzer ein großer Verlust in Aussicht steht, liegt auf der Hand, ab⸗ gesehen davon, daß Leute, welche nur kleine Quantitäten dieser schlechten Sechskreuzer haben, auch diesen Weg ar nicht betreten können. Man kann daher das Publikum nicht dringend genug auffordern, bei Zeiten auf Mittel und Wege zu sinnen, sich vor Schaden zu bewahren.
Bitte.
Wir beabsichtigen auch in diesem Jahre für die Kinder, die die hiesige Kleinkinderschule be⸗ suchen, eine Christbescheerung zu veranstalten, und erlauben uns darum an die Bewohner unserer Stadt die Bitte zu richten, uns dazu mit Gaben freundlichst unterstützen zu wollen. Jede der Unterzeichneten ist bereit, solche Gaben in Empfang zu nehmen.
Friedberg den 29. November 1869. Lina Baur. Christiane Werner. Joh. Klipstein. Th. Dieffenbach. A. Klipstein. H. Dieffenbach.
S. Sebastianh. Emilie Trapp.
Verlossungen.. Karlsruhe, 30. Nov. Bei der heutigen Serien- Ziehung der 35 fl⸗Loose wurden folgende Serien gezogen 2704 2107 5877 3552 4691 4008 1048 6066 6189 3534 6990 4969 4740 3979 903 7794 2400 5221
Aus Würtemberg meldet ber schwäbische Merkur: Im Laufe voriger Woche zeigle sich unmittelbar an der
1757 4121.
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