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Gießen, Sonntag, den 23. Mal

1897.

Landes

Ausgabe

Gießen.

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Postztg. Nr. 3319. Telephon⸗Nr. 112.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach Sonn- und Feiertagen.

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bokales und Provinzielles.

g, Dean. 3, Gießen, 22. Mai. Sommerfest des

00e b. Stun Bohlthätigkeits⸗Vereins Contentia.

g. Niorgen, Sonntag, findet auf derSchönen lussicht das erste Sommerfest obigen Vereins

satt. Wie aus dem Inseratenteil und den

7 Plakaten ersichtlich, bietet das Programm mannig⸗ ler uche Unterhaltungen. Besonders machen wir a; 0 uf den fünf Meter hohen Luftballon aufmerk⸗ nichts,

am, dessen Aufstieg nachmittags 5 Uhr statt⸗

* indet. Wir wünschen dem Verein, welcher sich angelegt hatte. ur Aufgabe macht, aus den Ueberschüssen

Konzer her öffentlichen Veranstaltungen un⸗

gen beben gin semittelte Kinder, die das erste Mal

rage* ge Schule besuchen sollen, zu kleiden,

lues Wetter und entsprechende Einnahme.

Gießen, 22. Mai. Zu der gestern auch jon uns zum Abdruck gebrachten Auslassung der J. Z. über das Vereins⸗ und Versamm⸗ üngsrecht in Hessen stellt dieMainzer golksztg., das Organ des n Dr. David, fest,daß das Gesetz von 1852 ebenso pie die früheren das Vereins- und Versamm⸗

tritt 20 Pig

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vorzüglich, ungswesen einschränlenden Gesetze und Verord⸗ 70 Pf 10 zungen durch Publikation der Bundestags-Be⸗ g% shlüsse vom 13. Juli 1854 aufgehoben wären.

Da der Publikation in Hessen aber keine Aus, ude Erinnerun ührungs⸗Veror dnung folgte und somit % nah keinerlei Strafbestimmungen festgesetzt wurden, Hehner. o sind diese Bundestags⸗Beschlüsse nicht gesetz⸗ iüftig geworden. Es besteht sonach in der That E seln die Vereins⸗ und Versammlungsfreiheit nschränkendes Gesetz. Dem entspricht auch die 90 inn ganz Hessen thatsächlich und ganz gleich⸗ 1 a I näßig geübte Praxis, wonach weder für Vereine och für Fe Anzeige resp. Geneh

nigung erforderli 25

1 gung erf ch is

ageszell.

Gießen, 22. Mai.(Strafkammer.) die Lebensgeschichte eines noch jungen Fliegen⸗ chimmels beschäftigte gestern den ganzen Vor⸗ nittag unsere Strafkammer. Beim Gutsbesitzer soch-Elmenrod wurdeMax, so der Name es Pferdes, geboren und wuchs bis zum vierten jahre munter heran. Ueber die Eigenschaften des Tieres befragt erklärte der Züchter desselben, 65 sei zuverlässig, weil aber noch jung, feurig sewesen und habe man dasselbe zu behandeln lerstehen müssen. Untreue habe er an dem Gaul

queuer.

me 7

nhofstr. 29.

5 und ne wahrgenommen. Er habe, als das Tier a 0 ner Jahre alt gewesen, es auf den Friedberger irbeitel pferdemarkt gebracht und es dort der Lotterie⸗

ommission für 500 4 verkauft. Durch die Verlosung kamMax in die Hände eines Pferdekenners; derselbe hatte das Gewinnlos für 900 4 von einem Bauersknecht erworben und sich das Pferd von e geholt. Ihm will der Gaul schon bei der Abholung nicht ganz sadenrein vorgekommen sein; er nahm das Lier in seinen Stall und erlebte gleich am ersten

oͤrflein, Kife Eingang Steinstraße

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8 der Morgen eine Affaire mit demselben, die er als ne g labensgefährlich bezeichnet.Max ließ sich nicht Jiehlel keikommen, er schlug um sich wie ein Rasender, f nad es wurde dem Besitzer äußerst schwer, dem⸗

n bell 10 Pb. flben das Geschirr anzulegen; nachdem dies ge⸗ 10 gückt, hat er den Gaul angespannt, worauf der⸗ dunkel 220 lbe seine Schuldigkeit gethan hat. Die Stall⸗

la Cpisode vom ersten Tag hatMax aber täglich

frei ius Had piederholt, und so hat er denselben dem Herrn nienlt I Fböoch, der Garantie übernommen, zur Verfügung * hl hestellt, von diesem seine 300 l. wiedererhalten, Bril ud war froh, ohne Schaden davongekommen ofstr. 50.* sein. Nun kam zum Unglück für diesen das i ferd an den Landwirt Moritz Bender von

lac g geh Lambach, welcher gemeinsam mit Koch das Pferd gegeben ton jenem Pferdekenner in Empfang nahm und ostsee% lubei dessen schlechten Eigenschaften erfuhr; als bbc Jen kaufpreis erhielt Koch 300% von Bender. , Rellong In Lender bot den Gaul zum Verkaufe mehrfach 1: J l 648. Er verlangte u. a. von dem Fuhrmann 0 0 fung ⸗Butzbach zuerst dafür 500, doch Mot nee burde aus diesem Handel nichts. Später sollte 42 zung das Pferd für 400& erhalten, aber auch mit in len, 4 seser Handel wurde nicht perfekt. Bender ging acerorher nu, unn diesem Reflektanten gegenüber auf 300 K. rtellste, 10 eerunter, worauf Jung das Verlangen stellte, er el. bolle das Tier erst probieren. Darauf wollte

*

11 115 I f 1 7 g 8 f. 1 gal dane ch aber Bender keinesfalls einlassen, lieber

zollte er das Pferd an Jung ohne Garantie ur 150 l losschlagen, worauf dieser, um die robe zu machen, dafür 70 4 bezahlen wollte. dies sei der Fliegenschimmel als Schlachtroß och wert gewesen. Die Sache zerschlug sich und nun fand sich der Landwirt Müller von

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er, 4 zunggöns, der von Bender den Gaul gegen

ee 9s bar und ein fettes Schwein im Werte

2 f on 60 4 unter der ausdrücklichen Zusicherung,

l Wo 10 Aus Pferd sei doppelt zugfest, aufgehalst erhier. fene Hache 1 zwar sagte der Verkäufer ausdrücklich, ein bis⸗

gon ö

1 guten

chen untreu sei das Pferd, aber man müsse ihm

nur gut zureden, dann ziehe er die schwersten Lasten, es sei ein gutes Pferd. Aber gleich am ersten Morgen sollte der neue Besitzer sein blaues Wunder erleben. Als er mit seinem Sohn den Stall betrat, um das Pferd für die erste Fahrt anzuschirren, da begann dessen bischen Untreue sich zu erweisen, es schlug um sich, wie dasselbe es schon immer gethan, alles gute Zureden nützte und es dauerte lange, ehe man dem tobenden Tiere das Geschirr mit List und Gewalt Man spannte es nun in einen leichten Wagen, um seine vielgerühmte Zugfestig keit zu erproben, aber nicht von der Stelle war der Gaul zu bringen, er bockte, bäumte sich und schlug um sich, ruckte scharf an, um von neuem seine Kapriolen zu machen, und kam in dieser Weise, in Schweiß gebadet, etwa 100 bis 150 Schritte von der Stelle. Das Pferd hatte was in Langgöns einigermaßen schwer sein soll einen gewaltigen Menschenauflauf verursacht. Müller brachte das Pferd zurück nach Gambach, traf aber Bender nicht zuhause an, stellte aber das Pferd dem Vorbesitzer wieder in den Stall. Nun begann ein Zivilprozeß wegen des Pferdes, der alle Instanzen durchlief(er begann 1893), wobei aber der Roßtäuscher von Gambach unter legen ist. Sechs Zeugen hatten in dem Ver⸗ fahren zu gunsten Müllers über die Eigenschaften des Pferdes ausgesagt. Der Fuhrmann Jung von Butzbach hat beeidet, der Gaul sei nicht so viel wert gewesen, daß er ihn geschenkt genommen hätte. Der Landwirt Wagner von Langgöns hat beschworen, das Pferd sei absolut nicht zu e gewesen, es habe nur den Wert der Jil und der Knochen gehabt. Nach beendetem

ivilprozeß, in dem er unrecht bekommen, denun⸗ zirte Bender den Jung und Wagner bei der Staats⸗ anwaltschaft wegen wissentlich falschen Eides, den sie in seinem Pferdeprozeß geleistet haben sollten. Der Erfolg der Anzeige war, daß Bender unter der Anklage der wissentlich falschen Anzeige vor die Strafkammer Gießen gestellt wurde und von dieser zu 6 Monaten Gefängnis verurteilt wurde. Die gegen dieses Urteil beim Reichsgericht einge⸗ legte Revision wurde verworfen. Nun betrieb Bender das Wiederaufnahmeverfahren und zwar hatte er das seltene Glück, daß dem stattgegeben und so beschäftigten die unglücklichen Eigenschaften des Perdes gestern wieder ein Mal das Gericht. Der Angeklagte Bender bleibt dabei, bei ihm sei Max wohl ein wenig untreu, aber arbeitsam und zugfest gewesen. Eine Reihe von Zeugen bekundeten, gesehen zu haben, daß Bender mit dem Pferd geackert, Sand und Dünger gefahren, es sei in Figur ein prächtiger Gaul gewesen, der 0 die Ohren gespitzt. Andere Zeugen haben die Beweglichkeit der Ohren in Verbindung mit dem eigentümlichen Blick des Gaules für Hinter⸗ list und Tücke gehalten. Verschiedene Personen haben wahrgenommen, daßMax plötzlich bei der Arbeit versucht hat, zu streiken und dann rasend um sich geschlagen, es sei ihnen klar ge⸗ wesen, daßMax einen Koller habe und nicht zugfest sei. Das Pferd sei ein sogenanter Stußel gewesen. Der Herr Pfarrer habe dasselbe öfter ate und damit seine Not gehabt. Eines

ages sei das Pferd mit zerbrochener Wagen⸗ scheere ins Dorf gerast gekommen, während der Pfarrer auf der Landstraße mit dem Wagen verblieben. Auch die zahlreichen Lang⸗ gönser Zeugen konnten das Pferd nicht loben und schilderten die Episode, als Müller dasselbe im Besitz hatte, auf der Dorfstraße in Langgöns. Der Angeklagte richtet sehr häufig, obgleich er einen Verteidiger sich bestellt hat, Fragen an die Zeugen, ohne aber irgend damit zu seinen Gunsten förderlich zu sein. Der Staatsanwalt Zimmer⸗ mann war mit den im Zivilprozeß geurteilten Instanzen der Meinung, daß das Pferd gehirn⸗ krank gewesen und dadurch vielleicht auch durch den 5 Wechsel seines Besitzers ungünstig be⸗ einflußt, in seinen Fähigkeiten immer mehr herab⸗ gekommen. Das wußte der Angeklagte, er hat dem Jung gegenüber zuerst für den Gaul 200. Nutzen gefordert, ist dann diesem gegenüber ohne Garantie im Preise von 500 auf 150 K heruntergegangen, wenn er es aber noch nicht gewußt hat, dann konnte er sich durch den ge⸗ führten Zivilprozeß davon überzeugen, daß seine Angabe, das Tier sei zugfest, nicht stimme und daß Jung und Wagner nur beschworen, was wahr gewesen, nämlich, daß das Pferd nur einen Wert zum schlachten gehabt und wenn er dennoch diese beiden Zeugen wegen Meineid denunziert, so hat er eine wissentliche falsche Anzeige er⸗ stattet. Dieser Ansicht war auch die Strafkammer und bestätigte das früher ergangene Urteil. Bender wird es nun noch ein Mal mit der Re⸗ vision beim Reichsgericht versuchen, obschon die

Preis der Anzeigen! 10 Pfg. für die Espaltige Petitzeile.

Expedition:

5 1 Kreuzplatz Nr. 4.

Kosten des Pferdeprozesses sein Vermögen schon erheblich dezimiert haben.

* Gießen, 21. Mai.(Schöffengericht.) Heute Morgen wurde die Verhandlung in der Privatklagesache des Metzgermeisters Gust av Trinkhaus gegen den Schlachthausverwalter Julius Möhl fortgesetzt. Da Letzterer nach Lage der Sache keine Gegenbeweise erbringen konnte, mußte seine Verurteilung erfolgen, welche auf eine Geldstrafe von 25& sowie Tragung der Kosten lautete.

* Gießen, 22. Mai. Das städtische Volksbad, genannt Freibad, an der Lahn, welches seit ca. 14 Tagen geöffnet und wieder wie im vergangenen Jahre unter der Beauf sichtigung des Schwimmmeisters Weidmann steht, erfreut sich in den letzten Tagen starker Frequenz. Vorgestern badeten 170 Personen, während 19 die Zahl der Badenden, die das Bad enutzten, 183 betrug.

* Gießen, 22. Mai. Wie wir hören, wurde in der vorgestrigen Sitzung der Stadtverordneten in Darmstadt Herr Bauinspektor Frenay von hier zum ersten Assistenten des Stadtbau meisters in Darmstadt gewählt.

* Gießen, 22. Mai.(Saatenstand im Großherzogtum Hessen um die Mitte des Monats Mai 1897.) Die sämtlichen Saaten, auch Klee und Wiesen, sind infolge der kalten Witterung in der Entwickelung zurückgeblieben. Auch Hagelschlag kam am 30. April vor, und zwar in den Erhebungsbezirken Flonheim(strich weise) und Wörrstadt(Gemeinden Schimsheim, Eichloch und Wörrstadt ca. 2000 Morgen Roggen und Klee). Wegen Auswinterung mußten nur im Erhebungsbezirk Bensheim 5 pCt. Winter⸗ weizen umgepflügt werden.

* Großen Linden, 22. Mai. In ver⸗ gangener Nacht wurde bei dem hiesigen Post⸗ halter ein Einbruchsdiebstahl verübt und 500. an barem Gelde, sowie Briefmarken im Werte von 200, entwendet. Der Einbrecher war durchs Fenster eingestiegen und hatte dies dadurch bewerkstelligt, indem er die Scheiben mit Papier beklebte und so ohne Geräusch ins Haus eindrang. Der Posthalter war während der Begehung des Diebstahls bei einer Hochzeit anwesend.

* Grünberg, 21. Mai. Der Himmel⸗ fahrtmarkt war mit Schweinen sehr stark, mit Rindvieh gut befahren. Besonders Ferkel waren in großer Menge vorhanden. Der Handel mit denselben ging sehr flott, und die Preise waren ungewöhnlich hoch. Für das Paar 9 bis 10 Wochen alte Ferkel wurden 5069* be⸗ zahlt; ältere waren entsprechend teuerer. Unter 50. das Paar wurden überhaupt keine Ferkel abgegeben. Die Leute können sich nicht entsinnen, je solch hohe Preise bezahlt zu haben. Rindvieh waren ebenfalls meistens jüngere Tiere aufge⸗ fahren. Trotzdem jetzt die Aussichten auf Grün⸗ futter ziemlich gut sind, herrschte nur verhältnis⸗ mäßig wenig Nachfrage; infolgedessen waren auch die Preise nur mäßig, und viele der zu Markt gebrachten Tiere wurden nicht abgesetzt. Auch auf dem Krämermarkte herrschte leb hafter Verkehr.

* Darmstadt, 21. Mai. Im Herbst vorigen Jahres hatte ein Dr. Schumacher, zuletzt in Wien, unter dem NamenIsis hier eine unter Leitung des Arztes Dr. Lang aus München stehende Heilanstalt eröffnet. Im März d. J. wurde Schumacher wegen Betrugs in Unter⸗ suchungshaft genommen, nunmehr ist er gegen Kaution von 20 000 4 aus der Untersuchungs⸗ haft entlassen worden. Oberlaudesgerichtsrat Maurer wurde in den Ruhestand versetzt.

* Herdorf b. Betzdorf, 21. Mai. Anfangs diese Woche ereignete sich bei der Einführung des neuen katholischen Pfarrers ein gräßlicher Un⸗ glücksfall. Beim Böllerschießen zerplatzte einem jungen Mann von 24 Jahren auf unaufgeklärte Weise ein Pulverglas in der Tasche und ver⸗ letzte ihn schwer. Am Nachmittag sollte der Un⸗ glückliche, der die einzige Stütze seiner ver⸗ witweten Mutter ist, in die Klinik nach Gießen gebracht werden, starb aber unterwegs auf der Station Sinn bei Herborn.

Vermischtes.

ueber die moderne Verhunzung der Illustrationstunst schreibt Ludwig Pietsch in der Vossischen Zeitung: Von diesen illustrirten Modernen suchen die Einen ihr Heil darin, zu werden wie die Kind⸗ lein, die Anderen übertragen den vielbeliebten Plakatstil auf die Illustration oder stammeln den japanischen Manieristen nach. Und all dies armselige, innerlich ver⸗ logene Zeug wird mit ernsthafter Miene von einer Schaar von Propheten als hocherfreuliche Zeichen des angeblichen

neuen frischen Aufschwungs der Illustrationskunst, des Stilgefühls u. s. w. verherrlicht und uns Deutschen an⸗ gepriesen... Ja es scheint die höchste Zeit, daß die Klassiker unserer so hochstehenden Illustratlonskunst mit Keulenschlägen gegen diese moderne Verhunzung allen Geschmacks, jeden Schönheitssinnes, aller Gesetze der Plastik und Perspektive ꝛc. losziehen und ihre Jünger in ihre Sudelpfützen verjsagen. Diese Geschmacksverirrungen ge deihen namentlich in der Münchener WochenschriftDie Jugend, wo die Verzerrungen der Gestalten, die Schmiereret der Linienmaleret, die Roheit der aus wirrem Gehirn entsprungenen Leistungen und Randverzierungen alles Vernünftige überwuchern. Das Schlimmste aber ist, daß diese Verirrung nicht nur in der Malerei, sondern auch in dem Schnitt der Schriften platzgreift. Auf dem besten Wege die Antiquaschrift immer mehr an die Stelle der Fraktur, sogenannten deutschen Schrift, zu heben, da diese nichts ist als eine durch Mönche verschnörkelte lateinische Schrift, bringen uns die Schriftgießereien jetzt Schriften auf den Markt, die nicht nur die Urschrift, die lateinische, sondern auch die Fraktur in der unglaublich geschmack⸗ losesten Weise verunzieren. Man sehe nur die mit solchen Schriften gedruckten Reklamen, Anzeigen und Gelegenhelts⸗ schriften an, und man wird merken, daß auch hier die Kunst wie in der Malerei versumpft.

Auszug aus den Kirchenbüchern der evangelischen Gemeinde. Matthäusgemeinde.

Taufen.

Am 20. Mali. Dem Metzgermeister und Wirt Georg Kraft eine Tochter, Luise, geb. den 16. März.

Trauungen.

Am 15. Mai. Wilhelm Schöttler, Lehramtsassessor zu Groß⸗Umstadt und Anna Melusine Sidonie Cäcllie Lutse Rodemer, Tochter von dem verstorbenen Mitprediger zu Bad Nauheim Georg Rodemer. Am 16. Mai. Karl Martin Rudolf Buchacker, Kaufmann zu Gleßen, mit Karoline Hoß, Tochter von dem verstorbenen Schreinermeister Johann Martin Hoß zu Gießen.

Markusgemeinde.

5 Taufen. Am 16. Mai. Dem Schneider Heinrich Heinze ein Sohn, Gustav, geb. den 25. November. Dem Kaufmann Heinrich Arnold II eine Tochter, Anna Margarethe Christine Erna, geb. den 16. März. Dem Schrlftsetzer Adolf Hensel ein Sohn, Paul Wilhelm Adolf, geb. den 21. April. Dem Bäckermeister Ludwig Keil eine Tochter, Marie Lina, geb. den 3. April. Trauuugen.

Am 15. Mai. Karl Hammel, Bureaugehilfe zu Gießen, mit Karoline Merte, Tochter von dem verstor⸗ benen Schreiner Johannes Merte zu Gladenbach.

Neueste Telegramme.

Hd. Berlin, 22. Mai. Eine öffentliche Versammlung von Frauen und Mädchen, in welcher gegen den neuen Vereinsgesetzentwurf Protest erhoben werden soll, ist zum nächsten Dienstag einberufen. Das Referat liegt in den Händen der Frau Zetkin-Stuttgart.

Hd. Wörishofen, 22. Mai. Das gestern hier zirkulierende Gerücht, Pfarrer Kneipp sei gestorben, bewahrheitet sich nicht. In dem Be⸗ finden des Prälaten ist bis gestern keine Aende⸗ rung eingetreten. Pfarrer Kneipp giebt selbst die Hoffnung seiner Wiederherstellung auf.

Hd. Kopenhagen, 22. Mal. Die gestern erfolgte Abreise des Prinzen Johann von Glücksburg, des Bruders des Königs, nach Petersburg, um dem Zaren einen Besuch abzu⸗ statten, wird hier in engste Verbindung mit der Kriegsfrage gebracht.

Hd. Athen, 22. Mai. Die Regierung glaubt, daß die Friedensverhandlungen binnen 14 Tagen beendet sein werden und die Kriegsentschädigung auf 50 Millionen Francs herabgesetzt werden wird. Die Blätter melden, Rußland werde die Kriegsentschädigung für Griechenland zahlen und die Türkei außer einigen Stationen an der Grenze auch Aktiane fordern, um den ambrosischen Golf ganz zu beherrschen.

Marktpreise.

Gießen, 22. Mai. Auf dem heutigen Wochen markte kostete: Butter per Pfd. 90 1,00, Hühnereier 2 St. 911 Pfg., Enteneier 6 Pfg., Gänseeier 11 Pfg., Käse 58, Käsematte 3, Erbsen per Liter 18, Linsen 27 Pfg., Tauben per Paar 0,70 0,90, Hühner p. St. 1,20 1,40, Hahnen 1,30 1,50, Enten 1,70 2,00, Gänse per Pfund 48 54, Ochsenfleisch 66 74, Kuh⸗ und Rindfleisch 60 bis 66, Schweinefl. 56 66, Schweinefl., gesalz. 70-72, Kalbfleisch 50 54 Pfg., Hammelfleisch 50 65, Kartosseln pro 100 Kilo 4,50 5,50, Zwiebeln per Zentner 8 9 Mk., Kirschen per Pfund 50 Pfg., Milch per Liter 16 Pfg.

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Verleger: Paul Bader in Marburg, Verantw. Redak⸗ teur: Voftlgelm Sell in Gießen; Druc der E. Ottmannschen Buchdruckerei, Gießen, Schloßgasse 18.