Ausgabe 
15.8.1856
 
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igeden

15888

Friedberger Jutelligenzblatt.

Erſcheint wö⸗ chentlich zweimal, Dienſtag u. Frei⸗ tag. Preis jährl. fl. 1. 12 kr.; durch die Poſt bezogen

fl. 1. 30 kr.

Allgemeiner Anzeiger für Oberheſſen, Amts- und Verkündigungsblatt für den Kreis Friedberg.

Einrückungsge⸗ bühren für die ge⸗ ſpaltene Petitzeile oder deren Raum 2 kr.; die beiden erſten Zeilen zu⸗

ſammen 7 kr.

Nu 611.

Freitag, den 15. Auguſt.

1856.

Amtlicher Theil.

Dei fle nit lich ee

Mech r i ch k.

Der§ 15 der Statuten des Mathildenſtifts alſo lautend: Jeder Angehörige des Kreiſes der an einer öffentlichen Spielbank ſpielt, verliert da⸗ durch jeden Anſpruch auf Credit und Unterſtützung aus dem Mathildenſtifte

wird hiermit allgemein in Erinnerung gebracht. Friedberg, am 12. Auguſt 1856.

Großherzogliches Kreisamt Friedberg Müller.

Steckbrief Großherzoglichen Kreisamts Friedberg. Eliſabetha Sauer von Gels hauſen, Kreis Grünberg. Heimliche Entfernung aus ihrer Heimath. Urſache!

wegen Diebſtahls.

Friedberg, 14. Auguſt 1856. V. Wir haben den Leſern des Jutelligenzblattes ein frohes Ereigniß zu melden. Der Präſident des Großherzoglichen Geſammtmini

ſteriums, Herr Freiherr von Dalwigk, Excellenz, be⸗

finden Sich, begleitet von Herrn Miniſterialrath von Rieffel, ſeit geſtern 12 Uhr in unſerer Mitte. Seine

Excellenz haben mit Höchſtihrem Begleiter ſogleich zwei

hieſige Anſtalten, die Taubſtummen- und Blindenanſtalt, beſucht, und um 2 Uhr hatten ſämmtliche Beamten, Geiſt liche, Lehrer und der Stadtvorſtand die hohe Ehre, Audienz zu haben. Mit freundlicher Herablaſſung und ſichtbarem Wohlwollen haben ſeine Excellenz Höchſtſich mit Allen un⸗ terhalten, welchen die Gnade zu Theil wurde, Sr. Ex- cellenz vorgeſtellt zu werden. Mit der Vorſtellung war der bieſige Kreisrath, Herr Regierungsrath Müller, betraut. Die ſpätere Zeit des Tages haben, dem Vernehmen nach, Se. Excellenz, begleitet von Herrn Miniſterialrath von Rieffel und Herrn Regierungsrath Müller, mit Beſichtig ung des hieſigen Großherzoglichen Burgſchloſſes und Burg- gartens ꝛc. zugebracht. Unterdeſſen herrſchte unter unſern Mitbürgern die freudigſte Aufregung darüber, daß unſere hieſigen Singvereine beabſichtigten, zum Zeichen treuer Anhänglichkeit an unſern vielgeliebten Landesfuͤrſten und ſeine Regierung, Sr. Excellenz dem Herrn Miniſterpräſi denten eine Serenade zu bringen. Das wurde denn zwi⸗ ſchen 10 und 11 Uhr Abends ausgeführt. Die drei Sing- vereine, geführt von ihren Dirigenten und dem Groß herzoglichen Bürgermeiſter hieſiger Stadt, bewegten ſich in geordnetem Zuge vor das Hotel Trapp und ſangen mit erhöhter Begeiſterung drei ſchöne Lieder. Nach Ab⸗ ſingung des zweiten erſchien Se. Excellenz in der Mitte der Sänger und dankte ihnen in den freundlichſten, herz lichten Worten. Jedem der Dirigenten dankte Se. Ex⸗ cellenz noch beſonders. Mit größtem Enthuſiasmus wurde darum das dreimalige von unſerm Bürgermeiſter ausge brächte Hoch aus Aller Munde, als Ausdruck treuer Anhaͤnglichkeit an Fürſt und Regierung, ausgeführt. Nach Abſingung des letzten Liedes begaben ſich ſämmtliche Mitglieder der Geſangvereine und andere Bewohner hie⸗

ſiger Stadt noch auf ein Stündchen fröhlichen Zuſammen ſeins in eines unſerer Gaſthäuſer und ließen ihren Gefühlen in verſchiedenen Toaſten und Gefängen, hervor gegangen aus patriotiſchen, loyalen Geſinnungen, freien Lauf. Man war ein Herz und eine Seele und wieder holte oft die freundlichen Worte unſeres Höchſtverehrten Gaſtes:»Ich werde Friedberg nicht vergeſſen!« Möge der hohe Herr längere Zeit in unſerer Mitte verweilen!

Verſchiedenes.

Das Verſetzen der Bäume und Wildlinge. Wir haben, geſtützt auf die Beobachtung, daß die Wur⸗ zeln am meiſten im Herbſte wachſen, nachdem in der Krone des Baumes das Wachsthum aufhört, Verſuche ge macht, die Bäumchen ſchon Ende Auguſt und im Septem- ber zu verſetzen. Die Verſuche wurden mit dem beſten Erfolge gekrönt. Die Blätter fielen von ſelbſt ab, was ein Zeichen iſt, daß die Wurzeln ſchon weiter wachſen. Die Augen vervollkommneten ſich, ohne mehr in Blätter zu treiben. Im Frühjahre wachſen ſolche Bäumchen fort, als wären ſie gar nicht verſetzt worden, was ganz natürlich iſt, weil ihre Wurzeln ſchon im Herbſte anwuchſen. Wir machten dieſe Verſuche ſchon vor zehn Jahren bekannt, ohne daß Jemand darauf achtete. Wir freuten uns aber, als wir vor ungefähr einem Jahre in irgend einer Zeit- ſchrift laſen, daß ein fürſtlicher Gärtner das Verſetzen aller Obſt-, Zier- und Waldbäume um eben dieſe Zeit beſtens empfahl. Daß man beim Verſetzen alle Sorgfalt anwenden und den verſetzten Baum einſchlemmen oder be gießen müſſe, verſteht ſich von ſelbſt.

Wir bitten in dieſer Hinſicht Verſuche auzuſtellen, zum wenigſten mit einigen Bäumchen.

(Landw.-Dorfz.)

Zur Berichtigung.

In Nr. 63 des Friedberger Intelligenzblattes iſt unter den im Monat Juli Beerdigten Frau Eliſe Wahl durch ein Verſehen als in Soden beerdigt bezeichnet, während dieſelbe in Soden geſtorben, aber dahier beerdigt worden iſt.