wachte, hatte sie die„schönsten blauen Augen von der Welt.“ Ich hatte das Vergnügen, eine Stunde vor der Trauung die Spuren des Unfalles wegzuzaubern, und ich versichere Sie, der glückliche Bräutigam hat von der Ver⸗ änderung der„holden Sternetz nichts bemerkt. Ergötzlich wars, wie Seine Majestät der König der Maoris sich bei uns in einen Weißen verwandeln ließ. Ich will Ihnen zum Schluß noch einen Autograph zeigen, der Ihnen er⸗ klären wird, was die Welt, was die Theatenwelt vor Allem, an mir hat— sagte Herr Clarkson, und holte sein Album herbei. Da stand unter Hunderten von Widmungen berühmter Männer und Frauen auch folgende Dedication:„Meinem lieben Willie Clarkson, dem Trost und Verjünger meines abwärts eilenden Lebens— seine dankbare Mrs. Lillie Langjry“.(Mrs Langtry ist die hervorragendste Schauspielerin des„Lyceum“).
— Kanada⸗Scherze. Aus New⸗York wird be⸗ richtet: In Simcoe in Kanada hat man am letzten Dienstag einen Mann hypnotisirt und ihn daun in einen Sarg gelegt und begraben. Zwei Tage darauf sollte er in einem Theater wieder zum Leben erweckt werden. Als die Vorstellung beginnen sollte, war das Theater gedrängt voll von Menschen. Dann brachte man den Sarg auf die Bühne, der Mann wurde herausgenommen, und der Hypnotiseur begann, die Hypnose von ihm zu nehmen. Er wachte richtig wieder auf, hatte aber kaum sein Bewußt⸗ sein wieder erlangt, da sprang er auf die Füße und fing an, wie ein Wilder um sich zu schlagen. Zuerst zerschlug er den Sarg, in dem er gelegen hatte, dann die Tische und Stühle, und zuletzt gingen die Fensterscheiben in Stücken. Dann stürzte er sich auf die Leute, welche auf der Bühne beschäftigt waren, und fügte mehreren von ihnen ernstliche Verletzungen zu. Zuletzt riß er, scheinbar mit übernatürlicher Kraft begabt, einige Bretter vom Fuß⸗ boden der Bühne los, ging damit in das Orchester hinunter und schlug um sich, und dann stürzte er sich noch in den Zuschauerraum, und die Zuschauer flüchteten in voller Panik. Endlich gelang es fünf Männern den neu zum Leben Erweckten zu Boden zu werfen und
solange festzuhalten, bis der Anfall von Raserei vor⸗ über war.
— Künstlerinnenbildnisse auf Banknoten und Münzen.„Man schreibt den„M. N. N.“ aus Frankfurt: Sie berichteten kürzlich nach der„Frankf. Ztg.“ über die Galanterie der Ungarn, die das Porträt einer ihrer beliebtesten Künstlerinnen, der Frau Luise Blaha, als Genius in die eine Ecke ihrer neuen Tausend⸗ Kronennoten drucken ließen. Eine solche Ehrung, von der die„Frankf. Ztg.“ annimmt, daß sie bis jetzt nur gekrönten Häuptern zu Theil geworden sei, ist nicht neu. Im Jahre 1858 wurde in Frankfurt am Main der damaligen freien Reichsstadt, ein Thaler(sogenannter Ver⸗ einsthaler) geprägt, der auf der einen Seite den Frank⸗ furter Adler, auf der anderen einen fein ausgearbeiteten Kopf der Francofurtia zeigt, dem zu beiden Seiten der Eschenheimerthuimm und der Dom in seiner damaligen Gestalt beigefügt waren. Die Züge der Frankfurter Genius sind die der berühmten Schauspielerin Fanny Janauschek, die zu jener Zeit in Frankfurt engagirt war und am Anfange ihrer glänzenden Künstlerbahn stand. Der Schöpfer des originellen Bildnisses war A. v. Nordheim. Die Thaler, die nur noch in wenigen Exemplaren vorhanden sind und mit hohem Aufschlag bezahlt werden, heißen hier„Janauscheksthaler“.— (Anmerk. d. Red. d.„H. E.“: Letzteres trifft nicht zu. Man trifft den Thaler noch im Verkehr und ein hoher Aufschlag wird für sie von Münzhändlern nicht bezahlt. Im Publikum gilt übrigens irriger Weise das Bildniß der Janauschek als Konterfei einer intimen Freundin Rothschilds, genannt:„Anna von Nordheim“.)
— Tragödien aus der Pariser Lebewelt. Die Pariser Welt, in der man sich nicht langweilt, hatte am 2. d. M. ihren„schwarzen Sonntag“ zu verzeichnen. Die 25jährige Madame Riveiron, geschiedene Gattin des Marquis Bourgoignon⸗Dupere, die zuletzt Schauspielerin war, lebte mit einem Zeichner, Georges Moreau, den sie am Sonntag infolge eines Streites mit seinem eigenen Stilet erstach; hierauf stürzte sie sich selbst durchs Fenster
aufs Pflaster hinab. Die Zerschmetterte wurde noch lebend aufgehoben. Ihr Gatte, Marquis Bourgoignon, lebt mit seinen beiden Töchterchen aus dieser Ehe in England. Ferner machte der Selbstmord zweier Halb⸗ weltdamen Sensation. Die eine davon, Lucette de Varennes, war besonders bekannt als die Geliebte des Sohnes eines sehr bekannten, reichen, hohen Militärs. Lucette knüpfte hinter seinem Rücken ein anderes Verhält⸗ nis an, worauf ihr Verehrer ihr die reiche Dotation ent⸗ zog. Lucette, ohnedies gewohnt, das Geld zum Fenster hinauszuwerfen, geriet in Verlegenheiten, die sie lebens⸗ überdrüssig machten. Lucette vergiftete sich und war so⸗ fort tot. Die andere Demimondaine nannte sich Leontine de Courcy. Leontine erstickte sich mittels Kohlengas, weil sie ihre bedeutenden Ersparnisse in Spekulationen verlor.
7 1 0 5 1 5 250 Neueste Telegramme.
Hd. Berlin, 6. Mai. Der Kaiser hat gestern, wie der„Lokalanz.“ berichtet, den Reichskanzler durch einen besonderen Kurier zu sich entbieten lassen, um sich von ihm abermals über die Novelle zum Vereinsgesetz und die Militär⸗Straf⸗ prozeß⸗Novelle Vortrag halten zu lassen.
am 1. Januar 1898 ins Leben tretenden thüringisch⸗anhaltischen Lotterie wurde endgültig Gotha bestimmt.
Hd. Wien, 6. Mai. Nach hierher gelangten Meldungen griffen türkische Truppen in be⸗ trächtlicher Stärke das griechische Centrum, welches vom Kronprinzen befehligt wird, an. Die Türken wurden schließlich zurückge— schlagen.
Hd. Wien, 6. Mai. Die als unmittelbar bevorstehend angekündigte Vermittelung der
Hd. Weimar, 6. Mai. Als Sitz der
Mächte zwischen Griechenland und der Türkei, ist, wie amtlich bestätigt wird, gestern er⸗ folgt. Alle Mächte sind in dem Entschluß einig, die griechische Dy mastie unter allen
Umständen zu retten und eventl. durch Landung von Truppen in Athen zu schützen. Griechenland hat indeß erklärt, die:
Vermittelung nicht in Anspruch nehmen zu wollen, trotzdem der König selbst für dieselbe ist. 1715 Mächte stehen daher vor neuen Schwierig⸗ eiten.
Hd. Brüssel, 6. Mai. Ein hochge⸗ stellter Kongo⸗Beamter erklärte gestern, der Aufruhr der Eingeborenen von Ndirtzi im Uelle⸗Gebiet sei leicht be⸗ greiflich. 5 belgische Offiziere hätten nämlich unter Androhung von körper⸗ lichen Züchtigungen eingeborene Unteroffiziere gezwungen, ihren Stammes⸗Verwandten Elfenbein und Kautschuk mit Gewalt abzunehmen und die abgehauen en Hände der Widerspenstigen vorzuzeigen. Da⸗ raufhin sei die Revolte ausgebrochen und die Offiziere getötet worden.
Gottesdienst in der Synagoge. Samstag, den 8. Mai 1897.
Vorabend: 715 Uhr.
Morgens: 830 Uhr.
Nachmittags: 4 Uhr.
Sabathausgang: 8˙e Uhr.
Verleger: Paul Bader in Marburg, Verantw. Redak⸗ teur: Wilhelm Sell in Gießen; Druck der E. Ottmannschen Buchdruckerei, Gießen, Schloßgasse 13.
Bekanntmachung.
Die Grundbesfitzer, welche ibren Grundbesitz entweder ganz oder teilweise nicht selbst be wirtschaften, werden hierdurch aufgefordert, bei der Bürgermeisterei derjenigen Geme ende, in deren Gemarkung die Grundstücke liegen, bis zum 1. Juni l. J. schrift'ich oder mündlich zu Protokoll den Antrag zu stellen, daß der auf die Steuerkapitalien ihrer Grundstücke oder einzelner derselben entfallende Beitrag zur Berufsgenossenschaft von einem Anderen, als Be⸗
triebsunternehmer zur Zahlung Verpflichteten, e hoben werden.
Die Anträge müssen auch die
nztigen Angaben Über die Pachterträgnisse der einzelnen Lose enthalten. Sodann wird zur öffentlichen Kenntnis gebracht, daß nach§ 10 der Verordnung vom 11. Inli 1888 von nachverzeichneten Objekten ein Beitrag zur Berufsgenossenschaft nicht er—
hoben wird:
1) von Grundstücken, welche zu einem land- oder sorstwirtschaftlichen Betriebe überhaupt
nicht gehören;
2) von allen Gebäuden nebst zugehörigen Hofräumen, Haus- und Ziergärten;
3) von Grundstücken von Betrieben, deren Sitz außerhalb des Landes gelegen ist;
4) von steuerpflichtigen Grundstücken, deren land- und forstwirtschaftliche Benutzung dauernd eingestellt ist, sei es, daß jede Nutzung aufgehört hat, sei es, daß an Stelle der land- oder forstwirtschaftlichen eine gewerbliche Benutzun; eingeteten ist(3. B. Ver⸗ wandlung eines Ackers in einen Steinbruch).
Diejenigen Grundbesitzer, welche derartige Befreiungsgründe, die sich der amtlichen Kennt⸗
nis entziehen, geltend machen können, werden aufgefordert, die Befreiung bei der Bürger⸗ meisterei derjenigen Gemarkung, in welcher das Grundstück gelegen ist, bis zum 1. Juni l. J.
zu beantragen. l Gießen, den 4. Mai 1897.
Großherzogliches Kreisamt Gießen.
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bis zum 10. Mai bei der Bürgermeisterei einzureichen.
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