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1867.
Dienstag den 5. März.
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berhessen.
All die amtlichen Erlasse für den Kreis Friedberg.“
Friedberger Intelligenzblatt.
Erscheint jeden Dienstag, Donnerstag und Samstag.
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BBestellungen auf dieses Blatt werden auswärts bei der betreffenden Poststelle,
in Friedberg bei der Expedition entgegengenommen.
An meine Wähler.
Nach so viel Schmerzlichem, das der Vater⸗ kndsfreund im verflossenen Jahre erlebt, wurden pir überrascht, fast geblendet, durch den Hoffnungs- srahl, der uns Deutschen im Norden erschien, das eutsche Volk, die deutschen Stämme mit ihrer (ten Bruderliebe im Herzen, sie sollen zusammen— ehen, um das große Geschick der Nation, ihre kinigung mit ihren Lenkern zu berathen! Hüllen pir unsern Schmerz in Vergessenheit, erfassen wir ie hohe Aufgabe, die vor uns liegt!—
Wie viel theures Blut, wie viel Menschenglück dard ihr seit 50 Jahren geopfert— uns soll es seschieden sein, friedlich das lockende Ziel zu er— zeichen.—
Es ist drückend, dazustehen, ein Erbe großer remder Verdienste— und es bedarf einer gewissen Sühne, um uns den Muth zu geben, ein solches Erbe anzutreten.
Mitbürger! Ihr habt mich gewählt zum Ein⸗ ritt in das Norddeutsche Parlament!— wenn nich die gute Meinung auch zum tiessten beschei— ensten Danke verpflichtet, so ist daneben mächtiger doch das Pflichtgefühl erregt: es soll das über⸗ viegende für mich sein!— Deutsches Vaterland! nit deiner Treue, deinem Muth, deinem freien Sinn, deinem tiefen religiösen Gefühle, dem kla- en Geist für Wissenschaft, dem offenen Herzen illem Schönen und Erhabenen, mit deiner Kraft
m Streben aller Art! sei du der Hort in allen fämpfen— und wo du sprichst, da schweige je des andere Verlangen.— Wo das Ganze blühet, da gedeihet das Einzelne, und es wird uns be⸗ cchieden sein, auch unser engeres Vaterland in einem ganzen Verbande, im stolzen Gefühle der Angehörigkeit, unter glorreicher Pflichterfüllung, die Segnungen des großen Bundesstaates genießen zu sehen.— Ich werde das Ganze als erste Pflicht oben halten, aber auch nicht vergessen, was ich unserm geliebten engeren Vaterland schuldig bin.
Ich habe mich gegen den strengen Parteistand- punkt erklärt und ich halte dabei fest. Der rein menschliche, der der Versöhnung und Eintracht, der neben dem Rechte, das unser Gewissen spricht, ein gewisses Recht der Thatsache nicht außer Be⸗ tracht läßt, ist der Meinige.
Einheit zu erstreben für den Norddeutschen Bund, die Bruderstämme des Südens an uns heranzuziehen, Versöhnung so vieler streitenden Interkssen, Concesstonen an so viele partikulare Eigenthümlichkeiten— glaubt man, daß es an- ders, als im Wege der Zugeständnisse zu erreichen sein werde? Was aber wäre so groß, daß es nicht willig der Erreichung des Hauptzweckes„der Einheit“ geopfert werden müßte?
Ich bin ein Freund der volksfreiheitlichen Ver⸗ mächtnisse aus dem Jahre 1848, und ich habe die Hoffnung, daß die Weisheit derer, denen die Macht der Thalsachen beiwohnt, mit demselben immer mehr bersöhut werden. Möge ein würdiges, ge. bildetes und somit innerlich freies Geschlecht, das der äußeren Gesetze immer weniger bedarf, recht bald ihrer Segnungen theilbaftig werden, um den Preis aber der Einigung wären sie jetzt zu theuer erkauft, und um so mehr, da erst sie den sicheren
rund zum Weiterbau zu legen bat.
Ich verlasse das heimische Thal, vertausche es mit der nordischen Hauptstadt, stolz darauf, ein Mitvertreter Hessens zu fein, sei es uns auch nur
beschieden, ein Eichenblatt in die Lorbeeren zu
flechten, welche mit Palmen des Friedens geschmückt
in schönem Kranze auf dem Altar des großen Vaterlandes mögen niedergelegt werden! „Gott mit Deutschland!“ Hirzenhain, 19. Februar 1867. G. Puderus.
Auf besonderen, uns zugekommenen Wunsch des Herrn Buderus veröffentlichen wir vorstehende Ansprache, wenngleich uns über die verspätele Zusendung derselben bis jetzt keine ge nügende Aufklärung geworden it. Wit erfüllen gleichzeitig eine freundliche Bitte des Herrn Buderus, wenn wir in dessen Namen die verehrl. Redactionen der Anzeigeblätter zu Bü⸗ dingen und Vilbel um Abdruck der Ansprache ersuchen, da er dieselbe wo moglich zur Kenntmiß aller seiner Wähler
gebracht sehen möchte. D. Red.
Hessen. Darmstadt. Das Großherzog⸗ liche Regierungsblatt Nr. 11 enthält:
I. Bekanmimachung Großh. Ministeriums des Innern vom 17. Januar, die Bestätigung von Stiftungen und Vermächtnissen betreffend, welche im Lause des vierten Quartals 1866 von des Großherzogs Königl. Hoheit de⸗ stätigt und die betreffenden Behörden zu deren Annahme etmaͤchtigt worden sind: Die Schenkung der Spar⸗ und Leihkasse zu Seligenstadt an die Ludwigs⸗ und Alicen⸗ stiftung, im Betrag von 200 fl.;— die Stiftung eines Ungenanntem gan die kath. K irche zu Oppenheim, im Deca⸗ nate Oppenheim, im Betrag von 200 fl.;— die Stiftung der Katharina Zimmermann aus Nackenheim an die kath. Kirche zu Klein⸗Winternheim, im Decanate Nieder-Olm, im Betrage von 120 fl. für die Abhaltung don zwer Jahrgedächtnißämtern;— das Vermächtniß der Katharina Taye zu Horchheim an die kath. Kirche und Feldkapelle daselbst, im Decanate Worms, im Betrage von 1000 fl., für die Abhaltung eines Seclenamtes, für Unterstützung der Armen und für Anschaffung kirchlicher Bedürfnisse;— die Schenkung der Mathildenstiftung für die Provinz Starkenburg an das Mathilden-Landkrankenhaus, im Be⸗ trag von 100 fl.;— das Vermächtniß des Johannes Muth I. zu Selz, im Kreise Lauterbach, an die dasige Gemeinde, im Betrage von 100 fl., zu Gunsten unver⸗ schuldet in Armuth gerathener Ortsangehötigen;— die Schenkung des kath. Pfarrers Georg Lenges in Heimers⸗ heim an die kath. Kirche zu Drais, im Decanate Nieder- Olm, besiehend in einem Grundstück, nebst der darauf neu erbauten Kapelle und einem Ausstand an Güterkauf⸗ preis im Betrage von 200 fl.— das Legat der Frau Maria Schön, geb. Heyl, von Worms an die Kleinkinder⸗ schule daselbst, im Betrag von 1000 fl.;— die Schenkung des Thomas Schubert zu Mainz an die kath. Kirche zu St. Stephan daselbst, im Betrag von 100 fl., für Ab⸗ haltung von Seelenmessen für seine Familie;— das Vermüchtniß des Johann Illing zu Pfeddersheim an den evang. Kirchenfonds daselbst, im Betrag von 200 fl, zur alljährlichen Vertheilung der Zinsen unter die Ortsarmen zu Pfebdersheim;— das Vermächtniß des kath. Pfarrers und Decan Baumann zu Viernheim zu Gunsten des Almosenfonds daselbst, im Betrag von 6000 fl.;— die Schenkung des Bürgermeisters Mischlich und dessen Ehe⸗ frau zu Nauheim an die evang. Kirche daselbst, im Decanate Groß⸗Gerau, bestehend in einem Altare von Marmor im Werth von 235 fl.;— die Schenkung des Wilh. Fischer von Mainz an das Vincenz und Elisabeth⸗Hospital daselbst, im Betrag von 3821 fl. 45 kr.— die Schenkung des Bischofs zu Mainz an die kath. Kirche zu Offenbach, im Decanat Seligenstadt, im Betrag von 500 fl., zum Zwecke der Tilgung einer Kausschuld.
II. Uebersicht der im Jahre 1866 durch die Großh. Gendarmerie geschehenen Arxestationen und Denunciationen.
III. Bekanntmachung der Ergebnisse der Verwaltung der Civildiener⸗Wittwenkasse von den Jahren 1864 und 1865.
IV. Bekanntmachung, die Aufbringung der Mittel zur Bestreitung der Bebürfnisse der gandjudenschast der Prorinz Oberhessen für 1867 betreffend.
V. Bekanntmachung, die Erhebung einer Umlage zur Bestreitung der kirchlichen Bedürfnisse der evang. Kirche zu Nieder Olm für 1866 betressend.
VI. Uebersicht der für das Jahr 1867 genehmigten Umlagen zur Bestreitung der Communalbedürfnisse in den Gemeinden des Kreises Heppenbeim.
VII. Uebersicht der für das Jahr 1867 genehmigten
Umlagen zur Bestreitung der Bedürfnisse der isratlitischen Religtonsgemeinden des Kreises Groß⸗Gerau.
VIII.
Ermächtigung zur Annahme fremder Orden Se. K. H. der Großherzog haben allergnädigst geruht? m 11. Febr. dem Generalmajor à la suite Carl Grafen
a
v. Schlitz genannt v. Görtz die Erlaubniß zur Annahme und zum Tragen des ihm von Sr. Majestät dem Kaiser von Oesterreich verliehenen Ordens der eisernen Krone 1. Klasse, und an demselben Tage dem Obersteuerdirektor Dr. Adolph Hügel die Erlaubniß zur Annahme und zum Tragen des ihm von Sr. Majestät dem Kaiser von Oester⸗ reich verliehenen Comthurkreuzes des Franz⸗Joseph⸗Ordens zu ertheilen.
IX. Ertheilung von Erfindungspatenten. Se.. der Großherzog haben allergnädigst geruht: am 17. Jan. dem Heinrich Jacoby, dermalen zu Berlin, ein Erfindunge⸗ patent auf die durch Zeichnung und Beschreibung näher erläuterte Construktion eines Percussionsschlosses für Feuer⸗ waffen, unter dem Vorbehalte, daß durch dieses Patent Niemand in der Anwendung bereits früher bekannt ge⸗ wesener Theile der Erfindung gehindert werden soll, während der nächsten 5 Jahre für den Umfang des Großherzog⸗ thums, und am 19. Januar dem Direktor der Gasgesell⸗ schaft in Offenbach Christian Friedleben ein Erfindungs⸗ patent auf den durch Zeichnung und Beschreibung näher erläuterten selbstthäligen Apparat zum Registriren und Controliren der Qualität des Leuchtgases, unter dem Vorbehalte, daß durch das ertheilte Patent Niemand in der Anwendung bereits früher bekannt gewesener Theile der Erfindung gehindert werden soll, während der nächsten 5 Jahre für den Umfang des Großherzogthums zu ertheilen.
X. Dienstnachrichten. Seine Königl. Hoheit der Großher⸗ zog haben allergnädigst geruht: am 22. Jan. den Kreisdiener dei den Kreisamte Dieburg Schaffnit zum Kreisdiener bei dem Kreisamte Darmstadt zu ernennen; 25. dem evangel. Schullehrer zu Rimbach, im Kreise Lauterbach, Gaus die evangel. Schulstelle zu Udenhausen, im Kreise Alsfeld,— und dem Schulamis⸗ Aspiranten Maser aus Michelbach, im Kreise Dieburg, die evang. Schulstelle zu Herchenrode, im Kreise Dieburg, zu übertragen;— 28, den Beiknecht dei dem Landgestüt Metz aus Ober⸗ Ofleiden, im Kreise Alsfeld, zum Landgestütsdiener— und am 3. Febr. den Hosstallbeiknecht Friedrich aus Groß⸗ Rohrheim zum Hoftuischer zu ernennen; 5. die in Folge deßfallsiger Vereinbarung der beiden Kammern der Stände diesesmal von der zweiten Kammer vorgenommenen Wahlen des landständigen Petsonals bei der Staats⸗ schulden⸗Tilgungskasse, nämlich des Gutsbesitzers Wernher aus Nierstein als ständisches zweites Miiglied der Direction der Staatsschulden⸗Tilgungskasse— und des Ober⸗ appellations⸗ und Cassallons⸗Gerichtsraths Dr. Zentgraf zum Substituten dieses zweiten ständischen Mitglieds der Direction,— sodann des Finanzraths Guntrum als ständischer Controleut der Staatsschulden⸗Tilgungskasse— und des Staatsschulden⸗Tilguugskasse⸗Buchhalters Peisch als Substitut dieses Controleurs landesherrlich zu be⸗ stätigen;— an demselben Tage den Güterexpeditor auf der Slation Darmsladt der Main-Neckar⸗Eisenbahn Seibert— und den Gehülfen auf dem Controle⸗Burcau der Main⸗Neckar⸗Eisenbahn Calculator Balzer zu Revisoren bei dem Controle-Buxeau dieser Eisenbahan,— sowie den Finanz⸗Aspiranten Lehr von Darmstadt zum Güterexpeditor dei der Station Darmstadt der Main⸗Neckar⸗Eisenbahn zu ernennen,— den Bahnmeister auf der Station Lang⸗ Göns der Main⸗Weser⸗Eisendahn Gerhard von dem ihm gleichzeitig übertragenen Dienste eines Einnehmers und Bahnhofs⸗Vorstandes zu entbinden und ihm nunmehr die Baähnmeisterei Lang⸗Göns zu übertragen,— den Expe⸗ dienten auf der Station Gießen der Main⸗Weser⸗Bahn Mittelstädter zum Bahnmeister der Bahnmeisterci Vildel, — den Schaffner dei dieser Eisendahn Roth zum Ein; nehmer und Bahnbofs⸗Vorstand der Station Lang⸗Gons dieser Eisenbdahn,— den Expedienten Schwarz zum Ge⸗ pück⸗Expebienten auf der Station Gießen,— den Expe⸗ ditlons⸗Gehülfen bei der Güter ⸗ Expedition der Station Gießen der Main⸗Weser⸗Bahn Rotenberger zum Expedienten auf der Station Butzbach dieser Eisendahn,— den Schaffner dei der Main⸗Weser⸗Eisenbahn Jost zun Zug ⸗ führer— und den Bremser Fürstenseld zum Schaffner bei dieser Eisenbahn zu ernennen;— an dmselben Tage den Regztexungs⸗Accessisten Jost aus Bens beim dun Krels⸗ assessor dei dem Kreiszamte Scholten. und den Re⸗ gierungs ⸗Aceessisten Emmerling aus Darmstadt zum Kreisassessor bei dem Kreisamte Dieburg zu ernennen;— 8. Febr. den Hosiunker Erwin Freiherrn Lore vo 7 zu Steinfurth zum Kammerbeern, zu ernennen;—. 9, den bisher provisorisch angestellten Postexpeditor Breidenbach II.
zu Groß Zimmern, welchem die Stelle eines Postexpe⸗


