Ausgabe 
2.9.1869
 
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niedrige, unmännliche Beweggründe unter? Ver⸗ setze man sich doch einmal in Gedanken in die gleiche Lage, wie sie Frankfurt über sich hat er⸗ geben lassen müssen; man denke sich, Genf werde auf widerrechtliche Weise ohne Kriegserklärung durch einen Gewaltstreich von Frankreich annexirt, der Republik ein Ende gemacht, die junge Mann⸗ schaft zur Conscription für das stehende Heer derangezogen und zum Eid der Treue gegenüber dem Kaiser gezwungen welcher Genfer Patriot würde nicht jeden Ausweg ergreifen, um sich und seine Söhne, soweit nicht der unmittelbare Zwang Macht hat, jeder Berührung und Unterordnung unter ein solches Regiment zu entziehen?

Bern. Der norddeutsche Bund hat die Er klärung abgegeben, daß er an der Conferenz über vie Gotthardtbahn theilnehmen werde. Der Bun⸗ desrath hal die Conferenz auf den 15. September nach Bern einberufen.

Frankreich. Paris. Die Kaiserin wird, nach demJournal officiel, ihren Aufenthalt in Ajaccio um einen Tag verlängern und am 3. Sept. nach Paris zurückkehren.

Der Zustand des Kaisers flößt nach wie vor große Besorgnisse ein, und die Bulletins, welche das offizielle Blatt bringt, verscheuchen keineswegs die überau herrschende Unruhe. Uebrigens vernimmt man bis jetzt nichts Bestimmtes über den eigentlichen Gesundheitszustand des Kaisers. Man weiß zwar, daß er nicht bloß rheumatische Schmerzen hat, sondern auch von anderen Leiden geplagt ist. Aber man erfährt keineswegs, in wie weit sie seine ganze Constitution angegriffen haben, und wie lange es noch dauern wird, bis dierheumatische Krisis ihr Ende erreicht hat. Sicher ist, daß der Kaiser höchst abgespannt und matt ist. Dem Ministerrathe wohnte er zwar an, lag aber auf einem Sopha, und schenkte den Verhandlungen, die allerdings nicht sehr wichtig waren, nur geringe Aufmerksamkeit.

Prim hat, wie dieGazette de Frante vernimmt, bei seiner Ankunft in Paris am letzten Samstag eine Audienz beim Kaiser nachgesucht, dieselbe konnte ihm indeß nicht bewilligt werden.

Dagegen ist der Marschall von dem Minister des

Aeußern empfangen worden und er hat seinerseits dem italienischen Gesandten am hiesigen Hofe, Ritter Nigra, eine Audienz ertheilt, welcher ihn

von der Candidatur des Herzogs von Aosta auf

den spanischen Thron unterhalten wollte. Man versichert, fügt dieGazette hinzu, daß der Marschall Prim dieser Candidatur nicht abgeneigt ist

Belgien. Brüssel.

liegen und sich des Reitens zu enthalten. Spanien.

Ministerrathe zur Erwägung überreicht.

Die spanische Kriegsflotte hat in der letz⸗ tern Zeit einen bedeutenden Aufschwung genommen und befindet sich jetzt schon in einem arsehnlichen Die Gesammtzahl ihrer Schiffe ist

Zustande. gegenwärtig die folgende: 7 Panzerschiffe mi

zwischen 6 und 40 Kanonen und von 500 bis

1000 Pferdekraft; 6 große Schraubendampfer mi 30 bis 40 Kanonen und von 360 bis 380 Pferde

kraft; 10 kleinere mit 3 bis 5 Kanonen und von

80 bis 100 Pferdekraft; 2 große Transportschiffe

8 Raddampfer mit 3 bis 18 Kanonen und von

150 bis 200 Pferdekraft; endlich noch mehrer große Segelschiffe. Seesoldaten. Außerdem sind aber

den Schiffswerften im Bau begriffen und nahe ihrer baldigen Vollendung. Zu diesem, in Europ

stationirten Theile der Kriegsflotte kommt noch

ein anderer gleichfalls sehr bedeutender Theil i

außereuropäischen Meeren, namentlich in den Ge

DieIndependence belge meldet zwar, daß der Zustand des Kaisers Napoleon sich gebessert habe, versichert jedoch gleichzeitig, daß eine Krankheit der Vorsteherdrüse denselben nöthigt, auf einer chaise longue zu

DemImpartcial zufolge hat der demokratische Abgeordnete und Vicepräsident der Cortes, Christino Martos, ein Schreiben an den Kriegsminister gerichtet, worin er die Nutz⸗ losigkeit der Todesstrafe für politische Verbrechen nachweist; Prim hat diese Auseinandersetzung dem

Die Bemannung dieser Schiffe besteht aus ohngefähr 7000 Matrosen und 3600 auch noch

mehrere größere und kleinere Kriegsfahrzeuge auf

wässern der ae Colonien in Westindien (Cuba und Portorieo); der canarischen Inseln und der Philippinen. Die eigentliche Gesammt⸗ zahl der die spanische Kriegsflotte bildenden be⸗ waffneten Schiffe belief sich im verflossenen Jahre schon auf 119. Dieselben führten circa 1090 Kanonen und ihre Bemannung bestand aus nahezu 9500 Seesoldaten aller Grade, 14,780 Matrosen und 140 Mechanikern. In den Seearsenalen waren ungefähr zwischen 400 und 500 Wächter beschäftigt. Unter den obenerwähnten Kriegsschiffen befanden sich damals 7 gepanzerte, während jetzt deren Zahl auf 8 gestiegen ist. Endlich ist die Kriegsflotte jetzt auch noch um drei große Dampfer mit entsprechender Kanonenzahl, Pferdekraft und Bemannung stärker geworden. Solche Machtver⸗ haͤltnisse müssen Spanien den Charakter einer achtunggebietenden Seemacht verleihen.

Türkei. Konstantinopel. Obwohl des Vicekönigs Antwort als in der Form befriedigend befunden ist, beabsichtigt der Großvezier den noch ein Schreiben an ihn zu erlassen, worin er ihn anweist, die Land- und Seemacht nur innerhalb der durch den Ferman von 1841 fest⸗ gestellten Gränzen zu halten und der Pforte regel mäßig vierteljährlich ein Budget vorzulegen, und ihm zugleich die Auferlegung neuer Steuern, so- wie den direkten Verkehr mit auswärtigen Regie⸗ rungen untersagt.

Amerika. Die Beschlagnahme der fünfzehn Kanonenboote, die auf Bestellung der spanischen Regierung in Newyork gebaut worden, hat die Spanier in Wuth, die Cubaner dagegen in die höchste Freude versetzt. Ein Brief des Präsidenten Cespedes aus Cuba an die cubanische Junta in Washington sagt, wenn die Unlons-Regierung gegenüber den Cubanern und den Spaniern gleiches Maß anwende und den Letzteren nicht gestatte, die Vereinigten Staaten zu einem Kriegsentrepot zu machen, so seien die Insurgenten vollkommen zufrieden und würden mit den Spaniern schon fertig werden. Die Nachrichten über die Kämpfe auf der Insel lauten constant den Cubanern günstig.

Frankfurt. Hter ist ein weiblicher Industrteritter aufgetaucht. Derselbe lockt durch Darreichen von Confi⸗ turen kleine Mädchen um sich und zieht ihnen die Ohr dure aus. Auf dem Römerberg gelang es ihm an reien.

Offenbach. Ein provisorisches Comite ladet, gestützt auf 40 Beulrüitserklärungen, zur Gründung eines Kauf⸗ männischen Vereins in hiesiger Stadt ein. Das⸗ selbe beabsichtigt nach§. 1 des provisorischen Statuten: eniwurfs a) Fortbildung, namentlich im kaufmännsschen Wissen, Hebung und Verbreitung kaufmännischer Kenninisse; d) Förderung des genossenschaftlichen Sinnes und der Zusammengehörigkeit unter den Mitgliedern.§. 2. Als Mittel zur Erreichung dieser Zwecke dienen: a) Vorträge, Vorlesungen und Besprechungen, welche vorzugsweise kaufmännische und volkswirihschaftliche Gegenstände, dann Fragen aus dem Gebiele des commerciellen und industriellen Lebens berühren; d) Vereinigungen zur Pflege einzelner Wissenschasten.

Worms. Am Samstag den 28. d. begann dahier mit der Abhaltung des Turntages das siebente miitel⸗ rheinische Turufest. Es waren 180 Vertreter der einzelnen im Verbande befindlichen Vereine anwesend. Als Mit⸗ glied in den deulschen Turnausschuß wurde Herr Bömper von Mainz gewählt. Als Vorort und nächsten Festort wurde Darmstadt erwählt. Am Sonntag zogen die Vereine mit ihren Fahnen in die Feststadt ein. Der Empfang der Gäste war etwas kühl und es berrschte unter der Einwohner⸗ schaft nicht die fröhliche und entgegenkommende Fesistimmung wie in Hanau. Gießen ꝛc. Viele Vereine begaben sich am Sonniag Abend schon von Worms wieder hinweg. An dem t Preissurnen bethelligten sich 120 Turner.

Worms. Auf privattiche Anzeige, daß sich gegen⸗ wärlig gewisse hirsize Persönlichkeiten mit Ausgabe falscher

Sachsen⸗Meiningen'scher Halbguldenstücke befassen, gelang »ses am 29. d. der hiesigen Polizei, den Verdächtigen wilk⸗ lich auf die Spur zu kommen und sie zu verhaften. Bei einem derselben fand sich noch eine Anzahl solcher falschen Geloͤstücke vor, und bei sofort vorgenommenen Haus⸗ suchungen wurde bei Letzterem auch glücklicherweise die in Lumpen eing. wickelte Gießform, bestehend in gut aus⸗ geführten Gypsabdrücken, sowie ein kleiner Vorrath von Biei vorgefunden, und waren dadurch die oder der Thäter ihres Verbrechens vollkommen überwiesen.

5 Aus Baden kommt von dem kleinen Bade Antogast, nicht weit von Allerheiligen, Petersthal, Oppenau ꝛc. ge⸗ n legen, die Kunde einer schaurigen That. Am letzten 3 Samstag wurde, im Walbesdickicht verscharrt und mit Laub bebeckt, der Leichnam des Freiburger Kaufmanns

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digen Instrumente beigebrachte, mehr oder mind Wunden. Die Stiefel, die Uhr mit Kette, die Brieftasche ꝛc. fehlen, so daß mit Sicherheit

des Hochwaldes verübt wurde. 14 Tagen nach Antogast Tag aufgehalten und da such von Verwandten nach dem nahen Ri

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Von der Zeit an, wo er zu dieser Tour aufbrach,

Herr sic kommen, hatt

die Absicht geäußert, zum oldsau zu ge

man ihn lebend nicht mehr gesehen. Von dem

Bremen. 5 Nordpool⸗ Expedition in Bremen hat einen dringenden Aufruf erlessen, um die für die Expedition erforderlichen Mittel, resp. die Schulden, welche contrahirt werden mußten, um die rechtzeitige Abfahrt zu ermöglichen, vollends ge⸗ deckt zu sehen. Die Kosten des Unternehmens ssellen sich im Gauzen auf 80,600 Thlr. Es sind bis jetzt 35,600 Thlr. eingegangen. Demnach fehlen noch 45,000 Thlr. Davon sind sogleich 22.400 Thlr. zu entrichten. 2

Wien. Eine wahre Musterkarte von Syrafen erlitt der demnächst aus dem Militärverbande zu entlassende 31 Jahre alte Zimmermaler Jos. Kerschbaum, Urlauber des 49. österr. Linie Infant.⸗Reg. Er wurde während seiner zehnjährigen Diensizeit zweimal zum Tode verurtheilt, war durchgehend im Stocktzause einquartiert und überstand 605 Stockstreiche. Noch als Civilist wurde er im Jahre 1856 zu Wiener⸗Neustadt wegen Verbrechens des Dieb⸗ stahls und Uebertretung des Betruges zu vier Monaten schwerem Kerker verurtheilt, zu Baden 1867 wegen Dieb stahl zu einem Monat strengen Arrest, zu Wiener⸗Neu⸗ stadt im selben Jahre wegen Verbrechens des Diebstahls zu 8 Monaten schwerem Kerker, beim Militär im Jahre 1859 wegen Betruges zu 45 Stockstreichen, und wegen Diebstahls zu 50 Stocksreichen, 1861 ebenfalls zu 60 Stock⸗ streichen, 1862 wegen Desertion und Diebstahl zu(0 Stoc⸗ streichen und wegen zweiter Desertion und Diebstahl zu 75 Stockstreichen und 6 Monaten durch Eisenanlegen und einmal Fasten in jeder Woche verschärften Stockhausarrest, 1864 wegen Diebdstahlsversuch zu 30 und 20 Stockstreichen und 45. Stunden Separathaft in Eisen und wegen dritter Desertion und Diebstahl zu 75 Stockstreichen und ein⸗ jähriger durch Anlegung von Eisen und zweimal Fasten in der Woche verschärfter Haft, 1866 wegen vierter Deser lion und Verbrechens des Betruges zum Tode durch Erschießen verurtheilt, im Gnadenwege zu 75 Stockstreichen und eine jährigen durch Anlegung von Eisen und dreimal Fasten und hartes Lager in der Woche veischärften Militärgefängniß, 1867 wegen fünfter Desertion, Verbrechens des Diebstahls und Vergehen der Veruntreuung zum Tode durch Erschießen verurtheilt, im Gnadewege zu 75 Sdockstreichen und 10 Monaten durch Anlegung von Eisen und dreimal Fasten, bartes Lager und Einzeluhaft in der Woche verschärftem Gefängniß und wegen Diebstayls zu 30 Stockstreichen, end⸗ lich 1868 wegen Diebstahl und Theilnahme an der Ver⸗ untreuung zu 70 Stocksreichen, über Erkenniniß vom 16. Jänner 1869 wegen Verbrechens des Diebstahls, zu 13 Monaten schwerem Kerker, verschärft durch einen Fasltag in jedem Monat.

Schiffs nachrichten.

Mitgetheilt von Chr. Hecht in Friedberg, Spec.⸗Agenf.

Newyork, 28. August.(Per transatlantischen Tele⸗ graph.) Das Postdampfschiff des Nordd. Lloyd Hansa, Capt. E. Brickenstein, welches am 14. August von Bremen und am 17. August von Southampton abgegangen war, ist heute 2 Uhr Nachmittags wohlbehalten hier angekommen.

Newyork, 28. August.(Per transatlantischen Tele⸗ graph.) Das Postdampfschiff des Nordd. Lloyd Berlin, Capt. C. Undütsch, welches am 11. August von Bremen und am 14. August von Southampton abgegangen war, ist heute 6 Uhr Morgens woylbehalten in Baltimore an⸗ gekommen.

Southampton, 30. August. Das Postdampfschiff des Nordd. Lloyd Union, Capt. F. Dreyer, welches am 19. August von Newyork abgegangen war, ist heute 5 Uyr Morgens wohlbehalten unweit Cowes eingetroffen und hat um 8 Uhr die Retse nach Bremen fortgesetzt. Dasselbe bringt außer der Post 138 Passagiere und volle Ladung.

* Actienschwindel Das Außerordentlichste, was wir beireffs Actienschwindels noch gehört haben, erzählt Newyork Nation. Mariposa ist der Name eines Gutes in Californien, auf dem sich ein werthvolles Queckfilber⸗ bergwerk befindet. Ernst gehörte dasselbe dem General Fremont, der es als Sicherheit einem Creditoren gab, mil der Bedingniß jedoch, nach Bezahlung einer Summe von 300,000 Doll. in Gold si ben Ahtel des Grundbesitzes zurück zu bekommen.

welchem mehrere angesehene Männer waren, gebildet, Zufall um nur 10 Millionen Dollars dieses werthvolle

schäft wäre, Actien dieser Gesellschaft zu kaufen. Directoren gelang 28, die schon voraus unter sich ver⸗ theiltlen Aclen in Fotge dieser Reclame zu einem Course von 60 75 pCt. an der Böcse zu verkaufen und den Erlös von 56 Millionen in die Tasche zu stecken. Das Geschäft des Publicums war brillant. Die Compagnie

Maißiß, eines jungen, blühend schönen, als glücklicher n Gatle in den besten Vechältuissen lebenden Mankzes, gefunden. Der Körper zeigte sieben mit einem dreischnei⸗

bälle große Dibidenden gezahlt, wenn nicht einige kleine Schwierigkeiten zu überwinden gewesen wären. Für's Erste halte die Gesellschaft kein Geld zum Bergwerksbetrieb!

Ware, auf einen

Raubmord geschlossen werden kaun, der bier im Dunkel

hat man noch keine Spur, doch gibt das Abhandenkommen der Effecten Hoffnung auf die Entdeckung des Mörders.

Das Comite süt die zweite deutsche

Die Zeitungen sprengten aus, daß dieses Institut durch

verpfändete Gut Maxiposa gekauft, und es das beste Ge: Den

. Im Jahre 1863 wurde nun eine Mari⸗ posa⸗Actiengesellschaft mit einem Verwaltungsrathe, unter

Bran amen der Hau!

sinb ber wieder zu Edhardt i Bönfadt

rosch in

Weckesheit Fauerbach von dorlie L. Kofy in Ossenh Korndörf Konrad Keller!

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Gerhard

Keller 30 kr. L