Uazeigen, 10. Alg
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„Lnudtkirche: Burgkirche! — r. 6 eiblatt Nr
Friedberger Intelligenzblatt.
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Allgemeiner Anzeiger für Oberheſſen,
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eee Amts- und Verkündigungsblatt für den Kreis Friedberg. beten dee
ſammen 7 kr.
N 63.
Dienſtag, den 8. Auguſt.
1856.
Amtlicher Theil. Das Großherzogliche Kreisamt Friedberg
an die Großherzoglichen Bürgermeiſtereien des Kreiſes.
Betreffend: Die im Auguſt 1856 in Brüſſel ſtattfindende Ausſtellung von Gegenſtänden für den Hausbedarf der minder wohlhabenden Claſſen; bier insbeſondere die zollfteie Einlaſſung der aus dem Zollvereine zu dieſer Ausſtellung gesendeten Gegenſtände bei der Rückſendung.
Das in obigem Betreffe erlaſſene Ausſchreiben Großherzoglichen Miniſteriums des Innern vom 25. v. M., theilen
wir Ihnen nachſtehend in Abdruck unter dem Auftrag mit, Ihre Gemeindeangehörigen in geeigneter Weiſe davon in
Kenntniß zu ſetzen. Friedberg, am 11. Auguſt 1856.
Mu ek.
Das Großherzogliche Miniſterium des Innern an die Großherzoglichen Kreisämter.
Auf den von der Königlich Belgiſchen Regierung geäuſſerten Wunſch,
Darmſtadt, am 25. Juli 1856. daß die aus dem Zollvereine zu der in
Brüſſel im Auguſt dieſes Jahres ſtattfindenden Ausſtellung von Gegenſtänden für den Hausbedarf der minder wohl- habenden Claſſen(exposition d'economie domestique destinée aux produits 3 P'usage des consomateur peu aisés) geſendeten Gegenſtände bei der Rückſendung zollfrei eingelaſſen werden möchten, haben die ſämmtlichen Zollver—
einsregierungen beſchloſſen und bewilligt, daß für diejenigen zu
der erwähnten Ausſtellung beſtimmten Gegenſtände,
welche von dem Hauptamte des Verſendungsorts auf Grund ſpecieller Reviſion und Verzeichnung, und, ſoweit thunlich,
unter Anlegung eines Bleies oder Siegels, zum Ausgange abgefertigt werden,
bei dem Wiedereingange über daſſelbe
Hauptamt die Zollfreiheit eintreten ſolle, ſofern bei der Eingangsabfertigung gegen die Identität der Gegenſtände ſich kein begründeter Zweifel herausſtellt; und es iſt demgemäß auch bereits an die Zollämter des Großherzogthums das
Erforderliche verfügt worden.
Wir beauftragen Sie, hievon die Angehörigen Ihrer Bezirke in geeigneter Weiſe in Kenntniß zu ſetzen.
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Knorr.
Ver ſchiedenes.
Die chineſiſche Kartoffel(Vam-Batate, Dios- corea Batatas), in welcher man für den Fall der Noth einen Erſatz unſerer Kartoffel gefunden zu haben glaubte, dürfte wohl bald allgemeiner einen Platz in unſern Ge— müſegärten finden, da ſie als ein geſundes und ſchmack⸗ haftes Nahrungsmittel von Franzoſen, Engländern und Deutſchen geprieſen wird. Der Wurzelſtock dieſer Pflanze iſt ausdauernd, die Ranken ſind einjährig und werden 3—6 Fuß lang, die Blätter abwechſelnd, herzförmig, vorn ſcharf zugeſpitzt, ſtark gerippt und zwiſchen den Rippen erhaben, ſo daß ſie unterhalb zwiſchen den Rippen mul⸗ denförmig vertieft erſcheinen. Ihre Farbe iſt glänzend dunkelgruͤn, an den Rändern röthlich; die Stengel ſind kantig und die Ranken ſcheinen gedreht. Die Blüthen bilden in den Blattwinkeln ährenförmige Trauben. Die Wurzelknollen, deren eine Pflanze 2, 3, auch wohl mehr erzeugt, erreichen, je nachdem Boden, Klima und Behand— lung ſind, verſchiedene Größen, werden 1½—3 Fuß lang, 5—2 ½ Pfund ſchwer, ſind oben dünn und verdicken ſich nach unten flaſchenförmig. Sie treiben eine Menge kur— zer, feiner Seitenwürzelchen und haben unter ihrer gelb— bräunlichen Schale ein gelblichweißes, zartes Fleiſch, welches an Stärkemehl ſehr reich iſt. Sie können ſchon roh ge⸗ noſſen werden, ſind aber gekocht oder in Aſche geröſtet ſo weich und mehlig wie Kartoffeln und ſollen im Geſchmack den beſten davon nicht nachſtehen. Sie werden gahr in der Hälfte der Zeit, welche die Kartoffel bedarf. Ihre gekochte, leicht
zerdrückbare Maſſe liefert einen Brei wie von Waizenmehl und läßt ſich daher auf gar mannichfaltige Weiſe zube— reiten. Die Yam-Batate wird in China ſehr haufig an⸗ gepflanzt und kann auch vermöge ihrer Härte unſer Klima gut ertragen.„Weder Froſt, noch Hitze ſchadet ihr,“ ſagt Herr Dr. Foͤrſter in Oppenheim, und ſie widerſteht vielleicht ſogar der Näſſe. Daß das Letztere der Fall iſt, glaube ich annehmen zu dürfen; denn ich habe einen Knollen 3 Monate lang förmlich im Schlamm unterhalten, und ſie trieb während dieſer Zeit und fand ſich bei wiederholter Unterſuchung gleich geſund. Die von mir gezogene Pflanze hat jetzt ſeit der Zeit, daß ſie gelegt iſt(10. Marz) eine Höhe von über 18“ rhein. erreicht. Bis dieſelbe aufge⸗ gangen, dauerte es über 2 Monate, ſeit jener Zeit aber wächſt ſie ſehr ſchnell, in den allerletzten Tagen durchſchnitt⸗ lich einen Zoll. Die Fortpflanzung läßt ſich leicht be⸗ wirken, da das obere dünne Ende des Wurzelſtocks Steck— linge liefert, alſo die eigentlich genießbaren Knollen als Nahrungsmittel verbleiben; man kann übrigens auch dieſe zum Stecken verwenden, indem man, wie bei den Kar— toffeln, die kleinen Knollen ausſucht, oder die größeren in 1—2“ dicke Scheiben ſchneidet.
Der Anbau der YNam-Batate im Großen bietet aber mancherlei Schwierigkeiten dar: ſie erfordert nämlich eine gartenmäßige Kultur, ein ſehr tief gepflügtes oder ge— grabenes, ſtark mit verottetem Dünger oder Compoſt ver— ſetztes Land. Ferner iſt das Ausgraben derſelben ihrer Form halber, da ſie ſich, wie erwähnt, nach unten ver⸗ dicken, ſehr beſchwerlich. Bei einer ſolchen Kultur ſoll


