Donnerstag den 2. September.
2 102.
8 N . 9 8
berhessiscer Anzeiger
Inthält bie amtlichen Erlasse für den Kreis Friedberg.
Erscheint jeben Dienstag, Donnerstag und Samßag.
Hriedberger Intelligenzblalt.
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Für
den
Monat September kann Verlags ⸗ Expedition mit 10 kr., bei den Poststellen mit 16 kr. abonnirt werden.
auf den„Oberhessischen
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Anzeiger“ bei der
Amtlicher Theil.
Aus dem Großherzoglichen Regierungsblatte sind zu publiziren:
Nr. 40. sub. 1.
Gesetz, die privatrechtliche Stellung der Erwerbs- und Wirthschafts⸗Genossenschaften betr.— sub. 2. Verordnung, die Stellvertretung
n Mllitärdienste betr.— sub. 3. Bekanntmachung, die Stellverttetung bei der diesfäyrtigen Truppenergänzung betr.— sub. 4. Bekanntmachung, die Beherbergung on Refraetären und Deserteuren insbesondere Legitimation der Soldaten betr.
Friedberg den 29. August 1869.
Letreffend: Die Beitreibung der Commuxalgelder für 1869.
Das Großherzogliche Kreisamt Friedberg an die Großherzoglichen Bürgermeistereien des Kreises.
Aus den eingelangten Handbuchsauszügen haben wir ersehen, daß bis jetzt zur Beitreibung der Communalgelder für 1869 fast nichts
eschehen ist. aufzugeben und daß sie ihre Schuldigkeit thun
strenge zu überwachen.
Großherzogliches Kreisamt Friedberg Dar g pep,
Friedberg am 30. August 1869.
Wir weisen Sie darum bei eigner Verantwortung an, den Gemeinde⸗Einnehmern die sofortige vorschrifismäßige Beitreibung
Bei Einlangung der Pfandbefehle werden wir in dieser Beziehung controliren, ob die Rechner ihre Schuldigkeit gethan haben.
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Hessen. Darmstadt. Am 24. August der pensionirte Sekretär bei der vorhinigen Direktion der Main⸗Weser⸗Eisenbahn zu Gießen, goseph Mopat, reactivirt und zum Sekretär bei ter Ober ⸗Bau⸗ Direktion mit dem Amtstitel als dberbauseerktär und der Bau-Aspirant Heinrich Lalman aus Düsseldorf zum Kreisbaumeister zes Kreisbauamts Alzey ernannt worden.
Preußen. Berlin. Dem„Frankf. Beob.“ nürd unterm 28. August von hier geschrieben: Jon dem panischen Schrecken, den die hiesige Lörsenwelt durch die plötzlich gefallenen Pariser Fourse davongetragen, kann man sich keine Vor— ellung machen. An der Ecke der Linden-Pro— genade und der großen Friedrichsstraße vor der Franzler'schen Conditorei, welcher Platz im Jahre 1848 als„politische Ecke“ eine so große Rolle ielte, pflegt die„Abendbörse“ abgehalten zu zerden; gestern gestaltete sich diese zu so wild uwegten Scenen, wie sie kaum im Jahre 1848 der vorgekommen. Bei den ersten Depeschen— hhunende Verwunderung, bei der nächsten bereits de Gewißheit, daß der Kaiser todtkrank sei, bei e folgenden, daß er— das Zeitliche gesegnet babe. Jetzt flohen die Speculanten nach allen Seiten, das Feld blieb eine halbe Stunde leer, in sich alsbald wieder mit dichtgedrängten, leb— faßt gesticulirenden und wild durcheinander schreien— n Gruppen zu beleben. Tausende standen Kopf i Kopf gedrängt auf dem Trottoir, dem Fahr- dg und an der Promenade. Die Circulation var völlig gehemmt, mühsam arbeitete sich der Lagen des Königs hindurch, verwundert schaute er König auf das Treiben. Viel Geld war in iin wenigen Stunden verloren und gewonnen vorden, denn alle Welt wollte verkaufen und nur l größeren Häuser, die durch Privatnachrichten u der Lage waren, alle jene Gerüchte als Er— füdungen anzusehen, hielten fest. Ihre vielfach algestrebten Versuche, ihre sicheren Nachrichten zu zu breiten, schlugen gänzlich fehl. Inzwischen ist nach verlässigen Nachrichten, die nicht nur aus Gschäftskreisen stammen, das Befinden des Kaisers durchaus zufriedenstellend; es ist hierher telegraphirt würden, daß er diesen Morgen ausgegangen sei.(2) A der Börse gab es heute vielfach trübe Gesichter.
— Der„A. A. Z.“ entnehmen wir nach- sehende Mittheilung:„Eine preußische Replik auf it Beust'sche Depesche vom 15. August ist am 1 August an den Frhrn. v. Werther abgegangen. Jeses von Hrn. v. Balan gezeichnete Aktenstück
soll im Ton weniger schroff als die Thile'schen Depeschen gehalten sein, in der Sache selbst aber auf dem Standpunkt der letztern verharren.“
— Die„Nordd. Allg. Zig.“ schreibt:„Es bestätigt sich, daß der diplomatische Meinungsaus⸗ tausch zwischen dem hiesigen und dem österreichi⸗ schen Cabinet mit der jüngsten Depesche des Grafen Beust ihren Abschluß erreicht hat. Wie verlautet, beabsichtigt die preußische Regierung nicht, den von Beust angeregten Schriftwechsel fortzusetzen.“
— Die Volksversammlung in der Tonhalle, betreffend die Klosterfrage, war von 2000 Per— sonen besucht. Resolutionen wurden angenommen für Abschaffung der Klöster und Ausweisung der Jesuiten unter ausdrücklicher Verwahrung, daß mit diesem Beschlusse gegen keine Religion, welche es auch sei, agitirt werden solle.
— Wie die„Neue Evangel. Kirchenzeitung“ meldet, ist zum Nachfolger Hengstenberg's Professor Dr. Dillmann in Gießen berufen worden, der die Stelle(Professur für altes Testament) ange- nommen hat und seine Vorlesungen bereits nächsten Winter beginnen wird. Die„Kreuzztg.“ befürchtet, daß Hengstenberg durch ihn nicht„voll ersetzt werden könnte“.
— Wie die„Tribüne“ schreibt, hat die Affaire Fournier mit dem erstinstanzlichen Urtheil sein Ende erreicht, da weder der Staatsanwalt noch Fournier selber appellirt hat. Herr Fournier wird also die auf der Kanzel so pomphaft an- gekündigte Beweisführung von der Lügenhaftigkeit der elf meineidigen Zeugen doch lieber auf sich beruhen lassen.
Kassel. Nach der„Hess. Morgenztg.“ ist der seitherige Direktor der Main-Weserbahn, Geh. Reg.⸗-Rath v. Schmerfeld, zum Direktor der Niederschlesisch-Märkischen Bahn(Direktionssitz Berlin) ernannt; wahrscheinlich werde Regierungs- und Baurath Jandicke, technisches Direktions-⸗ mitglied der eben genannten Bahn, an seine Stelle treten. Die Regierung hat zum Bau der Bahn— strecke Salzschlirf-Fulda die Genehmigung ertheilt.
Sachsen. Nach einer amtlichen Mittheilung der Kreisdirektion beträgt die Zahl der im Plauen— schen Grunde verunglückten Bergleute 276, von denen 274 zu Tage gefördert sind, die der Wittwen 208 und die der Kinder 639. Als ein sprechen— des Zeugniß für die sittlichen Zustände, welche unter der Arbeiterbevölkerung des Plauen'schen Grundes herrschen, verdient hervorgehoben zu
werden, daß sich unter den hinterlassenen 639 Kindern nur vier uneheliche befinden.
Bayern München. Der vollständige Calalog der internationalen Kunstausstellung ist nunmehr erschienen. Derselbe enthält in 3386 Nummern 1631 Gemälde, 760 Carions, Zeich⸗ nungen, Kupferstiche, Aquarell-⸗ ꝛc., 392 plastische Werke, 596 Architekturen und 7 Glasgemälde. Am Schlusse des Catalogs befindet sich ein Dis⸗ positionsplan des Ausstellungsraumes. Die Lokal- Industrie-Ausstellung war an dem Geburts- und Namenstage des Königs von über 3000 zablenden Personen besucht. Von dem Comite wurden bereits 1500 Gegenstände zur Verloosung angekaust.
Aus Würzburg meldet man eine große Aufregung, welche dadurch entstand, daß seit vier⸗ zehn Tagen zahlreiche Drohbriefe mit Hinrichtungs⸗ Iüustrationen an die angesehensten Mitglieder der jüdischen Gemeinde, namentlich an den Rabbiner, versendet werden. Wenn die Würzburger Garnison ins Schweinfurter Lager abgezogen sei, dann werde es losgehen und das Wucherervolk mit Gottes und Marias Hilfe aus Würzburg verjagt werden. Die Angst der also Bedrohten ist groß, sie riefen den Schutz der Regierung an und bereits verkündet ein offiziöser Artikel in den Würzburger Blättern, daß die nachhaltigsten Vorkehrungen gegen etwaige Ruhestörungen getroffen seien.
Oesterreich. Wien. Die Reichsraths⸗ Delegation und die ungarische Delegation hielten eine gemeinschaftliche Sitzung ab, worin die noch unerledigten Differenzen bezüglich des Reichsbudgets im ungarischen Sinne erledigt wurden.
Krakau. Die Oberin des Carmeliterinnen- klosters und deren Stellvertreterin sind in Folge gerichtlichen Beschlusses auf freien Fuß gesetzt.
Schweiz. Der„Berner Bund“, das be⸗ deutendste Blatt der Schweiz, spricht sich neuer⸗ dings in Bezug auf die Frankfurter Ausweisungs⸗ geschichte folgendermaßen aus:„Die ungünstige Stimmung(Schweizer Blätter) gegen diese(Frank- furter) Neubürger(der Schweiz) hat ihren Grund in der Meinung, daß es Leute seien, die, derb herausgesagt, aus bloßen Judenängsten vor Flinte, Pulver und Blei den Militärdienst scheuen. Aber vor drei Jahren Dienst in der Linie des stehenden Heeres und nachheriger Reservedienstpflicht würde auch ein Jeder von uns, der sonst mit Lust und Liebe seine militärischen Pflichten erfüllt, zurück- scheuen. Wer kennt alle diese Neubürger, und mit welchem Recht schieben wir ihnen gerade so


