Nationaliaische Temonstralten im Fafehaus. In letzter Zeit hat ein Unfug auch bei uns in Gießen Ver⸗ breitung gewonnen, gegen den mit aller Entschiedenheit pro⸗ testiert werden muß. Schon öfters ist es vorgekommen, daß in irgend einem Lokal im alkohol⸗angeregter Stimmung befind⸗ liche Leute ihre Begeisterung fürs Vaterland durchnatio⸗ nalen Singsang bekunden wollten und dabei andere An⸗ wesende zu veranlassen suchten, mit eimzustimmen. Nun wird ja kein bernünftiger Mensch dieser in der Kneipe zum Aus⸗ druck gebrachten vaterländischen Begeisterung viel Wert bei messen, aber es ist als eine Ungehörigkeit zu bezeichnen, wenn Gäste dadurch belästigt werden, daß man sie zur Teilnahme an derartigen Demonstrationen veranlassen will. Vor dem Kriege wurde vielfach der Unfug getrieben, daß man an irgend einem Stammtisch ein Hoch auf den Kaiser oder einen anderen Potentaten ausbrachte und von den übrigen An⸗ wesenden verlangte, daß sie dabei aufstanden. Derartige Lumpereien führten sogar zu Majestätsbeleidigungs⸗Pro⸗ zessen. Am vorigen Samstag trieben spät abends eine An⸗ zahl Studenten im Cafe Amend in der Bahnhofstraße allerlei Allotria. Selbstverständlich wurde auchgesungen. Schließ⸗ lich spielte die Musikkapelle das Deutschlandlied und die ver⸗ mutlichen Studentensangen mit. Dabei waren sie aufge⸗ standen und auch die übrigen Gäste mit Ausnahme eines jungen Mannes, der in Gesellschaft einiger Bekannen an einem Tische entfernt von den lärmenden Studenten saß. Auf diesen jungen Mann trat plötzlich ein anderer Gast hin⸗ zu, der Autohändler Göbel von hier, schrie ihn an, warum er nicht aufstehe und schlug ihn mehrmals heftig an den Kopf. Der Angegriffene konnte sich weiter nicht wehren, brachte aber den Angreifer zur Anzeige. Die Sache wird also noch das Gericht beschäftigen. Merkwürdiger Weise tat der Wirt nichts, den jungen Mann vor Tätlichkeiten zu schützen. Dieser Vorfall ist einfach empörend. Ungehörig ist es schon, wenn sich in einem Lokal Leute erlauben, andern die Ohren vollzubrüllen, denn sie wissen ja nicht, ob diese ihre Gesangs⸗ künste hören wollen. Eine Unverschämtheit aber, wenn man andere noch zwingen will, an Demonstrationen teilzunehmen. Wie, wenn nun Sozialdemokraten in einem öffentlichen Lokal den Sozialistenmarsch anstimmen und von den übrigen Anwesenden verlangen wollten, aufzustehen?

Geschworenenliste. Für die am Montag, den 5. März 1923 unter dem Vorsitz des Landgerichtsrates Funk beginnende Schwur⸗ gerichtssitzung der ersten Periode 1923 wurden folgende Personen als Geschworene ausgelost: 1. Heinrich Stampf 2., Landwirt in Hattenrod. 2. Frau Amtsgerichtsrat Thurn in Lauter⸗

bach. 8. Phintpp Nöhter, Werkfüßrer Fr Friedberg. 4. Hermann

Baumann, Lademeister in Friedberg. 5. Gustav Mandt, Buchhändler in Lauterbach. 6. Julius Kann, Fabrikant in Friedberg. 7. Johann Georg Dietz, Landwirt in Nieder⸗Erlenbach. 8. Karl Brink 2., Berg⸗ arbeiter in Wölfersheim. 9. Alfred Mickel, Schlossermeister in Ober⸗ Mockstadt. 10. Frau Klara Quentel in Homberg a. Ohm. 11. Sally Kleeberg, Kaufmann in Lauterbach. 12. Jakob Hofmann, Schriftsetzer in Klein⸗Linden. 13. Georg Scherer, Weinhändler in Friedberg. 14. Friedrich Kaz, Gutspächter in Okarben. 15. August Theiß 2., Bergmann in Bernsfeld. 16. Dr. phil. Margaretha Bieber in Gießen. 17. Johannes Leyrer, Forstwart in Clim⸗ bach. 18. Wilhelm Quanz, Landwirt in Langd. 19. Johannes Otter⸗ bein, Schuhmacher und Landwirt in Ruppertenrod. 20. Friedrich Dietz, Landwirt in 21. Eduard Engler, Konsul in Bad Salzhausen. 22. Konrad Biedenkopf 3., Landwirt in Münster bei Laubach. 23. Hans Schmoll, Kaufmann in Nidda. 24. Elisa⸗ bethe Salzmann in Bad Nauheim. 25. Heinrich Ziegler 3., Kaufmann in Bad⸗Nauheim 28. rl Heller, Kaufmann in Lich. 27. Friedr. Wilh. Bornmann, Landwirt in Trais⸗Horloff. 28. Ehe⸗ frau Ella Jung in Bad⸗Nauheim. 29. Karl Winter, Berg⸗ kassterer in Wölfersheim. 30. Ludwig Stern, Kaufmann in Schotten. Für die Tagung sind 3 Tage vorgesehen, in der voraussichtlich 3 Sachen zur Verhandlung kommen. Wie aus der Liste hervor⸗ geht, sind zum ersten Male Frauen berufen worden.

Wegen Wegfall der Altersrenten sei in Beantwortung meh⸗ rerer Anfragen nochmals bemerkt: Das Gesetz über Aenderung des Versiche rungsgesetzes für Angestellte und der Reichsversicherungsord⸗ nung vom 10. November 1922 hat die Altersrente beseitigt. Vom 1. Januar 1923 an werden keine neuen Altersrenten mehr festgesetzt. Alle 65 Jahre alten, bei der Invalidenversicherung versicherten Per⸗ sonen haben, wenn sie die Wartezeit erfüllt haben, Anspruch auf In⸗ validenrente, auch wenn sie nicht invalid sind. Die bisher festgesetzten Altersrenten bleiben bestehen, können aber in die höhere Invaliden⸗ rente umgewandelt werden. Die Umwandlung der Alters⸗ in In⸗ validenrente erfolgt nicht ohne weiteres durch die Landesversiche⸗ rungsanstalten. Es ist vielmehr ein Antrag des Rentenempfängers erforderlich. Die Umwandlung ist auch nur dann möglich, wenn der Altersentner während des Bezuges der Rente weiter geklebt und die Anwartschaft aufrechterhalten hat.(Mindestens 20 Beiträge in 2 Jahren.) Wo diese Voraussetzung erfüllt ist, ist den Altersentnern zu empfehlen, bei der zuständigen Landesversicherungsanstalt einen l auf Umwandlung der Alters⸗ in eine Invalidenrente zu tellen.

Die Clektrizitätspreise sind schon wieder erhöht worden, die Kilowattstunde kostet jetzt 850 Mk.

br. Wieseck. In der Gemeinderatssitzung am 22. Febr. stand als erster Punkt die Festsetzung der Gemeindeumlagen für 1922 zur Beratung. Dieselben wurden wie folgt festgesetzt: 28 Mark pro 100 Mk. Schätzungswert für Gebäude und Bauplätze; 32 Mark für Anlage⸗ und Betriebskapital und 48 Mk. für land⸗ und forstwivtschaftlich genutztes Gelände. Die Abgabe von Brenn⸗ holz zum Taxpreis an eine größere Zahl Minderbemittelter, Sogial⸗ und Altrentner wird den Vorschlägen der Armenkommission entsprechend gutgeheißen. Angenommen wurde weiter ein Gesuch, für einen hier in Privatpflege befindlichen Geistesschwachen die je⸗

Hälfte der Kosten für ein in Pflege zu gebendes Kind aus! meindekasse zu tragen. Für die Baugenossenschaft bewilligte

went erte er Ger ins Astegenen ir effet, ere

der Gemeinderat vor kurzem 1160 000 Mark, hierzu beschließt ö meinderat die kreisamtliche Genehmigung einzuholen. Der 5 meinderat ermächtigt eine Kommission, die Lage des Sport⸗

platzes im Ursulinum endgültig festzulegen, In Verbindung

hiermit wird einem Gesuch der hiesigen Ortsgruppe derWander⸗ vögel stattgegeben, die geplante Errichtung einer Blocthütte dort⸗ felbst so aus zuführen, daß sie auch als Unterkunft für Wandervögel benutzt werden kann. Die Beteiligung der Gemeinde an dem. Ruhrhilfswerk wird der Finanzkommission überwiesen.

Westerwald und Unterlahn.

Ungeeigneter Ruhrspendensammler. Aus Herbornse el⸗ bach wird berichtet: Aus der Not eine Tugend zu machen verstand

ein hiesiger Einwohner. Er zog ins Ahrtal undsammelte für die

Ruhrspende. Butter, Eier, Speck, Dörrfleisch usw. flossen ihm reichlich zu und schwer beladen konnte er sich heimwärts wenden. Aus dieser Sammlung erhielten allerdings die Ruhrkämpfer nichts zu sehen, denn derSammler will doch auch leben. Dies konnte allerdings

9 Polizei nicht begreifen und machte seiner Sammeltätigkeit ein Ende.

Kleine Nachrichten.

Frankfurt a. M., 22. Febr. Der steigende Gaspreis. Der Gaspreis, der erst vor einigen Tagen auf 900 Mark für das Kubikmeter festgesetzt wurde, soll in ganz kurzer Frist abermals er⸗

höht werden, und zwar auf mindestens 1150 Mark. Die Preis⸗

steigerung auf 900 Mark hat übrigens eine recht erhebliche Vermin⸗ derung des Gasverbrauchs zur Folge gehabt. Namentlich hält die Petroleumlampe überall wieder ihren siegreichen Einzug.

Ein Millionenschwindler. In Leipzig hat Ka Max Gleißner eine Gastrolle gegeben, der in Berlin Millionenschwinde⸗ leien verübte und von der Polizei gesucht wird. In Leipzig trat er als Volkskommissar für die Ukraine und Rußland auf und bestellte bei einer Zigarettenftrma für 10 Millionen Mark Ware, die er mit einem gefälschten Scheck bezahlte. Bevor die Fälschung entdeckt wurde, hatte er dem Zigarettenhändler dessen Papiere abgeschwatzt und ist dadurch in den Besitz eines auf den Namen Gordecky lautenden ukrai⸗

nischen Passes gelangt. Als Opfer sucht sich Gleißner steis größere Unternehmen heraus, denen er riesige Bestellungen für Rußland

aufgibt. So ist es ihm gelungen, einen Automobilkonzern um 30 Last⸗ kraftwagen im Werte von 8 Millionen, eine Tabalfirma um Werte von 300 Millionen und eine Maschinenfabrik um Fabrikate im Werte von ½ Milliarde zu betrügen.

Ein Schillerdenkmal gestohlen. Nach einer Meldung des Berliner Lokalanzeigers stahlen unerkannt gebliebene Diebe im Bürgerpark in Stendal eine wertvolle bronzene Büste Schillers. Man nimmt an, daß die Beute zerschlagen und nach Berlin geschafft worden ist. Der Stendaler Magistrat beabsichtigt alle aus wertvollem Material be⸗ stehenden Denkmäler der Stadt in sichere Verwahrung zu bringen.

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Bekanntmachung.

Betrifft: Gemeindehundesteuer.

Durch Beschluß der Stadtverordneten-Versammlung vom 15. Februar 1923 wird die Gemeindehundesteuer in der Stadt Gießen mit Wirkung vom 1. Januar 19 23 wie folgt sestgesetzt:

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25 9 8 25

Brillanten, Gold, Silber, Platin, Perlen, Bestecke,

7 8 1*

lll Belohnung demjenigen,

der mir meine am Lager Südanlage 10

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t der Kaufmann Max

64 a) ane der Hundebesitz das ganze Sul 90805 liegengelassene wasser⸗ 5 4 e 5 8 25 72 dichte Wagendecke m. b f f 5 415 4 FTT... ·ĩ ĩ ĩ ˖˙ Tafelgeräte, Alte Münzen, nn mee gf U e) sofern er nach dem 1. April aber 5 2 2 1 H. Christ 1 vor dem 1. Juli beginnt 5 2 5 5 5 00 bach bac n dn 8 1500. Ab heute: 0 5 W Art, 0 Holzmühle Lollar. tdor dem 1. November deginut. 750. Auf tausendfachen Wunsch 90 1 5 für jeden Hund. 8 ren S 1 1 5 St dit f Der mehrfache Hundebesitz wird mit folgenden Zu⸗ nochmals: 5 e, 8 eb 1 2K E, 8 fl kl kr

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