W
Friedberger Intelligenzblatt.
Erſcheint wo chentlich zweimal, Dienſtag u. Frei⸗ tag. Preis ſährl. fl. 1. 12 kr.; durch die Poſt bezogen
1
Allgemeiner Anzeiger für Oberheſſen, Amts- und Verkündigungsblatt für den Kreis Friedberg.
Einrückungsge⸗ bühren für die ge⸗ ſpaltene Petitzeile oder deren Raum 2 kr.; die beiden erſten Zeilen zu⸗
ſammen 7 kr.
Mr.
I 836.
Dienſtag, den 6. Mai.
1856.
Amtlicher Theil.
Bekanntmachung.
Die nachſtehend verzeichneten kupfernen Gegenſtände ſind bei einem unbekannten Menſchen angehalten worden und werden deßhalb diejenigen, welche hieran Eigenthumsanſprüche begründen zu können glauben, hiermit aufgefordert, ſolche binnen 6 Wochen geltend zu machen, gegenfalls uber ſolche weiter verfügt werden wird.
Friedberg, den 25. April 1856.
Großherzogliches Kreisamt Friedberg Mü lle x,
Verzeichniß der betreffenden Kupferwaaren.
6 Stuüͤcktheile von Kupferrohren, 1 kupf. Topf mit 2 Ohren, 1 kupf. Kaffeekeſſel mit Hänge, 1 kupf. Kanne ohne Boden, geeicht(Zeichen H. S. K. S. 315. 1788.), 1 Abſchnitt neues Kupfer, 4 Stück Kupfer, von einem Waſchkeſſel herrührend, 17 Stück altes Kupfer, verſchiedene Theile und 2 Fruchtſäcke gez. mit Rotel I. A. I.
Das Ganze enthält ein Gewicht von 42 Pfund incl. der Säcke und hat einen reellen Werth von 21 fl.
Auszug aus dem Groſtherzoglichen Negierungsblatt.
Nr. 12 vom 17. April enthält: J. Bekanntmachung Gr. Miniſteriums der Finanzen vom 16. April, wornach in Folge Aller— höchſter Entſchließung das nach der Bekanntmachung vom 2. Jan. 1855 angeordnete Verbot der Ausfuhr von Pferden über die Grenzen des Zollvereinsgebiets wieder aufgehoben wird.— II. Steuerausſchlag zur Bezahlung des Gehalts des Rabbinen zu Offenbach für 1856. — III. Umlagen zur Beſtreitung von Communalbedürfniſſen in den Gemeinden des Kreiſes Grünberg für 1856.— IV. Dienſtnach⸗ richten. S. K. H. der Großherzog haben allergnädigſt geruht: am 19. März den Oberſteuerrath Reatz auf Nachſuchen zum Fiscal— Anwalt in Starkenburg, mit dem Charakter„Juſtizrath“ und den Stadtgerichtsaſſeſſor Wörner zu Gießen zum Oberſteuerrath,— 22. den Bauacceſſiſten Metternich aus Mainz zum Oberbau— Secretär und den Expedienten der Main-Weſer-Eiſenbahnſtation Gießen, Pilger, zum Materialverwalter bei dieſer Bahn zu er— nennen.— V. Militärdienſtnachrichten. S. K H. der Groß⸗ herzog haben allergnädigſt gerubht: am 10. Aug. 1855 den Ober⸗ apell- und Caſſationsgerichtsrath Krug zum Ergänzungsrichter des
Oberkriegsgerichts, 10. den Miniſterial-Canzleiinſpector Kamm bei der Kanzlei des Kriegsminiſteriums, auf Nachſuchen, in den Ruheſtand zu verſetzen, und den Miniſterial-Canzliſten Canzleiſecretär Becker zum Miniſterial-Canzlei-Inſpector zu ernennenz am 5. Sept, den Lieutenanten v. Riobu im Gardereg. Chevauxlegers und v. Plön— nies 1. im 2. Inf.⸗Reg. den Charakter als Oberlieutenante, dem penſ. Oberlieut. Moter den nachgeſuchten Abſchied aus dem Gr. Militärdienſt zu ertheilen; am 25. Oct. zu befehlen, daß Oberlieut. v. Zangen im 3. IJnf.-Reg., welchem mit Allerhöchſter Genehmigung die Erziehung S. Gr. H. des Prinzen Wilhelm übertragen worden und welcher in Folge deſſen aus dem Etat jenes Regiments ausſcheidet, als aggregirt zu führen ſei; 26. den charakteriſirten Oberlieut. von Plönntes im 4. Inf-Reg. zum etatsmäßigen Oberlieut. im 3. Inf.⸗Reg. zu ernennen und den überetatsmäßigen Lieut. Diery vom 3. Inf.⸗Reg., unter Einreihung in den Etat, zum 2. Inf.-Reg.; am 3. Nov. den Militärarzt Ur. Fauſtmann vom 3. Inf.⸗Reg. zum Lazareth zu Worms und den Militärarzt Ur. Salzer vom Lazareth zu Darmſtadt zum 3. Inf⸗Reg. zu verſetzen; 28. den Hauptmann
Der Gemſen jäger. (Fortſetzung.) Felsblöcke, welche der Froſt bisher feſtgehalten
hatte, rollten anfangs über den glatten Abhang herab, ſtießen ſich dann am erſten beſten Hinderniß, ſchnell— ten in ungeheuren Sätzen weiter, überſprangen die ſoge— nannten Gletſcherwälle und polterten ſtürzend in die Ab— gründe, an deren tönende Wände man ſie lange anſchlagen hörte. Die auf den Lehnen des Gebirges angehäuften Schneemaſſen und Schichten fanden ſich plötzlich von ihrer Unterlage losgeriſſen, begannen erſt zu rutſchen und ſtürzten ſich dann mit einem wahren D onnergekrache herab; dabei rafften ſie in ihrem Laufe Alles auf, was ſich vor ihnen befand und füllten die Lücken des Erdreiches aus und ſtürzten ſchmetternd in die Thäler, von wo ſie in Staub wieder zurückſchnellten. Von einem Augenblick zum andern ſchienen die vom Winter aufgebauten Alpen in Trümmer ſtürzen zu wollen, und ihr ungeheures Einſtürzen ſperrte einen Pfad um den andern. Vergebens ſuchte Ulrich einen Ausweg. Hier überſchwemmte ein Gießbach, der vom Hochgebirge herunterſtürzte, das ſchmale Geſims am Rand des Abgrundes, auf welchen er gerne geflohen wäre; dort
hatte eine Lawine den Paß verſchüttet; zur Rechten war ein Fels wie ein Bogen uber die Kluft geworfen worden, deren Wände ſchon unter ſeinem gewaltigen Druck ſich loszubröckeln und zu berſten begannen; zur Linken hatte ſich plötzlich eine gähnende Spalte geöffnet; von allen Seiten krachte und knallte das zerbrochene Eis, tobte das wüthende Pfeifen des Windes, der Donner der herabſtür— zenden Lawinen, das Brüllen und Rauſchen der wilden, ausgetretenen Bergwaſſer, und über all dieſem Chaos ſenkte ſich die Nacht ſtill und raſch hernieder, um dem verſtiege— nen Jager gewiſſermaßen auch die letzte Hoffnung zu be— nehmen.
Inzwiſchen fuhr Ulrich fort, wacker gegen all dieſe ſtets ſich erneuernden Gefahren anzukämpfen. Aus dem ganzen Gewirr ſeiner vielfach unterbrochenen Gedanken und Empfindungen ragte Vreueli's Geſtalt und die Erinne— rung an ſie empor, und verlieh ihm eine zähe Kraft des Willens und beſtärkte den Drang zum Leben in ihm auf eine Weiſe, die ihn noch bei Kräften erhielt. Leider aber war ihm der Ort, wo er ſich eben befand, ganz unbekannt. Betäubt durch den Lärmen um ihn her, geblendet von dem Schueeblick, der ihn überall umgab, irre gemacht von den


